Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zukunft der Vorsorge auf dem Land
PJ-Portalerin
13.07.2024, 16:03
Hallo,
habe letzte Woche mitbekommen, wie in meiner Heimat ein MVZ, das eigentlich die Versorgung mit Fachärzten irgendwie sicherstellen sollte, wohl zugemacht hat und dass die Leute so schlecht versorgt sind, hat mir richtig Bauchweh gemacht. Es geht um mehrere Fachrichtungen, von denen es dann viel zu wenige (zT noch ein einziger FA bei 30k Einwohnern, Umkreis der mitverdient wurde nicht eingerechnet) Fachärzte gibt.
Mein ursprünglicher Plan als ich damals mit dem Studium angefangen habe, war irgendwie dazu beizutragen, dieses Loch zu stopfen, aber ich kann (und will) nur einen Facharzt machen.
Denkt ihr es wird möglich sein, in Zukunft à la Gemeindeschwester als eine Person auf Gyn-Abstriche, Hautkrebsscreenings und Prostatasonos etc. zu konzentrieren, quasi als Präventionsmediziner? Da wär ich voll dabei, habe aber bisher nichts in die Richtung mitbekommen.
Die meisten Menschen gehen eh schon nicht gerne zur Vorsorge, das muss doch irgendwie niederschwellig möglich bleiben.
Habt ihr was gehört oder wisst um irgendwelche Lösungen?
Liebe Grüße
Dann ist doch eigentlich Allgemeinmedizin ganz eindeutig das Fach, das du wählen solltest, meinst du nicht?
Viel davon machen Hausärzte ja schon heute. Und ich bin fest davon überzeugt, dass man noch viel mehr dieser Aufgaben den Hausärzten übertragen könnte (und in Zukunft wird müssen). So wie es auch in anderen Ländern (USA, Kanada, Schweden, Norwegen, etc.) heute schon üblich ist.
In diesen Ländern gibt es ja auch viele andere Ansätze, die man übernehmen könnte, wie z.B. telemedizinische Konsile oder telemedizinische Begutachtungen.
Man sollte nicht vergessen, dass das Leben in weniger dicht besiedelten Gegenden etliche Gesundheitsvorteile bietet. Nicht umsonst ist das Risiko psychischer Erkrankungen in Großstädten deutlich erhöht. Die Vorstellung, dass man die extreme Urbanisierung Zentraleuropas der letzten Jahrzehnte kritiklos weiter befeuert, kommt für mich einem Alptraum gleich. Aber da muss das Gesundheitssystem natürlich offen für Veränderungen sein - andere Länder wissen ja, wie es geht. Muss man gar nicht groß kreativ sein, sondern einfach nur gut erprobte Konzepte übernehmen.
PJ-Portalerin
03.10.2024, 07:41
Danke noch für deine Antwort :)
Allgemeinmedizin ist mir zu breit gefächert, insbesondere mit allen möglichen (fachärztlichen) Vorsorgen und wenn ich sehe, dass viele auch darum kämpfen müssen, dass ein Hausarzt sie aufnimmt, hoffe ich, dass nicht noch mehr Überforderung auf die Ärzte in diesem Fach zukommt. Bis jetzt kenne ich nur Hautscreenings beim Hausarzt (dafür braucht man ja nur Augen für).
Ich bin gespannt, wie es sich in Zukunft entwickelt und hoffe dass eine gute Lösung gefunden werden kann.
Nefazodon
03.10.2024, 12:28
(...)Es geht um mehrere Fachrichtungen,(...)
Mein ursprünglicher Plan als ich damals mit dem Studium angefangen habe, war irgendwie dazu beizutragen, dieses Loch zu stopfen, aber ich kann (und will) nur einen Facharzt machen.
Denkt ihr es wird möglich sein, in Zukunft à la Gemeindeschwester als eine Person auf Gyn-Abstriche, Hautkrebsscreenings und Prostatasonos etc. zu konzentrieren, quasi als Präventionsmediziner?
(...)
Allgemeinmedizin ist mir zu breit gefächert, insbesondere mit allen möglichen (fachärztlichen) Vorsorgen und wenn ich sehe, dass viele auch darum kämpfen müssen, dass ein Hausarzt sie aufnimmt (...)
Das ist jetzt leicht widersprüchlich.
Einerseits möchtest Du die Versorgungslücke schließen, die durch den Wegfall gleich mehrerer Fachärzte ensteht und Du erkennst auch den Mangel an Hausärzten, andererseits schließt Du Allgemeinmedizin als Fach für dich aus.
Wie passt das zusammen?
Wenn es dir wirklich um den Mangel in deiner Region geht und Du helfen möchtest diesen zu decken, wäre Allgemeinmedizin doch die sinnvollste Wahl.
Was nützt es mir als Einwohner auf dem Lande, wenn ich zwar einen guten Spezialisten für xy habe, aber keinen Hausarzt?
Ein guter *Generalist*, und das sind *Allgemeinmediziner* per Definitionem ist da mehr wert.
Außerdem sprichst Du in deinem Post Vorsorgeuntersuchungen aus verschiedenen Fachrichtungen an. Wenn Du das wirklich so machen wolltest, bleibt auch kein anderes Fach als Allgemeinmedizin. Oder möchtest Du später als Gynäkologin Prostatasonos anbieten?
PJ-Portalerin
03.10.2024, 13:27
Allgemeinmedizin ist mir eben zu breit, ich denke ich würde aus Angst, irgendwas zu übersehen, zu viel Diagnostik machen (ich weiß, dass man da spätestens in der Abrechnung Ärger bekommen würde und in der Ausbildung auch seine Grenzen gesteckt bekommt). Ich möchte lieber „Fachidiotin“ in einem enger definierten Fachbereich sein. Gleichzeitig finde ich es schade, dass die Qualität der Hausärztinnen Hautscreenings nicht besonders gut ist, 90% werden wegen Unsicherheit doch zum Hautarzt überwiesen (aber es ist eben „on top“, deshalb schon für mich nachvollziehbar). Hätte es irgendwie cool gefunden, wenn man hochqualitative und niederschwellige Vorsorge anbieten kann und sonst eben nichts.
Kackbratze
03.10.2024, 13:29
Als 2h-Arzt pro Woche darfst Du in Zukunft in solchen Gebieten die Gesundheitskioske bereisen. Jeweils 2h irgendwo, dann 2h Reise woanders hin und dann immer so weiter.
So wie es mit den Apotheken geplant ist seitens des Gesundheitsministeriums.
Den Rest macht die KI mit dem Fitbit-Armband (sorry, dem neuen GeKoFreBa (GEsundkeitsKOntrollFReiheitsBAnd - nur kompatibel mit Android12, iOS 14 und den staatlichen WLans im Einwohnermeldeamt ab mindestens 15k Einwohner))(Alternativ kann man per USB die Daten ausdrucken und an die zentrale Meldestelle für GeKoFreBa-Daten in Oer-Erkenschwick faxen), der bezahlte Dulli ohne Ausbildung in dem Kiosk oder eben Du, wenn die Leute, die per KI benachrichtig wurden zu deiner "Spezialsprechstunde" vor Ort auch da sind.
Entweder Du willst ein "Generalist" werden, dann ist der breit ausgebildete Allgemeinmediziner dein Facharzt der Wahl, oder Du bist ein Spezialist in der Niederlassung der vielleicht auch den neuen Ausschlag in der Achselhöhle oder die komische Beule am Rücken anschauen kann, aber als Gynäkologe in dem restriktiven System damit exakt nichts machen darf ausser "gehen sie mal damit zum Allgemeinarzt oder zu dem Spezialisten XXX - ich darf sie nicht überweisen. Aber einen PAP-Abstrich kann ich noch kurz machen".
Gleichzeitig finde ich es schade, dass die Qualität der Hausärztinnen Hautscreenings nicht besonders gut ist, 90% werden wegen Unsicherheit doch zum Hautarzt überwiesen
Ist das nicht der Sinn des Hausarztes? Kontrolle und Leitung der Patienten? Die Zeiten bei denen der Hausarzt gleichzeitig das Hautkrebsscreening, die vollständige Exzision und die plastische Deckung des Defektes zusammen mit der Entbindung der gerade kalbenden Kuh und die Euthanasie der alten geliebten Hauskatze übernommen hat im Rahmen des 4h Hausbesuches sind (ausser im ZDF) vorbei.
Diese Screenings werden mehr und mehr in entsprechende Apps ausgelagert werden.
PJ-Portalerin
03.10.2024, 13:35
Danke für deine Meinung dazu.
Kann der Hausarzt überhaupt PAP-Abstriche und Prostatavorsorge bei gesetzlich Versicherten (nicht als IGeL) abrechnen?
ehem-user-19-05-2025-1430
03.10.2024, 16:19
1) das was du Ansprichst ist doch 1zu1 der ländliche Allgemeinmediziner, gibt's tausendfach und wird gebraucht wie nie zuvor
2) bezüglich deiner Angst etwas zu übersehen: man spezialisiert sich ja als allgmeinmediziner auf die Situation der primärärztlichen Versorgung. Ist auch nicht anders wie in anderen Fächern. Man wächst mit seinen Aufgaben.
3) wie überwiesen vllt 10-20% der Hautkrebsscreenijg fälle weiter....keine 90....
ehem-user-19-05-2025-1430
03.10.2024, 16:20
Kann der Hausarzt überhaupt PAP-Abstriche und Prostatavorsorge bei gesetzlich Versicherten (nicht als IGeL) abrechnen?
Ja kann er beides abrechnen. Prostata immer und Pap nur wenn man 12 Monate Weiterbildung gyn nachweisen kann (je nach KV anders).
Man muss nicht nur 5 Jahre Weiterbildung machen, um Allgemeinmediziner zu werden, sondern man kann auch viel länger die Ausbildung machen. 2 Jahre Innere, 2 Jahre Gyn, 2 Jahre Uro, 2 Jahre Chirurgie und dann kann man wahrscheinlich einen Großteil der konservativen Medizin der Fächer abdecken. Dann dauert der Facharzt doppelt so lang, aber man war auch länger Arzt, ist gefestigter im Leben und ist bereit, als absoluter Einzelkämpfer auf dem Land (wobei das relativ ist, gibt doch kein Ort in Deutschland, wo man nicht innerhalb einer Stunde im KKH ist) zu bestehen. Und auf dem Land mit massiver Unterversorgung kannst du Spezialverträge mit der KV aushandeln, um die eine oder andere Ziffer mehr abrechnen zu können. Doppelzulassungen gibst eher auf dem Land als in der Stadt...
Feuerblick
04.10.2024, 11:08
Vor allem: Was soll ein Mediziner (egal welcher Fachrichtung) bringen, der random irgendwelche Vorsorgeuntersuchungen macht und abrechnet, der aber vom jeweiligen Fach keine Ahnung hat, weil ihm/ihr sogar die Allgemeinmedizin zu breit gefächert ist? Wie genau will so jemand die Ergebnisse der Vorsorge interpretieren? Die Indikation dafür stellen? Die Untersuchung korrekt durchführen? Sorry, aber das ist einfach Blödsinn.
Entweder Allgemeinmedizin wie von Trenn vorgeschlagen oder eine Fachrichtung und dann BITTE „Schuster bleib bei deinen Leisten“.
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