PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie lange bis zur Kündigung warten?



Seiten : [1] 2 3

hanna:95
19.08.2024, 11:54
Hallo zusammen,

ich habe noch mal eine Frage:
Ich habe am 1.8. meine allererste Stelle in der Inneren angefangen. Ziel ist Allgemeinmedizin, d.h. ich brauche ein Jahr in der Inneren. Das war auch bei der Einstellung bereits bekannt, da ich aus einem Allgemeinmedizin-Stipendium komme.

Mir wurden sehr schnell ein paar Dinge klar:
1. Ich werde nicht als neue Kollegin gesehen, sondern als Angestellte auf Zeit, in die man keine Ausbildung investieren braucht, die aber umgekehrt möglichst viel Drecksarbeit machen soll. Das wurde mir auch vom Stations-OA deutlich gesagt. Ich komme mir momentan vor wie in übelsten PJ-Zeiten: Briefe schreiben, Blutentnahmen, PVKs und ständig anraunzen lassen, warum dies und das noch nicht gemacht werde. Ich habe keinen eigenen PC-Arbeitsplatz und keinen eigenen Schrank im Arztzimmer.
2. Ich werde mit dem Team nicht warm. Es herrscht eine extreme Cliquenbildung entlang der Sprachgrenzen, neben mir gibt es unter den Weiterbildungsassistenten nur noch eine Russin, die fließend deutsch spricht. Ansonsten wird sich auch mit den Oberärzten in arabisch/rumänisch unterhalten, so dass ich auch während Kurvenvisiten nichts mitnehme. Mein Wunsch auf Deutsch zu reden wird freundlich ignoriert.

Dazu kommen noch ein paar andere Sachen, die nicht passen. Überstunden gibt es nicht und nächstes Monat soll ich meinen ersten Dienst machen obwohl ich mich dazu in keinster Form fit fühle. Habe ich nach Erscheinen des Dienstplans auch gleich der Planerin gesagt, die meinte nur freundlich, dann muss ich eben in den nächsten sechs Wochen fit werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich werde schauen, dass ich von da sehr schnell wieder wegkomme. Jetzt frage ich mich nur, wann es am geschicktesten ist zu kündigen. Eine Zwölf-Tage-Beschäftigung schaut halt im Lebenslauf nicht besonders gut aus. Umgekehrt drei oder sechs Monate ohne Lerneffekt und mit Diensten für die ich nicht fit bin bringt meiner Meinung nach auch nicht unbedingt was oder?

Liebe Grüße,
Hanna

Nefazodon
19.08.2024, 12:09
Wenn es dort wirklich so ist, wie Du berichtest und Du keine Aussicht auf Besserung siehst, würde ich dir raten, so schnell wie möglich zu kündigen.
Dafür ist die Probezeit da.
Nachfragen mag es geben, aber dann sagst Du halt "es hat nicht gepasst".

Ich sehe keinen Sinn darin, auf einer schlechten Stelle zu verharren.

Edit: Wenn es wirklich die erste Stelle ist und gar nich passt, würde ich rasch kündigen und das Unterfangen gar nicht erst im Lebenslauf erwähnen...

Allerdings sei auch gesagt, dass Startschwierigkeiten auf der ersten Stelle gar nicht so selten sind. Der Wechsel vom Studium ins Arbeitsleben ist hart.
Du solltest dich also ehrlich fragen, ob es dort vielleicht aufgrund der Umstellung schwierig ist, weil Du dich noch eingewöhnen musst, oder, ob es die allgemeinen Bedingungen dort sind.
Wenn eine ehrliche Bestandsaufnahme allerdings ergibt, dass Du dich dort nicht wohlfühlst und keine Perspektive siehst, dann bleibt es bei meinem Rat, rasch zu kündigen.

sammy123
19.08.2024, 12:24
Klingt grauenvoll, sofort kündigen! Der Lebenslauf spielt hier keine Rolle. Und wenn du ohnehin nichts lernst, ist jeder Tag dort verschwendet. Ich hatte auch mal eine Stelle, deren kurze Dauer bereits am Anfang klar war. Der Chef war trotzdem froh, dass ich da war sagte: "Dann gehen wir eben nur eine kurze Strecke gemeinsam."

Feuerblick
19.08.2024, 12:38
Sehe ich ähnlich. Im Lebenslauf würde ich diese paar Tage vermutlich einfach nicht erwähnen. Bringen ja auch fachlich nicht wirklich etwas.

davo
19.08.2024, 13:01
Sofort weg, und im Lebenslauf weglassen.

Matzexc1
19.08.2024, 13:36
Sofort weg, und im Lebenslauf weglassen.

Genau das und das heute oder morgen(gehe erst in die Personalabteilung und gib die Kündigung ab, lass dir eine Eingangsbestatigung aushändigen und dann zum Chef).
Wenn man dir trotzdem die Dienste verpassen oder was reinwurgen will würde ich mich krank melden.Lerne daraus für das nächste Bewerbungsgespräch.
Viel Erfolg.

Nachtrag: Ich würde mich bei der Gesellschaft für Allgemeinmedizin oder den Ausbildungspraxen erkundigen ob die dir ein Haus empfehlen können

hanna:95
20.08.2024, 22:11
Ich war heute in der Personalabteilung. Da mein Allgemeinmedizin-Stipendium als Arbeitsvertrag mit dem Krankenhaus galt bin ich schon seit vier Jahre dort beschäftigt und habe keine Probezeit mehr und vier Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende. Ich kann also frühestens zum 31.12. kündigen. Und jetzt wissen Chef und die ganze Abteilung, dass ich weg will...

Nefazodon
20.08.2024, 23:13
Ich würde dir raten, einmal juristisch prüfen zu lassen, ob das so arbeitsrechtlich korrekt ist.
Kenne natürlich die Bedingungen deines Stipendiums nicht....hast Du vier Jahre lang "Lohn" erhalten? Hieß das Stipendium offiziell Arbeitsvertrag? Gab es Sozialabgaben durch deinen Arbeitgeber?
All das spielt bei der Beurteilung, ob dein Stipendium wirklich ein Arbeitsverhältnis war, eine Rolle.
Das ist rechtlich nicht ganz so einfach, auch wenn die Personalabteilung das vielleicht gerne so hätte.
Bist Du Mitglied im MB? Dann kannst Du dich kostenlos in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten beraten lassen.

Was den Rest angeht....dann wissen sie halt dass Du weg willst. So what? In bestimmten (schlechten) Abteilungen ist sowas kein Geheimnis...
Du solltest selbstbewusst damit umgehen.

Da Du ja eh schon mit der Personalabteilung gesprochen hast, solltest Du dir vielleicht überlegen, um eine Vertragsauflösung zu bitten....wenn das dein Stipendium zulässt...

Matzexc1
21.08.2024, 19:50
Ich war heute in der Personalabteilung. Da mein Allgemeinmedizin-Stipendium als Arbeitsvertrag mit dem Krankenhaus galt bin ich schon seit vier Jahre dort beschäftigt und habe keine Probezeit mehr und vier Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende. Ich kann also frühestens zum 31.12. kündigen. Und jetzt wissen Chef und die ganze Abteilung, dass ich weg will...

Kann mich Nefazodon nur anschließen, wenn du doch Dienste machst rufst du wegen jeder Entscheidung bei der du dir minimal unsicher bist deinen Hintergrund an und protokollierst den Anruf. Das dient in deinem Fall etwas zu lernen und zum 2. der Absicherung(Überlastanzeigen sind da auch von Vorteil)

Und was solls? Du warst für ein jahr als Sklave eingeplant und jetzt ist halt klar das du schon früher gehst.

Mit wem ist das Stipendium geschlossen worden? Mit dem Krankenhaus oder dem Landkreis?

Hast du das Haus selbst ausgewählt oder war die das vorgeschrieben worden?

turaBu12
21.08.2024, 20:46
Ich war heute in der Personalabteilung. Da mein Allgemeinmedizin-Stipendium als Arbeitsvertrag mit dem Krankenhaus galt bin ich schon seit vier Jahre dort beschäftigt und habe keine Probezeit mehr und vier Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende. Ich kann also frühestens zum 31.12. kündigen. Und jetzt wissen Chef und die ganze Abteilung, dass ich weg will...

Auf jeden Fall rechtlich prüfen lassen. Stipendienverträge haben häufiger völlig abstruse Klauseln zum Nachteil des AN bzw. Empfängers, die die den Vertrag unwirksam machen können. Quelle: eigene Erfahrung und Info eines Anwalts

Speranza100
22.08.2024, 07:05
Ich kann mich da nur anschließen, auf jeden Fall prüfen lassen. Um diese ganze Allgemeinmedizin Stipendien/Förderungen existieren viele dubiose Vorstellungen.
Ich bin MB Mitglied, man kann von denen halten was man will, aber sie haben mir schon oft (und sehr schnell!) geholfen bei vertraglichen/juristischen Verständnisfragen. Auch damit ich danach besser für mich eintreten konnte, weil ich den Sachverhalt mehr durchblickt hatte.

Umso schlimmer dich so einzusetzen in der Abteilung, wenn das Gehalt sogar gefördert wird.
Wirklich krankes System....

Relaxometrie
22.08.2024, 08:23
Ich habe am 1.8. meine allererste Stelle in der Inneren angefangen.

Ich war heute in der Personalabteilung. Da mein Allgemeinmedizin-Stipendium als Arbeitsvertrag mit dem Krankenhaus galt bin ich schon seit vier Jahre dort beschäftigt

Was hast Du denn vorher 4 Jahre lang in dem Krankenhaus gemacht? Und was bedeutet "Stipendium"? Meinst Du damit die Förderung Allgemeinmedizin?

Relaxometrie
25.08.2024, 17:23
Eine Antwort wäre schon schön.

Jukka666
25.08.2024, 17:49
Ich war heute in der Personalabteilung. Da mein Allgemeinmedizin-Stipendium als Arbeitsvertrag mit dem Krankenhaus galt bin ich schon seit vier Jahre dort beschäftigt und habe keine Probezeit mehr und vier Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende. Ich kann also frühestens zum 31.12. kündigen. Und jetzt wissen Chef und die ganze Abteilung, dass ich weg will...

Du hast doch im Mai erst M3 bestanden, oder?

Nur aus Neugier: wie kann man dann vier Jahre lang ein Stipendium Allgemeinmedizin mit einem spezifischen Krankenhaus haben?

Ist da die "Landarzt"-Klausel oder Förderung oder inwiefern knebelt es dich an dieses Krankenhaus?
Du hättest dann diesen Vertrag doch als Studentin unterschrieben.

Ich bin nur neugierig, sowas habe ich noch nie gehört. Dass Arbeitsverträge vor einer Approbation so lange rückwirkend gelten.

Da muss man doch sicher rauskommen können...

davo
25.08.2024, 17:54
Naja, es gibt ja doch einige Klinik-Stipendien, bei denen man während des klinischen Studienabschnitts z.B. €500/Monat bekommt und sich im Gegenzug für eine bestimmte Art von Facharztweiterbildung verpflichtet, andernfalls die Förderung zurückzahlen muss. So etwas in der Art wird es also wohl sein.

Relaxometrie
25.08.2024, 18:24
Dass Arbeitsverträge vor einer Approbation so lange rückwirkend gelten.
Da muss man doch sicher rauskommen können...
Das finde ich auch extrem merkwürdig. Deswegen fände ich es interessant, die Antwort zu erfahren.

hanna:95
27.08.2024, 08:20
Ich hab leider gerade keine Zeit und Kraft zu antworten. Habs aber nicht vergessen!

hanna:95
29.08.2024, 12:59
Hallo zusammen,

jetzt die Antwort...mein Stipendium lief ab 2019 als Werkstudentenvertrag. Ich habe monatlich Geld bekommen und mich dafür verpflichtet, meine Facharztweiterbildung plus die ersten fünf Jahre meiner Facharzttätigkeit im Klinikunternehmen meines Heimatlandkreises zu verbringen. Für jedes Jahr das ich weniger ableiste muss ich 10% der Summe plus Zinsen zurückzahlen.
Als ich unterschrieben hatte, passte das gut zu meiner Karriereplanung. Außerdem kam irgendwann noch die Option mit allgemeinärztlicher Tätigkeit im Landkreis dazu. Dann kam noch Corona und das Geld auf dem Konto tat sehr gut, so dass ich nie wieder genau drüber nachdachte.
Jetzt ist es laut Personalabteilung so, dass die Werkstudententätigkeit bereits als erster Arbeitsvertrag gilt und ich damit auf der einen Seite keine Probezeit habe, auf der anderen Seite aber auch verlängerte Kündigungsfrist. Außerdem wurde mir signalisiert, dass eine Kündigung des Arbeitsvertrags eine Kündigung des gesamten Stipendiums bedeutet, d.h. ich müsste 100% plus Zinsen sofort zurückzahlen.
Die Arbeit ist nach wie vor die Hölle, ich werde nicht als Weiterbildungsassistentin oder Kollegin gesehen, sondern als Arbeitskraft "on top", die die lästige Drecksarbeit machen soll. Das wurde mir von einem Oberarzt jetzt mehrfach so gesagt. Ich soll keine eigenen Patienten haben, sondern Briefe schreiben, telefonieren, Blut abnehmen etc. Darf mir dann aber von einer anderen Oberärztin Faulheit vorwerfen lassen, weil ich eben keine eigenen Patienten habe. Und den Chef interessiert es überhaupt nicht.
Ich habe in meinem Versicherungspaket eine Rechtschutzversicherung dabei, die deckt zwar eigentlich kein Arbeitsrecht mit ab, aber sie wollen sich die ganzen Verträge einmal anschauen und mir dann sagen, ob ich etwas machen kann.
Ich hoffe, ihr könnt verstehen, dass mich das gerade ziemlich runterzieht und ich deshalb auch meine ganze Kraft sammeln muss, um darüber zu schreiben. Ich habe eigentlich gehofft, dass mit dem Start ins Berufsleben der ganze Mist aus dem Studium vergessen ist, aber es wurde bislang nur noch schlimmer...

Liebe Grüße,
Hanna



Liebe Grüße,
Hanna

Choranaptyxis
29.08.2024, 13:16
Falls die Rechtsschutz zu lange braucht oder du generell eine zweite Meinung möchtest, und Mitglied im MB bist (oder einfach beitreten dafür), kannst du dort auch nachfragen. Solche Verträge a la wir übernehmen Kosten und sie verpflichten sich, sind für Weiterbildungen in der freien Wirtschaft ja häufig und dort wurden sie oft kassiert, da eben für zu wenig Kostenübernahme viel zu lange Bindung verlangt wurde.
Mir erscheint es nämlich etwas lang, für 5 Jahre Unterstützung sich mal locker 10 Jahre zu binden. Hast du dann als Werksstudentin auch gearbeitet, also Gegenleistung erbraucht?

Matzexc1
29.08.2024, 13:25
Ich würde dir auch raten den Marburger Bund einzuschalten.
Ebenso wurde ich dir eine vertrauliche Beratung mit dem Betriebs oder Personalrat anraten.

Die Dienste würde ich schriftlich ablehnen mit der Begründung das keine Einarbeitung seitens der Abteilung erfolgt und du im Interesse der Patientensicherheit die korrekte Betreuung nicht garantieren kannst. Es ist Datenschutzrefhtlich nicht zulässig Gespräche mit zuschneiden würde aber genau das überlegen. Der Oberärztin würde ich kurzerhand sagen sie soll das mit dem abklären der dir verbietet Patienten zu haben und das auch genauso sagen.

Insgesamt geht das Verhalten des Hauses und der Abteilung gar nicht, du sollst in dieser Abteilung 1 Jahr knechten, oder?
Wenn alles zu viel wird krank melden und zwar für längere Zeiträume, der Burnout wird eher massiver und genau danach hört sich das an

Bis zu 42 Tagen krank zahlt dein Arbeitgeber dei. Gehalt, also ab sofort 6 Wochen Krankmeldung durch Hausärztin/Hausarzt

Deine Versicherung deckt kein Arbeitsrecht ab?
Wo hast du die her? Arbeitsrecht ist gefühlt der wichtigste Teil.