Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wechsel Fachrichtung!
Hallo zusammen,
ich habe seit Monaten ein großes Problem, das mich sehr belastet, und hoffe, hier Ratschläge und Unterstützung zu finden.
Ich bin ausländischer Arzt und 2020 nach Deutschland gekommen. Nachdem ich die Fachsprachenprüfung bestanden hatte, arbeitete ich zwei Jahre in einer Reha-Klinik, allerdings nur mit einer Berufserlaubnis. Die Arbeit dort war sehr entspannt, vielleicht zu entspannt. An manchen Tagen hatte ich nur zwei Stunden Arbeit, und während der Dienste gab es kaum Notfälle. Diese Stelle war für mich nur eine Übergangslösung, da es keine Weiterbildungsmöglichkeiten gab und ich dort nichts für den Facharzt lernen konnte. Mein Hauptziel war es, Zeit zu haben, um mich auf die Kenntnisprüfung vorzubereiten, die ich Anfang 2023 beim ersten Versuch bestanden habe.
Nach der Prüfung wollte ich mit der Facharzt-Weiterbildung beginnen. Da ich immer wieder gehört hatte, dass die Arbeitsbedingungen in der Chirurgie besonders belastend seien und ich keine klare Fachrichtung im Kopf hatte, entschied ich mich für die Innere Medizin. Diese schien mir eine flexible Option, da man später auch in die Allgemeinmedizin wechseln kann.
Ich fand eine Stelle in einem Grundversorgungs-Krankenhaus, und nach drei Monaten begann ich mit den Diensten. Diese Situation war für mich sehr schwierig, da ich kaum Erfahrung im Akutbereich hatte. Während der Dienste war ich für ca. 60 Betten auf der Station, 5 Betten auf der Intensivstation und die Notaufnahme verantwortlich, einschließlich der Versorgung von Schlaganfallpatienten. Eine richtige Rotation auf der Intensivstation gab es in diesem kleinen Haus nicht, und nach ein paar kurzen Besuchen dort musste ich die Dienste allein übernehmen.
Diese Zeit war extrem belastend: Dauerstress, kaum Schlaf in den Nächten und ständig die Angst, Fehler zu machen. Die Arbeitsbelastung war so hoch, dass ich oft das Gefühl hatte, etwas übersehen zu können. Ich blieb dort etwa ein Jahr, aber es war die schlimmste berufliche Erfahrung, die ich je gemacht habe. Ich hatte kein Privatleben mehr und war völlig ausgebrannt.
Am meisten belastete mich, dass ich ständig mit akuten, lebensbedrohlichen Fällen konfrontiert war. Auch wenn ich mit dem Druck umgehen konnte, schnell und unmittelbar handeln zu müssen, war die schiere Menge an schweren internistischen Fällen in einem kleinen Haus, in dem ich für Kardiologie, Gastroenterologie, Pneumologie und sogar Neurologie zuständig war, ohne Facharzt vor Ort oder Unterstützung auf der Intensivstation, zu viel für mich.
Schließlich habe ich gekündigt und bin zu einer orthopädischen Rehaklinik gewechselt – eine Übergangslösung, um nicht arbeitslos zu werden und mir Zeit zu nehmen, eine passende Stelle zu finden. Dort ist es ähnlich wie in meiner ersten Reha-Stelle: wenig Stress, aber auch keine Weiterbildungsmöglichkeiten.
Jetzt bin ich völlig unsicher, welche Fachrichtung ich wählen soll. Mein Ziel ist es, Facharzt zu werden, mit guten Verdienstmöglichkeiten und gleichzeitig einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. Deshalb denke ich an Fachrichtungen wie Laboratoriumsmedizin, Radiologie und Urologie.
Warum ich diese Fachrichtungen in Betracht ziehe:
• Urologie: Die Urologie scheint mir eine gute Option, da es dort wenig Notfälle gibt und die Operationen meist planbar sind. Zudem besteht die Möglichkeit, später ambulant zu arbeiten, was mir Flexibilität bieten würde. Außerdem muss man bei der Urologie nicht mit einem breiten Spektrum arbeiten wie im der Inneren Medizin
• Radiologie: Hier reizt mich der geringere Patientenkontakt und die Möglichkeit, in der Teleradiologie zu arbeiten. Radiologie bietet außerdem attraktive Verdienstmöglichkeiten und geregelte Arbeitszeiten, was für eine bessere Work-Life-Balance sorgen könnte.
• Laboratoriumsmedizin: In diesem Bereich hätte ich keinen direkten Patientenkontakt, was mir zusagt. Die Arbeitszeiten sind gut planbar und das Stressniveau sollte deutlich geringer sein, was mir nach den bisherigen Erfahrungen sehr wichtig ist.
Eine Stelle in der Radiologie oder Laboratoriumsmedizin zu finden, scheint jedoch schwierig, besonders da ich nicht umziehen kann. Daher vermute ich, dass realistischerweise eine Stelle in der Urologie wahrscheinlicher wäre.
Allerdings mache ich mir Sorgen: Ich bin jetzt 30 Jahre alt und würde in einer Fachrichtung anfangen, in der ich bisher keinerlei Erfahrung habe. Ist das in meinem Alter noch machbar? Und besteht die Gefahr, dass ich nach mehreren Stellenwechseln Schwierigkeiten habe, überhaupt eine gute Stelle zu finden?
Ich wäre sehr dankbar für Tipps und Ratschläge, insbesondere ob die Urologie eine gute Wahl wäre, falls Radiologie und Laboratoriumsmedizin nicht möglich sind. Ist es problematisch, mit 30 Jahren in einer für mich neuen Fachrichtung zu starten?
Vielen Dank im Voraus für jede Unterstützung!
Feuerblick
23.10.2024, 19:28
Was das Alter angeht: Es gibt Menschen, die beginnen mit 30 (und später) erst ihre gesamte Facharztausbildung. Warum sollte es also ein Problem sein? Du hast Vorerfahrung in der Inneren anzubieten - das könnte bei der Bewerbung ein Vorteil sein. Bewirb dich einfach breit in den Fächern, die dich interessieren und überall, wo du notfalls auch mit Pendelei hinkommen könntest. Dann wird das schon.
Du schreibst, du kommst aus dem Ausland? Woher kommst du? Wenn du so gut Deutsch sprichst wie du schreibst…
Das Alter ist kein Problem. Ich habe mit 31 Jahren die Facharztausbildung begonnen.
Die Ängste hat jeder Berufsanfänger und sollten sich eigentlich mit zunehmend Erfahrung legen. Und das ich auch das Problem mit kleinen Krankenhäusern. Da bist du oft als einziger Arzt im Vordergrund und für alles zuständig. Die Dienste in einem großen Haus sind bestimmt nicht weniger anstrengend, aber da gibt es viel mehr Ärzte gleicher Fachrichtung.
Wenn du schon Innere Erfahrung hast, ist die Allgemeinmedizin ein Fach mit Perspektive, guter Work-Life Balance und guten Verdienstmöglichkeiten.
HNO und Urologie sind Chirurgische Fächer mit guter Möglichkeit zur Niederlassung aber auch sehr Vielfältig. Dienste können auch dort total stressig sein.
Patientenferne Fächer wie Labormedizin, Mibi etc. sind planbarer und mit einem Jahr Innere kommt man eigentlich gut rein. Du musst mal schauen, wo es bei dir Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. Manchmal ist es in diesen Fächern eine längere Pendelstrecke erträglicher als eine stressiges Fach wie Innere oder Chirurgie in der Nähe.
ehem-user-19-05-2025-1430
27.10.2024, 10:27
Vergiss das mit dem Alter, das interessiert niemanden.
Du schreibst du willst guter verdienst und gute Work-Life-Balance....
Ich finde es schon gut diese objektiven externalen Faktoren einzupreisen also verdienst, Work-Life-Balance etc aber sei dir schon bewusst wie extrem sich der Alltag der von dir genannten Berufe unterscheidet. Ein Laboratoriumsmediziner an einer großen Klinik und ein niedergelassene Urologe haben von ihrem Arbeitsalltag so viel zu tun wie ein Grundschullehrer und eine Marineinfanterist. Ich meine nur du musst bzw solltest schon ein Fach wählen dass du jahrzehntelang einen Großteil deiner Lebenszeit machen möchtest. Und ob man als Hausarzt mit dem Bike durch den Stadtpark zum Hausbesuch ins Pflegeheim radelt oder als rhytmologe 10h an Tag im epu-labor im robotor sitzt und den vorhof mappst sind schon einfach komplett andere Lebensrealitäten. Kann beides geil sein aber halt nicht für jeden. Also nur als Beispiel...
Ich will nur sagen entscheidend ist schon dass dir der Alltag bockt/das Fach zusagt und erst danach die objektiven Kriterien...
Locutus001
31.10.2024, 12:33
Facharzt Hygiene/MiBi/Laboratoriumsmedizin würde ich mir an Deiner Stelle dann alle offen halten (nicht "nur" Labormedi).
Was ist mit Pathologie? Humangenetik? Sicherlich auch planbar.
Die Situation in den Laboren wird ab nächstem Jahr sehr spannend und ich beobachte es mit etwas Sorge. Das Budget wird voraussichtlich um ca. 15-20% schrumpfen, bei in den letzten Jahren DEUTLICH gestiegenen Kosten.
Die Altersstruktur ist zwar zugunsten von jüngeren Kollegen, aber die finanzielle Situation - der Laborlandschaft selbst - ändert sich leider konstant zum schlechteren.
Vermutlich ähnlich wie in anderen Bereichen auch...
Ich finde, das merkt man leider auch und es ist zum Teil frustrierend. Denn fachlich korrekte Entscheidungen sind in den allermeisten Fällen finanziell schlechtere Entscheidungen.
(Aber das brauch ich den Kollegen mit Klinikhintergrund vermutlich nicht erzählen haha).
Wenn Du vom Wohnort her nicht flexibel bist, dann ist das ja auch eine ganz einfache Sache.
(Man muss es mal positiv sehen).
Du schreibst die Radiologien und Labore und was sonst noch für Dich in Frage kommt an, ob sie aktuell Bewerbungsschreiben entgegennehmen. Initiativbewerbung sozusagen. Oft ist ja nichts ausgeschrieben...
Vorher immer schön gucken, ob die auch eine Weiterbildungsberechtigung haben (findet man ja Online bei den Ärztekammern, wer über welche Weiterbildungsbefugnis verfügt).
Und wenn die alle abwinken, dann weißt Du bescheid.
Aber drehen wir das ganze Thema noch einmal ein wenig zurück:
Vielleichst schaust Du auch noch einmal wie viel Zeit Du noch in der Klinik absolvieren musst - Du hast ja anscheinend schon ein paar Jahre fertig! - und den Rest kannst Du vielleicht ambulant in der Praxis ableisten. Das ist ja auch schon ein ganz anderes Spielfeld als in der Klinik.
Ich glaube (und nehme das auch so wahr) der Sprug weg von der Klinik und hin in die ambulante Praxis ist für viele ein Befreiungsschlag.
Vielleicht macht dann der Allgemeinmediziner oder Gastroenterologe etc. plötzlich sehr viel Spaß.
Viel Erfolg!
Die Situation in den Laboren wird ab nächstem Jahr sehr spannend und ich beobachte es mit etwas Sorge. Das Budget wird voraussichtlich um ca. 15-20% schrumpfen, bei in den letzten Jahren DEUTLICH gestiegenen Kosten.
Interessant, das ist ja schon ein deutlicher Schlag. Warum denn diese Budget-Kürzung speziell im Laborbereich?
JumpRopeQueen
01.11.2024, 12:39
Facharzt Hygiene/MiBi/Laboratoriumsmedizin würde ich mir an Deiner Stelle dann alle offen halten (nicht "nur" Labormedi).
Was ist mit Pathologie? Humangenetik? Sicherlich auch planbar.
Die Situation in den Laboren wird ab nächstem Jahr sehr spannend und ich beobachte es mit etwas Sorge. Das Budget wird voraussichtlich um ca. 15-20% schrumpfen, bei in den letzten Jahren DEUTLICH gestiegenen Kosten.
Die Altersstruktur ist zwar zugunsten von jüngeren Kollegen, aber die finanzielle Situation - der Laborlandschaft selbst - ändert sich leider konstant zum schlechteren.
Vermutlich ähnlich wie in anderen Bereichen auch...
Ich finde, das merkt man leider auch und es ist zum Teil frustrierend. Denn fachlich korrekte Entscheidungen sind in den allermeisten Fällen finanziell schlechtere Entscheidungen.
(Aber das brauch ich den Kollegen mit Klinikhintergrund vermutlich nicht erzählen haha).
Wenn Du vom Wohnort her nicht flexibel bist, dann ist das ja auch eine ganz einfache Sache.
(Man muss es mal positiv sehen).
Du schreibst die Radiologien und Labore und was sonst noch für Dich in Frage kommt an, ob sie aktuell Bewerbungsschreiben entgegennehmen. Initiativbewerbung sozusagen. Oft ist ja nichts ausgeschrieben...
Vorher immer schön gucken, ob die auch eine Weiterbildungsberechtigung haben (findet man ja Online bei den Ärztekammern, wer über welche Weiterbildungsbefugnis verfügt).
Und wenn die alle abwinken, dann weißt Du bescheid.
Aber drehen wir das ganze Thema noch einmal ein wenig zurück:
Vielleichst schaust Du auch noch einmal wie viel Zeit Du noch in der Klinik absolvieren musst - Du hast ja anscheinend schon ein paar Jahre fertig! - und den Rest kannst Du vielleicht ambulant in der Praxis ableisten. Das ist ja auch schon ein ganz anderes Spielfeld als in der Klinik.
Ich glaube (und nehme das auch so wahr) der Sprug weg von der Klinik und hin in die ambulante Praxis ist für viele ein Befreiungsschlag.
Vielleicht macht dann der Allgemeinmediziner oder Gastroenterologe etc. plötzlich sehr viel Spaß.
Viel Erfolg!
Ich schließe mich der obigen Frage an! Was wird sich denn in Laboren genau ändern? Ich habe mal in einem gearbeitet, da ging es der Chefetage (sprich Gesellschaftern) sehr gut, viel besser als den klinischen Chefärzten. Einer sagte immer, er verdiene Geld per Tastendruck. Außerdem fließt ja die Kohle auch dann ein, wenn ein Assi die Befunde freigibt.
urinbeutel
01.11.2024, 12:47
Neue GÖA-Reform:
Wie es in einer BDR-Mitteilung vom Montag heißt, sollen laut Entwurf die sprechende Medizin (Beratung und Untersuchung) um plus 65 Prozent aufgewertet werden, die unmittelbare Patientenversorgung um sechs Prozent und die Technischen Fächer (Labor/Radiologie) um besagte 29 Prozent abgewertet werden. „Sollte es sich bei den minus 29 Prozent (und auch den plus 65 Prozent) nicht um eine politische Zahl handeln, ist davon auszugehen, dass die Reform der GOÄ – mal wieder – nicht sachlich und betriebswirtschaftlich fundiert ist“, kommentiert BDR-Präsident Professor Hermann Helmberger die gegenwärtige Situation.
RIP Gerätemedizin. Obwohl da als Neuankömmling ohnehin nichts mehr zu reißen war aufgrund der ganzen Investoren. Wer jetzt noch erwartet in der Radiologie große Gewinne zu scheffeln, ist 10 Jahre zu spät.
Bonnerin
01.11.2024, 15:09
Es ist halt einfach unfassbar lächerlich. Laborausgaben machen nur knapp 4% der Kosten aus (und das wirklich sehr konstant, durch immer mehr Prozessoptimierung), während wir bei über 60% der Diagnosen die Weichen stellen. Wirklich einfach nur zum Kotzen. Von mehr Geld wäre ich ja gar nicht ausgegangen, da wir eh quasi keine Lobby haben, aber so ne Kürzung?!
Das wird den Mangel an Laborärzten nur noch weiter verschärfen. Wer jetzt in der fortgeschrittenen Weiterbildung ist, wird sicher noch bis zum Ende finanziert (irgendwo müssen ja auch neue FÄ herkommen), aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dann (auch dank fehlender KV-Förderung) wieder noch weniger Weiterbildungsstellen geben wird.
Locutus001
07.11.2024, 16:14
Hallo,
wurde denke ich bereits beantwortet.
Hier mal zwei Links (gibt aber zahlreiche mehr ;-) ):
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/154644/Laboraerzte-halten-Krisensitzung-wegen-Honorarreform-ab
https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Laborreform-2025-Immer-mehr-Aerzte-signieren-offen-Brief-von-ALM-und-BAeMI--452895.html
Die bereits schlechte Präanalytik und Turnaround-Time sowie Qualität insgesamt wird dadurch sicherlich nicht besser, darf ich mit Blick in die Glaskugel prophezeihen.
Das ist natürlich alles jetzt rein spekulativ. Aber ich denke man kann 1 und 1 zusammenzählen. Der Kostendruck insbesondere auf kleinere Labore wird ggf. zu einigen Laborschließungen führen.
Man darf sich überlegen, ob und wie oft Ergebnisse wiederholt werden, die man für nicht plausibel hält... wenn die Kosten für die einfache Messung schon nicht gedeckt werden.
Vielleicht fällt der Spruch: "Ergebnis nicht plausibel, wir bitten um erneute Probeneinsendung" dann ersatzweise... wer weiß...
Gefällt mir persönlich fachlich überhaupt nicht und ich denke das geht allen Kollegen genauso.
Auch kostenloses Nachmessen aus akademischen Gründen aus Rückstellproben zum Vergleich von Werten im Verlauf muss unter Kostenaspekten vermutlich kritischer hinterfragt werden.
Es fallen einem da viele Dinge ein ;-) Messung mit verschiedenen Verdünnungen um eine Verdünnungsplausibilität zu sehen... na ja... etc.
Ich kann mir - leider - gut vorstellen, dass solche und ähnliche "Nachjustierungen" erfolgen könnten.
Momentan kenne ich es eher "großzügig" und im Zweifel für den Einsender bzw. Patienten. Denn um die Patienten geht es ja. (Oder sollte es...).
Präanalytik z.B. im Bereich der Liquoranalytik ist ja schon länger suboptimal, da viele Kliniken sich die Vor-Ort-Labore sparen oder dort diese Analytik nicht mehr durchführen. Einmal abgesehen von den internen Prozessen die oft klinikseits nicht besonders gut geregelt sind, weil auch nicht jeder weiß wie wichtig die Präanalytik sein kann... Die Niedergelassenen haben deutlich komplexere Fahrrouten, sodass auch da der Probentransport natürlich in den meisten Fällen nicht optimal ist.
Auch Kaliumwerte werden in Zukunft vermutlich nicht besser. Aber na ja. Vielleicht investieren die Hausarztpraxen ja in Zentrifugen und leisten selbst einen Mehraufwand...
Am Ende ist alles eine Kostenfrage. Wenn man ein Labor offenhalten kann, dafür Stellen streichen und (ich nenne es jetzt mal im weitesten Sinne so) Qualitätsmanagement reduzieren muss.. dann ist das vielleicht so.
Spannend auch ob die Tarife für die Kliniken angepasst werden... tiefer geht es wohl kaum. Bei Neuverhandlungen kann ich mir gut vorstellen, dass die Preise da auch eigentlich nur nach oben gehen dürfen (heißt Kliniken müssen mehr für Laborleistungen bezahlen, als aktuell). Die Lenker und Denker (BWLer...) der Kliniken haben nur leider vom Medizinischen und der komplexen Organisation dahinter keine Ahnung in den meisten Fällen. Ich denke das böse Erwachen wird auf irgendeiner Seite kommen.
Locutus001
07.11.2024, 16:20
Es ist halt einfach unfassbar lächerlich. Laborausgaben machen nur knapp 4% der Kosten aus (und das wirklich sehr konstant, durch immer mehr Prozessoptimierung), während wir bei über 60% der Diagnosen die Weichen stellen. Wirklich einfach nur zum Kotzen. Von mehr Geld wäre ich ja gar nicht ausgegangen, da wir eh quasi keine Lobby haben, aber so ne Kürzung?!
Das wird den Mangel an Laborärzten nur noch weiter verschärfen. Wer jetzt in der fortgeschrittenen Weiterbildung ist, wird sicher noch bis zum Ende finanziert (irgendwo müssen ja auch neue FÄ herkommen), aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dann (auch dank fehlender KV-Förderung) wieder noch weniger Weiterbildungsstellen geben wird.
Es ist ja in der Tat eine interessante Frage. Einerseits ist die Alterspyramide aktuell stark zugunsten derer die neu dazu kommen (Weiterbildungsassis).
Andererseits unter dem Kostendruck wird ggf. das Interesse der Laborführungen (also der "Aktiengesellschaften" dahinter... so nenne ich es mal) deutlich in Richtung "Naturwissenschaftler" statt Ärzte steigen.
Vom medizinischen Labor a la "Industrie" träumen da ja ohnehin einige...
Kleiner Trost für alle die bereits Fachärzte sind: Es braucht auch für Naturwissenschaftler ein paar Jahre um ein ähnliches Niveau an Wissen zu erarbeiten. Und die Fachbiologen und Klinischen Chemiker sind größtenteils nicht vorhanden aktuell. Auch die Ausbildungsplätze dafür nicht...
Bonus: Wenn Labore schließen, schwemmen automatisch die Kollegen auf den Markt, die vorher dort gearbeitet haben ;-) Die Flexibilität in der Wahl des Arbeitsortes nimmt dadurch sicherlich deutlich ab.
Anders als das (NOCH) der Fall bei den Niedergelassenen ist, gibt es in der Labormedizin ja eigentlich keine realistischen Möglichkeiten (mehr) sich selbstständig (im Sinne einer Laborgründung) zu machen.
Man gebe dem Ganzen noch ein paar Jahre, dann werden die Praxissitze auch von Aktiengesellschaften in Form von MVZ aufgekauft. Dann erledigt sich das auch für die anderen Fächer...
Im Idealfall wird der feuchte Traum der ganz Oberen wahr und Labore, MVZ und Klinik sind aus einer Hand. Dann kann sich HELIOS die Proben aus den Kliniken und Praxen in das HELIOS Labor schicken. Und die Patienten aus den HELIOS Praxen in die HELIOS Kliniken und umgekehrt ;-)
Spart ja alles kosten und ist "besser für alle" ;-)
Vielleicht kann man dann noch ein paar HELIOS Handwerksfirmen gründen und Altenheime... und man beauftragt sich für alles was man so braucht selbst. Perfekt.
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