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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überfordert - Das Leben nach dem M3!



medipassions
17.08.2024, 23:14
Hallo alle!

Ich bin aktuell im letzten PJ-Tertial und weiß nicht so Recht wohin mit mir. Irgendwo rückt das M3 näher und auch der Berufsbeginn ist theoretisch nicht weit entfernt - nur müsste ich mich einmal auf eine Stelle bewerben…

Nun befinde ich mich aktuell irgendwie in einem Loch und stehe vor so vielen Veränderungen, dass ich letztlich gar nicht mehr voran komme.

Aktuell weiß ich nichtmal, welche Fachrichtung ich machen will…Ich tendiere zwar dazu, mit Innere anzufangen, aber dann frage ich mich wiederum, ob es nicht doch Sinn macht, mit einem kleineren Fach wie Derma zu starten (mein Wahlfach, was mich aber nicht 100% begeistert, aber dennoch recht interessant war), weil mich die Arbeitsbedingungen in der Inneren abschrecken.

Dann frage ich mich ob Uniklinik oder anderweitiger Maximalversorger oder gar kleines Haus für den Beginn? Wie habt ihr das gehandhabt und bereut ihr, klein/gross angefangen zu haben? Zudem steht bei mir abhängig von der ersten Stelle der Umzug in meine erste eigene Wohnung aus dem Elternhaus an. Ich weiss aktuell nicht, was mit mir ist, aber ich fühle mich durch all diese zu treffenden Entscheidungen extrem überfordert. Die letzten 6 Jahre war ich in der “Medizinstudium-Bubble”, aber irgenwie bricht gerade mein ganzes geregeltes Leben zusammen und ein neuer Lebensabschnitt steht mir bevor.

Hatte jemand ähnliche Gedanken/Gefühle nach dem Studium oder kurz vor dessen Ende? Was würdet ihr an meiner Stelle tun?

Schönen Abend noch!

medipassions

Bonnerin
18.08.2024, 00:43
Ich denke, man sollte sich klar machen, dass es okay ist, sich mit der Facharztwahl unsicher zu sein.

Im Studium haben viele ein klares Bild - aber du bist nicht die erste Person, die nicht zu 100% von einem Fach überzeugt ist. Das musst du aber auch nicht. In fast allen Fächern kann man sich Zeiten aus anderen Bereichen anrechnen lassen (bzw. sind sie teilweise ja auch Pflicht).

Es ist natürlich doof, wenn alle Freunde überzeugt sind und nur man selbst zweifelt. Ich habe letztlich ein Jobangebot in meinem PJ-Wahlfach bekommen, das ich dann auch angenommen habe - ich hatte nichts, das mich zu 100% gepackt hat, aber das Fach war eine sichere Bank und ich mochte die Kollegen. Habe dann aber nach kurzer Zeit festgestellt, dass es doch nichts für mich ist.

Am Ende bin ich nach 12 Monaten in die Laboratoriumsmedizin gewechselt und könnte mit meiner Entscheidung nicht glücklicher sein. Ich gehe gern zur Arbeit und mag, was ich tue. Von daher: Hospitiere einfach, schau dir verschiedene Fächer und Abteilungen an.

anignu
18.08.2024, 01:24
Dann frage ich mich ob Uniklinik oder anderweitiger Maximalversorger oder gar kleines Haus für den Beginn? Wie habt ihr das gehandhabt und bereut ihr, klein/gross angefangen zu haben?
Uniklinik wollte ich nie weil ich mich dieses "forsch mal schnell nebenbei in deiner Freizeit und schreib viele Paper" maximal abgeschreckt haben. Ich will/wollte einfach nur gute Medizin machen...

Ich selbst hab in einem kleinen Haus angefangen für gut ein Jahr. Das war angenehm, schön reinzukommen, war spezialisiert und man kam schnell auf eine gewisse Expertise in einem kleinen Bereich... und dann war es das auch. Ich hab bald bemerkt dass ich dort nie einen auch nur halbwegs guten Überblick über mein Fach bekomm. Also bin ich weiter gezogen und erst dadurch eine fundierte Ausbildung bekommen.

Letztlich ist immer die Frage was du willst. Mit Uni kannst du Chef werden, das ist anders eher schwierig aber auch möglich. In großen Kliniken ist die Weiterbildung breiter als in kleinen Kliniken. In kleinen Kliniken kann es dafür sein dass die Arbeitsbedingungen von Beginn an gut sind. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Ich bereue nicht in einem kleinen Haus gewesen zu sein. Da laufen soooo viele Dinge so anders als in großen Häusern. Da ist so viel so persönlicher und die Wege sind soviel kürzer. Und das hilft einem auch später beurteilen zu können was so ein Haus leisten kann im Vergleich zu anderen Häusern. Manchmal fahre ich als Notarzt gezielt das kleinere Haus an wenn ich weiß die können das gut behandeln um nicht immer nur alles in das eine große Haus zu fahren.
Auf der anderen Seite bereue ich es auch nicht in einem großen Haus gewesen zu sein. Einfach mal das breite Spektrum mitzunehmen und nicht nur die Routinefälle. In großen Häusern gibt es auch viel mehr Zufallsbefunde und damit verrückte Sachen.

StuartProwerFaktor
18.08.2024, 09:02
Innere als Einstieg ist nie verkehrt, wenn man sich das grundsätzlich vorstellen kann. Die Arbeitsbedingungen in der Derma sind mitnichten besser ! Ich habe das auch als Wahltertial gemacht, und die Kollegen dort haben regelhaft mehr Überstunden gemacht als ich als Internist. Das lag aber mehr an schlechter Organisation (wie meist). Es gibt schon auch Kliniken für Innere mit ganz adäquaten Arbeitsbedingungen, auch für Anfänger. Aber durch einen schwierigen Start muss man zumeist schon erstmal, in den meisten Abteilungen durch. Mach es erstmal 3-6 Monate, dann wirst du schlauer sein.

Dieses Gefühl am Ende des Studiums ist halt normal. Mir war damals auch bewusst, dass das leichte Leben mit viel Freizeit jetzt vorbei ist. Aber jeder Abschnitt bringt ja auch Neues und Chancen.

davo
18.08.2024, 20:58
All das ist völlig normal - ein Lebensabschnitt geht zu Ende, ein neuer beginnt. Erstmals alleine leben, erstmals berufstätig... klar, dass das manche Menschen ein wenig verunsichern kann.

Es gibt so viele Medizinstudenten, die sich am Ende des Studiums nicht ganz sicher sind, mit welchem Fach sie beginnen sollen - Gerüchten zufolge soll diese Thematik sogar bei Fachärzten noch vorkommen :-p

Ich würde versuchen, nicht die Überforderung zu betonen, sondern die vielen Chancen, die dir offenstehen. Es ist letztlich auch völlig egal, wenn sich ein Jahr Innere oder ein Jahr Derma am Ende als "nicht das Richtige" herausstellt - erstens gibt es ja bekanntlich viele Verbindungen zwischen der Inneren Medizin und der Dermatologie, und zweitens kann man in jedem Fach wichtiges lernen. Selbst in ein paar Monaten in einem Fach, das überhaupt nichts für einen ist, kann man sicher den Blick auf die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Stärken und Schwächen schärfen.

Genauso ist es mit der Entscheidung bzgl. der Art der Hauses - alles hat seine Vor- und Nachteile. Dem einen liegt dies eher, dem anderen jenes. Und auch wenn zehn "ähnliche" Leute im selben Haus anfangen, wird jeder das Arbeiten dort anders wahrnehmen. So ist das Leben nunmal. Man muss eigene Entscheidungen treffen und eigene Erfahrungen sammeln.

Du kannst auf jeden Fall beruhigt sein, dass du, egal, wofür du dich entscheidest, sicher was sinnvolles lernen wirst, dass keine dieser Entscheidungen endgültig ist, und dass du mit jedem zusätzlichen Monat im Arztberuf sicher besser verstehen wirst, was für eine Art Job und was für eine Art Fach dir liegt.