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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mit Neuro-Fremdjahr starten - Frage zu Bewerbung



na1luj
20.08.2024, 20:19
Hey zusammen,

ich schließe dieses Jahr mein Studium ab und werde im kommenden Frühjahr zu arbeiten beginnen. Aktuell ist mein Plan, den Facharzt für Psychiatrie zu machen, jedoch mit Neuro (1 Jahr lang) zu beginnen. Einerseits hätte ich damit direkt mein Fremdjahr erledigt (kenne einige Psychiatrie-Assis, die das ewig vor sich herschieben und umso mehr Angst davor entwickeln, je länger sie aus der Somatik raus sind); andererseits würde ich sicher auch einige wichtige somatische Basics lernen, die ich für die anschließenden Jahre in der Psychiatrie gebrauchen kann.

Ich würde mich für Neuro auf jeden Fall an einer Uniklinik bewerben wollen, am ehesten Frankfurt oder Heidelberg.

Meine Frage wäre nun, wie offen ich bei der Bewerbung kommunizieren sollte, dass ich eigentlich nach 1 Jahr schon in die Psychiatrie wechseln möchte. Ich habe gelegentlich gehört, dass (v. a. Uni-)Kliniken natürlich eher Leute einstellen, die auch den Facharzt anstreben. Aber lügen würde ich natürlich auch ungern…

Und btw: Falls ich offen kommunizieren würde, dass es sich (aller Voraussicht nach) um ein Fremdjahr handelt: Wisst ihr, ob es typische Bereiche gibt, in denen Neuro-Fremdjahr-Assis eingesetzt werden? Also bspw. „entspanntere“ Bereiche wie Funktionsabteilung/Elektrophysiologie oder Ambulanz? (Falls ja, wäre es ja vielleicht sogar von Vorteil, mit offenen Karten zu spielen.)

Danke und liebe Grüße! :-)

Relaxometrie
20.08.2024, 20:26
Ob offen kommunizieren oder nicht....keine Ahnung, da sind die Meinungen geteilt. Ich glaube, ich würde es nicht sagen. Denn es könnte ja auch sein, dass Dir die Neurologie so gut liegt, dass Du erst den Neurologie-Facharzt machst und dann im Fremdjahr Psychiatrie dort hängen bleibst und den Facharzt für Psychiatrie auch noch machst.

Die Funktionsabteilungen sind meist die Nadelöhre in der Weiterbildung, so dass Du dort höchstwahrscheinlich weder landest, wenn Du von Anfang an sagst, dass Du nur ein Jahr in der Neurologie bleiben möchtest (da die Weiterbildungsassistenten, die den Facharzt Neurologie anstreben meist selbst ein zeitlang auf die Rotation in die Funktionsabteilungen warten müssen), noch sofort dort landest, wenn Du sagst, oder so tust, als ob Du den Facharzt Neurologie anstrebst.
Und Arbeit in der Ambulanz ist alles, aber nicht gechillt.

Trenn
20.08.2024, 21:31
Kenne einige, die mit PJ und Doktorarbeit nicht in die Neuro Frankfurt reingekommen sind, Heidelberg hat gefühlt noch ein besseres Renommee. Sind aber Infos von vor 10 Jahren, weiss jetzt nicht wie es mittlerweile ist. Damals hatte die Ausbildung 7-8 Jahre gedauert. Alles sehr gründlich, aber entsprechend lang dauert es, bis man in bestimmten Dinge eingeführt wird. Danach war man aber OA-ready. Wenn's chillig sein soll, wieso nicht Neuro ambulant oder Reha. Assis müssen als erstes dienstfit werden. Und das wird man nicht in der Ambulanz oder Funktion.

na1luj
20.08.2024, 21:44
Toll, ich habe weder eine Doktorarbeit, noch PJ in der Neuro gemacht… 😅
Ich hatte gehört, dass in Heidelberg für Neuro öfters Stellen frei wären. Frankfurt weiß ich nichts zu.

Na ja, es soll nicht unbedingt chillig sein, aber eben auch nicht so stressig, dass ich mich maximal überfordert fühle und jeden Tag hoffe, dass das Jahr möglichst schnell rumgeht. Ich will eben auch 1 Jahr lang wirklich was über Neuro lernen, und ich denke, an einer Uniklinik lernt man mehr als in einer Praxis oder Reha.

nie
20.08.2024, 22:31
In meiner Klinik (nicht Frankfurt oder Heidelberg aber auch Uni) gehen in der Neurologie die Assistenten am Anfang direkt auf die Stroke, selten auf die Normalstation. Dazu werden sie direkt ab Tag 1 in der ZNA eingearbeitet und haben wochenweise ZNA Dienst. Die Funktionsabteilung ist ein Nadelöhr, das nichtmal die fortgeschrittenen Neuro-Assistenten zeitnah von Innen sehen. Viele kündigen weil sie Jahre auf die Funktionsrotation warten müssten und sich ihre Weiterbildungszeit dadurch deutlich verlängert. In der Ambulanz sitzen ebenfalls die erfahrenen Assistenten weil die keinesfalls chillig ist sondern man einen extrem hohen Patientendurchlauf hat mit hochkomplexen Spezialambulanzpatienten und Studienpatientwn. Meisten landen da die Assistenten, die sich bereits in den entsprechenden Forschungsgruppen etabliert haben.

Hab jetzt nicht jeden Neurologen nach seinem Lebenslauf gefragt aber arbeite seit 5 Jahren räumlich eng mit den Neurologen zusammen und wenn ich das grob überblicke, gibt gar nicht wirklich Fremdjahres-Assistenten. Zumindest wirds nicht offenen kommuniziert und die Psych-Sssistenten scheinen ihr Fremndjahr nicht in dieser Abteilung zu machen. Weiß nur, dass man als Allgemeinmediziner in seinen Wunschbereichen und z.B. in Spezialambulanzen eingesetzt wird aber die sind halt noch top und werden von der Allgemeinmedizin bezahlt.

na1luj
20.08.2024, 22:42
Also müssen die Allgemeinmediziner-Assistenten bei euch nicht auf die Stroke bzw. ZNA, sondern können sich ihr Neuro-Jahr relativ frei gestalten?
Wäre ja naheliegend, dass das bei Psychiatrie-Assistenten genauso ist, oder?

na1luj
20.08.2024, 22:43
Und an welcher Klinik bist du, wenn ich fragen darf? (Gerne auch per PN)

nie
21.08.2024, 00:06
Also müssen die Allgemeinmediziner-Assistenten bei euch nicht auf die Stroke bzw. ZNA, sondern können sich ihr Neuro-Jahr relativ frei gestalten?
Wäre ja naheliegend, dass das bei Psychiatrie-Assistenten genauso ist, oder?

Nein. Die Allgemeinmedizinassistenten sind im Institut für Allgemeinmedizin angestellt und werden von denen bezahlt. Sie kommen on top in die entsprechenden Abteilungen, besetzen also keine reguläre Stelle sondern sind quasi eine zusätzliche gratis Arbeitskraft. Unter der Bedingung, dass sie im Rahmen ihres Einsatzes so eingesetzt werden, dass sie Dinge lernen, die für ihre allgemeinmedizinische Tätigkeit relevant sind.

Potentielle Psych-Fremdjahr-Assistenten werden in der Neurologie angestellt, besetzen eine Stelle (die man sonst sinnvollerweise mit einem Neuro-Assistenten besetzen könnte) und werden von den Neurologen bezahlt. Dementsprechend entscheiden auch die Neurologen, wo sie die Leute einsetzen mit denen sie ihre eigenen Assistentenstellen besetzen. Da würde ich wenig Mitspracherecht erwarten.

Bin jetzt auch nur stiller Beobachter aber zumindest ist hier die Neuro schon recht kompetitiv und ich glaube kaum, dass du hier als Anfänger (egal ob die so tust als würdest du Neuro machen wollen oder dich als Fremdjahresassistent „outest“) viel zu melden hast. Bin übrigens in NRW tätig, also nicht ganz dein potentieller Wunschradius.

Anne1970
21.08.2024, 03:39
Wenn man die NRO gut kennenlernen möchte ( the big five) ist es sinnvoll in ein größeres Haus zu gehen, muss nicht Uni sein: Haus der Maximalversorgung mit Stroke Unit- 24/7 MTE - großer Normalstation: so lernt man Hirninfarkt/MS/PNP/MP/GBS/CIDP etc. in einem Jahr mal kennen. Finde Transparenz ganz gut - dann würde man dich bei uns z.B. im Verlauf eher für Spät/Wochenendienst auf Station fitt machen und dich nicht in die ZNA einarbeiten… Rotieren würdest du zwischen Normalstation und Stroke Unit mit enger Einarbeitung und Supervision. ( auf die Weise sind schon mehrere Rotanten bei uns hängen geblieben bzw. nach dem FA für PSY wieder gekommen… und irgendwann mit dem doppelten FA in die Niederlassung gegangen. :grins:

abcd
22.08.2024, 12:55
Bei uns in der Neuro wurde eigentlich auch offen kommuniziert, wer ein Fremdjahr macht. Allerdings hatten wir meistens hausinterne (zwei Häuser) Rotanden, ein "Neurologe" ging ein "Psychiater" kam. Einarbeitung auf Normalsation und Stroke, Notaufnahme musste in Diensten mitbetreut werden.