Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Innere Berufsanfänger: Ab wann die ersten Dienste?
Humbertus
20.07.2024, 21:43
Ich würde gerne mal mein Leid klagen:
Seit Anfang April habe ich meine erste Stelle nach dem Studium begonnen. In einem kleinerem Haus in einer ländlichen Gegend. Mein Ziel: Allgemeinmedizin! Am Anfang hatte ich erstmal so 8-10 Patienten, aber die ersten 2 Wochen auch immer einen OA für Kurvenvisite und Visite an meiner Seite. Ich hatte zu Beginn das Gefühl: Man will mich gut einarbeiten! Und ich muss auch sagen: Stationsarbeit finde ich im großen ganzen ok, außer es ist mal wieder wer krank wenn schon wer in Urlaub ist und man hat dann 20+ Patienten. Briefe schreiben klappt inzwischen auch ganz gut dank Textbausteinen die man Online findet.
Einer der Oberärzte hat mir auch immer wieder gesagt das es echt wichtig ist das ich schnell bereit dazu werde Dienste machen zu können, explizit wurde es nie gesagt, aber unterschwellig kam folgendes durch: " Wer keine Dienste machen kann der geht am Ende der 6 Monate Probezeit".
Mein Problem: Wo ich gefühlt kein Fuß fasse oder mich verbessere ist die Notaufnahme. Sobald mehr Leute parallel kommen verliere ich den überblick und weiß gar nicht so recht was ich mit den Leuten machen soll. Oder vergesse Anordnungen für die Aufnahme im System wie z.B. Sauerstoff oder Schmerzmittel bei Bedarf. Auch wenn Leute mit was ganz akutem als echter Notfall kommen bin ich echt überfordert und eher in einer Schock-Starre als für den Patienten da. Auch bin ich wirklich übelst schlecht mit dem Ultraschall, komme im Klinikalltag nur sehr wenig zum üben und würde garantiert eindeutig pathologische Befunde übersehen. Ich schaffe es unter Druck irgendwie nicht in Algorithmen zu denken und für meine Patienten einen Fahrplan im Kopf zu haben.
Da jetzt bald mein 5ter Monat anfängt habe ich den Leitenden OA der für die Dienstpläne zuständig ist gefragt wie es den ausschauen würde mit Diensten bei mir. Bei uns im Haus sind 24h Dienste normal, aber zu Beginn macht man am Wochenende 12 Stunden Dienste von 8:00 bis 20:00. Als Antwort bekam ich zu hören das er mich noch als weit davon entfernt sieht Dienste zu machen. Das ganze macht mir jetzt irgendwie sorgen, schaffe ich es jetzt in nem kleinem ländlichen Haus gegangen zu werden weil ich eine zu große Katastrophe bin als Arzt? Sonst hört man ja immer "Hast Approbation, kannst Deutsch und hast optional nen Puls dann haste nen Job".
Zur Lage im Haus aktuell: Es gibt neben mir nur einen weiteren deutschen Assistenten (von insgesamt 9), die anderen kommen alle aus dem Ausland. Fachlich sind die gut, aber sprachlich haben viele noch Probleme, welche hauptsächlich in den Arztbriefen zum Vorschein kommen. Hab da schon öfter von nem OA gehört wie angenehm er es findet bei der Korrektur meiner Briefe nicht jeden Satz in "echtes Deutsch" übersetzen zu müssen. Auch haben 3 der anderen Assistenten noch keine Approbation. Die machen zwar zur Zeit alle 24 Dienste, aber ich habe über 2 Ecken gehört das da eine Änderung kommt die Ärzten ohne Approbation die 24h Dienste verbietet. Demnach hätten wir bald schlagartig einen großen Mangel an dienstfähigen Assistenten.
Wie war das bei euch? Wurden Leute gekündigt in der Probezeit wenn die OAs meinten das die keine Dienste schaffen?
Es passiert immer wieder, dass Leute gekündigt werden, an andere Abteilungen vermittelt etc. wenn sie nach einer gewissen Zeit den Anforderungen nicht entsprechen. Letztlich braucht eine Klinik Assistenten für die Dienste, den Stationsalltag können Oberärzte im Notfall auch irgendwie nebenbei machen. Und ein Assistent, der keine Dienste machen kann, ist keine wirkliche Entlastung für die Klinik.
Wie ist dein Verhältnis zu deinen Kollegen? Erklären sie dir viel? Oder helfen sie dir nicht, weil du etwas arrogant rüber kommst? (Verspüre ein bisschen den Vibe beim Lesen, weil du mehrmals deine Sprachkompetenzen hervor hebst) In der ZNA lernt man am meisten von den Kollegen, der neben einem sitzt, und da spielt Sympathie eine wichtige Rolle.
Um Sicherheit zu gewinnen braucht man Erfahrung. Und wenn man im Regeldienst nicht genug Erfahrung sammeln kann, weil man nicht schnell genug aufnahmefähig ist, wäre eine Lösung zusätzlich bei anderen (in der Freizeit) mit zu laufen und die Abläufe genau zu dokumentieren (und zu Hause nachzuarbeiten), damit man in einem stressigen Moment die Dinge nachschlagen kann. Im Krankenhaus ist man zum Glück nicht alleine. Auch Pflegekräfte kennen sich mit Notfällen aus (nicht alle, aber die kompetenten sollte man (auch über Mundpropaganda) erkennen) und können bei nem Blackout aushelfen.
Es wäre ja auch seltsam, wenn man nach 3,65 Monaten schon alles kann. Dann würde die Facharztweiterbildung nicht 5-6 Jahre dauern.
Als Nichtinternist bin ich da sicher nur begrenzt hilfreich, aber einen Tipp habe ich schon: Beim Thema Überblick kannst du dir mit einem selbst erstellten Überblicksblatt helfen, z.B. welcher Patient ist wo, was sind die Symptome, was sind die Differenzialdiagnosen, was war im Labor auffällig, usw. So ähnlich kannst du dir beim Thema Sachen vergessen helfen - da wahrscheinlich noch viel besser. Mach dir eine Checkliste mit allen üblichen Sachen, vor allem mit denen, die du gerne mal vergisst, eine Zeile pro Patient, links ein Feld für den Patientenaufkleber, dann kann nichts mehr schiefgehen. Vielleicht schaffst du es sogar (was natürlich sinnvoll wäre), diese beiden Vorlagen zu integrieren, sodass du nur eine einzige Vorlage brauchst. Die druckst du dir dann jedes Mal am Anfang des Dienstes aus, und gut ists.
Außerdem sollte man sich erwarten können, dass die Pflege dich informiert, wenn die Sauerstoff- oder Schmerzmittel-Anordnung fehlt.
Bzgl. Ultraschall wäre ein Kurs wahrscheinlich sinnvoll. Das solltest du mit deinen Vorgesetzten besprechen. Ich würde überhaupt mal deine Ängste bzgl. Probezeit mit deinen Vorgesetzten besprechen, ganz offen die Aussage, dass wer keine Dienste machen kann, am Ende der Probezeit gehe, und die Aussage, dass du von Diensten noch weit entfernt seist, thematisieren, dich erkundigen, wie sie dich bisher insgesamt einschätzen, was du tun kannst, um weiter dazuzulernen, usw.
An einem kleinen Haus kann der Druck "zu funktionieren" aufgrund der wenigen Stellen sicher groß sein. Ein Assistent, der zwar aufgrund seiner fehlenden Sprachkenntnisse weder eine vernünftige Anamnese erheben noch einen brauchbaren Arztbrief schreiben kann, aber dafür einfach macht (was und wie, darüber denken wir besser nicht zu viel nach), somit als dienstfähig wahrgenommen wird, kann da sicher praktisch sein. Aber mit Qualitätsmedizin hat das natürlich nichts zu tun.
Außerdem ist es eben normal, dass man dazulernen muss, und nicht schon als Facharzt geboren wird. Eine Abteilung, die so wenige Stellen hat, dass jeder Anfänger sofort alles können muss, hat eben ganz einfach zu wenige Stellen.
Humbertus
21.07.2024, 08:33
Und ein Assistent, der keine Dienste machen kann, ist keine wirkliche Entlastung für die Klinik.
Wie ist dein Verhältnis zu deinen Kollegen? Erklären sie dir viel? Oder helfen sie dir nicht, weil du etwas arrogant rüber kommst? (Verspüre ein bisschen den Vibe beim Lesen, weil du mehrmals deine Sprachkompetenzen hervor hebst)
Um Sicherheit zu gewinnen braucht man Erfahrung. Und wenn man im Regeldienst nicht genug Erfahrung sammeln kann, weil man nicht schnell genug aufnahmefähig ist, wäre eine Lösung zusätzlich bei anderen (in der Freizeit) mit zu laufen und die Abläufe genau zu dokumentieren (und zu Hause nachzuarbeiten), damit man in einem stressigen Moment die Dinge nachschlagen kann.
Danke erstmal fürs Feedback. Das sind natürlich erstmal harte Worte.
Zum Thema Sprachkenntnis. Die abfälligen Kommentare kamen alle von einem der OA. Ich selbst hab mit allen außer einem der Assistenten ein gutes Verhältnis, zu dem einem eher ein neutrales. Wenn ich fragen habe bekomme ich in der Regel hilfe, vielleicht traue ich mich nicht genug fragen zu stellen um nicht nervig zu erscheinen. Das mit in der Freizeit mit zulaufen als Möglichkeit hatte mir schonmal direkt zu beginn einer der OAs erzählt. Wenn mir nichts anderes übrig bleibt würde ich das dann schon machen. Aber ehrlich: Ich hab 2 kleine Kinder die ich dank regelmäßiger Überstunden schon zu wenig sehe, wegen Pendelzeit bin ich morgens weg bevor die aufstehen und komme abends wieder ne Stunde bevor es ins Bett geht. Wir suchen zur Zeit aktiv nach ner Wohnung die näher dran ist, da ich aufgrund von Familien/Freundeskreis als Allgemeinmediziner in der Region bleiben möchte (was dank Mangel und anstehenden Renteneintritten ja kein Problem sein sollte). Aber wäre natürlich schon dämlich kurz nach dem Umzug dann woanders hin pendeln zu müssen um die 12 Monate Innere voll zu bekommen.
Beim Thema Überblick kannst du dir mit einem selbst erstellten Überblicksblatt helfen. Die druckst du dir dann jedes Mal am Anfang des Dienstes aus, und gut ists.
Außerdem sollte man sich erwarten können, dass die Pflege dich informiert, wenn die Sauerstoff- oder Schmerzmittel-Anordnung fehlt.
Bzgl. Ultraschall wäre ein Kurs wahrscheinlich sinnvoll. Das solltest du mit deinen Vorgesetzten besprechen. Ich würde überhaupt mal deine Ängste bzgl. Probezeit mit deinen Vorgesetzten besprechen, ganz offen die Aussage, dass wer keine Dienste machen kann, am Ende der Probezeit gehe, und die Aussage, dass du von Diensten noch weit entfernt seist, thematisieren, dich erkundigen, wie sie dich bisher insgesamt einschätzen, was du tun kannst, um weiter dazuzulernen, usw.
Ein Assistent, der zwar aufgrund seiner fehlenden Sprachkenntnisse weder eine vernünftige Anamnese erheben noch einen brauchbaren Arztbrief schreiben kann, aber dafür einfach macht.
Danke für den Tipp mit dem Übersichtsblatt, denke das könnte mir helfen Struktur zu bewahren. Ich glaube ich brauch auch einfach noch eine Liste mit Hausstandards die man bei bestimmten Symptomen quasi immer anordnet.
Ein Ultraschall Kurs wäre sicherlich auch sehr hilfreich, der Kurs während dem Studium war leider wegen Covid ausgefallen in meinem Semester.
Das Gespräch mit dem OA über die Dienste war jetzt erst diesen Freitag kurz vor Feierabend, er wollte da nicht näher drauf eingehen weil er noch zu tun hatte, aber ich hab direkt gesagt das ich nächste Woche gerne ein Gespräch hätte. Ich werde das ganze dann mal offen Ansprechen.
Ich hatte nach dem Gespräch mit dem OA dann das ganze noch mit ein paar der Assistenten besprochen: Die meinten sie könnten sich nicht vorstellen das ich gekündigt werde. Vorallem da ich ja auch Allgemeinmedizin mache und das Krankenhaus eine Förderung für mich erhält. Das KH ist teil von einem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin und in meinem Vertrag steht auch das ich als Weiterbildungsassistent in Allgemeinmedizin angestellt bin. Da meinte einer der Assistenten das das KH Förderung erhält wie eine Praxis (5400€), aber ich konnte dazu auf die schnelle keine Zahlen finden und mir erscheint das zu hoch.
Und nochmal zu den Sprachkenntnissen: Man merkt schon das die Leute nicht hier geboren wurden, aber bis auf eine etwas unbeholfene Grammatik in den Arztbriefen oder fehlendes Korrekturlesen wenn das Diktiergerät in der Anamnese aus "Die Patientin berichtet Sie seie auf den Boden gefallen" ein "auf den Hoden gefallen" macht sehe ich da keine Probleme. Deutsch ist halt keine leichte Sprache und ich würde wohl auch sehr sehr lange brauchen um auf arabisch Texte zu schreiben die sich für einen Muttersprachler gut lesen. Die Kommentare kamen alle von einem OA der wohl jedes mal Anamnese/Epikrise komplett neusschreibt weil er wohl einen hohen Standard für seine Briefe hat.
Praxen bekommen pro WBA €5400 im Monat, siehe https://www.kbv.de/html/themen_2861.php Deshalb sind allgemeinmedizinische WBA in Praxen auch so beliebt ;-) Wie hoch die Förderung in Kliniken ist, weiß ich leider nicht.
Die Einschätzung deiner Kollegen mag für deinen Seelenfrieden wichtig sein, ist für deine berufliche Zukunft aber irrelevant. Es entscheiden Chefarzt und Oberärzte, nicht deine Kollegen. Deshalb solltest du deine Sorgen auch mit denen besprechen.
Du versuchst, mit sehr vielen rationalen Details zu kalkulieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass du bleiben wirst. Ich muss dich da aber etwas enttäuschen - die meisten dieser Entscheidungen sind nicht rein rational, und hängen auch stark von Umfeldfaktoren ab. Da kommt es auch immer ganz viel darauf an, wie die Bewerbersituation gerade ist (wenn sich sonst niemand bewirbt, bleiben auch wirklich katastrophal schlechte Ärzte oft sehr lange), ob einem jemand sympathisch ist oder nicht, ob jemand gerne für Dienste einspringt oder nicht, usw. Es ist also völlig unmöglich, rein rational zu berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass du bleiben wirst. Das geht nicht. Sorry.
Was aber sicher richtig ist, ist dass man bei einem allgemeinmedizinischen WBA mehr toleriert - da man ja weiß, dass er bald wieder weg ist, und das auch fix planbar ist. Aber du solltest versuchen, dich nicht so sehr auf das zu konzentrieren, was andere (vielleicht, oder tatsächlich) über dich denken, sondern dich stärker darauf fokussieren, was du selbst tun kannst, um besser zu werden. Dass man mehrere Monate braucht, um die Basics so halbwegs zu beherrschen, ist völlig normal. Aber wenn ein Ultraschallkurs eben wichtig wäre (die universitären Kurse sind definitiv KEIN Ersatz für einen richtigen Kurs auf Arztniveau!!!), dann musst du dich eben in diese Richtung engagieren und das mit deinen Vorgesetzten besprechen.
P.S.: Deutsch ist sicher nicht die einfachste Sprache - aber das bedeutet noch lange nicht, dass man weniger verlangen soll als nötig ist. Wer den nötigen Sprachstandard nicht erfüllt, sollte nicht als Arzt arbeiten dürfen - it's as simple as that. Jeder Patient hat sich einen Arzt verdient, der die deutsche Sprache in Wort und Schrift gut beherrscht.
Coxy-Baby
21.07.2024, 10:32
Du brauchst keinen Ultraschallkurs!!!!!!!! Kümmer dich doch erst einmal um die grundlegenden Sachen ala Patientenversorgung von A bis Z bevor du dir noch zusätzliche Baustellen aufmachst.
Das wichtigste ist Struktur!, Patientenliste mit den Namen, 2-3 Stichpunkte zum Patienten und tagesaktuell, was muss noch laufen/gemacht werden, wann perspektivisch Entlassung....
Ansonsten willst du halt Allgemeinmediziner werden, d.h. 1 Jahr Innere gilt es zu überleben, das geht im Zweifel auch ohne Dienste. Da die Weiterbildung gefördert wird überlegen sie 2mal jemanden rauszuhauen....und zum Thema Mitlaufen in der Freizeit, das kann! man gerne 1-2 Mal machen, aber auch nur kurz bevor man mit Diensten startet .....man überlebt aber auch ohne.
Humbertus
21.07.2024, 14:51
Die Einschätzung deiner Kollegen mag für deinen Seelenfrieden wichtig sein, ist für deine berufliche Zukunft aber irrelevant. Es entscheiden Chefarzt und Oberärzte, nicht deine Kollegen. Deshalb solltest du deine Sorgen auch mit denen besprechen.
Du versuchst, mit sehr vielen rationalen Details zu kalkulieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass du bleiben wirst. Ich muss dich da aber etwas enttäuschen - die meisten dieser Entscheidungen sind nicht rein rational, und hängen auch stark von Umfeldfaktoren ab. Da kommt es auch immer ganz viel darauf an, wie die Bewerbersituation gerade ist (wenn sich sonst niemand bewirbt, bleiben auch wirklich katastrophal schlechte Ärzte oft sehr lange).
Was aber sicher richtig ist, ist dass man bei einem allgemeinmedizinischen WBA mehr toleriert - da man ja weiß, dass er bald wieder weg ist, und das auch fix planbar ist. Aber du solltest versuchen, dich nicht so sehr auf das zu konzentrieren, was andere (vielleicht, oder tatsächlich) über dich denken, sondern dich stärker darauf fokussieren, was du selbst tun kannst, um besser zu werden. Dass man mehrere Monate braucht, um die Basics so halbwegs zu beherrschen, ist völlig normal.
Die Kollegen waren direkt zur Hand, mit den CA/OAs werd ich aber definitiv reden nächste Woche. Deshalb auch die ganze Kaffeesatz-Leserei, ich schmore halt übers Wochenende im eigenem Saft.
Zur Zeit könnte es aber auch tatsächlich mehr Bewerber geben als üblich, ein Krankenhaus in der Nähe wird "Profit-orientiert Umstrukturiert" was quasi einer Schließung sehr nahe kommt. Deshalb wurde erst vor kurzem einem Kollegen ohne Approbation in der Probezeit gekündigt wurde und stattdessen kommt jemand mit 3 Jahren Berufserfahrung in Deutschland.
Ich hoffe doch das ich nicht katastrophal schlecht bin, ich gebe mir durchaus Mühe, scheine aber hinter den Erwartungen zurück zu bleiben. Und daheim noch zu lernen ist auch wirklich schwer, da die Kinder mich durchaus einfordern. Und wenn ich ehrlich bin sind die mir auch wichtiger als die Klinik.
Ich werd einfach mein bestes geben und wenn ich dann nochmal 6 Monate woanders hin muss ist das halt so.
Du brauchst keinen Ultraschallkurs!!!!!!!! Kümmer dich doch erst einmal um die grundlegenden Sachen ala Patientenversorgung von A bis Z bevor du dir noch zusätzliche Baustellen aufmachst.
Das wichtigste ist Struktur!, Patientenliste mit den Namen, 2-3 Stichpunkte zum Patienten und tagesaktuell, was muss noch laufen/gemacht werden, wann perspektivisch Entlassung....
Ansonsten willst du halt Allgemeinmediziner werden, d.h. 1 Jahr Innere gilt es zu überleben, das geht im Zweifel auch ohne Dienste. Da die Weiterbildung gefördert wird überlegen sie 2mal jemanden rauszuhauen....und zum Thema Mitlaufen in der Freizeit, das kann! man gerne 1-2 Mal machen, aber auch nur kurz bevor man mit Diensten startet .....man überlebt aber auch ohne.
Wenn ich die Möglichkeit habe eine bezahlte Fortbildung mitzunehmen werde ich das tun, soweit mir bekannt stehen mir da pro Jahr 1-2 zu. Würde auch ungern nachher in ner Praxis aufschlagen und dann dort bei Null anfangen.
Der Stationsalltag läuft eigentlich ganz gut, es ist wirklich die Notaufnahme und Notfälle die mich überfordern und meine Dienstfähigkeit in Frage stellen.
Es würde sich jetzt ehrlich gesagt schlecht anfühlen nur aufgrund von Fördergeldern "gedultet" zu sein. Das wäre jetzt das erste mal das ich höre dass es auch ohne Dienste geht. Nach meinem Verständnis ist das Alternativlos.
Auch zum Mitlaufen: Das zeugt ja schon von 110% für den Arbeitgeber da sein, würde ich jetzt auch nicht unbedingt machen wollen wenn dieser droht mich rauszuschmeißen wenn man sich nicht so entwickelt wie gewollt... naja wie es jetzt wirklich ausschaut werde ich ja nächste Woche sehen.
Danke aufjedenfall für euren Input.
Zur Zeit könnte es aber auch tatsächlich mehr Bewerber geben als üblich, ein Krankenhaus in der Nähe wird "Profit-orientiert Umstrukturiert" was quasi einer Schließung sehr nahe kommt. Deshalb wurde erst vor kurzem einem Kollegen ohne Approbation in der Probezeit gekündigt wurde und stattdessen kommt jemand mit 3 Jahren Berufserfahrung in Deutschland.
Ich hoffe doch das ich nicht katastrophal schlecht bin, ich gebe mir durchaus Mühe, scheine aber hinter den Erwartungen zurück zu bleiben.
(...)
Es würde sich jetzt ehrlich gesagt schlecht anfühlen nur aufgrund von Fördergeldern "gedultet" zu sein.
(...)
Auch zum Mitlaufen: Das zeugt ja schon von 110% für den Arbeitgeber da sein, würde ich jetzt auch nicht unbedingt machen wollen wenn dieser droht mich rauszuschmeißen wenn man sich nicht so entwickelt wie gewollt...
Du solltest wie gesagt nicht ganz so viel in alles hineininterpretieren. Und du solltest auch nicht jetzt auf einmal weniger tun, nur weil es ja sein könnte, dass man dich rausschmeißt. So machst du diese Vermutungen nämlich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.
Achte auf dein eigenes Dazulernen, auf deinen eigenen Wissensstand, deinen eigenen Karriereweg, nicht darauf, was sich irgendwer warum denken könnte, was irgendwer vielleicht warum tun könnte. All das sind nur Phantasien, die wahrscheinlich mehr mit deinem eigenen Unbewussten als mit der Realität zu tun haben - und bringt dich auf deinem beruflichen Weg keinen Schritt weiter.
Achte auf die Dinge, die du selbst in der Hand hast. Dann wird sich auch dein Erleben der Umwelt zum Positiven verändern.
Feuerblick
21.07.2024, 15:18
Was die Sache mit Notaufnahme und Diensten angeht:
1. Hausstandards zusammenschreiben. Was wird bei euch im Haus üblicherweise bei welchen Patienten gemacht. Wo finde ich die Anordnungen dafür, wen kann ich fragen.
2. Mach dir einfach mal Spickzettel mit den „üblichen“ Notfällen, die bei euch so aufschlagen. Diagnose, welche Untersuchungen brauche ich, was ordne ich an, woran muss ich denken, welche DD müsste ich in Betracht ziehen. Nur Stichworte. Steck die Spickzettel in die Kitteltasche bzw. hab sie in der Notaufnahme in Reichweite und arbeite das einfach mal stumpf ab. Vervielfältige die Zettel notfalls und hake einfach ab, was du schon gemacht hast und was noch fehlt. Nur für dich alleine, nicht für Pflege oder Kollegen. Um in Notaufnahmen sich nicht zu verzetteln, braucht man Struktur. Natürlich ist so eine Liste am Ende nie abschließend und natürlich kann man nicht alles auf dem Zettel haben, aber wenn man zu Krankheitsbildern einen groben Plan hat, lernt man das schneller, arbeitet schneller, vergisst weniger und kommt bei Ablenkungen weniger durcheinander.
Letztlich geht es ja nicht nur darum, dass du Dienste machen kannst (das ist ja nur für den Arbeitgeber interessant), sondern auch darum, dass du belastbarer bei Stress und hohem Patientenaufkommen wirst - auch mental. Das wirst du auch in der Allgemeinmedizin brauchen. Kann man aber alles lernen und muss man nach vier Monaten noch nicht vollständig draufhaben.
Tramaldol
21.07.2024, 22:09
Meistens so 3-4 Monate; aber die Leitung entscheidet das natürlich. Und dann kann man schonmal langsam schauen wie man die Biege macht. Es sei denn man mag es.
StuartProwerFaktor
22.07.2024, 09:05
Mit den Diensten klar kommen, lernt man im Grunde nur in den Diensten.
- Es stellt sich auch die Frage, wie die ZNA-Pflege so fachlich ist. Es gibt welche, wenn der/die sagt "Dem Pt. geht es schlecht", dann ist das für mich schon ein Grund zu gucken oder meine Meinung ggf. zu revidieren. Bei anderen vom Personal ist das leider nicht so. Aber vermutlich wirst du das noch nicht beurteilen können - ich will damit nur sagen, du bist ja nicht alleine im Dienst. Ggf. kann man bei akute schlechten Patienten ja auch den Intensivarzt zu Rate ziehen.
- Wenn viel los ist, dann musst du kurz Triage machen. Bei neuen einmal kurz ins Zimmer und dir einen Eindruck verschaffen. Alternativ bei guter Pflege kannste dich aber auch auf deren Beurteilung meist verlassen.
- Ultrachall ist schon wichtig, allein zum Ausschluss etwaiger DD. Ein Kurs ist generell sinnvoll, aber sicher keine Voraussetzung den Dienst zu schaffen. Pleuraerguss, FF, Perikarderguss, pumpt gut vs pumpt scheiße, Volumenstatus sollte man auch so erkennen bzw. sich anlesen können. Sonstiges Abdomenfragen kommen mit der Zeit.
- Ich habe mir so einen Vodruck gemacht: Zettel mit freiem Feld für Aufkleber und dann Felder zum Ausfüllen mit z.B. "Anamnese, KU, Allergien, Arbeitsdiagnose, Hausarzt (gerne vergessen) usw."
- In der EDV dann entsprechend Textbausteine ggf. auch mit Standardtherapie also zB "Antibiose / Clexane 0,x ml 0-0-1 usw. - hier muss man nur aufpassen, dass man das nicht irrtümlich übernimmt und der Pt z.B. doppelt antikoaguliert wird.
- Auch sollte man sich angewöhnen vielleicht ein paar Stunden später nochmal einmal kurz über Labor und Doku zu schauen, manchmal fällt einem noch was ein.
- Gerade anfangs halt bei Unsicherheit den Hintergrund anrufen, dafür sind die da. Alternativ weniger wichtige Fragen für den nächsten Morgen sammeln.
Und mach dir immer bewusst, dass Notaufnahme-Dienst heißt, die Leute mit einem für 24-48h tragfähigen Konzept zu versehen. Du musst da nicht nach neuster Leitlinie die antihypertensive, lipidologische oder antidiabetische Therapie optimieren. Und wer das meint, hat leider nicht den Sinn eines KH verstanden.
Tramaldol
25.07.2024, 16:37
Bei dem Medizin-Skandal (mal wieder / immer wieder) in Friedrichshafen ging es auch im Ärzte, die auf Intensivstation eingesetzt worden und fraglich "fit" waren.
Echt krass dass die Anleitung zu ersten Diensten so mies ist und es sogar in die Zeitung schafft. Da gibt es ein wirklich fehlendes Bewusstsein. Das KH in Friedrichshafen hat immerhin die richtigen Konsequenzen gezogen.
Humbertus
25.07.2024, 17:45
Kurzes Feedback:
Ich mach jetzt ab Mitte des nächsten Monats Wochenenddienste von 8:00 bis 18:00 Uhr. Bin mal gespannt wie es wird. Die letzten Tage in der ZNA zumindest waren etwas besser. Meine Patienten kamen fast alle nach 2-3 Stunden von Erstkontakt Pflege hoch auf Station oder wieder raus aus dem Krankenhaus. Ganz am Anfang warens eher 3-5 :-oopss
Das mit den Bögen das man nichts vergisst ist ne gute Sache. Hab mir jetzt noch zusätzlich den Frimmel " Klinische Notfälle griffbereit" bestellt. Wurde mir im PJ schon empfohlen.
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