Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zum Dienst verpflichtet - und nun?
darthmojito
03.11.2024, 09:05
Hallo zusammen,
ich würde mich über ein paar Ratschläge freuen. Ein Kollege hatte sich bereits am Mittwoch für den Tagdienst am Sonntag krankgemeldet. Es wurde also nach Ersatz rumgefragt. Ich hab am Mittwoch höflich zu verlauten gegeben, dass ich am Sonntag aufgrund einer lang geplanten Familienfeier nicht zur Verfügung stehe und fertig. Am Freitag wurde weiterhin nach Ersatz gesucht.
Am Freitag hatte ich eigentlich auch schon frei (Schichtdienst), da hieß es dann aber morgens plötzlich: noch ein anderer Kollege ist nicht zum Notaufnahmedienst erschienen und geht auch nicht ans Telefon, wir brauchen dringend eine Lösung. Ich hab dann angeboten, schnell spontan herzufahren, war dann vor Ort, hab 2 Stunden in der Notaufnahme gearbeitet, da rief dann der besagte Kollege, der eigentlich Dienst hatte, an: Er habe es verpeilt. Ich meinte dann, dass ich den Dienst jetzt machen würde und fertig (meine Tagesstrukur war zu dem Zeitpunkt ohnehin schon zerschossen), er soll mir dann mal einen Notaufnahmedienst abnehmen. 20 Minuten später ruft aber mein einer OA an: Laut „Einspringliste“ wäre ich mal wieder dran mit Einspringen, alle anderen, die auch mal dran wären, hätten Urlaub, damit würde er mich jetzt zum gesamten Dienst am Sonntag verpflichten. Er würde mir dann raten, dem Kollegen aus der Notaufnahme zu sagen, er solle jetzt doch kommen, ich könne dann ja wieder nach Hause fahren, es sei denn, ich würde gerne beide Dienste machen.
Ich hab noch versucht, was zu sagen, aber er hat mich am Telefon nicht mal ausreden lassen.
Um diese besagte Familienfeier vom Sonntag wahrnehmen zu können, hab ich dann noch verzweifelt versucht, irgendwie zu tauschen und tatsächlich war die Kollegin vom Samstag so nett, noch kurzfristig mit mir zu tauschen, dass ich dann am Samstag den Dienst gemacht habe und sie heute.
Ich bin allerdings richtig sauer darüber, wie das so oberärztlicherseits gelaufen ist. Soweit ich weiß, ist eine Dienstverpflichtung doch eigentlich nur legal, wenn anders schrecklicher Schaden von der Abteilung nicht abzuwenden ist? Aber das wäre ja anders möglich gewesen. Zum Beispiel durch Hereinkommen des Hintergrund-OA in den Vordergrund oder durch Verpflichtung einer Honorarkraft.
Außerdem hab ich dadurch jetzt auch noch ein Konzert verpasst, für das ich am Samstagabend Karten hatte (gut, das ist dann „meine Schuld“, dass ich die Familienfeier priorisiert habe, aber diese Feier hatte ich halt selbst geplant und dafür ein Lokal reserviert usw usw.)
Ganz zu schweigen davon, dass ich dadurch jetzt 3 Wochenenden am Stück, davon zwei ganze Wochenenden und im November auch alle Wochenenden bis auf ein einziges arbeite.
Daher meine Frage: Kann man sich mit sowas mal an den Marburger Bund wenden (auch als Nicht-Mitglied)? Sollte man zum Betriebsrat? (Dazu sei gesagt, dass ich noch keine neue Stelle in Aussicht habe). Sollte man sich diese Dienstverpflichtung schriftlich geben lassen?
Oder ist so etwas gang und gäbe und ich reagiere über?
FirebirdUSA
03.11.2024, 09:48
Zum MB gehen macht nur Sinn wenn man Mitglied ist. Akut kannst du nur der Dienstanweisung Folge leisten oder einen Eilbeschluss vor dem Arbeitsgericht erwirken (wie der ausgeht hängt vom Richter und der Situation ab.
Wenn du verpflichtet wirst hast du natürlich einen Anspruch auf Erstattung deiner dasurch entstehenden Kosten, wobei wenn du freiwillig So auf Sa wechselst der Anspruch vermutlich verwirkt ist... im Zweifel hilft dir aber nur eine anwaltliche Beratung.
Und nein, dein Frust ist verständlich und du reagierst nachvollziehbar.
Qwert1133
03.11.2024, 10:39
Ahh wie spannend. Vielleicht weiß da jemand mehr, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein einfacher Anruf irgendeines OAs formal ausreicht um für dich wirklich eine Arbeitspflicht herzustellen.
So wurde jetzt Druck aufgebaut, du bist eingeknickt und hast den Dienst am Ende freiwillig übernommen.
Das nächste mal (also wenn es dir wirklich wichtig ist, den Dienst nicht machen zu müssen) solltest du dir die Verpflichtung schriftlich bestätigen lassen und darauf hinweisen, dass du dich erst verpflichtet fühlst wenn eine vom Betriebsrat bestätigte Änderung des offiziellen Dienstplans vorliegt. Hier kannst du dann alle Register ziehen, ebenfalls den BR Kontaktieren und auf die bereits überschrittenen 2 Wochenenden hinweisen. Vielleicht überschreitest du mit dem Dienst vom Samstag auch bereits die maximal erlaubte Höchstarbeitszeit von 60h. Und es ist absolut so, dass auch OA’s reinkommen können die noch keine 2 WE gearbeitet haben.
Ich würde nach so einer Nummer definitiv kündigen. Und mir gut überlegen, ob mich die Geschichte nicht derart belastet, dass ich erstmal gesund werden muss.
In diesem Forum bekommt man auf solche Fragen leider immer nur absolutistische, überhebliche und wenig hilfreiche Antworten.
In der stationären Medizin muss eine 24-Stunden-Versorgung sichergestellt werden, das gehört nunmal dazu, und kranke Kollegen müssen ersetzt werden. Freie Wochenenden sind rar und daher von den allermeisten Kollegen verplant mit den schönen Dingen des Lebens, weshalb Ersatz immer schwierig ist. Einer muss es halt machen, die schwierige Aufgabe ist es, dies halbwegs fair zu gestalten.
In den allermeisten Häusern wird der OA-Hintergrund für Interventionen benötigt (OP, HKL, Gastroskopie etc.) und kann daher regelhaft keinen Vordergrund machen, abgesehen davon dass das auf erhebliche Widerständen treffen wird und so einfach nicht vorgesehen ist. Dass das hier immer wieder verlangt wird ist eine Nebelkerze, assistenzärztliche Aufgaben werden in der Regel von Assistenzärzten übernommen werden müssen.
Eine Honorarkraft mit einer Vorlaufzeit von 24 Stunden zu bekommen ist defacto unmöglich, ganz zu schweigen von der Einarbeitung etc. - Häuser die so etwas machen sind in der Regel personell kurz vor der Schließung (eigene Erfahrung aus der Honorararztzeit).
Was bleibt also: einer muss es machen, keiner will. Ich persönlich würde mir ein finanzielles Anreizsystem wünschen, das würde viele Probleme lösen, gibt es aber nicht. Ihr scheint ja eine Einspringliste zu haben, was eine relativ faire Regelung ist. Wenn man nun seit Monaten immer absagt, dann ist man irgendwann dran. Soweit sind die Rahmenbedingungen.
Zum konkreten Fall: eine Verpflichtung zum Dienst kann der Arbeitgeber aussprechen, wenn er alle anderen Optionen versucht hat. Dafür braucht es auch keinen Betriebsrat etc. - das ist aber echt das letzte Mittel und ich habe es selten erlebt, dass das wirklich durchgezogen wurde. Wenn das wirklich erfolgt, würde ich mir das auf jeden Fall schriftlich geben lassen.
3 Wochenenden im Monat sind ausnahmsweise ja möglich, allerdings maximal 14 Tage am Stück. Die zusätzlichen Wochenenden müssen in Freizeit ausgeglichen werden. Wenn du jetzt quasi 6 Wochenende in 2 Monaten machen musst wäre ein fairer Deal, im Januar bespielsweise nur ein WE eingeteilt zu werden. In allen Abteilungen wo ich bisher gearbeitet habe war sowas immer möglich. Wenn du aber jetzt regelmäßig Zusatzarbeit machen musst ohne Entlastung an anderer Stelle, dann ist die Abteilung mutmaßlich scheiße.
Deswegen kündigen und eine neue Stelle suchen kann man sich überlegen, wenn auch der Rest (Weiterbildung, Rotationen, Stimmung, Zukunftsperspektive) bescheiden ist. In der Regel ist es woanders selten wirklich besser, und man stellt sich für viele Dinge hinten an. Will also gut überlegt sein.
Sich jetzt krankzumelden wie ein trotziges Kind wird dir auf kurz- und mittelfristige Sicht auch nicht weiterhelfen, außer du möchtest bei den guten Interventionen und Rotationen übergangen werden. Die Kollegen aus meiner Abteilung, die sich jedes Mal querstellen sind weder beliebt, noch profitieren sie davon.
Was also tun: Du hast jetzt in den sauren Apfel gebissen, dafür würde ich Entschädigung an anderer Stelle verlangen und mich zudem bei den nächsten Dienstproblemen mit Verweis auf deinen Einsatz an diesem Wochenende aus der Affäre ziehen. Und dann musst du dir Gedanken machen, ob du in dieser Abteilung eigentlich zufrieden bist und das jetzt einfach Mal eine unschöne Situation warst, oder ob die Arbeitsbedingungen grundsätzlich bescheiden sind und du vielleicht eine Neuorientierung brauchst.
darthmojito
03.11.2024, 13:03
In diesem Forum bekommt man auf solche Fragen leider immer nur absolutistische, überhebliche und wenig hilfreiche Antworten.
In der stationären Medizin muss eine 24-Stunden-Versorgung sichergestellt werden, das gehört nunmal dazu, und kranke Kollegen müssen ersetzt werden. Freie Wochenenden sind rar und daher von den allermeisten Kollegen verplant mit den schönen Dingen des Lebens, weshalb Ersatz immer schwierig ist. Einer muss es halt machen, die schwierige Aufgabe ist es, dies halbwegs fair zu gestalten.
In den allermeisten Häusern wird der OA-Hintergrund für Interventionen benötigt (OP, HKL, Gastroskopie etc.) und kann daher regelhaft keinen Vordergrund machen, abgesehen davon dass das auf erhebliche Widerständen treffen wird und so einfach nicht vorgesehen ist. Dass das hier immer wieder verlangt wird ist eine Nebelkerze, assistenzärztliche Aufgaben werden in der Regel von Assistenzärzten übernommen werden müssen.
Eine Honorarkraft mit einer Vorlaufzeit von 24 Stunden zu bekommen ist defacto unmöglich, ganz zu schweigen von der Einarbeitung etc. - Häuser die so etwas machen sind in der Regel personell kurz vor der Schließung (eigene Erfahrung aus der Honorararztzeit).
Was bleibt also: einer muss es machen, keiner will. Ich persönlich würde mir ein finanzielles Anreizsystem wünschen, das würde viele Probleme lösen, gibt es aber nicht. Ihr scheint ja eine Einspringliste zu haben, was eine relativ faire Regelung ist. Wenn man nun seit Monaten immer absagt, dann ist man irgendwann dran. Soweit sind die Rahmenbedingungen.
Zum konkreten Fall: eine Verpflichtung zum Dienst kann der Arbeitgeber aussprechen, wenn er alle anderen Optionen versucht hat. Dafür braucht es auch keinen Betriebsrat etc. - das ist aber echt das letzte Mittel und ich habe es selten erlebt, dass das wirklich durchgezogen wurde. Wenn das wirklich erfolgt, würde ich mir das auf jeden Fall schriftlich geben lassen.
3 Wochenenden im Monat sind ausnahmsweise ja möglich, allerdings maximal 14 Tage am Stück. Die zusätzlichen Wochenenden müssen in Freizeit ausgeglichen werden. Wenn du jetzt quasi 6 Wochenende in 2 Monaten machen musst wäre ein fairer Deal, im Januar bespielsweise nur ein WE eingeteilt zu werden. In allen Abteilungen wo ich bisher gearbeitet habe war sowas immer möglich. Wenn du aber jetzt regelmäßig Zusatzarbeit machen musst ohne Entlastung an anderer Stelle, dann ist die Abteilung mutmaßlich scheiße.
Deswegen kündigen und eine neue Stelle suchen kann man sich überlegen, wenn auch der Rest (Weiterbildung, Rotationen, Stimmung, Zukunftsperspektive) bescheiden ist. In der Regel ist es woanders selten wirklich besser, und man stellt sich für viele Dinge hinten an. Will also gut überlegt sein.
Sich jetzt krankzumelden wie ein trotziges Kind wird dir auf kurz- und mittelfristige Sicht auch nicht weiterhelfen, außer du möchtest bei den guten Interventionen und Rotationen übergangen werden. Die Kollegen aus meiner Abteilung, die sich jedes Mal querstellen sind weder beliebt, noch profitieren sie davon.
Was also tun: Du hast jetzt in den sauren Apfel gebissen, dafür würde ich Entschädigung an anderer Stelle verlangen und mich zudem bei den nächsten Dienstproblemen mit Verweis auf deinen Einsatz an diesem Wochenende aus der Affäre ziehen. Und dann musst du dir Gedanken machen, ob du in dieser Abteilung eigentlich zufrieden bist und das jetzt einfach Mal eine unschöne Situation warst, oder ob die Arbeitsbedingungen grundsätzlich bescheiden sind und du vielleicht eine Neuorientierung brauchst.
Das Problem mit unserer Einspringliste ist halt, dass sie irgendwie komisch geführt ist. Habe die aktuelle Liste dann aus gegebenem Anlass mal studiert und festgestellt, dass zwei assistenzärztliche Kollegen nicht mal draufstehen (dienstfähige Assistenten). Ein Einspringen von mir im September war gar nicht aufgeführt, damit dann auch nonexistent? Und die Tatsache, dass ich am selben Tag dieser Dienstverpflichtung auch eingesprungen war, wurde irgendwie auch nicht berücksichtigt.
Grundsätzlich sehe ich das auch so, dass nun mal irgendwer den Dienst machen muss. Aber erstens finde ich die Art, wie diese Liste geführt ist, irgendwie merkwürdig - und zweitens fand ich es gerade in dieser Situation irgendwie frech, mich dann nach 2,5 Stunden Arbeit am Freitag wieder nach Hause zu schicken und dann am Wochenende wieder einzubestellen, als wär das dann gar nichts wert? Ich meine, ich bin ja auch kein Hampelmann, der irgendwie nach Belieben kurzfristig hin- und hergeschickt wird.
Naja, ich werde auf jeden Fall mal nachhorchen, wie das mit den WE im Januar aussieht, ob ich da dann als Ausgleich eins weniger bekomme. Da es bei uns Freizeitausgleich allerdings grundsätzlich nicht gibt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass das nichts wird. Da müssen dann ja auch wieder Dienste besetzt werden…
cubitaba
03.11.2024, 14:03
Wie wäre es dann mal damit, die Dienste einfach ordentlich zu vergüten? Für einen Zuschlag von ca. 2€ die Stunde hätte ich auch keinen Bock auf die Übernahme eines Dienstes.
xenopus laevis
03.11.2024, 15:12
Richtig blöd gelaufen. Wärst du Freitag nicht spontan eingesprungen, dann hätte man dich Sonntag nicht verpflichten können.
Vllt. solltest du in deiner Freizeit nicht ans Telefon gehen. Und ich wäre bockig genug gewesen für eine Krankschreibung. Aber ja, im Gesundheitswesen ist der AiWler dran, der jederzeit sich opfern soll und wenn nicht, dann halt mit Erpressung: keine Rotation bla bla. Wer kennt es nicht. :-nix
Asozialer Kollege, asozialer Oberarzt. Wenn es eine kollegiale Atmosphäre gäbe, wäre weder das erste noch das zweite Problem je entstanden.
Einfachste Lösung: In Zukunft einfach nicht mehr in der Freizeit abheben.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00120-022-01824-5
https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?109488-TdL-Tarifverhandlungen-2023&p=2273557#post2273557
Vielleicht hilft das weiter
LoveDoctor
04.11.2024, 18:52
Und für den Kollegen, der seinen Dienst "verpeilt" hat, hatte das keine Konsequenzen?
Gibt es jemanden, der für diese Einspringliste verantwortlich ist und der dir beantworten kann, warum dienstfähige Kollegen dort nicht draufstehen oder dein früheres Einspringen nicht berücksichtigt wurde?
Ich arbeite auch in einer Abteilung, in der vieles nicht richtig oder fair läuft, aber in solchen Situationen haben wir es bislang zumindest geschafft, gütliche Lösungen zu finden, z.B. denjenigen, der dann einspringt, durch Tausch an anderer Stelle im Dienstplan zu entlasten.
Wenn du dir keine andere Stelle suchen willst/kannst, bleibt wahrscheinlich nur, in Zukunft viel kaltschnäuziger zu werden. Nicht ans Telefon gehen, im Zweifelsfall krank melden. Kann ich selbst persönlichkeitstechnisch auch nicht, habe aber mit einigen Kollegoiden die Erfahrung gemacht, dass sie dadurch absolut keinen Nachteil erfahren, sondern es eher so läuft, dass diese in Zukunft gar nicht mehr fürs Einspringen gefragt werden... diese bekommen dann, wenn sie gnadenvoll doch mal einspringen, auch immer irgendeinen Ausgleich.
Ich empfehle folgende Seiten:
https://www.schichtplanfibel.de/meinfrei1.htm
https://www.schichtplanfibel.de/dienstverpflichtung.htm
Die Seite ist von Verdi und zeigt die Rechte von Arbeitnehmern ziemlich gut auf.
LG.
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