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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ärztegehälter bleiben Politikum



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npspammer
01.11.2024, 20:34
Hier ein unterhaltsamer Thread in dem viele Gedanken über Ärztegehälter von Nicht-Ärzten in die Welt getragen werden: https://www.wiwi-treff.de/Gehaelter/Arzt/Warum-wird-gesagt-dass-Aerzte-wenig-verdienen-Verdienen-Aerzte-tatsaechlich-zu-wenig/Diskussion-97872/8

Finde es schon spannend dass in einem BWL-/Management-/UB-Forum eine 8-seitige Diskussion über uns entstehen kann!

urinbeutel
01.11.2024, 21:19
hab ein bisschen geblättert. Finde es witzig, dass die wiwis besser informiert sind über die Rahmenbedingungen als die Leute im Forum hier. Immer wenn hier über Geld geredet wird, wird es direkt abgewürgt, hab ich das Gefühl.

ein punkt, der dort richtigerweise erwähnt wird: wir haben über die Generationen einen enormen Verlust an Autarkie und Bezahlung. Die Tatsache, dass Investoren und MVZ existieren ist wahrscheinlich die größte Tragödie in der Geschichte der Ärzteschaft und es wird vermarktet als Lifestyle entscheidung.

anignu
02.11.2024, 01:17
Und Lehrer arbeiten eh nur vormittags, haben sämtliche Schulferien frei, verdienen durch die Existenz eigener Kinder eine goldene Nase und in der Rente, die sich Pension nennt, verdienen sie nochmal ein Vielfaches eines einzelnen Angestellten da es sich um eher 70% des letzten Gehalts und nicht um 43% des Durchschnittsgehalts handelt.
Und auch bei diesen Aussagen sind extrem viele Pauschalisierungen dabei, Halbwahrheiten und Besonderheiten die in dieser Pauschalität einfach völlig falsch sind. Es sind doch schon in jeder Klinik die Arbeitsbedingungen von Abteilung zu Abteilung extrem unterschiedlich. Wie will man dann die Arbeitsbedingungen über Deutschland pauschalisieren? Es gibt in jeder Klinik verschiedene Abteilungen mit teils mehr Überstunden und teils weniger Überstunden. Und dann jeweils mit Dienstmodellen die eher finanziell interessant sind und eben andere. Es gibt Abteilungen in denen man eine ruhige Kugel schiebt und Abteilungen in denen man Dauerstress ausgesetzt ist... Das ist alles so extrem unterschiedlich, auch der Verdienst, das ist so schwierig vergleichbar.

JAK1
02.11.2024, 06:52
Mir würde das Gehalt schon reichen, wenn man dafür die Umstände (24h Dienste, Überstunden etc.) menschenwürdig gestalten würde. Habe letztens erfahren, dass meine Cousine als Sozialpädagogin bei 34h Woche nur 600€ Netto weniger verdient als ich. Da muss man sich dann schon hinterfragen, ob es das einem wert ist.

ehem-user-19-05-2025-1430
02.11.2024, 09:17
Man könnte jetzt viel schreiben aber ich denke der große Punkt der bei vielen Medizinern falsch läuft und deshalb auch alle Tarif oder auch Honorierungsverhandlungen torpediert ist die fehlende Fähigkeit oder die Weigerung einen Zeitbezug zur Entlohnung herzustellen.
In jedem anderen high Performer Bereich (Juristen, Ingenieure, bwler) ist das selbstverständlich.

Ich habe das so oft beobachtet und viel darüber nachgedacht wieso das so ist.
Habe mir schon überlegt ob es was mit den persönlichkeiten zu tun hat, die Medizin studieren.... Die 1.0er Abiturienten haben ihr Leben lang halt durch fleiß kompensiert... Und das in Kindheit /Jugend erworbene Schema wird nie durchbrochen..ob es sowas ist? Fortbildung, nachlesen daheim etc ist ja auch alles Arbeitszeit. Habe mich nie von einem Ingenieur Kumpel gehört er liest samstags stundenlang irgendwas nach...

4000 netto bei 65h in der Woche ist Tankstellenabkassier Niveau....und trotzdem finden das machen okay...

Naja seis drum. Take it or leave it :)

Relaxometrie
02.11.2024, 11:48
In jedem anderen high Performer Bereich (Juristen, Ingenieure, bwler) ist das selbstverständlich.
In dieser Absolutheit ist das garantiert falsch.
Was nicht bedeutet, dass ich dieses ewige Schieben von kostenlosen Überstunden in der Medizin richtig finde.

ehem-user-19-05-2025-1430
02.11.2024, 14:47
In dieser Absolutheit ist das garantiert falsch.
Was nicht bedeutet, dass ich dieses ewige Schieben von kostenlosen Überstunden in der Medizin richtig finde.
Ich meine nicht dass da nicht auch Leute sind die 60h+ Selbstausbeutung betreiben, aber die checken eher dass 75k bei 65h (Arbeitszeit+Überstunden+Dienste+Doktorarbeit fertig machen oder Papers nachlesen+ggf forschen) nicht der Wahnsinn sind...

nie
02.11.2024, 15:40
Es ist gibt sehr viele Krankenhäuser mit sehr vielen Assistenzärzten in sehr unterschiedlichen Fachrichtungen. Da lässt keine allgemeingültige Aussauge treffen.

origamifalter
02.11.2024, 18:35
Ich habe das so oft beobachtet und viel darüber nachgedacht wieso das so ist.
Habe mir schon überlegt ob es was mit den persönlichkeiten zu tun hat, die Medizin studieren.... Die 1.0er Abiturienten haben ihr Leben lang halt durch fleiß kompensiert... Und das in Kindheit /Jugend erworbene Schema wird nie durchbrochen..ob es sowas ist? Fortbildung, nachlesen daheim etc ist ja auch alles Arbeitszeit. Habe mich nie von einem Ingenieur Kumpel gehört er liest samstags stundenlang irgendwas nach...


Diese Einschätzung teile ich

Trenn
02.11.2024, 20:11
Habe jetzt nur die erste und letzte Seite überflogen (ist ja echt lang der Thread in dem BWL-Forum), aber die Analysen sind nüchtern betrachtet doch korrekt. Als Arzt kann man auch mit wenig(er) Aufwand Top-Verdiener werden, nicht umsonst verdienen Ärzte am meisten (vielleicht von Steuerberatern mal abgesehen, aber die Prüfung soll auch echt schwer sein). Viele Mediziner sind einfach Idealisten und verblendet, glauben an die Chancengleichheit und investieren deswegen mehr rein, als sie zurück bekommen. Insgeheim hofft man doch auf ne CA-Karriere (wenn man an der Uni 65h+ arbeitet und Papers schreibt), wo man dann 300k+ Gehalt und XXk+ von der Pharma für Fortbildungen und Vorträge erhält.
Man kann sich's aber auch viel einfacher machen:
ggf. Medizinstudium im EU-Ausland (man kann dann den NC umgehen, die Investition von 60-100k kriegt man später auch schnell wieder rein)
1 Jahr Innere in der Akutklinik (anfangs hat man ja noch Welpenschutz), nach der ersten Krise dann das 2. Jahr in ne Reha-Klinik oder Geriatrie.
Ab da dann nur noch ambulant über Förderung der KV bezahlt. Dh. 30h Woche und massig fortbildungsfrei, wenn man sonst halbwegs im Praxisalltag mitmacht.
Danach sich als Allgemeinarzt in einem mittelgradig unterversorgten Gebiet (sonst muss man noch zu viele KV-Dienste machen...) niederlassen, 1500 Scheine im Quartal mit Doc-Holiday-, Überweiser und Einweiser-Praxis (man muss den Anspruch an sich selbst runter schrauben, sonst kriegt man ein schlechtes Gewissen) erwirtschaften und nach etwas Anlaufschwierigkeiten (man muss sein Personal ja einnorden) 200k Gewinn im Jahr bekommen. Ein Steuerberater kann wahrscheinlich noch mehr mit weniger Arbeit bekommen, aber den Weg dorthin halte ich für schwieriger.

Kackbratze
02.11.2024, 22:47
Aus einem Thread in einem WiWi Forum gleich ein Politikum herauszudestilieren ist auch eine Art von Selbstverliebtheit.
Jedes Gehalt ist in Deutschland Gegenstand von Diskussionen, Neid bestimmt die Gesellschaft, dann lässt es sich besser politisch arbeiten.
Einfach die Zeitung aufschlagen, aktuell sind es die Arbeiter bei VW zusammen mit ihren Managern. Die Karawane wird aber bald wieder weiterziehen, wer dann zu viel verdient, werden wir sehen, in absehbarer Zeit werden wir aber wieder auftauchen, da wir ja im Gesundheitssystem sparen müssen.

ehem-user-19-05-2025-1430
03.11.2024, 06:47
Man kann sich's aber auch viel einfacher machen:
ggf. Medizinstudium im EU-Ausland (man kann dann den NC umgehen, die Investition von 60-100k kriegt man später auch schnell wieder rein)
1 Jahr Innere in der Akutklinik (anfangs hat man ja noch Welpenschutz), nach der ersten Krise dann das 2. Jahr in ne Reha-Klinik oder Geriatrie.
Ab da dann nur noch ambulant über Förderung der KV bezahlt. Dh. 30h Woche und massig fortbildungsfrei, wenn man sonst halbwegs im Praxisalltag mitmacht.
Danach sich als Allgemeinarzt in einem mittelgradig unterversorgten Gebiet (sonst muss man noch zu viele KV-Dienste machen...) niederlassen, 1500 Scheine im Quartal mit Doc-Holiday-, Überweiser und Einweiser-Praxis (man muss den Anspruch an sich selbst runter schrauben, sonst kriegt man ein schlechtes Gewissen) erwirtschaften und nach etwas Anlaufschwierigkeiten (man muss sein Personal ja einnorden) 200k Gewinn im Jahr bekommen. Ein Steuerberater kann wahrscheinlich noch mehr mit weniger Arbeit bekommen, aber den Weg dorthin halte ich für schwieriger.

haha steckt viel wahres drin. Nur eine Sache stört mich....1500 scheine und nur 200k? da läuft was falsch :D

Qwert1133
03.11.2024, 10:56
Man könnte jetzt viel schreiben aber ich denke der große Punkt der bei vielen Medizinern falsch läuft und deshalb auch alle Tarif oder auch Honorierungsverhandlungen torpediert ist die fehlende Fähigkeit oder die Weigerung einen Zeitbezug zur Entlohnung herzustellen.
In jedem anderen high Performer Bereich (Juristen, Ingenieure, bwler) ist das selbstverständlich.


Also wir machen ja kaum unbezahlte Überstunden, das Hauptproblem bleibt dennoch ein Tarifgehalt, welches auch bei Zeitbezug pro Stunde viel zu gering ist. Dazu kommen dann lächerliche Zuschläge für sehr einschneidende und nachgewiesenermaßen gesundheitsschädigende Arbeitsmodelle. Ändern kann sich das aktuell nur durch Tarifverhandlungen, in denen der MB aber eben leider regelmäßig einknickt, obwohl die Punkte nur allzu bekannt sind.

TaraTamm
03.11.2024, 16:10
Ich habe vor dem Medizinstudium 4 Semester Wirtschaftswissenschaften studiert.

Mit dem Wechsel zu Medizin hat sich der Zeitaufwand für das Studium während der Vorlesungs-/Prüfungszeit etwa verdoppelt.

Bei Wiwi waren auch Praktika in den Semesterferien üblich, die wurden aber zumindest auf eine etwas höheren Niveau bezahlt (1500 Euro für Praktikum in der Automobilbranche vs. 0 bis 200 Euro für Famulaturen und Pflegepraktika damals).

Mir wurden als Assistenzärztin weniger als 10% meiner Überstunden bezahlt (nur bei sehr guter Argumentation ging das beim Chef ausnahmsweise mal durch).

Inklusive Diensten hatten die meisten Wochen 60+h Arbeitszeit.

Zudem haben 6 Jahre Nachtarbeit und systematisches Ignorieren von Bestimmungen zur Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten mir gefühlt gesundheitlich durchaus merklich zugesetzt.

In Fortbildung und Lernen neben dem Beruf inkl. Vorbereitung auf die Facharztprüfung habe ich nebenbei mehr als 1000h weitere unvergütete Zeit investiert.

Auch wenn die Vergütung jetzt als Oberärztin etwas fairer ist, halte ich es für fraglich, ob sich das ganze, wenn man den gesamten Zeitaufwand und die Widrigkeiten gegenrechnet, im Vergleich zum BWLer-Job, zum Handwerksmeister oder ähnlichem auch nur ansatzweise finanziell gelohnt hat.

Das hängt auch davon ab, wie man die Opportunitätskosten bewertet. Für mich hätte es durchaus auch einen hohen Wert gehabt, wenn ich statt den ganzen durchgeschufteten wochenenden öfter was mit meinen Freunden hätte unternehmen können.

Lakemond
03.11.2024, 17:59
Mir wurden als Assistenzärztin weniger als 10% meiner Überstunden bezahlt (nur bei sehr guter Argumentation ging das beim Chef ausnahmsweise mal durch).

Seit wann ist der Chef für die Bezahlung von Überstunden zuständig?




Zudem haben 6 Jahre Nachtarbeit und systematisches Ignorieren von Bestimmungen zur Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten mir gefühlt gesundheitlich durchaus merklich zugesetzt.

Daran bist du aber auch selbst schuld!

JAK1
03.11.2024, 18:08
Sie ist da definitiv nicht dran schuld. Keine Täter/Opferumkehr

rafiki
03.11.2024, 18:22
Sie ist da definitiv nicht dran schuld. Keine Täter/Opferumkehr

Wer sich als erwachsener und geschäftsfähiger Mensch zum Opfer machen lässt, trägt praktisch immer eine Mitschuld.

DrSkywalker
03.11.2024, 20:53
Wir alle wissen um die Zwänge denen man als Assistenzarzt ausgesetzt ist. Es ist nicht hilfreich die Schuld den Arbeitnehmern zu geben

Trenn
03.11.2024, 21:16
haha steckt viel wahres drin. Nur eine Sache stört mich....1500 scheine und nur 200k? da läuft was falsch :D

Nicht jeder ist ein so begnadeter Codieren wie du. Und als Doc Holiday will man den maximalen Profit bei geringster Leistung rausholen, und da hat man folglich mehr Verdünnerscheine.:-oopss (Das soll übrigens keine Werbung dafür sein, es so zu machen. Davon geht unser System kaputt :-p)

Relaxometrie
03.11.2024, 21:54
Wir alle wissen um die Zwänge denen man als Assistenzarzt ausgesetzt ist. Es ist nicht hilfreich die Schuld den Arbeitnehmern zu geben

:-meinung