Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wo Innere-Jahr für WB Allgemeinmedizin machen?
Hey zusammen,
kurz meine Situation: Ich habe das Studium bald hinter mir und überlege nun, sowohl den FA für Psychiatrie als auch den FA für Allgemeinmedizin zu machen. Wenn ich richtig verstehe, kann man ja beides innerhalb von 7 Jahren schaffen, wenn man in die Psychiatrie-Weiterbildung auch ein stationäres Innere-Jahr einbaut, das ja für die Allgemeinmedizin-Weiterbildung obligatorisch ist. Somit wäre ich nach 5 Jahren FA für Psychiatrie und müsste dann nur noch 2 Jahre in einer Allgemeinmedizin-Praxis dranhängen, um FA für Allgemeinmedizin zu werden.
Da ich überlege, das Innere-Jahr zuerst zu machen, damit ich es schnell hinter mir habe, wäre meine Frage an die (angehenden) Allgemeinmediziner unter euch: Wo sollte man das Innere-Jahr absolvieren, um möglichst viel für den Hausarzt-Alltag zu lernen? Uniklinik, kleines Haus, Rehaklinik, ...?
Grundsätzlich würde ich gerne an eine Uniklinik (und das werde ich für die 3 Jahre Psychiatrie und das 1 Jahr Neuro wohl auch tun), aber bezüglich des Innere-Jahrs bin ich mir da sehr unsicher. Mein Eindruck vom Innere-Alltag aus dem PJ an einer Uniklinik (Kardio und Notaufnahme) war, dass es sehr stressig und uninteressant ist; und dass man eigentlich fast nichts lernt, was man als Hausarzt gebrauchen könnte. Wie seht ihr das?
Danke und liebe Grüsse! :-)
Heerestorte
23.07.2024, 13:53
Ohne der Experte für die Art von Weiterbildung zu sein, würde ich sagen, dass ein Grund und Regelversorger mit einer allgemeininternistischen Ausbildung, aufgrund der Breite der Krankheitsbilder, am besten geeignet wäre. Salopp gesagt könnte es in einer großen Klinik passieren, dass du in einer Spezialisierung landest und das eine Jahr dann nur ein Fach siehst und das dann genau das ist, was du nicht haben möchtest.
Wozu aber denn das Jahr Innere?
Aus meinem Bundesland kenne ich es zumindest so, dass es manche Fachärzte gibt, bei denen reichen dann mit Facharzttitel zwei Jahre Allgemeinmedizin WB und man kann die Prüfung machen. Wenn das für Psychiatrie auch gilt, wäre das Jahr Innere ja quasi "verschwendet" (abgesehen davon, dass es natürlich schon sinnvoll für Allgmed ist).
Uniklinik-Innere ist halt oft hochspezialisiert und in tausend Unterabteilungen aufgeteilt. Man sieht dann zwar viele Kolibris aber wenig, was man für den Alltag in der Hausarztpraxis sinnvoll brauchen kann. Je nach Klinik sitzt man halt ein Jahr auf einer Station, sieht dort immer wieder dieselben 5 (eher seltenen) Krankheitsbilder einer internistischen Unterabteilung und mehr nicht. Dazu kommt einen absurde Überdiagnostik sowohl apperativ (wozu Sono? auf ins CT! Patient hat länger als 3 Tage Fieber? Her mit dem PET-CT!) als auch labormedizinisch. Das ist oft weit vorbei an jeder hausärztlichen Realität. Den einzigen Mehrwert für einen Allgemeinmediziner würde ich in der Notafaufnahme sehen weil man da noch mehr ungefiltertes allgemeininternitisches Patientengut zu Sehen bekommt.
Würde auch eher zum Grund- und Regelversorger raten weil man da einfach mehr Überblick über die allgemeininternistische Basismedizin bekommt und mehr Schnittmenge mit den Krankheitsbildern hat, die man als Hausarzt sieht und behandelt.
ehem-user-19-05-2025-1430
24.07.2024, 12:53
Zuerst zur Frage: je allgemeininternistischer desto besser :)an einer Uniklinik kann man auch 12 Monate Briefe schreiben in denen man den Gastroskopie Befund einfügt bei kurzliegern und gut ist...
Grundsätzlich stellt sich mir die Frage wieso doppelt Facharzt? Es gibt keine mit ersichtlichen sinnvollen Synergieeffekte als Freiberufler... In Gegenteil, im schlimmsten falls zieht man als Hausarzt mit Zusatz FA Psychiatrie das entsprechende Klientel an, was finanziell desaströs ist. Versteh mich nicht falsch, ich behandel gerne meine Pappenheimer, macht mir auch Spaß aber wirtschaftlich funktioniert es nur durch die Mischung, Stichwort Verdünnerscheine.... Die Leute aktiv anwerben, suizidal als hausarzt!
Auch ist zu bedenken dass du dann als Hausarzt in psych Sachen top/überqualifiziert bist aber bei vielen anderen eher zu wenig drauf haben könntest? Chirurgie, Päd, derma etcpp...
Wenn du irgendwie Hausarzt+ sein willst dann lieber direkt FA Allgemein mit breiten Rotationen + sinnvolle Zusatzbezeichnungen....?
Wenn du allerdings kein Hausarzt sondern Psychiater*in sein willst...warum dann den FA Allgemeinmed...als Psychiater kann man auch gut in allgemeinmedizinsichen Sachen sein ohne den "Orden" des FA-Titel....der in der Klinik eh nicht hochangsehen ist ;)
Wenn du unentschlossen bist...starte in der psych und guck was passiert ;)
Ich stimme ebenfalls für ein kleines Haus.
Muss aber auch sagen, dass ich mir nicht sicher bin, wie sinnvoll dein Plan ist. Ich spiele auch hin und wieder mit dem Gedanken, nach dem Psychiatrie-Facharzt den Quereinstieg Allgemeinmedizin zu machen. Aber wie MellowMed schon ganz richtig gesagt hat, ist das beruflich nur sehr begrenzt sinnvoll, und außerdem lernt man als Quereinstiegs-Allgemeinmediziner sicher viele Sachen nicht, die man als normaler Allgemeinmediziner sehr wohl gelernt hätte.
Wozu aber denn das Jahr Innere?
Aus meinem Bundesland kenne ich es zumindest so, dass es manche Fachärzte gibt, bei denen reichen dann mit Facharzttitel zwei Jahre Allgemeinmedizin WB und man kann die Prüfung machen. Wenn das für Psychiatrie auch gilt, wäre das Jahr Innere ja quasi "verschwendet" (abgesehen davon, dass es natürlich schon sinnvoll für Allgmed ist).
Das war mir bisher nicht bekannt. Wäre natürlich super praktisch, wenn ich mir das Innere-Jahr sparen könnte.
Uniklinik-Innere ist halt oft hochspezialisiert und in tausend Unterabteilungen aufgeteilt.
Das stimmt wohl, und das ist m. E. das stärkste Argument gegen Uniklinik. Soweit ich weiss gibt es aber auch (zumindest in manchen Unikliniken) Stationen für "Allgemeine Innere Medizin", wo man wohl wirklich ein breit gefächertes Patientenklientel hat.
Grundsätzlich stellt sich mir die Frage wieso doppelt Facharzt? Es gibt keine mit ersichtlichen sinnvollen Synergieeffekte als Freiberufler...
Meine Idee wäre, einige Tage pro Woche in einer psychiatrischen Praxis zu arbeiten, und einige Tage pro Woche in einer hausärztlichen Praxis. Ich merke nämlich immer mehr, dass mir möglichst viel Abwechselung enorm wichtig ist.
Wenn du irgendwie Hausarzt+ sein willst dann lieber direkt FA Allgemein mit breiten Rotationen + sinnvolle Zusatzbezeichnungen....?
außerdem lernt man als Quereinstiegs-Allgemeinmediziner sicher viele Sachen nicht, die man als normaler Allgemeinmediziner sehr wohl gelernt hätte.
Na ja, mein Plan wäre eben, die Psychiatrie-Weiterbildungsjahre so breit gefächert zu absolvieren wie möglich. Das heisst: 3 Jahre Psychiatrie, 1 Jahr Innere, 1 Jahr Neuro. Und für den FA Allgemeinmedizin kämen dann einfach noch 2 Jahre in der Hausarztpraxis obendrauf. Damit wäre ich als Hausarzt doch ziemlich breit aufgestellt, oder? Bzw. inwiefern sind "normale Allgemeinmediziner" mir da überlegen?
...als Psychiater kann man auch gut in allgemeinmedizinsichen Sachen sein ohne den "Orden" des FA-Titel....der in der Klinik eh nicht hochangsehen ist ;)
Absolut richtig.
Hatte vor einiger Zeit eine Allgemeinärztin als Assistentin der Psychomedizin bei mir, der ich noch etliches Allgemeinmedizinisches beigebracht habe.
Relaxometrie
25.07.2024, 11:07
Hatte vor einiger Zeit eine Allgemeinärztin als Assistentin der Psychomedizin bei mir, der ich noch etliches Allgemeinmedizinisches beigebracht habe.
Was z.B. hast Du ihr noch beigebracht?
Das Problem ist, dass ich mich als Psychiater ohne Allgemeinmedizin-Facharzttitel logischerweise nicht als Hausarzt niederlassen kann.
Wo willst du später ambulant praktizieren? Bis auf dem Land mit starkem Mangel in beiden Fachgebieten mag die KV normalerweise keine Doppelzulassung. Man kann auch den fachgebundenen Psychotherapeuten machen und Psychotherapie als Hausarzt anbieten. Psychiater haben andere Ziffer, deswegen können sie auch mit wenigen Patienten einen annehmbaren Erlös generieren. Wenn man anfängt als Hausarzt Psychotiker und Suchtpatienten mit Mehrfachdiagnosen zu behandeln wird es wirtschaftlich uninteressant (und mit Doppelzulassung kannst du die Leute nur in einem Fachgebiet pro Quartal behandeln). In der Niederlassung wird es nicht langweilig, da ist man (zwangsweise) (Aushilfs-)ITler, Handwerker, Unternehmer, Personaler etc....
Was z.B. hast Du ihr noch beigebracht?
Was man für die Hausarztpraxis, in die sie wieder zurückkehrte, braucht, aber wo Defizite bei ihr bestanden:
- Richtige Interpretation von gewissen Laborkonstellationen mit "watchful waiting"
- Red flags erkennen
- Somatische Differentialdiagnostik, denn nicht alles, was vermeintlich "psycho" ist (weil ja in Psychoklinik), ist auch psycho
- und nicht zuletzt effizientes Arbeiten, es ist erschreckend, wie wenig manche Kollegen das können, sich z. B. endlose Handnotizen machen, um sie danach in den PC zu hämmern, anstatt das Hirn als Zwischenablage zu nutzen.
Christoph_A
25.07.2024, 13:15
Was muß sich der gemeine Arzt unter watchful waiting vorstellen-ist das jetzt ein Euphemismus für das allseits beliebte Spiel des aggressiven Zuwartens?
Wo willst du später ambulant praktizieren? Bis auf dem Land mit starkem Mangel in beiden Fachgebieten mag die KV normalerweise keine Doppelzulassung.
Na ja, wenn man angestellter Arzt ist, braucht man ja keine Doppelzulassung, oder? Ich könnte doch theoretisch 3 Tage pro Woche als angestellter Arzt in einer psychiatrischen Praxis arbeiten, und die anderen beiden Tage als angestellter Arzt in einer Hausarztpraxis. Oder irre ich mich?
Na ja, wenn man angestellter Arzt ist, braucht man ja keine Doppelzulassung, oder? Ich könnte doch theoretisch 3 Tage pro Woche als angestellter Arzt in einer psychiatrischen Praxis arbeiten, und die anderen beiden Tage als angestellter Arzt in einer Hausarztpraxis. Oder irre ich mich?
Du wirst auf einen (halben) Kassensitz für XX angestellt und die KV muss das genehmigen. Das wäre im Grunde auch eine Doppelzulassung, wenn die KV beide Anstellungen genehmigt. Bei Sicherstellungsassistenten ist es einfacher, aber du suchst wahrscheinlich nach einer Dauerlösung.
denkstdu
25.07.2024, 15:44
Ja das geht schon, musst halt Praxen finden die das suchen und brauchen.
Ich arbeite auch 15h auf einem halben Kassensitz in der Allgemeinarztpraxis und 3d die Woche betriebsärztlich.
Aber betriebsaerztlich ohne KV-Zulassung, oder? Dann bist du formell nur auf einen halben Sitz zugelassen und die betriebsärztliche Leistungen rechnest du nach GOÄ ab. Es gibt viele Ärzte, die neben ihrer hausärztichen Tätigkeit ihr anderes Fachgebiet in ihrer Praxis noch privatärztlich betreiben. Alternativ kann man als Psychiater auch in der PIA Teilzeit arbeiten, dafür braucht man keine Zulassung. Schwierigkeiten kann ich mir vorstellen, wenn die psychiatrischen Patienten in die allgemeinärztliche Praxis diffundieren (weil sie dort leichte Akuttermine bekommen).
Was muß sich der gemeine Arzt unter watchful waiting vorstellen-ist das jetzt ein Euphemismus für das allseits beliebte Spiel des aggressiven Zuwartens?
Der Begriff ist z.B. in der Urologie klar definiert, wie Du bestimmt weisst.
Aggressives Zuwarten ist oft ganz sinnvoll, man muss nicht gleich jeden (Herz-)kathetern oder mit PSCK-9-Hemmern zubomben :-))
Relaxometrie
26.07.2024, 16:45
PSCK-9-Hemmern zubomben
PCSK9-Hemmer
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