Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bewerben trotz Schwangerschaft
LirumLarum123
28.10.2024, 09:26
Hi Schwarmintelligenz, ich brauche mal einen Rat: Ich stehe kurz vor dem M3 und bin jetzt schwanger, das Kind kommt wenn alles gut läuft im Frühjahr. Ich wäre also, sollte ich im Januar anfangen zu arbeiten, schon relativ fortgeschritten schwanger und hätte noch so zweieinhalb Monate vor Beginn des Mutterschutzes. Ich habe noch keine fixe Stelle, aber zwei, bei denen ich auf Rückmeldung warte. Die Schwangerschaft habe ich dort bislang nicht erwähnt.
Ist es kompletter Wahnsinn, in dieser Situation überhaupt eine Stelle anzunehmen? Mir ist natürlich klar, dass der Berufseinstieg eh anstrengend ist und schwanger sicher nochmal mehr. Ich frage mich aber auch, was für meine berufliche Zukunft "schlauer" ist. Ich kann mir vorstellen, dass Arbeitgeber (und Kollegen) nicht so amused sind, wenn man nach Unterschreiben des Arbeitsvertrags so ein Bömbchen zündet. Aber macht sich das sehr schlecht im Lebenslauf, so dass auch zukünftige Arbeitgeber abgeschreckt wären? Muss ich damit rechnen, dass Chefs miteinander telefonieren und sich sozusagen "warnen" oder ist man eh einfach so ein kleines Licht als Jungassi, der schnell wieder vergessen wird?
Oder hat vielleicht sogar mal jemand die Erfahrung gemacht, mit dem Thema offen umzugehen und es ging gut?
Finanziell ist es natürlich nicht optimal so lange nicht zu arbeiten, nach dem Studium gibt es ja auch kein ALG1. Machbar wäre es aber mit dem Gehalt meines Partners und evtl. Unterstützung durch Familie schon, es wäre eben eine Verlängerung des studentischen Lebensniveaus.
Freue mich über Tips und Erfahungen! Liebe Grüße!
Wenn du schnell bist mit den Vorstellungsgesprächen, und man sieht deinen Kugelbauch noch ist, dann hast du einen Arbeitsvertrag, der nicht wegen der Schwangerschaft gekündigt werden kann.
Jedoch musst du bedenken, dass dann jegliches Vertrauen in dich weg ist, und du, weil du danach aus Sicht der CAs nur bedingt einsetzbar bist, und nicht wirklich planbar.
LirumLarum123
28.10.2024, 11:19
ja, genau, mir ist klar, dass man während Schwangerschaft und Mutterschutz nicht gekündigt werden kann. Mir geht es eher um die Frage, schade ich mir im Endeffekt mehr selbst, wenn ich jetzt eine Stelle annehme, also ist es auf mittlere Sicht schlauer, jetzt für ein ~dreiviertel Jahr auf Geld zu verzichten und dann sozusagen unbelastet die erste Stelle anzutreten?
Muss vielleicht noch dazu sagen, dass ich in einer Region mit mehreren Kliniken lebe, also es gibt schon mehrere Arbeitgeber, die prinzipiell in Frage kommen.
Wenn es um das Geld geht ist das sicherlich ein gangbarer Weg.
Wenn es um eine Stelle in einer Abteilung geht, in welcher du glücklich werden und eine gute Ausbildung erhalten willst, dann wird das vermutlich nach so einer Aktion zum Einstieg nichts mehr werden.
JumpRopeQueen
28.10.2024, 13:51
Ich war in ähnlicher Situation und habe mich nicht getraut, mich zu bewerben. Es war mir zu dreist. Kenne aber eine, die mit offenen Karten gespielt und eine Stelle in Strahlentherapie (!) bekommen hat.
Moralisch fragwürdig, ich denke es kommt auch auf die finanzielle Situation an wie sehr du auf das Geld angewiesen bist. Danach ist man halt unten durch.
Moralisch fragwürdig, ich denke es kommt auch auf die finanzielle Situation an wie sehr du auf das Geld angewiesen bist. Danach ist man halt unten durch.
Das find ich Quatsch. Bei einer kleinen Einzelkämpferpraxis wäre das vielleicht eine zweite Überlegung wert, aber nicht in einer Klinik. Ein guter AG wird verstehen, dass auch Schwangere sich bewerben müssen und dürfen. Und um einen schlechten braucht man sich da keine Gedanken zu machen. Der würde einem auch dann Steine in den Weg legen, wenn man bereits längere Zeit im Unternehmen ist und dann erst schwanger wird.
Natürlich macht einem AG eine Schwangerschaft mehr Unannehmlichkeiten, aber so ist das halt. Dass da Chefs untereinander reden ist, denke ich, nicht zu befürchten. Und wenn, dann ist doch eher davon auszugehen, dass diejenige dann vielleicht mit der Familienplanung durch ist im Gegensatz zu den anderen noch kinderlosen Assistenten im „Familiengründungsalter“.
Aus eigener Erfahrung (auch aus dem Kollegenkreis) kann ich sagen, dass die meisten AG in so einer Situation einfach nur auf ihre eigenen Interessen schauen. Das würde ich auch jedem Arbeitnehmer raten. Sei froh, dass die Gesetzeslage so ist wie sie ist und denk da an dich.
Klar, die Stimmung kann da in der Abteilung danach beeinträchtigt sein, gerade wenn viele kinderlose da arbeiten, die das vielleicht nicht so verstehen. Aber das wäre sonst echt ein großer Haufen Geld, der dir da sonst durch die Lappen geht… Und den einen perfekten AG gibt es nicht. Gerade im ärztlichen Bereich hat man da idR viel Auswahl
Machs einfach - Du bist arbeitsfähig, motiviert und natürlich magst Du das Geld haben. Ausserdem: wann merkt man schon, dass man schwanger ist. Wir hatten auch eine ehemalige PJ, die schwanger angefangen hat und schnell zu Hause, aber nach der Elternzeit des 2. Kindes (yes!) dann da war. :-)
Rudiologe
03.11.2024, 10:26
Machen Kolleginnen doch ständig. Wir hatten mal eine Ärztin, die sich explizit auf eine Schwangerschaftsvertretungsstelle beworben hatte und dann eine Woche vor Dienstantritt angerufen und ihre eigene Schwangerschaft verkündet hat. Die ist danach aber natürlich auch nie wieder bei uns gesehen worden.
TaraTamm
03.11.2024, 16:28
Dass da Chefs untereinander reden ist, denke ich, nicht zu befürchten.
Das ist nicht nur zu befürchten, sondern wird mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit so passieren. Innerhalb einer Fachrichtungen kennen sich die Chefs in einer Region so gut wie immer, oft auch überregional. Eine Bewerbung wird da regelmäßig als willkommene Gelegenheit genutzt, mal wieder anzurufen und dabei gleich ein paar Infos zum Bewerber zu bekommen.
In meiner mittelgroßen fachrichtung habe ich bisher zweimal die Stelle gewechselt. Beide Male wusste mein Chef durch Infos von extern, dass ich gehe, noch bevor ich gekündigt habe. Einmal wurde ich sogar herbeizitiert, nachdem ich ein Vorstellungsgespräch hatte, und offen gefragt warum ich mich denn nach neuen Stellen umsehe.
Wenn es wirklich absehbar nur um 2 Monate arbeiten geht und es die erste Stelle ist, dann würde ich einfach eine Fachrichtung mit hohem Personalbedarf nehmen, in der ich eh nicht bleiben will. Zwei Monate Innere schaden nicht und man findet locker ne Stelle, selbst wenn man schon sichtbar schwanger ist. Und dass z.B. der Chefarzt der eigentlich gewünschten Derma Stelle die Chefarzt aus der Inneren anruft, ist schon wesentlich unwahrscheinlicher.
LDL (“Lass’ das lieber“). Die betriebsärztliche Untersuchung ist meist erst kurz vor Stellenantritt und da Du ja dann sichtbar schwanger bist, nichts Invasives machen darfst, macht es außerhalb von Alternativbereichen keinen Sinn, eine Stelle anzutreten. Genieß lieber das letzte Trimenon, wenn es finanziell machbar ist und erspare Dir den Berufseinstiegsstress.
Bonnerin
03.11.2024, 22:20
Was wäre denn mit z.B. DKMS oder ne Stelle in der Aufklärung für Blut- bzw. Plasmaspende? Das ist ja oft so ne Zwischenstation, wo Leute auch durchaus schnell wieder gehen. In der Regel wäre das eine reine Schreibtischarbeit und ohne Nacht- bzw. Wochenenddienste.
Langfristig will man da natürlich nicht kleben bleiben (da es i.d.R. keine Weiterbildungsermächtigung gibt), aber so als Zwischenstation? Warum nicht.
LirumLarum123
04.11.2024, 18:28
Danke schonmal für die verschiedenen Gedanken und Tips. Ich habe mich jetzt entschieden, offen zu sein und habe trotzdem(?) auf eine der zwei Bewerbungen eine Zusage bekommen (von der anderen habe ich noch nichts gehört).
Die Zusage ist in der Inneren, kleines Haus, tatsächlich nicht meine Traumstelle, aber die Atmosphäre bei der Hospitation war nett, also fürs erste wird es passen, denke ich. Klar habe ich Respekt vor der Belastung aber noch bin ich naiv-optimistisch, dass ich es hinkriegen werde :)
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