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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : abgelaufenes Material in Arztpraxis



DieCaro
31.08.2024, 23:09
Ich hatte heute einen Notarzteinsatz in einer Arztpraxis. Dabei fiel mir auf, dass die MPG-STK-Kontrollen von EKG und Druckminderer seit Jahren überfällig waren. Der Sauerstoff war abgelaufen, ebenso die am Patienten verwendete Sauerstoff-Nasensonde. Mein Fahrer hat alles fotografiert. Im Notfall-Ampullarium des Arztes meinte ich auch die Jahreszahl "2021" gelesen zu haben...
Als ich den Arzt darauf ansprach, bekam ich als Antwort "Wenn der Staat das will, dann soll der Staat das zahlen".
Welche Stelle freut sich hier auf einen Hinweis? Gewerbeaufsichtsamt?

Nefazodon
01.09.2024, 00:01
Ich würde vermuten, die richtige Stelle wäre das Gesundheitsamt....

Aber: Ist dem Patienten durch das abgelaufene Material denn wirklich ein Schaden entstanden?
Wenn nein, würde ich das glaube ich nicht melden.

Richtig ist es natürlich nicht, dass alles abgelaufen ist. Andererseits ist es aber auch nicht deine Aufgabe, den Kollegen zu kontrollieren.
Schlimm genug, dass es in der Praxis zu einem Notfall gekommen ist. Ich hoffe, dass es glimpflich ausging.
Aber nunja. Das ist meine Ansicht.

DieCaro
01.09.2024, 00:14
Nein, dem Patienten ist zum Glück vermutlich kein Schaden entstanden. Ich weiß aber nicht, was mit dem nächsten Patienten ist. Oder dem Übernächsten. Und das wäre dann ein Schaden, den man hätte verhindern können.
Wer, wie der Praxisinhaber, eine solche Einstellung zu geltendem Recht an den Tag liegt, dem gehört auf die Finger geschaut und geklopft.
Insofern unterscheidet sich da meine Ansicht wohl von deiner.

Nefazodon
01.09.2024, 00:26
Ich bin da ehrlich gesagt ambivalent. Vielleicht unterscheiden sich unsere Ansichten gar nicht so sehr, wie man glauben würde.

Richtig ist das alles sicherlich nicht. Andererseits bin ich mir unsicher wieviel eine Meldung wirklich ändern würde....
Wenn der Arzt vernünftig ist, und ihm die Sachen einfach nur "durchgerutscht" sind, wird er seine Notfallausrüstung nach dieser Erfahrung vermutlich selbst auf den neuesten Stand bringen.
Wenn er allgemein schlampig ist, wird vermutlich auch eine einzelne Praxisbegehung nicht viel ändern.

Aber Du kannst es ja melden. Das wird nicht viel Aufwand sein und vielleicht ändert es doch was.

Ich mag ja immer an das gute im Menschen glauben, und daran, dass im Grunde alle gute Arbeit leisten wollen. Dann würde der Kollege durch dieses Ereignis hoffentlich selbst die richtigen Schlüsse ziehen und nach deiner Ermahnung die Ausrüstung auf Vordermann bringen.
Aus der direkten Reaktion auf deine Ansprache würde ich nicht zwingend etwas machen, weil der Kollege sicher unter Stress gestanden haben wird....wäre zumindest meine Fantasie.
Andererseits kann es auch nicht schaden, das zu melden....die Konsequenzen (Praxisbegehung, Abmahnung, Aufforderung zur Nachbesserung...) dürften sich vermutlich in Grenzen halten. Und vielleicht wäre das dann der Anstoß um etwas zu ändern.

Wiederum andererseits... nicht dass der Kollege aus dem Ereignis und deiner Meldung dann am Ende noch den Schluss zieht, beim nächsten Mal lieber keinen Notarzt zu rufen, sondern länger selbst zu behandeln...ist zwar etwas weit hergeholt, aber irgendwo spielt da natürlich auch der Gedanke bei mir mit rein, dass man nicht in die Pfanne gehauen werden sollte, wenn man sich Hilfe holt...

Ach, ich weiß auch nicht, was richtig ist.:-nix

So oder so hat sich der Arzt eine potenzielle Meldung und etwaige Konsequenzen am Ende selbst zuzuschreiben.

crossie
01.09.2024, 07:57
Als ich den Arzt darauf ansprach, bekam ich als Antwort "Wenn der Staat das will, dann soll der Staat das zahlen".

Ohne jetzt fundierte Kenntnisse in der Vergütung ambulanter Leistungen haben würde ich mal behaupten, dass "Instandhaltung, Wartung und Vorhaltung von Praxisausstattung" in irgendeiner Weise in der Vergütung berücksichtigt ist. Bei einem "Oh, Mist, ist mir durchgerutscht, danke für den Hinweis!" hätte ich auch nichts unternommen. Bei der zitierten Antwort würde ich tatsächlich auch eine Meldung ans Gesundheitsamt und die KV machen.

Reflex
01.09.2024, 08:14
Konsequenz kann auch einfach sein, dass der Kollege nach der Ermahnung alles abgelaufene einfach entsorgt. Dann wird eine Meldung und ggf. Begehung/Überprüfung keinerlei Folgen nach sich ziehen, da er drauf reagiert hat, als es aufgefallen ist und er es nicht nachweislich bei einem Patienten angewendet hat, der darauf einen Schaden erlitten hat. Es kann ihn auch keiner zwingen neues Material anzuschaffen.

Verrückterweise gibt es für Praxen keine Richtlinie/Vorgabe, was an Material im Notfall verhanden sein muss, jenseits des kleinen Verbandkasten, nach DIN 13157 "Erste-Hilfe-Material; Verbandkasten C", was die BG/DGUV fürs Personal unter 50 Personen vorgibt. Alles andere ist optional.

Jukka666
01.09.2024, 11:29
Das mit dem abgelaufenen Material kenne ich auch aus Praxen. Ich mache viel Notfalltrainings in Praxen, u.a. Zahnarztpraxen.
Und in dem Rahmen begutachten wir die Notfallkoffer und geben Tipps zur Entrümpelung bzw. Neuanschaffung. U.a. lassen wir jedes Mal Endotrachealtuben, Beisskeile oder Uralt-Masken entfernen...(können die eh nicht nutzen und wurde ihnen wahrscheinlich aufgeschwatzt).
In dem Rahmen hatte eine Zahnarztpraxis mal einen Koffer aus den 70ern da. Das PVC der Tuben war entsprechend ... naja ... "fleischfarben"...

Die schmeissen dann alles panisch weg, wenn man ihnen ins Gewissen redet...hab noch nie ne trotzige Reaktion erlebt...aber klar, "schlechte Praxen" gibt es...

DieCaro
01.09.2024, 12:00
Wenn mal ein einzelner Artikel verfallen ist - unschön aber verzeihlich.
Hier waren es jedoch zwei Aspekte: Der Praxisinhaber war sich dessen bewusst und es war ihm egal. Ob es monetäre Gründe oder eine eher ablehnende Einstellung gegenüber geltenden Gesetzen war, sei dahingestellt. Die Reaktion war unpassend. Und lässt eher auf ein systematisches Desinteresse schließen.
Und das EKG mit der abgelaufenen STK benutzt er definitiv im Praxisalltag. Klar mag das dadurch Risiko für den Patienten eher theoretisch sein. Aber mit dieser Logik können wir uns das Gesetz auch gleich ganz sparen.

Trenn
01.09.2024, 13:50
Die Frage ist aber doch, wie viele Regularien der EU sinnvoll oder reiner Selbstzweck sind (da die sich dadurch als notwendig darstellen und eine Ausbau begründen können.) Ist aber ein anderes Thema und soll hier nicht diskutiert werden.

Wie alt war der Inhaber gewesen? Ältere haben gegenüber der KV einen Bestandsschutz, die müssen nicht sofort die Digitalisierungen umsetzen. Sonst hören sie wegen den horrenden Investitionskosten sofort auf und das System bricht zusammen (oder es wird pseudobehördlich mit kostendruckgetriebenen MVZs und angestellten Ärzte, die wegen der MVZ Politik innerlich bereits gekündigt vor sich hin schaffen. Ich war letztens in ne Fortbildung für die Alternative betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung. Von 40 Teilnehmer wusste 1, wo man eine STK machen lassen kann. Mittlerweile ist die Bürokratie so riesen groß für Praxis, dass man eine Halbzeitkraft (und die muss qualifiziert sein) für das Umsetzen der Regularien bräuchte. Darauf haben viele kein Bock und warten auf die Rente.

Reflex
01.09.2024, 14:05
Wir haben hier einen Hausarzt, der gar kein EKG Gerät mehr hat. Der sagt den Patienten, dass er das nicht braucht. Bislang scheint das trotz Beschwerden von Patienten toleriert zu werden…

Diese ganzen Prüfungen kosten Geld. Wenn keine Konsequenz unmittelbar zu befürchten sind, wägen die älteren Praxisinhaber nicht selten ab, welche Kosten sie tragen und welche nicht. Schlechte Medizin wird doch in unserem Gesundheitssystem an so vielen Stellen hingenommen, warum soll das in den Praxen anders sein?

hebdo
01.09.2024, 16:55
Die Eichämter sind für Kontrolle zuständig. Verstöße können sechstellige Strafen nach sich ziehen. Ob jeder Arzt ein EKG braucht glaube ich nicht; aber ein AED sollte griffbereit sein (entweder in der Praxis oder im Ärztehaus)

Trenn
01.09.2024, 17:24
EKG und LuFu gehört zum Standard vom Hausarzt, ob es von der KV geprüft wird, weiss ich nicht. Man kann ja immer sagen es ist gerade kaputt gegangen. AED und Sauerstoff sind definitiv nicht Pflicht. Defi braucht man nur unbedingt, wenn man Belastungs-Ekgs macht.

hebdo
02.09.2024, 06:59
EKG und LuFu gehört zum Standard vom Hausarzt, ob es von der KV geprüft wird, weiss ich nicht. Man kann ja immer sagen es ist gerade kaputt gegangen. AED und Sauerstoff sind definitiv nicht Pflicht. Defi braucht man nur unbedingt, wenn man Belastungs-Ekgs macht.

Ein AED ist sicher nicht Pflicht. Aber wenn in einer Hausarztpraxis kein AED griffbereit ist, finde ich das fahrlässig. Die Geräte kosten im Vergleich zum Nutzen wenig, auch wenn sie hoffentlich selten oder nie eingesetzt werden.

jo1u
02.09.2024, 08:31
Direkte Meldung würde mir gar nicht einfallen...Kollege und so... Die "uneinsichtige" Antwort ist als Trotzreaktion zu werten, im Affekt sicherlich keine Seltenheit.
Schreib doch nochmal eine Mail, erkläre dein Anliegen und bitte, das abgelaufene Material zu entsorgen. Je nach Antwort kannst du dann immer noch beim Gesundheitsamt vorstellig werden.
Mach Dir aber bewusst:
1) Der Kollege weiß, woher der Ärger kommt. Danach wirst du einen Intimfeind haben.
2) Das unerlaubte Fotografieren in Praxisräumen (Privateigentum) stellt eine Ordnungswidrigkeit dar

ehem-user-19-05-2025-1430
03.09.2024, 20:26
Was war das denn für eine Arztpraxis? Je nachdem ist die Sache ja auch schwerer zu werten oder nicht. Bei einer ambulanten OP Praxis wäre das natürlich krass, bei einer Tante Trude hausarztpraxis weniger (weil die abgelaufenen Gegenstände formal nicht vorgehalten werden müssen).

Bzgl aed: ich glaub hier wird teilweise unterschätzt wie teuer solche Sachen in der Praxis sind. Neben Anschaffungskosten (mehrere tausend Euro) sind vor allem die laufenden Kosten teuer (zum einen die direkten kosten aber auch die ganze Arbeit, mit Kontrollen, Wartung, in Terminkalender Eintragen, das kommt ja als Punkt 1000 auf die to do Liste etc). Also als Kardiologe macht man es natürlich aber für eine stink normale hausarztpraxis find ich das auch viel verlangt, auf die Forderung dass ein aed da sein muss würde ich fast antworten "wenn der Staat das will soll der Stadt das zahlen " :D