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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mit Epilepsie Arzt werden? (Anästhesie, Notfallmedizin)



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Thatscrazy
03.09.2024, 18:02
Mit dem „das ist mein Traum“ wollte ich rechtfertigen, dass ich mich so detailliert mit dem Thema auseinandersetze, aber nicht, dass ich das machen würde selbst wenn ich damit Patienten gefährden würde. Das würde ich natürlich nicht.

Aber ihr merkt ja wie viel mir das bedeutet, also kann man ja mal etwas Verständnis dafür zeigen, dass ich etwas beharrlich war und muss nicht direkt so übertreiben.

anignu
04.09.2024, 01:31
Aber dann hast ja schön langsam auch die Kernaussagen verstanden, oder?
- Notarzt ist dein Traum? Egal. Dein Traum = dein Problem = deine Epilepsie = dein Schicksal, niemand kann was dafür, aber du musst dein Schicksal auch annehmen (können)
- unser Beruf beinhaltet Stress und Schlafmangel. Beides ist für Epilepsie nicht ideal...
- unser Beruf beinhaltet Verantwortung für Patienten. Zu jedem Zeitpunkt.
- wir hier sind keine Neurologen und können keine allgemeingültigen Aussagen zu genau deiner Epilepsie treffen aber wir haben Bedenken. Bedenken dass das zu Problemen bis Patientengefährdung führen kann und spätestens ab dem Punkt an dem es um Patientengefährdung geht hat der Spaß ein Loch!

Bender B. Rodriguez
04.09.2024, 05:53
@TE Hier noch ein schönes Beispiel dafür dass Gratifikationskrisen und daraus entstehende Frustration selbst auf Oberarztebene und bei großer Begeisterung für das Fachgebiet nicht zwingend verschwinden.

mbs
04.09.2024, 13:23
Du könntest Teilgebiete der Anästhesie, konkret Schmerzmedizin, dennoch machen. Und das geht auch über andere Fachgebiete, wie Physikalische und Rehabilitative Medizin. Du müsstest dafür nur ein Jahr Innere Medizin und ein Jahr Chirurgie durchstehen, aber falls du die Karten offen auf den Tisch legst wird sich auch hier sicher irgendwie eine Lösung vereinbaren lassen.

lena2911
04.09.2024, 21:13
Hallo zusammen,
ich bin Anästhesistin im 3. Weiterbildungsjahr, bin Notärztin und habe auch eine diagnostizierte Epilepsie. Ich hatte sehr viele komplex-fokale Anfälle und meine Diagnose wurde erst während des Studiums gestellt, allerdings bin ich seit 2017 unter Medikation komplett anfallsfrei. Bitte lass dich dringend außerhalb eines Forums beraten!
Ich bin sowohl ambulant bei einem normalen Neurologen angebunden, als auch regelmäßig in einer universitären Epilepsiesprechstunde und unter sehr genauen Kontrollen (regelmäßige EEGs, Compliance der Medikamenteneinnahme), kann man durchaus Amästhesistin werden. Bei mir sind Stress und Schlafentzug auch überhaupt keine Trigger.
Außerdem kenne ich auch eine Kollegin mit Epilepsie, die nur Schlaf-gebundene Anfälle (bzw. ausschließlich nachts) hat und auch die macht Anästhesie, ist aber vom Schichtdienst befreit.
Mein Tipp: Fang erstmal mit dem Studium an, wenn dich Medizin so sehr interessiert, aber es kann halt immer sein, dass sich die Epilepsie verschlechtert und dann braucht man halt eine Exit-Strategie, die für einen in Ordnung ist.
LG

lena2911
04.09.2024, 21:16
Du kannst auch mal meine alten Forenbeiträge durchlesen, als ich noch studiert habe :)
Meine Arbeitsfähigkeit und „Unbedenklichkeitserklärung“ wurde zum Beispiel auch durch verschiedene Stellen dokumentiert im Falle eines Falles und der AG weiß eben auch Bescheid.

freestyler
05.09.2024, 20:00
Mein Tipp wäre auch erstmal anzufangen zu studieren. Mit dem Studium kommen dann auch oft andere Interessen. Nicht gleich 2 Schritte vorausplanen. Ich bin damals auch 6 Jahre Notarzt gefahren trotz eines D.m.1. War zu machen aber man musste schon diszipliniert sein.

ehem-user-19-05-2025-1430
06.09.2024, 07:24
Jetzt geb ich auch noch meinen Senf dazu.
Zur Einordnung: Habe keine Epilepsie, bin Hausarzt und Notarzt.
Meine Meinung: finde das hier zu negativ. Halte dich an das was u. a. lena2911und freestyler geschrieben hat.

Wenn du kein Arschloch bist, bist schon mal besser qualifiziert für den Arztberuf als so mancher uniklinikoberarzt ohne Epilepsie... Und wenn die epileptischen Anfälle im Verlauf doch ein Hindernis sind für die Notarztätigkeit, dann machst halt was anderes. Es gibt sehr viele tolle Tätigkeitsfelder.

Noch ein hinweis: die Interessen ändern sich stark im lauf des Studium. Ich wollte erst Radiologe(Vorklini), dann Unfallchirurg(5. Sem), Neurologe,(6.Sem) Anästhesist(bis Ende PJ), Kardiologe(gut nach 3monaten innere war ich damit durch :D )werden und bin jetzt glücklich als notarztfahrender hausarzt. Vielleicht wirst ja am Ende ein begnadeter Kinderarzt mit eigener Praxis, gäbe schlimmere Verläufe oder ?

Nur Mut und viel Erfolg!

Nefazodon
06.09.2024, 07:45
Sorry, aber die konkrete Ausgangssituation hier ist doch eine ganz andere. Der TE hat von weiterhin bestehenden Absencen berichtet und explizit gefragt ob er so Notarzt oder Anästhesist werden kann.

Und die ehrliche Antwort darauf ist einfach: Nein.

Solange er Anfälle hat geht das *nicht*.
Es macht doch keinen Sinn ihn da zu belügen und ihm falsche Hoffnungen zu machen.

Ob er sein leben lang Anfälle haben wird, wissen wir nicht. Deswegen sollte er darüber mit seinem Neurologen sprechen.
Natürlich kann er trotzdem Medizin studieren, wenn er gerne möchte.
Er sollte sich dann nur bewusst sein, dass die Ziele die er jetzt anstrebt, unrealistisch sind. Und dass sein beruflicher Weg sehr schwierig wird, während andere quasi eine Jobgarantie haben.

Ich finde, wenn ein junger Mensch am Anfang seiner Berufswahl steht und noch nicht entschieden hat, muss man ihn schon ehrlich beraten und auch sagen, was schwierig oder unmöglich ist.

abcd
06.09.2024, 16:17
Ich finde, wenn ein junger Mensch am Anfang seiner Berufswahl steht und noch nicht entschieden hat, muss man ihn schon ehrlich beraten und auch sagen, was schwierig oder unmöglich ist.

Damit hast Du sicher recht, aber unser Forum ist sicher nicht die geeignete Beratungsstelle.

Thatscrazy
09.09.2024, 17:21
@lena2911. Vielen Dank für deine Hilfe. Ich werde auf jeden Fall einen Termin mit meinem Neurologen machen und ihn fragen, ob wir mich durch Erhöhung der Dosis oder so komplett anfallfrei bekommen können. Darf ich fragen, ob du diese Anfälle anfangs auch noch unter Medikation hattest, aber dann vielleicht durch Erhöhung der Dosis oder so nicht mehr? LG

Maja85
09.09.2024, 18:08
Ich bin Neurologin mit langjähriger Schwerpunkttätigkeit in einem großen Epilepsiezentrum. Ich bin ehrlich gesagt etwas erschrocken über den Ton, der hier herrscht. In meiner Ambulanz betreue ich Internisten, Anästhesisten und Neurologen. Manche hatten seit der Kindheit Epilepsie, manche sind erst bereits im Berufsleben erkrankt. Das kann übrigens jedem passieren. Ja, ohne vollständige Anfallskontrolle gehen nicht alle medizinischen Bereiche. Nein, eine Tätigkeit als Arzt ist nicht per-se unmöglich. Facharzt kann man auch ohne Nachtdienst werden. Dienste gehen bei guter Anfallskontrolle ja auch Sonntag tagsüber. Bei persistierenden Abscencen wird allerdings eine Alleinarbeit zB in der Notaufnahme schwierig und Rettungsdienst unmöglich. Wer weiß, ob das bei dir aber nach Jahren Studium überhaupt der Fall ist.
Wie meine Vorredner schon sagten, lass sich bitte irgendwo vernünftig und mit Daten und Wissen beraten, und nicht hier von Meinungen.

Thatscrazy
09.09.2024, 20:02
Dankeschön. Denken Sie als Neurologin, dass diese Absencen durch eine Erhöhung der Medikation komplett weggehen könnten?

Bussard
09.09.2024, 20:49
Schon interessant die Beiträge von lena2911 und Maja85 zu sehen im Vergleich zu dem, was zuvor hier so geschrieben wurde.

Der von Maja85 angesprochene Ton ist ja leider häufig der Standard hier ebenso wie häufig, ich sag mal, recht kompromisslose Ratschläge.

Letztlich muss man, glaube ich, festhalten, dass ein Internetforum nicht das richtige Format für das Problem des Threaderstellers ist. Thatscrazy, du solltest deine Fragen wirklich am besten mit deinem Neurologen besprechen, bei Bedarf ggf. eine Zweitmeinung einholen.

Thatscrazy
09.09.2024, 21:11
Ja werde ich machen👍

DA1994
09.09.2024, 21:36
Auch mit netterem Ton ist doch die Aussage die selbe. Solange Anfälle bestehen ist eine Tätigkeit als Notarzt ausgeschlossen. Da dies der aktuelle Behandlungsstand ist sollte man sich gut überlegen, ob man seinen Berufsweg daraufhin ausrichtet, da eben ein reelles Risiko besteht, dass der Berufswunsch unerfüllt bleibt.

Natürlich kann man auch Behandlungserfolg/Glück haben und alles ist möglich. Auch die genannte Analogie zum Berufskraftfahrer (Berufseignung erst nach Anfallsfreiheit über 5 Jahre OHNE Medikamente) ist eine fundierte Antwort.

Für die Berufsfeuerwehr und die Polizei ist eine Epilepsie ein absolutes Ausschlusskriterium, interessant dass auch neurologische Kollegen hier für den Notarztdienst anscheinend niedrige Standards ansetzen.

anignu
11.09.2024, 23:10
Für die Berufsfeuerwehr und die Polizei ist eine Epilepsie ein absolutes Ausschlusskriterium, interessant dass auch neurologische Kollegen hier für den Notarztdienst anscheinend niedrige Standards ansetzen.
Du musst aber auch unterscheiden dass sowohl Berufsfeuerwehr als auch Polizei Beamte sind und es dort auch um beamtenrechtliche und medizinische Einstellungskriterien geht und der Notarzt selbständig ist und per se erstmal selbständig freiberuflich tätig ist. Da geht es auch ein wenig drum dass man selbst die Verantwortung übernimmt und übernehmen muss für das was man tut. Will sagen: medizinisch wäre es zwar vielleicht vertretbar Polizist zu werden, der Staat will hier aber kein Risiko eingehen das der Staat dann als Beamten an der Backe hat.
Und Feuerwehr ist nochmal krass anstrengender als Notarzt. Also so richtig krass. Musst dir einfach mal anschauen war bei einem Atemschutzeinsatz rein physiologisch im Körper alles abgeht. Also Herzfrequenzkurven, Körpertemperatur, Flüssigkeitsverlust etc...