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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rechtliche Konsequenzen wenn in der Rufbereitschaft nicht erreichbar?



Moonchen
29.08.2024, 06:08
Was würden mir für rechtliche Konsequenzen drohen, wenn man in der Rufbereitschaft nicht erreichbar ist? Arbeitsrechtlich ist mir das klar (wahrscheinlich Abmahnung/Kündigung), wie sieht es aber zum Beispiel aus wenn ein Patient dadurch zu Schaden kommt - sind dann ich oder das Krankenhaus in der Pflicht?

(Hintergrund des Ganzen: ich habe eine relativ seltene Subspezialisierung, für die von Gesetzes wegen her in der Klinik eine Rufbereitschaft 24/7 gefordert wird. Leider sind in meiner Abteilung nur 3 Leute in Teilzeit, die die Subspezialisierung haben. Zusammengerechnet kommen wir auf einen Stellenanteil von 2,4 VZ-Stellen, ich habe davon 60%. Da man auch wirklich selten reingerufen wird nennt die Klinik das im Arbeitsvertrag eine „Erreichbarkeitspauschale“ für 180€ brutto pro Monat, ohne nähere Angaben zum zeitlichen Umfang oder der Häufigkeit der Einsätze zu machen. Mir wurde das im Vorstellungsgespräch so verkauft dass das alles unkompliziert sei und man seinen ganzen Freiteitaktivitäten nachgehen kann, solange man zu Hause übernachtet. Praktisch sieht es jedoch jetzt so aus, dass der Chef erwartet dass wir in 30min bis maximal einer Stunde da sind. Jetzt ist Urlaubszeit und es gibt Streit im Team wer die Dienste übernimmt, da die Leute natürlich auch vor allem an den Wochenenden andere Pläne haben wie Fortbildungen und teilweise auch nicht die Kinderbetreuung gewährleistet werden kann. Ich habe tatsächlich schon gekündigt aber dank langer Kündigungsfrist noch 4 Monate in dem Laden und bin am Überlegen ob ich es etwas „eskalieren“ lasse und dann einfach nicht ans Telefon gehe)

rafiki
29.08.2024, 06:40
Das heisst, du stehst 18x im Monat (60%) für 180 Euro zur Verfügung? Nicht zu fassen!
Aber auf gar keinen Fall nicht ans Telefon gehen, das könnte tatsächlich rechtlich böse ausgehen. Wenn du so gestresst bist, gibt es andere Möglichkeiten, 4 Monate zu überstehen ;-)

Nefazodon
29.08.2024, 07:18
Was würden mir für rechtliche Konsequenzen drohen, wenn man in der Rufbereitschaft nicht erreichbar ist? Arbeitsrechtlich ist mir das klar (wahrscheinlich Abmahnung/Kündigung), wie sieht es aber zum Beispiel aus wenn ein Patient dadurch zu Schaden kommt - sind dann ich oder das Krankenhaus in der Pflicht?


Selbstverständlich haftet in dem Fall NICHT das Krankenhaus. Das Krankenhaus hat seine Sicherstellungspflicht erfüllt, in dem es dich zum Rufdienst eingeteilt hat.
Wenn Du im Rufdienst mutwillig nicht erreichbar bist, haftest Du! Wahrscheinlich sogar ohne Versicherung weil grob fahrlässig.

Wenn Du es eskalieren lassen willst, bleibt dir nur die *offene* Konfrontation mit deinem AG zu suchen und direkt zu sagen, dass Du die Dienste nicht übernimmst.

Thomas24
29.08.2024, 08:35
Wer steht in der Garantenstellung gegenüber dem Patienten? Der AG oder der eingeteilte AN?
- Wenn der AN eingeteilt worden ist
- Das auch weiß
- Eigentlich auch erreichbar und arbeitsfähig wäre
- Aber mutwillig entscheidet, die Anrufe einfach nicht anzunehmen

dann hat in dieser Konstellation meines Erachtens *nicht* der Arbeitgeber den schwarzen Peter. Das kann wirklich Haftungsrechtliche Probleme aufwerfen.

Die Frage, ob es zulässig ist, den AN mit so einer geringen Pauschale für so viele Dienste abzuspeisen, ist ja davon völlig unabhängig. Wir sind uns ja alle einig, dass das eine Unverschämtheit ist. Die Argumentation "mein Arbeitgeber hat meine Arbeitsleistung nicht angemessen honoriert, deswegen bin ich bewusst nicht ans Telefon gegangen, obwohl ich erreichbar gewesen wäre und den Anruf auch wahrgenommen habe" interessiert aber im worst Case Szenario weder den Staatsanwalt, noch den Strafrichter.

Feuerblick
29.08.2024, 10:37
Genau so sehe ich das allerdings auch. Wenn eskalieren lassen, dann dem Arbeitgeber klar und schriftlich mitteilen, dass du den Dienst am XX, XX und XX nicht übernehmen kannst und wirst.

Relaxometrie
29.08.2024, 10:42
Nichtanstelefongehen halte ich auch für die absolut falsche Eskalationstaktik. Siehe Posting von Thomas24.

Moonchen
29.08.2024, 17:45
Danke für eure Antworten. Tatsächlich existiert kein „richtiger“ Dienstplam weil der Chef sagt wir sollen es unter uns klären wer wann arbeitet und die anderen sind irgendwie nicht motiviert das länger im Vorraus festzulegen; deswegen plant auch irgendwie jeder sein Ding. Ich hab dem Chef schon gesagt dass ich den Dienst nicht machen kann; meine Kollegin sagt sie kann auch nicht also steht da gerade niemand (auf dem professionellen handschriftlichen Plan im Arztzimmer..) nun ja, zur Not hab ich halt ne Migräne oder so und muss mich kurz vorher krank melden 🙈

morgoth
29.08.2024, 18:42
Das ist ja dann ein etwas anderes Szenario. Wenn du nachweislich mitgeteilt hast (etwa per Mail), dass du am xx.yy. nicht kannst und im Moment dieser Tag auch noch offen steht, brauchst du meiner Auffassung an dem Tag dann auch wirklich nicht ans Telefon zu gehen.
Im Moment ist dann erstmal der Chef/Arbeitgeber am Zug, den Dienstplan zu erstellen.

Lakemond
29.08.2024, 23:20
Ich kriege im RD 85-100€....pro Stunde.
Warum unterschreibt man überhaupt so einen Vertrag???

Lakemond
30.08.2024, 09:40
Das heisst, du stehst 18x im Monat (60%) für 180 Euro zur Verfügung? Nicht zu fassen!

Bei 2,4 VZ-Stellen und einer 60% Stelle wären es 0,25x30 = 7-8 Dienste, aber egal

rafiki
30.08.2024, 17:09
Bei 2,4 VZ-Stellen und einer 60% Stelle wären es 0,25x30 = 7-8 Dienste, aber egal

Also mir wäre es nicht egal, für ca. 20 € pro Tag zur Verfügung zu stehen. Das ist schäbig, und zwar gegenüber sich selbst. Dafür muss man niemanden anklagen, wenn man bereit ist, auf so etwas einzugehen. Kein Wunder, dass die Arztlöhne stagnieren.

Tramaldol
31.08.2024, 13:06
So eine komische Rufbereitschaft hätte ich auch nicht angenommen.

Man muss auch garnicht zu Hause übernachten, aber man sollte innerhalb von 45 Minuten in der Klinik sein. Dein Chef verlängert es noch auf eine Stunde. D.h. letztendlich muss man in der Umgebung des KH mit 1h Fahrtzeit bleiben. Also wirkliche "Notfälle" sind das nicht mit 1h Wartezeit.

Trotzdem ist das zuviel Rufbereitschaft für so wenig stellen. Aber du bist diesen Vertrag eingegangen, selber schuld.
Ich schlage die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung vor.

Ehrlich gesagt, hatte ich es so oft als Vordergrund, dass der Hintergrund nicht sofort erreichbar war und erst nach 20 Minuten oder später zurückruf oder man dann sich meldete. Begründung: Ja jetzt ist ein längeres Tennismatch, Essen oder Vesper, was übrigens auch teilweise angekündigt wurde. Bei Personalnot hat auch der Chef mal Hintergrund gemacht, war aber auch nicht jederzeit erreichbar.
In der Zwischenzeit konnte man selbst dann allerdings wirkliche Notfälle betreuen. Labor, ggfs. Antibiose, sich bei der Cardio, Gastro , Neuro oder NC melden, je nach Art des Notfalls.

Moonchen
31.08.2024, 22:36
Im Nachhinein war es natürlich dumm den Vertrag so anzunehmen - aber da es mir im Vorstellungsgespräch von verschiedenen Seiten anders erzählt wurde bin ich von einem anderen Konstrukt ausgegangen… nun ja, den Fehler mache ich nicht noch mal und in 4 Monaten ist ja zum Glück eh Schluss..
Die Kollegin und ich haben uns jetzt drauf geeinigt dass wir einfach keinen auf den Dienstplan schreiben aber beide dafür telefonisch erreichbar sind - im Zweifelsfall
ist die Anfahrt halt etwas länger

TaraTamm
01.09.2024, 12:08
Hat das auch euer Chef so abgesegnet bzw. weiß er zumindest davon?

Potentiell können aus sowas schon große Probleme entstehen. Bis hin zu Gafahr für die Approbation.

Und das letztlich auch zurecht. Wenn man mutwillig das Patientenwohl gefährdet, weil man nicht ans Telefon geht, obwohl man weiß, dass man eigentlich dazu verpflichtet ist, kann das schon an der Notwendigen Gewissenhaftigkeit für den Arztberuf zweifeln lassen.

Praktisch ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Problem entsteht. Bei meinem früherem Arbeitgeben gar es mehrmals Situationen, in denen zum Beispiel der Rufdienst für Thrombektomien nicht erreichbar war oder erst stark verzögert erreicht werden könnte. Für den Patient denkbar ungünstig. Die Information dazu hat aber in der Regel nicht mal die Chefarztebene erreicht und erst recht nicht darüber hinausgehende Ebenen.

Tramaldol
01.09.2024, 15:18
Hat das auch euer Chef so abgesegnet bzw. weiß er zumindest davon?

Potentiell können aus sowas schon große Probleme entstehen. Bis hin zu Gafahr für die Approbation.

Und das letztlich auch zurecht. Wenn man mutwillig das Patientenwohl gefährdet, weil man nicht ans Telefon geht, obwohl man weiß, dass man eigentlich dazu verpflichtet ist, kann das schon an der Notwendigen Gewissenhaftigkeit für den Arztberuf zweifeln lassen.

Praktisch ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Problem entsteht. Bei meinem früherem Arbeitgeben gar es mehrmals Situationen, in denen zum Beispiel der Rufdienst für Thrombektomien nicht erreichbar war oder erst stark verzögert erreicht werden könnte. Für den Patient denkbar ungünstig. Die Information dazu hat aber in der Regel nicht mal die Chefarztebene erreicht und erst recht nicht darüber hinausgehende Ebenen.

Naja, man darf 1h (!) anfahren. Leider wissen wir nicht, was genau die Rufbereitschafts abdeckt, daher können wir nicht viel dazu sagen.


Im Nachhinein war es natürlich dumm den Vertrag so anzunehmen - aber da es mir im Vorstellungsgespräch von verschiedenen Seiten anders erzählt wurde bin ich von einem anderen Konstrukt ausgegangen… nun ja, den Fehler mache ich nicht noch mal und in 4 Monaten ist ja zum Glück eh Schluss..
Die Kollegin und ich haben uns jetzt drauf geeinigt dass wir einfach keinen auf den Dienstplan schreiben aber beide dafür telefonisch erreichbar sind - im Zweifelsfall
ist die Anfahrt halt etwas länger

Gesagt und versprochen wird immer viel, neue Ausstattung, Renovierung, neue Gebäude, Fortbildung und Weiterbildung extern, Karrierechancen usw. usw.; in der Regel 90% Schmarrn.
Aber was auf dem Papier steht, das zählt. Insbesondere vor einem Gericht.
Was der eine vor 5 Jahren geplappert hat, ist da in der Regel nicht so relevant.

Tweety8008
03.09.2024, 17:57
Was würden mir für rechtliche Konsequenzen drohen, wenn man in der Rufbereitschaft nicht erreichbar ist? Arbeitsrechtlich ist mir das klar (wahrscheinlich Abmahnung/Kündigung), wie sieht es aber zum Beispiel aus wenn ein Patient dadurch zu Schaden kommt - sind dann ich oder das Krankenhaus in der Pflicht?

(Hintergrund des Ganzen: ich habe eine relativ seltene Subspezialisierung, für die von Gesetzes wegen her in der Klinik eine Rufbereitschaft 24/7 gefordert wird. Leider sind in meiner Abteilung nur 3 Leute in Teilzeit, die die Subspezialisierung haben. Zusammengerechnet kommen wir auf einen Stellenanteil von 2,4 VZ-Stellen, ich habe davon 60%. Da man auch wirklich selten reingerufen wird nennt die Klinik das im Arbeitsvertrag eine „Erreichbarkeitspauschale“ für 180€ brutto pro Monat, ohne nähere Angaben zum zeitlichen Umfang oder der Häufigkeit der Einsätze zu machen. Mir wurde das im Vorstellungsgespräch so verkauft dass das alles unkompliziert sei und man seinen ganzen Freiteitaktivitäten nachgehen kann, solange man zu Hause übernachtet. Praktisch sieht es jedoch jetzt so aus, dass der Chef erwartet dass wir in 30min bis maximal einer Stunde da sind. Jetzt ist Urlaubszeit und es gibt Streit im Team wer die Dienste übernimmt, da die Leute natürlich auch vor allem an den Wochenenden andere Pläne haben wie Fortbildungen und teilweise auch nicht die Kinderbetreuung gewährleistet werden kann. Ich habe tatsächlich schon gekündigt aber dank langer Kündigungsfrist noch 4 Monate in dem Laden und bin am Überlegen ob ich es etwas „eskalieren“ lasse und dann einfach nicht ans Telefon gehe)

Für 18 Nachtdienste im Monat (60% von 30 Tagen) kriegst du 180€/Mo brutto?

WTF, du lässt dich ja komplett verarschen vom AG :o

mbs
04.09.2024, 13:32
Die Realität ist: Wo kein Kläger da kein Richter.

Hier machen "Ärzte" mit Berufserlaubnis aber ohne Approbation allein Vordergrunddienste.
Und die Hälfte der Hintergründe wohnt streng genommen auch zu weit weg. Man weiß eben dass alle die das wissen nichts machen können um keine Angst vor einem Arbeitsplatzverlust haben zu müssen. Intern etwas sagen bringt absolut nichts.