Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hospitation vor Bewerbung ? An wie vielen Kliniken bewerben?
Hey zusammen,
als frischgebackene Ärztin möchte ich nach einer kleinen Verschnaufpause nun die Suche nach einer WB-Stelle in der Psychiatrie oder Psychosomatik angehen und da es meine erste Stelle werden wird, habe ich ein paar doofe Fragen (bitte seht es mir nach ;)).
1.) Da sich gerade in der sprechenden Medizin die Arbeitsbedingungen manchmal je nach Einzugsgebiet und Behandlungsschwerpunkten sehr unterscheiden, würde ich auf jeden Fall sehr gerne in den in Frage kommenden Kliniken ein-zwei Tage hospitieren. Daher meine Frage - wie läuft hier der Hase ? Schreibt man schon vor Bewerbung zB das Chefarztsekretariat an und fragt nett und freundlich nach einer niedrigschwelligen Hospitationsmöglichkeit oder bewirbt man sich erst und wenn das Gespräch gut läuft, fragt man nach einer Hospitation?
2.) An wie vielen Kliniken ist eine Bewerbung als Berufsanfängerin in einem (wie ich es zumindest einschätze) nicht so kompetitiven Fach sinnvoll?
Einerseits will ich am Ende nicht mit leeren Händen dastehen, andererseits habe ich Angst, falls ich mehrere Angebote bekommen sollte, im Zweifelsfall einigen Häusern absagen zu müssen und dann für die nächsten Jahre bei diesem Haus/Abteilung "verbrannt" zu sein ? Ist dies überhaupt eine realistische Sorge oder kann man sich nach so einem Vorkommnis durchaus in ein, zwei Jährchen nochmal bei der verschmähten Abteilung bewerben (bin momentan regional gebunden)?
Sorry für die vielleicht-etwas-overthinking-Fragen, aber irgendwie macht mir das Thema Bewerbung momentan noch etwas Bauchschmerzen obwohl ich mich eigentlich auf den Job freue und ich dachte, vielleicht finde ich hier Rat :)
danke euch schon mal fürs lesen und einen schönen Abend!
Anne1970
13.09.2024, 10:45
Gratuliere zunächst mal. Und willkommen im Forum. Hast du irgendwelche örtlichen Präferenzen? Ansonsten: nach Hospitation zu fragen, wenn die Klinik in Betracht kommt ( Initiativ -Bewerbung/ oder auf Stellenausschreibungen) ist grundsätzlich kein Problem.
Zu empfehlen ist, eine Stelle mit Marburger-Bund-Tarifvertrag auszusuchen.
Bei detaillierten Fragen- gerne PN
Gruß Anne1970
In nicht kompetetiven Fächern würde ich ein bis zwei Kliniken herauspicken und eine Bewerbung schreiben. Ein Tag Hospitation ist ausreichend. Mehr wird man auch bei >2 Tagen nicht herausfinden - meiner Meinung nach. Wähle die Klinik aus, die dir vom fachlichen Spektrum auch zusagt.
Während der Hospitation sind folgende fragen sinnvoll:
Tarifvertrag, Überstundenrgelung, Dienstvergütung, Dienstanzahl, Dienstbelastung, Fortbildungstage, Übernahme von Fortbildungskosten, Freistellung und Bezahlung der Pflichtfortbildngen, Weiterbildungsklima, Rotationsmöglichkeiten ...
Extra einen Hospitationstag zu machen ohne Bewerbung? Bin mir nicht sicher ob das sinnvoll ist.
StuartProwerFaktor
13.09.2024, 17:56
Würde mich dem anschließen. Bei einem tatsächlich nicht kompetitiven Fach sollten 2-3 Bewerbungen reichen und du 1 Tag Hospitation sollte reichen. Totales Chaos würdest du da bemerken, sehr toxische Leute auch.
Danke Anne1970 :) tatsächlich würde ich gerne im Umkreis Mainz/Wiesbaden bleiben, aber da ich hier erst hergezogen bin und man für Psych/Psom auch kaum Klinikbewertungen bei PJ-Ranking und Co findet, bin ich echt aufgeschmissen und weiß so gar nicht, welche Kliniken gut für die WB sind.
Deswegen stellt sich für mich die Frage, ob man sich durch eine Bewerbung oder Hospitation, nach der man höflich ablehnt, weil für einen als Anfängerin eine andere Stelle doch besser geeignet erscheint (ich hätte zB fürchterlich Angst davor, mich nach 2 Monaten schon nachts alleine gegenüber Unterbringungen bei Eigengefährdung oder psychiatrischen Notfällen zu sehen, aber wann und nach wie viel Einarbeitung man mit Diensten beginnt, findet man ja ohne Hospitation kaum raus), bei dieser Klinik perspektivisch für immer ins Aus schießt und auf der "Bewerber-Blacklist" landet ? oder ist sowas völlig normal und man kann sich dann trotzdem in 1-2 Jahren nochmal bewerben und ich mache mir diesbezüglich zu viele Gedanken?
Feuerblick
14.09.2024, 08:55
In einem Fach mit chronischer Personalnot können sich die Kliniken in aller Regel solche „Black Lists“ nicht leisten. Die sind froh, wenn sie überhaupt jemanden finden.
Danke hebdo für die guten Punkte welche zu erfragen sind, sehr wichtiger Tipp! :)
Mein "Problem" ist, dass ich leider noch recht unsicher bin, welche 1-2 Kliniken ich hier rauspicken soll (es gibt hier von der psychosomatischer Reha über Tagesklinik bis hin zu Akutpsychiatrie mit Versorgungsauftrag ein relativ breites Spektrum im Umkreis - ich kenn die Kliniken alle nicht, weil ich erst hierher umgezogen bin) und mir eigentlich bei einer eintägigen Hospitation gerne das ein oder andere anschauen würde - nur wie mache ich das, ohne mir die Klinik auf ewig zu verprellen, wenn ich mich dann für den Moment gegen sie entscheide (zB weil ich merke, dass mir Akutpsych für den Einstieg doch zu heftig ist, ich mir das aber in 1-2 Jahren durchaus spannend vorstelle)?
Aus diesem Grund und weil in manchen Ausschreibungen ja auch steht, dass Hospitationen möglich seien wenn man die Kliniken erst kennenlernen möchte, erwägte ich die Hospitation ohne Bewerbung, quasi weil das "niedrigschwelliger" ist :D oder bin ich da gedanklich voll auf dem Holzweg?
Danke für deine Einschätzung Feuerblick, das entlastet mich doch ein wenig ;)
Feuerblick
14.09.2024, 09:54
Dass Hospitationen möglich sind, bedeutet, dass du bei einer Bewerbung auch hospitieren kannst. Es ist üblich und kein Problem, dass sich Leute an mehreren Stellen bewerben und bei Zusagen an mehreren Häusern dann auch Jobs absagen. Insofern: Bewirb dich an den Häusern, an denen dir das Spektrum rein von der Homepage her gefällt, schau dir das an einem Tag an und wenn es nichts ist, sag ab. Die wissen, dass man sich an mehreren Häusern bewirbt. Du musst ja bei der Absage nicht sagen, dass du das Klima blöd gefunden hast…
für immer ins Aus schießt und auf der "Bewerber-Blacklist" landet ?
Ich glaub das ist nur möglich wenn du so richtig Mist baust. Den CA oder die Personalabteilung beleidigst oder sowas. Ansonsten geht das nicht. Bewerbungen heutzutage sind professionalisiert und laufen sehr viel mehr über die Personalabteilungen die auf Formalitäten achten und achten müssen als früher. Und Werdegänge, dass man sich mal bewirbt, absagt und später doch wieder bewirbt, sind auch ganz normal.
Ich arbeite aktuell in einer Klinik in der ich früher mal abgesagt hatte. Das Vorstellungsgespräch damals war sowas von verrückt und komisch das hat immer noch einen hohen anekdotischen Wert. Und jetzt arbeite ich dort.
Danke anignu, das hatte ich natürlich nicht vor *grins* :)
Nimmt mir jedenfalls etwas die Bedenken was du und die anderen hier so schreiben - wahrscheinlich macht man sich solche Sorgen auch einfach nur vor der ersten Stelle, oh man :D
Genau. Bei der ersten Stelle kann man gefühlt nichts und sieht sich einer riesigen Menge an gefühlter Konkurrenz gegenüber.
Später ist es so, dass man sich in der Regel aus einer Stelle heraus woanders hin bewirbt, das nimmt schonmal extrem viel Druck raus, man weiß was man kann und bei genug Stellen ist es auch so dass man weiß dass es einen Mangel gibt. Außerdem kennt man viele Leute und bekommt teilweise die Angebote dort zu arbeiten obwohl man nicht mal selbst sucht oder Headhunter rufen einen an. Das ist dann schon extrem viel entspannter als bei der ersten Job-Suche.
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