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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Resümme, Semester I



Patty
04.02.2004, 13:17
Hallo, mal wieder!

Mir ist heute was ganz merkwürdiges passiert: Ich habe das erste Anatomie-Testat bestanden. Und kann mich überhaupt gar nicht darüber freuen!

Irgendwie kommt mir das "geschenkt" vor, andererseits denke ich mir, das sollte mir egal sein, durch ist durch, aber irgendwie stört es mich.

Ich glaube, um das erste Semester mal zu resümieren, ich bin enttäuscht. Ich dachte, weil ich nun das mache, "was ich wirklich will", das müsste nur so fluppen. Statt dessen habe ich das Gefühl, ich quäle mich mehr als all die "Youngsters", die auch eine verschossene Klausur einfach so akzeptieren.

Und dann diese Timings: Ich habe jetzt (wie viele andere auch) von Anfang Dezember bis Anfang Februar durchgängig gerlernt. Gut, das weiß man, bevor das Studium beginnt, das wusste auch ich, aber ich wusste nicht, dass es so krass ist.
Bei mir ist es darauf hinaus gelaufen, keine Freunde mehr zu treffen, keine Freizeit mehr zu haben und im Prinzip nur vor dem Schreibtisch zu hocken. Ich weiß, das ist grundsätzlich falsch, dann muss man sich die Zeit halt nehmen. Aber wie, wenn man nebenher noch arbeiten muss und nicht völlig bekloppt im Präp-Kurs dastehen möchte (und das dann trotz intensiver Vorbereitung trotzdem tut).

Ausserdem verstehe ich überhaupt nicht, woher meine Nervosität auf einmal kommt. Da steh ich da heute in dem Testat und bin nervös bis zum geht-nicht-mehr und schicke Trochanter an den Humerus und subspinale Muskel (???) an die Stelle von supraspinalen.

Und was mich auch stört: Ich merke, bzw. ich weiß doch, dass es da Leute in meinem Kurs gibt, die denken: Warum hat die jetzt bestanden, die hat doch von nichts eine Ahnung. Jetzt mal abgesehen davon, dass es mir egal sein sollte: Warum gibt es soviele arrogante Säcke im Medizin-Studium? Warum sind so viele so stolz darauf, wenn sie nur schön brav alles in der Birne haben, warum muss ich das Gefühl haben, es wäre jetzt albern, diese Frage zu stellen und wenn ich sie trotzdem stelle, ich denken muss: Ich hätte nicht fragen sollen! (Weil das entsetzte Gesicht, die unangemessene Antwort mir zeigt, dass es ja unvorstellbar ist, sowas nicht zu wissen)

Kurz und bündig: Ich stelle mir wieder einmal die "Soll-ich-mir-das-wirklich-antun"-Frage. Wieso, weshalb, warum? Und das Dumme ist: Ich kann niemandem die Schuld dafür geben. Es hat mich niemand unfair geprüft und es steht keine weitere Klausur in diesem Semester mehr an.

Das ist einfach Unzufriedenheit. Und die Frage: Sollte man dieses Studium als 28-jährige, die nur durch Fleiss und Tränen durchkommen könnte, durchziehen?

Vystup
04.02.2004, 13:28
das ist ja mal ein thread von der anderen seite. meistens stellen die leute ja die frage, ob sie denn wirklich anfangen sollen.

dass das studium nicht einfach ist, wird dir in den ersten vier semester klar gemacht. gerade im ersten brauchst du auch noch viel zeit, um deinen eigenen lernstil zu finden (war jedenfalls bei mir so). mit der zeit wird das aber besser, je mehr grundwissen du hast, desto eher kannst du die sachen verstehen, anstatt sie auswendig zu lernen.

ich weiß jetzt nicht genau, wie sehr das alter in die lerngeschwindigkeit spielt (angeblich soll es ja ein bißchen langsamer werden, aber schon mit 28 :-? ).
ob du dir den streß geben willst, den das studium zwangsläufig bedeutet, musst du dir selbst beantworten. du wirst nebenbei arbeiten können - allerdings kaum (bis gar nicht) im präpsemester.

wünsche dir viel erfolg :)

Sebastian1
04.02.2004, 13:43
Original geschrieben von Patty
Und dann diese Timings: Ich habe jetzt (wie viele andere auch) von Anfang Dezember bis Anfang Februar durchgängig gerlernt. Gut, das weiß man, bevor das Studium beginnt, das wusste auch ich, aber ich wusste nicht, dass es so krass ist.
Bei mir ist es darauf hinaus gelaufen, keine Freunde mehr zu treffen, keine Freizeit mehr zu haben und im Prinzip nur vor dem Schreibtisch zu hocken. Ich weiß, das ist grundsätzlich falsch, dann muss man sich die Zeit halt nehmen. Aber wie, wenn man nebenher noch arbeiten muss und nicht völlig bekloppt im Präp-Kurs dastehen möchte (und das dann trotz intensiver Vorbereitung trotzdem tut).Ja, das ist grundsätztlich falsch. Aber gut, wenn du das jetzt erkennst; ich bin in diesem Semester ebenfalls wahnsinnig gestresst gewesen - voller Uniplan, neue Arbeitsstelle, wenig Freizeit, und wenn dann doch mal ein bisschen, dann konnte ich da nichtmal richtig abschalten. Ergebnis: Ich war das ganze letzte Semester völlig angespannt, bin bei den leistesten Vibrationen am Ereignishorizont explodiert und habe dabei auch Leuten auf die Füße getreten, die gar nichts dafür konnten. Entspannen können muss man sich, und die Semester sind natürlich verschieden "hart", aber man kann ja nicht sich fast ein halbes Jahr abschotten und keine Kraft mehr dafür finden, seine Freunde zu treffen und so weiter. Auch habe ich gerade ein paar Klausuren hinter mir und nehms halt so hin, aber echte Freude darüber kommt nicht auf.
Freuen tue ich mich aber über etwas ganz anderes: Dass ich jetzt endlich selbst gemerkt habe, was für einem Stress ich mich ausgesetzt habe und was das mit mir gemacht hat. Und eins steht fest: Das wird mir sicher nicht noch einmal passieren. Es ist mri völlig egal, wenn das nächste Semester wieder so stressig wird, ich werde mir etwas suchen, was mir einen Ausgleich verschafft, sei es Sport oder sonstwas. Und ich werde mich regelmäßig mit meinen Freunden treffen, was ich halt auch total vernachlässigt habe. Und wenn das im endeffekt bedeuten sollte, dass ich halt mal durch ne Klausur durchfalle - dann geht auch davon die Welt nicht unter. Aber sowas, wie du es oben beschreibst, kenn ich grade nur zu gut. Und es ist verdammt ungesund, für einen selbst und für seine Umwelt.



Kurz und bündig: Ich stelle mir wieder einmal die "Soll-ich-mir-das-wirklich-antun"-Frage. Wieso, weshalb, warum? Und das Dumme ist: Ich kann niemandem die Schuld dafür geben. Es hat mich niemand unfair geprüft und es steht keine weitere Klausur in diesem Semester mehr an.
Das ist einfach Unzufriedenheit. Und die Frage: Sollte man dieses Studium als 28-jährige, die nur durch Fleiss und Tränen durchkommen könnte, durchziehen?

Hm, die Frage ist doch, ob du den Beruf später ausüben möchtest. Wenn ja, dann tu's. Aber versuch das Studium nicht einfach irgendwie hinter dich zu reissen. Klar, von den Leuten, die du beschrieben hast, gbt es welche. Aber selbst die kleineren medizinischen Fakultäten in Deutschland dürften wohl mehrere hundert Studenten haben, und da gibt's halt immer solche und solche. Versuch doch einfach, das Studium auch zu geniessen, nette Leute kennenzulernen und dich nicht von den kleinen Querelen, die dieses Studium mitbringt fertig machen zu lassen.
Mach dein Ding, such dir nen Ausgleich und umgib dich mit netten Leuten, dann kann man sich auch mal wieder über eine bestandene klausur freuen.

Ich drück dir die Daumen :-top
Sebastian

nightingale
04.02.2004, 16:45
hey Patty, ich findes es total toll, dass du so offen darüber schreiben kannst, die meisten schlucken es eher runter, damit es bloß keiner merkt...!

Ich hab' auch erst mit 28 angefangen und total rotiert, habe ich ja schon öfters gepostet. Erst ging gar nix und dann stieg die Hirnleistung aber exponentiell an! Von Null auf Hundert :-))
Naja oder auf 80 vielleicht :-blush

Jetzt hast du dein Testat und die anderen wirst du auch schaffen. Und in den nächsten Semestern hast du dann die ganzen Grundlagen auch drauf und musst nicht mehr so viel büffeln!:-bee