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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bin ich verblendet? möchte Diss schreiben und arbeiten ggfs. auch Schweiz



PantaRhei2
13.09.2024, 14:06
Liebe Menschen hier im Forum,

Könnt ihr mein Vorhaben bitte einschätzen, ob es möglich ist oder ich total desillusioniert bin?

Zu mir: ich bin im Winter fertig mit dem Studium und möchte möglichst zeitnah danach Anfang zu arbeiten. Dies liegt darin begründet, dass ich bereits familiär nie wirklich finanziell gut aufgestellt war (Studium durch Bafög überlebt und halt parallel teils auch Angehörige (mit) gepflegt.

Zeit blieb nie für eine Doktorarbeit und ich weiß, dass man ja keine haben braucht in der heutigen Zeit, aber es ist wie geschrieben ein inniger Wunsch dem doch nachzukommen, um den Dr.med. am Ende zu haben.

Nun möchte ich leider Gottes auch noch in die Dermatologie gehen, was nun auch ein sehr umkämpftes Fach ist.
Unter Freunden war es üblich Auslandsaufenthalte während des Studiums selbst, in Famulaturen oder im PJ zu machen, was ich natürlich auch wollte, aber sich nicht einrichten ließ auf Grund von Zeit und Geld.

Demnächst habe ich durch eine Veränderung zu Hause aber definitiv Zeit und ich bin ein Single, habe also keine Anbindung mehr an meine Region.

Ohne weiter um den heißen Brei zu reden: wie würde man es klug angehen, wenn man z.B. in der Schweiz arbeiten und eine Doktorarbeit dort schreiben möchte? Oder sollte man lieber hier in DE eine solche Möglichkeit aufsuchen? Soweit mir bekannt, kann man in der Schweiz sowieso nicht in der Derma anfangen. Würdet ihr z.B. Rheuma (für Derma sinnvoll denke ich) mit Möglichkeit eine Diss zu schreiben empfehlen?

Ich habe auch das Wort Forschungsgruppe hie rund da gelesen. Angeblich kann man das in der Schweiz auch machen und dabei zumindest ein Gehalt bekommen, aber wie käme man da ran?

Also mir fällt es ganz ohne Kontakte generell schwer die richtigen Leute zu kontaktieren bzw. ich wüsste wirklich nicht wen man da anfragt...

vielleicht noch zum Schluss: da ich vermute einige werden die Sinnhaftigkeit der Promotion im Tausch für Lebenszeit und ggfs. bei der Schweiz der deutlich geringe Kontakt zur Familie auflisten: das ist mir schon klar, aber ich will es wirklich (zumindest die Diss schreiben)

was würdet ihr an meiner Stelle tun bzw. wo würdet ihr direkt anfragen?

Trenn
13.09.2024, 14:18
Ich habe für meine Doktorarbeit 8 Jahre gebraucht. Vorbereitung ca. 6Monate (5-10h/Woche), Datenerhebung 9Monate (10-20h/Woche), publizieren und schreiben die restliche Zeit. Was ich damit sagen will: es dauert...

hebdo
13.09.2024, 16:56
Ich habe für meine Doktorarbeit 8 Jahre gebraucht. Vorbereitung ca. 6Monate (5-10h/Woche), Datenerhebung 9Monate (10-20h/Woche), publizieren und schreiben die restliche Zeit. Was ich damit sagen will: es dauert...

Definitiv kein repräsentatives Beispiel. Was willst du damit aussagen? "Nimm von mir keine Tipps zum Thema Promotion an" ?

Wie es speziell in der Schweiz läuft, kann ich aus erster Hand nicht berichten. Prinzipiell ist es möglich neben der ärztlichen Tätigkeit zu promovieren. Es ist aber natürlich eine nicht unerhebliche Zusatzbelastung - je nach eigenem Anspruch an die wissenschaftliche Arbeit und die Ziele, die du mit der Promotion erreichen willst. Überlege dir gut, ob du nur für den Doktortitel auf dem Namensschild den Aufwand betreiben willst oder ob du wirklich Lust auf eine wissenschaftliche Karriere hast.

Generell läuft es schon so ab, dass du an eine Uniklinik gehst und bei einem Projekt mitarbeitest. Du musst ja kein eigenes von Grund auf beginnen. Bei klinischen Studien ist es vordergründig relativ simpel: mache einen GCP Kurs, schließe Patienten ein, Daten erheben und auswerten, Dissertation verfassen. Dabei ist ein wichtiger Punkt, dass diese Studien meist über mehrere Jahre (3,5 oder länger) laufen und du quasi so lange "gebunden" bist. Also würde dein Plan mit einem Fremdjahr und dann Wechsel in die Derma etwas erschwert werden.

Du kannst natürlich auch mit bereits erhobenen Daten bei abgeschlossenen Studien promovieren.

Dann gibt es natürlich auch krasse Grundlagenforschung mit Labor und allem drum und dran, Drittmittel etc. und natürlich auch Freistellung für Forschung.

Wichtig sind noch zwei Sachen: Lies dir die Promotionsordnung der Universität genau durch. Dort findest du die Anforderungen, die sehr unterschiedlich sein können. Wie hochranging du publizierst, ob du überhaupt publizierst oder an welcher Stelle du im Paper stehst ist nur wichtig für die Note bzw. wenn du habilitieren möchtest. "Rite" bei einer retrospektiven Studie ohne Publikation ist für den Doktortitel auf dem Schild besser als mit dem Vorhaben "summa cum laude" krachend zu scheitern.

StuartProwerFaktor
13.09.2024, 17:05
Ich versteh nicht warum Schweiz? Also ich hätte jetzt keine Lust als Anfänger auch noch in einem anderen System anzufangen, außer ich will auswandern.

Zum Thema Dissertation: Da ist alles möglich, von 8 Jahren wie beschrieben bis 1 Jahr (wie bei mir). Man muss auch etwas Glück haben und sonst sollte man schauen, am besten in Gespräch mit Assistenten oder Studenten, die bei der zukünftigen Wirkungsstätte Einblicke gewinnen konnten, wie es denn (abseits des Bewerbungsgesprächs) wirklich aussieht. Aus eigener Erfahrung finde ich es vorteilhaft dort zu promovieren wo man auch arbeitet. Das ganze bekommt dadurch mehr Verbindlichkeit und hat, sofern man nicht unter Druck steht die Stelle zu wechseln, eigentlich nur Vorteile. Will man den Titel nur pro forma, würde ich da einfach kalkulierend vorgehen.
Derma muss man halt etwas flexibler sein. Mit Rheuma oder allgemeiner Innerer anzufangen ist sicherlich keine schlechte Idee. Am gleichen Haus sollte das für gewöhnlich möglich sein, wenns mit der Derma-Stelle nicht direkt klappt. Nach 1-2 Jahren sollte ein Wechsel dann eigentlich immer gehen.
Wenns dir auch um Geld geht, würde ich mich vorher bezüglich des Dienstmodells informieren. Wenn du Pech hast, sind die Dienste, und ich nehme an, das ist in der Derma nicht unwahrscheinlich, ein Nullsummenspiel. In der Inneren, gerade unter höherer Belastung kann man da ganz gut verdienen, wenn man noch 1-2 zusätzlich im Monat macht, am besten an strategisch sinnvollen Tagen wie Fr auf Sa oder Sa auf So o.ä. Hatte phasenweise so um die 6000 Netto. Stichwort ist hier die Einordnung der Bereitschaftszeit vor dem Hintergrund der Arbeitsbelastung. Auch bezahlte Überstunden könnten interessant sein (kannste in der Derma aber eher voll vergessen, bzw. würde ich im Bewerbungsgespräch besser nicht fragen ;).

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13.09.2024, 18:44
Ich versteh nicht warum Schweiz? Also ich hätte jetzt keine Lust als Anfänger auch noch in einem anderen System anzufangen, außer ich will auswandern.

Zum Thema Dissertation: Da ist alles möglich, von 8 Jahren wie beschrieben bis 1 Jahr (wie bei mir). Man muss auch etwas Glück haben und sonst sollte man schauen, am besten in Gespräch mit Assistenten oder Studenten, die bei der zukünftigen Wirkungsstätte Einblicke gewinnen konnten, wie es denn (abseits des Bewerbungsgesprächs) wirklich aussieht. Aus eigener Erfahrung finde ich es vorteilhaft dort zu promovieren wo man auch arbeitet. Das ganze bekommt dadurch mehr Verbindlichkeit und hat, sofern man nicht unter Druck steht die Stelle zu wechseln, eigentlich nur Vorteile. Will man den Titel nur pro forma, würde ich da einfach kalkulierend vorgehen.
Derma muss man halt etwas flexibler sein. Mit Rheuma oder allgemeiner Innerer anzufangen ist sicherlich keine schlechte Idee. Am gleichen Haus sollte das für gewöhnlich möglich sein, wenns mit der Derma-Stelle nicht direkt klappt. Nach 1-2 Jahren sollte ein Wechsel dann eigentlich immer gehen.
Wenns dir auch um Geld geht, würde ich mich vorher bezüglich des Dienstmodells informieren. Wenn du Pech hast, sind die Dienste, und ich nehme an, das ist in der Derma nicht unwahrscheinlich, ein Nullsummenspiel. In der Inneren, gerade unter höherer Belastung kann man da ganz gut verdienen, wenn man noch 1-2 zusätzlich im Monat macht, am besten an strategisch sinnvollen Tagen wie Fr auf Sa oder Sa auf So o.ä. Hatte phasenweise so um die 6000 Netto. Stichwort ist hier die Einordnung der Bereitschaftszeit vor dem Hintergrund der Arbeitsbelastung. Auch bezahlte Überstunden könnten interessant sein (kannste in der Derma aber eher voll vergessen, bzw. würde ich im Bewerbungsgespräch besser nicht fragen ;).

Nur 1 Jahr vom Tag des Erstgesprächs mit dem Doktorvater bis zum Tag, wo du die Urkunde in der Hand hälst? Dann Respekt, das sieht für mich nach einem absoluten Sprint aus. 1 Jahr lang habe ich bestimmt alleine auf den Review der Publikation und vom Zeitpunkt der Abgabe vom Manuskript bis zur Ausgabe der Urkunde gewartet (inkl. Korrekturen und Disputation zwischendurch).

turaBu12
13.09.2024, 19:22
Wäre es nicht auch denkbar, zunächst einmal mit der Weiterbildung Derma zu beginnen und sich im Verlauf um das Thema der Diss zu kümmern (bzw. evaluieren, ob das dann noch so relevant ist, mit Berufsbeginn ändern sich manchmal die eigenen Pläne grundlegend)?

Und auch bei mir die Frage, was an dem Projekt Schweiz reizt dich? In der Schweiz ist die Derma aufgrund der Weiterbildungsordnung (nur wenige A-Zentren, an denen sehr viele Bewerber drängen, weil sie da eine gewisse Zeit verbringen müssen) auch in fortgeschrittenen Stadien der WB sehr kompetetiv.

Just for fun Beispiel einer Info-Seite eines Schweizer Unispitals, in dem ich in einer anderen Abteilung mal gearbeitet habe (und von der Derma relativ viel schlechtes gehört habe):

"Die klinische Arbeit auf Station und in den spezialisierten Sprechstunden ist anspruchsvoll. Zwei Jahre klinische Vorerfahrung an einem öffentlichen Schweizer Krankenhaus sind daher unabdingbar. Wir bevorzugen Erfahrung in Innerer Medizin (mind. 1 Jahr), Allgemeinchirurgie, Pathologie, Pädiatrie, Allergologie/Klinische Immunologie, Medizinische Onkologie oder Angiologie. Ausserdem fordern wir eine weit fortgeschrittene oder abgeschlossene medizinische Dissertation. Bewerberinnen und Bewerber sollten zum voraussichtlichen Stellenantritt an unserer Klinik nicht älter als 34 Jahre sein."

ProximaCentauri
14.09.2024, 18:22
Zum Beginn in der Rheuma (in CH): Rheumatologie ist ein Fachgebiet der Inneren. Zum Erlangen des Facharztes braucht man mindestens 2-3 Jahre Innere. D.h. auch in der Rheuma wird dich niemand frisch ab Examen nehmen, weil sie auch aufgrund der Arbeitssituationen (Zuweiser von Hausärzten etc.) darauf angewiesen sind, dass schon klinische Erfahrung besteht. Derma ist definitiv sehr kompetitiv, und alle (von den wenigen, die ich kenne) haben da zuerst noch 1-2 Jahre Innere gemacht, oder halt bereits Praktikum + Diss in der entsprechenden Klinik.

In der Inneren gibts durchaus Stellen, wo Kliniken bezahlte Forschungsstellen für eine Diss anbieten, das würde sich dann wohl gut eignen.

PantaRhei2
15.09.2024, 12:00
Vielen lieben Dank für die Einblicke. Dann lass ich mal das Thema Schweiz ruhen. Mir ging es hier eigentlich vor allem darum, auch mal raus zu kommen, weg von der Familie für die ich doch sehr oft da sein musste und so eine gewisse Distanz schaffen. Natürlich keine Isolierung, aber ich habe den verdacht, dass ein Leben 700km weiter weg aber in DE ähnlich wird. Und die Schweiz bietet doch dann eine mögliche Alternative. Und ich will nicht lügen, aber ein großer Punkt war, dass mir Freunde erzählt haben, die Betreuung solle deutlich deutlich besser sein (außer in der Chirurgie vielleicht)

Um nochmal darauf zurückzukommen. Innere ist ein guter Weg zur Derma korrekt? Und dann doch lieber Rheuma als andere Disziplinen, oder? Nun müsste man natürlich wissen, ob die Rheuma an den Unikliniken auch so Leute wie mich wollen, die eben keine Diss haben. Ich habe lediglich einmal in der Rheuma famuliert, aber sonst kann ich im Lebenslauf leider mit keiner Sache glänzen, was mich sehr belastet. Die Promotion/der Titel ist sicherlich Teil für mein Selbstwertgefühl, aber doch auch Ehrgeiz. Ich muss da leider ehrlich sein, ich bin nicht an einer sehr komplexen Arbeit über mehrere Jahre hinweg interessiert (mit Ziel einer wissenschaftlichen Karriere) - wenn es sich denn vermeiden lässt. Zu Studienzeiten schaffen es die Leute doch auch in 1-2 Jahren fertig zu werden, oder bin ich da auf dem Holzweg? Also Zeit investieren ist mir klar, aber es müssen nicht 8 Jahre sein.

hebdo
15.09.2024, 19:08
2 Jahre sollten für eine Diss ohne Karriereanspruch realistisch sein. Wie gesagt, das einfachste ist eine retrospektive Diss bei schon erhobenen Daten. Klassisch einfach sind „Fragebogenauswertungen“ in der Psychiatrie/ Psychosomatik.

Du kannst dich als Anfänger für eine rheumatologische Abteilung bewerben. Die meisten Rheumatologien sind kleinere Einheiten/ Sektionen in einer größeren Inneren Medizin. Du wirst als Anfänger/in sowieso höchstwahrscheinlich erstmal Station „schrubben“. Kannst aber natürlich immer gerne dein Interesse an Rheumatologie bei der Bewerbung betonen.

Dooly
15.09.2024, 21:47
Ich würde mich an deiner Stelle in der Derma bewerben, das schaffst du mit deiner örtlichen Flexibilität.

mbs
16.09.2024, 22:18
Natürlich geht das mit einer machbaren Arbeit, die sich am besten in großen Teilen remote erledigen lässt und der entsprechenden Disziplin. Du wirst sehr viel Freizeit investieren müssen, auch Urlaub, der eigentlich für Erholung benötigt wird - aber auch nicht von jedem. Kenne Leute die gar keinen Urlaub nehmen. Und es soll ja zeitlich begrenzt sein.

RussianAngel
17.09.2024, 06:50
Off Topic: Leute, die keinen Urlaub brauchen? Die kenne ich auch, meist sehe ich sie dann als Patienten in der Psychiatrie :)