Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sinnvolle Zusatzbezeichnungen für Hausarzt/Neurologie
Sealwolf
06.07.2024, 09:44
Guten Morgen! Ich bin derzeit angestellter Allgemeinmediziner (MVZ) und denke darüber nach, welche Zusatzbezeichnungen oder andere Fortbildungen sinnvoll sein könnten. Was ja von den Pat. viel nachgefragt wird sind Schmerzen des Bewegungsapparates. Hier haben wir meiner Meinung nach in der "klassischen" Ausbildung eine deutliche Lücke; ich würde super gerne etwas manuelle Therapie (oder andere helfende Kurzinterventionen) anbieten. Habe ich informiert, scheue aber die lange und teure Ausbildung zur MT; mal ehrlich: braucht man das wirklich wenn 90% der Leute einfach nur mit "Hexenschuss" oder aber Tennis/Golferellenbogen kommen? Gibts da keine Crashkurse oder ähnliches?
Als zweites habe ich über Hypnosetherapie nachgedacht, da auch sehr viel Rachentwöhnung, Gewicht, Schlafstörungen vorgetragen werden.. das gibt es als recht knackige Ausbildung (2x16 Stunden) und man kann danach glaub sogar ne Ziffer abrechnen. Was haltet Ihr davon?
Des weiteren bin ich an der Reisemedizin vorbeigekommen.. das ist ne Woche Kurs und man kann Gelbfieberimpfstelle werden. Auch Reiseberatung wird viel nachgefragt und ist halt praktischerweise Privatleistung.
Ich betrachte o.g. nicht unter finanziellen Aspekten; alles interessiert mich davon, strategisch wäre es aber auch nicht abwegig das in Hinsicht einer evtl. späteren Niederlassung zu planen (bin FA Allgemeinmedizin und Neurologe, derzeit nur als ersteres tätig). Freue mich über Euren Input! Schönes Wochenende! S.
G
Als zweites habe ich über Hypnosetherapie nachgedacht, da auch sehr viel Rachentwöhnung, Gewicht, Schlafstörungen vorgetragen werden.. das gibt es als recht knackige Ausbildung (2x16 Stunden) und man kann danach glaub sogar ne Ziffer abrechnen. Was haltet Ihr davon?
Diese Kurzform wird im Sinne eines Entspannungsverfahrens (wie Autogenes Training und PMR) gelehrt und ist als solches anzuwenden und durchaus empfehlenswert bzgl. Rauchen, Gewicht oder auch Nadelphobien u. ä.; bei Schlafstörungen wäre ich schon kritischer (weil sie oft ein psychiatrisches Symptom sind). Als Nicht-Psychospezialist würde ich da auf keinen Fall tiefer einsteigen, da das bei manch einem zu unerwünschten Effekten führen kann, die dann schwer händelbar sind.
Ähnliche Fragen stelle ich mir auch gerade, ich würde auch gern Kurzinterventionen machen. Immerhin quaddele ich manchmal und benutze das Novafon (Schallwellentherapie, Igel-Leistung). Mein Kollege macht Akupunktur. Finanziell lohnt sich das aber wohl nur bei LWS und Kniebeschwerden bei Nicht-HZV-Patienten.
Was ich schon für mich mache, nicht abrechnungsrelevant, ist die Sonocoach-Weiterbildung, die auch echt sehr gut ist - und eine freiwillige, fortlaufende Balintgruppe.
MissGarfield83
06.07.2024, 17:45
Palliativmedizin ist eine sinnvolle Ergänzung.
Man muss ja nicht die ganze MT machen, das ist ja in +_ 8 Module unterteilt, da kannst du ja mal anfangen und schauen.
Reiseberatung machen einige nur noch, weil sie Lust drauf haben, wirklich viel kannst du mWn nicht abrechnen, außer du hebst die GOÄ ganz schön fleißig...
Wenn man tiefere Kurse macht (zB Fachzertifikat Reisemedizin der DFR), kann man auch weltwärts-Volunteers untersuchen, das ist auch nicht allzu schlecht vergütet, aber teils MWSt-pflichtig.
Palli, Geri, Ernährungsmedizin sind teils auch gern genommen. Geri vielleicht, um nebenher in nem Krankenhaus den Aufpasser der Unfallchirurgen zu spielen?
ehem-user-19-05-2025-1430
17.07.2024, 13:37
Definition von "sinnvoll" ist hier spannend und u. a. davon abhängig ob als Angestellter oder als selbständiger.
Für mich ist eine sinnvolle ZB eine ZB die mir 1.) Spaß macht, 2.) fachlich/ärztlich sinnvoll ist und 3.) finanziell lohnenswert bzw mindestens die Opportunitatskosten decken (also wenn ich in der Zeit normale Allgemeinmedizin mache + Fobikosten + Verdienstausfall während fobi usw.). Bei 3. spielt dann auch sehr rein mit wie viel Aufwand sich die ZB in den normalen Praxisalltag integrieren lässt.
Unter dieses Gesichtspunkten ist es gar nicht einfach. Betriebsmedizin bspw macht mir keinen Spaß, ist aber finanziell lukrativ und medizinisch ist es auch im weiteren Sinne notwendig. Ernährungsmedizin find ich interessant, ist für die Patienten gut, lohnt sich finanziell nicht usw....
Will damit sagen insbesondere wegen 1) ist es individuell sehr unterschiedlich (ich finde zb Diabetologie einfach langweilig, die 300 normalen DM2 Patienten die ich als normaler Hausarzt hab reichen mir völlig, andere gehen darin voll auf).
Sinnvoll für mich ist vor allem Palliativmedizin(Interessant, fachlich sinnvoll, macht man als Hausarzt sowieso mit dem Unterschied dass man es mit ZB abrechnen kann und es ohne pro bono macht), ggf auch Notfallmedizin (keine Synergieeffekte in der Praxis aber macht Spaß und kosten kommen rein), Reisemedizin (Abwechslung, leicht zu integrieren, eher junge und nette Patienten bleiben hängen, paar Euros als Privatleistung), dann hört es bei mir fast schon auf....bis jetzt ;)
Würde mich aber tatsächlich auch interessieren was so alten Hasen diesbezüglich denken... :)
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