Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium Bielefeld
Hallo!
Ich habe mich an allen Unis in Deutschland für das Medizinstudium (Wintersemester 2024) beworben. Dieses Jahr habe ich 2024 mein Abitur gemacht und einen Schnitt von 0,8 erreicht. Ich werde wahrscheinlich (davon gehe ich aus) mehrere Zusagen bekommen, aber ich habe daran gedacht an der Uni Bielefeld zu studieren. Ich bin mir allerdings nicht sicher, den Studiengang Medizin gibt es in Bielefeld erst seit 3 Jahren; ich wäre also im vierten Jahrgang. Was haltet ihr von dem Studiengang Medizin in Bielefeld, oder gibt es hier jemanden, der selber in Bielefeld studiert?
Ich wäre dankbar für möglichst schnelle Antworten. Vielen Dank!
LG
Hi,
Ich habe ein FSJ im Krankenhaus gemacht und auf meiner Station war für einige Wochen eine Medizinstudentin für das Pflegepraktikum, die in Bielefeld studiert. Ich habe mich mit ihr über die Uni ausgetauscht. Sie sagte, dass es ihr im großen ganzen gut gefällt. Positiv fand sie, dass die Gruppen recht klein sind. Es gibt nur ca.60 Plätze und einige praktische Anteile sind integriert. Was manchmal schwer ist, dass es zum Teil noch sehr unorganisiert ist (sie war der zweite Jahrgang) und es gibt kaum bis gar keine Altklausuren. Der Studiengang ist ziemlich an einer hausärztlichen Tätigkeit orientiert. Sie fand es aber gut, weil sie sehr an der Allgemeinmedizin interessiert ist. Praktikas, Begleitung von Patienten über einen längeren Zeitraum finden zum großen Teil im hausärztlichen Bereich statt - man kann natürlich nach dem Studium jede andere Facharztweiterbildung machen. Es sollte einem aber klar sein. Näheres dazu steht auch auf der Uni Homepage.
Das war so das, was sie mir berichtet hat.
Hi, vielen lieben Dank für deine Antwort. Jetzt bin ich mir aber gar nicht mehr sicher, bis zum
25.7. muss ich mich spätestens entschieden ha en. Ich habe die Sorge, dass ich später aufgrund dessen, dass ich in Bielefeld studiere, im Berufsleben oder bezüglich Weiterbildung weniger Chancen habe, und mich dann ärgere, dass ich bei meinem Schnitt nicht doch eine andere Uni gewählt habe, weil ich ja theoretisch wahrscheinlich angenommen werde an größeren, bekannteren Unis.
Auch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ein Regel- oder ein Modellstudiengang besser ist…
Ich glaube nicht, dass es große Auswirkungen auf die spätere Jobsuche hat und am Ende haben auch alle einen gleichwertigen Abschluss. Bei der Entscheidung wo du studierst, würde ich darauf schauen worauf du Wert legst. Am Ende solltest du dich auch damit wohl fühlen. Genauso wie die Frage nach Regel- oder Modellstudiengang. Beide haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung was besser ist, ist immer subjektiv. Überlege dir doch mal in Ruhe, was dir in verschiedenen Bereichen ( wie z.B. Wohnkosten, Unigröße, Freizeitaktivitäten, Forschungsschwerpunkt, Nähe zur Familie etc.) besonders wichtig ist. Dann suchst du nach Unis, die deinen persönlichen Kriterien am besten entsprechen und priorisierst sie so.
Ich habe die Sorge, dass ich später aufgrund dessen, dass ich in Bielefeld studiere, im Berufsleben oder bezüglich Weiterbildung weniger Chancen habe, und mich dann ärgere, dass ich bei meinem Schnitt nicht doch eine andere Uni gewählt habe, weil ich ja theoretisch wahrscheinlich angenommen werde an größeren, bekannteren Unis.
Der Einfluss der Uniwahl auf die Berufschancen ist in der Medizin IMHO sehr gering. Ich würde eher darauf achten, ob du dich in der Stadt wohl fühlst, ob du dir das Leben am Studienort leisten kannst, ob die Semestergröße deinen Vorstellungen entspricht, usw.
Auch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ein Regel- oder ein Modellstudiengang besser ist…
Darauf gibts auch keine eindeutige Antwort. Der eine sieht es so, der andere so. Die Qualität des Bielefelder Studiengangs scheint jedenfalls nicht schlecht zu sein.
Relaxometrie
17.07.2024, 19:57
Bielefeld gibt es doch gar nicht.
Auch dir vielen lieben Dank für deine Antwort.
Ich dachte eigentlich auch immer, dass man an jeder Uni in Deutschland nach dem Medizinstudium des gleichwertigen Abschluss hat. Aber ein Arzt hat mir in der Klinik (ich mache da zurzeit ein Praktikum) erklärt, dass ich im meinen Chancen an einer kleinen Uni wie Bielefeld total eingeschränkt sein werde und auf dem Lebenslauf der Abschluss in z.B. Heidelberg über dem in Bielefeld steht. Deswegen bin ich auch total verwirrt.
Andererseits glaube ich, dass die Tatsache, dass bei mir im Studiengang nur 60 Studenten wäre und auch die Tatsache, dass man Klausuren im Bielefeld unendlich oft wiederholen darf (an anderen Unis hat man nur 3-5 Chancen).
Und auch die Tatsache, dass man in Bielefeld erst seit 3 Jahren Medizin studieren kann, hat der Arzt kritisiert, weil er meinte, eine Uni würde um die 50 Jahre brauchen, um sich vollständig organisiert zu haben.
Auch dir vielen lieben Dank für deine Antwort.
Ich dachte eigentlich auch immer, dass man an jeder Uni in Deutschland nach dem Medizinstudium des gleichwertigen Abschluss hat. Aber ein Arzt hat mir in der Klinik (ich mache da zurzeit ein Praktikum) erklärt, dass ich im meinen Chancen an einer kleinen Uni wie Bielefeld total eingeschränkt sein werde und auf dem Lebenslauf der Abschluss in z.B. Heidelberg über dem in Bielefeld steht. Deswegen bin ich auch total verwirrt.
Andererseits glaube ich, dass die Tatsache, dass bei mir im Studiengang nur 60 Studenten wäre und auch die Tatsache, dass man Klausuren im Bielefeld unendlich oft wiederholen darf (an anderen Unis hat man nur 3-5 Chancen).
Und auch die Tatsache, dass man in Bielefeld erst seit 3 Jahren Medizin studieren kann, hat der Arzt kritisiert, weil er meinte, eine Uni würde um die 50 Jahre brauchen, um sich vollständig organisiert zu haben.
Heerestorte
19.07.2024, 06:03
Der Arzt hat gelinde gesagt Quatsch geredet und vor allem ist man als 0815 Assistenzarzt auch gar nicht tief genug in der Materie drin um das beurteilen zu können. Klar, will man in ein kleines kompetitives Fach an einer Uni, hat ein Chef vllt mehr Bock auf jemanden aus Heidelberg (v.a. wenn die Person evtl. selbst dort studiert hat), aber ein viel wichtigerer Faktor wäre bei solchen Konstellationen Vitamin B durch PJ oder Famulaturen. Damit kann man meistens mehr punkten als mit Abschluss von XYZ.
Und selbst der beste Absolvent aus HD kann dann im Umgang mit Patienten absolut grottig und ungeeignet für die kurative Tätigkeit sein.
Deshalb mach dir da keinerlei Kopf, studiere in Bielefeld. Vor allem der Druck ohne Versuche ist ja cool, wenn das wirklich stimmt und genieße das Studentenleben!
Ok, vielen lieben Dank, du hast mir echt weitergeholfen und mir ein viel besseres Gefühl gemacht. Ich war mir total unsicher, nachdem ich mich mit dem Arzt unterhalten hatte.
Ja, ich habe mit der Studienberatung in Bielefeld gesprochen. Dort ist es tatsächlich so, dass man unendlich viele Versuche in Klausuren hat (außer bei den drei Staatsexamina).
Und wie oben schon gesagt, wären in meinem Jahrgang dann auch nur 60 Studenten.
Nochmal vielen lieben Dank für deine hilfreiche Antwort.
Und was denkst du bzgl. des Aspektes, dass es in der Uni Bielefeld den Studienganz Medizin erst seit drei Jahren gibt?
Relaxometrie
19.07.2024, 16:39
Aber ein Arzt hat mir in der Klinik (ich mache da zurzeit ein Praktikum) erklärt, dass ich im meinen Chancen an einer kleinen Uni wie Bielefeld total eingeschränkt sein werde und auf dem Lebenslauf der Abschluss in z.B. Heidelberg über dem in Bielefeld steht.
Welche Karrierestufe und wieviel wissenschaftliche Expertise hat denn der Arzt, der Dich da beraten hat?
Für Otto-Normalverbraucher-Arzt ist es -wie viele hier ja auch schon geschrieben haben- nicht wichtig, an welcher Uni Du studierst. Es gibt an jedem Standort gute und schlechte Fachbereiche/ Vorlesungen und im Studium ist es meiner Meinung nach das Wichtigste, dass Du Dich für Dein Studienfach interessierst, liest, neugierig bleibst, fragst und mit offenen Augen durch die Semester/ Praktika/ Famulaturen gehst. Und das ist wahrscheinlich (ich kenne ja nicht alle Unis, deswegen kann ich nur mutmaßen) an jeder Uni möglich.
Und auch die Tatsache, dass man in Bielefeld erst seit 3 Jahren Medizin studieren kann, hat der Arzt kritisiert, weil er meinte, eine Uni würde um die 50 Jahre brauchen, um sich vollständig organisiert zu haben.
50 Jahre halte ich für völlig übertrieben, aber 5-10 Jahre kann es schon dauern, bis sich alles richtig eingependelt hat. Obwohl mir sogar diese Schätzung eher lang vorkommt.
Diesbezüglich fragst Du am besten Kommilitonen aus Bielefeld. Die können Dir am besten sagen, ob es noch recht chaotisch zugeht, oder ob die meisten organisatorischen Dinge schon gut funktionieren.
Es war ein normaler Assistenzarzt auf der Station für Unfallchrirurgie, den ich gefragt habe.
Er meinte, es wäre eine „Verschwendung“, mit so einem guten Schnitt im Bielefeld Medizin zu studieren.
Aber was hältst du eigentlich davon, dass es in meinem Jahrgang nur 60 Studenten wären und davon, dass man unendlich viele Versuche für alle Klausuren hat in Bielefeld.
Relaxometrie
19.07.2024, 17:26
Aber was hältst du eigentlich davon, dass es in meinem Jahrgang nur 60 Studenten wären
Das kann ich nicht beurteilen. Könnte sein, dass die Lehre schlecht ist, weil man sich vielleicht sagt "Für 60 Studenten lohnt sich der Aufwand nicht."
Andererseits hoffe ich mal ganz stark, dass man sich das überlegt hat, bevor der Studiengang in Bielefeld gestartet wurde. Schließlich will die Uni sich ja nicht nachsagen lassen müssen, dass die Lehre so schlecht ist, dass ein Großteil der Studenten die Staatsexamina nicht besteht.
dass man unendlich viele Versuche für alle Klausuren hat in Bielefeld.
Das finde ich zwar etwas merkwürdig, aber letztlich ist es auch egal. Wirkt ein wenig so, dass man das Bestehen erzwingen möchte, anstatt Minderleistungen dann irgendwann auch mal auszusortieren.
Er meinte, es wäre eine „Verschwendung“, mit so einem guten Schnitt im Bielefeld Medizin zu studieren.
Aber was hältst du eigentlich davon, dass es in meinem Jahrgang nur 60 Studenten wären und davon, dass man unendlich viele Versuche für alle Klausuren hat in Bielefeld.
Arzt wirst du überall. Jede Uni hat ihre Vor- und Nachteile aber am Ende sind alle Ärzte und es fragt niemand mehr, wo man studiert hat. Wenn du unbedingt Karriere an der Charite machen willst, dann wärs natürlich sinnvoll, dort auch schon zu studieren um zeitnah "ins System" reinzukommen. Aber selbst wenn du in Bielefeld studiert, stehen dir alle Optionen offen.
Ich habe an einer Uni studiert, die seit den 50er Jahren Ärzte ausbildet und da lief auch nicht alles rund. Organisatorische Defizite wird man an jeder Uni finde. Hat jetzt aber meine ärztliche Tätigkeit auch nicht weiter beeinflusst, dass die Gyn-Vorlesungsfolien aus technischen Gründen nie hochgeladen wurde oder ständig das Blockpraktikum ausgefallen ist...
Aber ein Arzt hat mir in der Klinik (ich mache da zurzeit ein Praktikum) erklärt, dass ich im meinen Chancen an einer kleinen Uni wie Bielefeld total eingeschränkt sein werde und auf dem Lebenslauf der Abschluss in z.B. Heidelberg über dem in Bielefeld steht. Deswegen bin ich auch total verwirrt.
Andererseits glaube ich, dass die Tatsache, dass bei mir im Studiengang nur 60 Studenten wäre und auch die Tatsache, dass man Klausuren im Bielefeld unendlich oft wiederholen darf (an anderen Unis hat man nur 3-5 Chancen).
Und auch die Tatsache, dass man in Bielefeld erst seit 3 Jahren Medizin studieren kann, hat der Arzt kritisiert, weil er meinte, eine Uni würde um die 50 Jahre brauchen, um sich vollständig organisiert zu haben.
Dieser Arzt hat halt vom Arbeitsmarkt keine Ahnung. Der lebt noch in der Vergangenheit, wo es schwer war, eine Stelle zu bekommen, wo sich viele Bewerber komplett verbogen haben, damit sie endlich gnädigerweise eine Chance bekommen haben, sich zu Tode arbeiten zu dürfen.
Und die Aussage von wegen "vollständig organisiert" ist sowieso vollständiger Schwachsinn. Erstens gibt es einen solchen Zustand in einem dynamischen System gar nicht. Zweitens sind manche Unis Jahrhunderte alt, und schaffen es noch immer nicht, ihr Studium vernünftig zu organisieren :-))
Schau dir einfach mal https://www.studycheck.de/studium/medizin/uni-bielefeld-27182/bewertungen an - die Bewertungen sind notenmäßig und inhaltlich völlig in Ordnung, liegen IMHO im guten deutschen Durchschnitt. Das Studium dort scheint also gut gestartet zu haben.
Umgekehrt kann das Studium natürlich auch mit 120 oder 200 Studenten gut sein. Ob in der Vorlesung 60 oder 500 Leute sitzen ist ja eigentlich relativ egal. In allen Lehrveranstaltungen mit Praxis ist man ohnehin in Kleingruppen. Und man schafft das Studium in der Regel auch, wenn man "nur" drei Prüfungsantritte hat. Mit einem Abi von 0,8 wirst du an jeder Uni problemlos das Studium schaffen, sofern du die nötige Zeit investierst. Auch diese beiden Punkte wären für mich also kein wirkliches Argument.
Deshalb nochmal mein Tipp: Mach dir nicht zu viele Gedanken bzgl. Uniwahl, wähl einfach einen Studienort, an dem du dich wohlfühlst, in dem du fünf, sechs Jahre lang leben willst.
Vielen lieben Dank euch beiden für eure Antworten.
Davo, ich habe mir deinen Link angeschaut, und der hat mir total weitergeholfen. Da gibt es so viele gute Punkte, die angesprochen werden. Vielen vielen Dank.
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