PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen Online Nachschlagewerke, Online Fortbildungen



Sealwolf
01.08.2024, 16:11
Guten Abend!

Ich hab mir überlegt die Probeangebote einiger großer Online-Nachschlagewerke (ich nenn mal keine Namen..) in Anspruch zu nehmen. Ziel wäre, während der Sprechstunde und danach Dinge nachzulesen, aktuelle Leitlinien kompakt aufbereitet zu sehen, angeblich können einige der Portale auch "mitdenken" (im Sinne: Man gibt Symptome an, die KI generiert daraus Vorschläge für Diagnosen). Die Portale sind teils sehr teuer. Gibt es Erfahrungen? Lohnt sich das im Alltag?

Andere Frage: Ich mache gerne online Fortbildungen, bunt gemischt vor Allem hausärztliche, neurologische, psychiatrische Themen. Es gibt Portale teils von der Pharma (meist kostenlos) und teils gegen Bezahlung; gibt es Tipps für gute Quellen? Finde die Auswahl sehr kleinteilig und echt unübersichtlich.
Grüße an alle und schönen Abend!

SG

freestyler
01.08.2024, 19:19
Fortbildung mache ich meist cme über das Ärzteblatt. Als schnelles Nachschlagewerk nutze ich für die Allgemeinmedizin de..med. Finde ich super.

Dooly
01.08.2024, 20:23
Ich gucke ab und an noch in Amboss und seltener Uptodate aber wenn ich das selbst zahlen müsste, wäre es mir das nicht mehr wert. Ich benutze es meist, um schnell mal Einzelheiten aus fremden Fächern zu verstehen, aber wirklich nur ganz schnell. Wenn ich z. B. wissen will, ob ein Medikament wegen Diagnose a gegeben wird oder ob da noch was anderes ist. Zum Weiterbilden ist Amboss nichts für mich. Leitlinie lese ich auch meist bei AWMF usw. Gehe aber aus Gewohnheit gern über Amboss. ^^

Als Online Fortbildung für deine Interessen fällt mir direkt die DASNE (Deutsche Akademie für Seltene Neurologische Erkrankungen in Assoziation mit dem Deutschen Referenznetzwerk für Seltene Neurologische Erkrankungen) ein. Es gibt eine Jahrestreffen aber auch regelmäßige online Fallkonferenzen. Die kann ich nur empfehlen, ich hab sie schon oft angeschaut. https://dasne.de/virtuelle-fallkonferenzen/. Weiterhin gibt es in Tübigen auch die (e)FAKSE, Fortbildungsakademie für Seltene Erkrankungen, da habe ich auch schon ein paar interessante Dinge gesehen. https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/zentren/zentrum-fuer-seltene-erkrankungen-zse/fakse-fortbildungsakademie-fuer-seltene-erkrankungen. Beides nicht nur für Neurolog*innen, bin ja auch keine, um Gotteswillen. XD

Ich hätte noch nen Tipp für eine Infektiologische Fortbildungsreihe, wobei die überwiegend akademisch ist. Interessiert dich das auch?

Wir sollten hier auch mehr Fobi machen. Z. B. brauchen wir einen K... komische Fächer Übersetzungs-Thread. Was heißt "typischer PA am Tag des Herzinfarktes (in der Form danach nicht mehr aufgetreten)" von der Kardio? Und hört mir auf mit den Augenbriefen! …

davo
02.08.2024, 05:56
Amboss ist, zumindest für mein Fachgebiet, viel zu oberflächlich für den Einsatz als Arzt. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich mit dem Arztmodus von Amboss nur am Rande vertraut bin, insofern kann ich da eigentlich keine zuverlässigen Angaben machen...

Sehr empfehlenswert finde ich, zumindest für mein Fachgebiet, das MSD Manual - das ist zwar auch nicht sehr detailliert, aber sehr sorgfältig und sehr gut geschrieben, und im Vergleich zu Amboss dann doch deutlich umfangreicher. Und auch kostenlos ;-) Da weiß man auch, von wem welcher Artikel stammt, und die Autoren sind alle hochqualifiziert. Keine Ahnung wie es in anderen Fachbereichen ist.

Und wer man eine skandinavische Sprache beherrscht, oder Google Translate :-p, kann Internetmedicin benutzen. Das ist in meinem Fachbereich deutlich detaillierter als Amboss, aber gleichzeitig auch deutlich weniger detailliert als das MSD Manual. Keine Ahnung wie es in anderen Fachbereichen ist. Ist ebenfalls kostenlos.

Aber meist muss ich, wenn ich etwas nachlesen will, entweder nur die Fachinformation bemühen, oder eines der üblichen psychiatrischen Nachschlagewerke (Stahl oder State of the Art), oder die entsprechende Leitlinie. Und meist ist es so, dass das, was man sucht, dann so spezialisiert ist, dass dazu nichts in einem Nachschlagewerk oder einer Leitlinie steht, und man sich in die Studien zum Thema einlesen muss.

In meinem Fach kann ich mir also nicht vorstellen, dass einem ein solches Online-Nachschlagewerk groß etwas bringt. Wobei ich z.B. Deximed nie ausprobiert habe. Dazu kann ich also nichts sagen. Und vielleicht gibt es ja noch andere, die ich gar nicht kenne.

Wenn man Allgemeinmediziner ist, kann ich mir noch am ehesten vorstellen, dass die Nutzung eines solchen Nachschlagewerks hilfreich sein könnte. Wobei ich mir nicht sicher bin, wie gut da die Qualitätskontrolle ist. Sich auf ein Druckwerk zu berufen, ist rechtlich wahrscheinlich sicherer und einfacher, als sich auf ein sich immer wieder änderndes Online-Nachschlagewerk zu berufen, bei dem man oft ja nicht einmal erfährt, von wem welcher Artikel stammt. Und es gibt ja in vielen Bereichen durchaus gute Bücher, wie z.B. "Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie" von Brunkhorst und Schölmerich, die einem helfen, vom Symptom zur Diagnose zu kommen, bzw. zwischen möglichen Differenzialdiagnosen zu differenzieren. So einem Buch würde ich ehrlich gesagt eher vertrauen.

Feuerblick
02.08.2024, 06:12
Naja, es gibt Fächer, in denen sind Bücher einfach schon veraltet bevor sie veröffentlicht werden. Gerade große Nachschlagewerke in der Augenheilkunde werden so langsam geschrieben, dass man sie zwar dekorativ ins Regal stellen kann, aber wenn man aktuelles Wissen braucht, sollte man sich online (Leitlinien, Fachmagazine) kümmern. Insofern ist auch in vielen anderen Fächern die „Buch“-Empfehlung einfach veraltet und von gestern. Man denke nur mal an die Onkologie…
Inwiefern da große (teure) online-Nachschlagewerke aber aktueller sind… keine Ahnung. Ich suche da tatsächlich sehr gezielt und nicht in einem einzigen Portal.

Was Online-Fortbildungen angeht: Bei uns gibt es eine sehr wache Kongress-Organisation, die wöchentlich Updates zu Veranstaltungen online und Präsenz liefert. Einige Häuser sind nach Corona bei Online- oder Hybrid geblieben. Das ist teilweise wirklich gut. Vielleicht gibt es das ja auch in anderen Fächern?

Dooly
02.08.2024, 09:21
Wenn man Allgemeinmediziner ist, kann ich mir noch am ehesten vorstellen, dass die Nutzung eines solchen Nachschlagewerks hilfreich sein könnte. Wobei ich mir nicht sicher bin, wie gut da die Qualitätskontrolle ist. Sich auf ein Druckwerk zu berufen, ist rechtlich wahrscheinlich sicherer und einfacher, als sich auf ein sich immer wieder änderndes Online-Nachschlagewerk zu berufen, bei dem man oft ja nicht einmal erfährt, von wem welcher Artikel stammt. Das ist klar, das lernt man schon in der Uni, dass man nicht Amboss als Quelle verwendet, sondern Papers aus anständigen Journals. "Das ist mir egal, in welchem Lehrbuch das steht, mich interessiert in welchem Paper das steht". XD Das Gute bei Amboss ist, dass die Quellen immer angegeben sind, so dass man da auch das passende Paper finden kann.
Bei Uptodate sind die Autor*innen immer angegeben und natürlich auch die Quellen und auch auf den ersten Blick ersichtlich wann das letzte Review und Update war. Amboss entwickelt sich immer weiter und versucht "mitzuwachsen". Mal gucken, ob das gut gelingt.