PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ziel: Allgemeinmedizin! Problem: Innere, Absprung nach 12 Monaten?



Humbertus
06.11.2024, 10:42
Hallo,

ich arbeite seit Anfang diesen Jahres in einem kleinerem Haus in der Inneren. Nach Anfänglichen Problemen mache ich nun seit Mitte August Dienste. Aufgrund der schlechten Personal-Situation werden 5-6 Dienste pro Monat pro Assistent verlangt, eventuell bald mehr da noch Leute gehen und neues Personal auch erstmal eingearbeitet werden muss (falls nicht wieder alle Bewerber absagen).

Bei uns werden nur 24h Dienste gemacht, was vorallem am Wochenende sehr anstregend ist. Man ist allein für Station/Intensiv/ZNA zuständig und das Dienst-Telefon betreibt gefühlten durchgehenden Psycho-Terror. Im Schnitt schläft man pro Dienst vielleicht 3-4 Stunden und mit Bereitschaftsdienst hat das im allgemeinen (wie in wahrscheinlich vielen anderen Häusern auch) nicht viel zu tun, das Arbeitszeitschutzgesetz ist bei uns auch nur eine Empfehlung. Kurzum, die Lebensqualität ist aktuell desolat. Ich habe Familie mit Kindern und der berufliche Stress schränkt mich dort deutlich ein. Da ich von Beginn an Allgemeinmedizin machen möchte überlegen ich nun nach Ablauf der 12 Pflicht Monate Innere zu gehen (denke aktuell über Psychiatrie/Psychosomatik oder Reha-Klinik nach).

Nun tue ich mich schwer die WBO genau zu durchschauen, ich bin in Rheinland-Pfalz tätig. Gibt es Kenntnisse/Belege die ich zwingend nur in der Inneren fürs Logbuch sammeln kann? Also Dinge die ich unbedingt Belegen muss bevor ich die Innere verlasse?

Ich hatte einmal kurz mit einer Beraterin meiner zustandigen Bezirksärzte-Kammer telefoniert. Die meinte nur nach den 12 Monaten könnte ich theoretisch den gesamten Rest ambulant machen, aber ob es Dinge für die Weiterbildung gibt welche ich nur in der Inneren erwerben kann konnte mir nicht beantwortet werden.

Auch bin ich mir Bewusst das 12 Monate Innere etwas wenig sind und mich zum Schmalspurinternisten machen, aber die Lebensqualität ist so schlecht und von allen anderen Kliniken in der Umgebung höre ich auch nur Horror-Stories sodass ein Klinik-Wechsel auch wenig Sinnvoll erscheint. Mit dem Wissen das es nur noch 5 Monate sind kann ich mich irgendwie Durchbeißen. Aber unter den aktuellen Bedingungen 2 Jahre oder mehr Innere zu machen kann ich mir absolut nicht vorstellen, das geht aktuell zu sehr auf meine körperliche und geistige Gesundheit.

Feuerblick
06.11.2024, 11:30
Naja, was steht denn im Logbuch Allgemeinmedizin als Fertigkeiten so drin? Dann weißt du doch, ob da etwas ist, was du in der Inneren unbedingt machen musst.

Nefazodon
06.11.2024, 13:18
Ich selbst hab damit nicht soviel Erfahrung, meine aber hier im Forum gelesen zu haben, dass man bestimmte Sono-Zahlen braucht, um bestimmte Untersuchungen, z.B. Sono Schilddrüse später extra abrechnen zu können.
Vielleicht kann sich dazu nochmal ein Allgemeinmediziner äußern...? Bestünde die Chance, dass Du noch einige Untersuchungen zusammenkriegst?

Sonst könntre ich mir vorstellen, dass es z.B. nützlich ist wenn man Lz-EKG auswerten kann...das ist aber ja auch keine Hexerei...und ob man bestimmte Zahlen braucht...keine Ahnung.
Da hilft das Logbuch aber sicher weiter.

freestyler
06.11.2024, 14:17
Ich selbst hab damit nicht soviel Erfahrung, meine aber hier im Forum gelesen zu haben, dass man bestimmte Sono-Zahlen braucht, um bestimmte Untersuchungen, z.B. Sono Schilddrüse später extra abrechnen zu können.
Vielleicht kann sich dazu nochmal ein Allgemeinmediziner äußern...? Bestünde die Chance, dass Du noch einige Untersuchungen zusammenkriegst?

Sonst könntre ich mir vorstellen, dass es z.B. nützlich ist wenn man Lz-EKG auswerten kann...das ist aber ja auch keine Hexerei...und ob man bestimmte Zahlen braucht...keine Ahnung.
Da hilft das Logbuch aber sicher weiter.

Die nachzuweisenden Zahlen der Untersuchungen für das Logbuch sind das eine, um Sono und LZ EKG abrechnen zu dürfen muss man Kurse machen und die Fachkunde machen.
Im Logbuch sollten die Zahlen drin stehen.
1 Jahr Innere sollte ja eigentlich reichen. Die Arbeitbelastung in internistischen Diensten ist in den Kliniken fast überall zum abgewöhnen. Da muss man irgendwie durch.

Trenn
06.11.2024, 18:17
Ich habe meine Sono-Zahlen (Hessen) komplett in den zwei Jahren ambulant gesammelt, in RLP muss man aber noch 200 Doppler machen, was auch extrem aufwendig ist. Lernen tut man ambulant wenig, da die Pre-Test Wahrscheinlichkeit für pathologische Befunde viel niedriger ist. Also wenn man Sono lernen will eher in der Klinik, ambulant kann man die Genehmigung bekommen (je nach Bundesland auch ohne Kurse, (aber die Kurse ersetzen nicht das eigenständige Schallen). Auch mit zwei Jahren Klinik bleibt man Schmalspur Internisten. Die Lernkurve flacht irgendwann ab...

JAK1
06.11.2024, 18:44
Nichts ist so wertvoll wie die eigene Gesundheit. Alles andere regelt sich schon.

Humbertus
06.11.2024, 19:50
Danke schonmal für die Antworten.

Was Sono-Zahlen angeht: In meiner Klinik findet man als Assistent nicht wirklich den weg zum Sono. Ich hatte die Oberärzte mal angefragt ob man da unter Anleitung mal was lernen kann, als Antwort gabs "Das lernst du dann von selbst in den Diensten". Ja... nur das ich dann oft keine Ahnung hab was ich da am Ende sehe....
Vielleicht läuft das an anderen Kliniken besser, aber ich hab das Gefühl ich könnte auch 2-3 Jahre dort bleiben und am Ende nicht gut schallen können.


Nichts ist so wertvoll wie die eigene Gesundheit. Alles andere regelt sich schon.

Das sehe ich genau so.

hebdo
06.11.2024, 22:16
Wie schon geschrieben: orientiere dich am Logbuch Allgemeinmedizin

JAK1
07.11.2024, 05:43
Danke schonmal für die Antworten.

Was Sono-Zahlen angeht: In meiner Klinik findet man als Assistent nicht wirklich den weg zum Sono. Ich hatte die Oberärzte mal angefragt ob man da unter Anleitung mal was lernen kann, als Antwort gabs "Das lernst du dann von selbst in den Diensten". Ja... nur das ich dann oft keine Ahnung hab was ich da am Ende sehe....
Vielleicht läuft das an anderen Kliniken besser, aber ich hab das Gefühl ich könnte auch 2-3 Jahre dort bleiben und am Ende nicht gut schallen können.



Das sehe ich genau so.

Ich glaube das ist fast über all so, keine Einarbeitung, diese „Einfach-Machen-Mentalität“, Sie sind ja selber approbiert etc. Das habe ich bisher in jedem Haus gehört.

mbs
10.11.2024, 00:49
Die lange Pflichzeit in der Inneren Medizin ist sicher ein sehr wichtiger Grund, warum es an Hausärzten fehlt. Je größer der Mangel, desto wahrscheinlicher wird es, dass das in den nächsten Jahren auch kippt. Es ist mit der letzten neuen WBO ja schon "leichter " geworden, und es bestehen gute Chancen, dass sich dieser Trend fortsetzt,

JAK1
10.11.2024, 07:50
Die lange Pflichzeit in der Inneren Medizin ist sicher ein sehr wichtiger Grund, warum es an Hausärzten fehlt. Je größer der Mangel, desto wahrscheinlicher wird es, dass das in den nächsten Jahren auch kippt. Es ist mit der letzten neuen WBO ja schon "leichter " geworden, und es bestehen gute Chancen, dass sich dieser Trend fortsetzt,

Wobei das aus meiner Sicht der komplett falsche Ansatz ist. Die internistischen Fragestellungen dominieren sehr klar in der Praxis und sind durchaus komplex. Ich war länger als die Pflichtzeit da und es war sehr hart, aber auch sehr lehrreich und auch ich schwimme häufig bei bestimmen Fragestellungen. Man muss die Innere halt für Allgemeinmediziner durch was auch immer attraktiver machen.

Humbertus
10.11.2024, 10:45
Ich habe auch durchaus bedenken, dass mich nur 12 Monate Innere am Ende zu einem schlechten Allgemeinmediziner machen. Aber die Belastung in den Diensten ist eine katastrophe. Das war wohl laut Kollegen die schon 10+ Jahre da sind früher deutlich besser. Aber demographischer Wandel + Schliessungen von mehreren Kliniken in der Region erhöhen halt das Patientenaufkommen deutlich. Seit Corona sei die Abteilung ein Durchlauferhitzer für Assistenten (wird wohl in anderen Häusern ähnlich sein).

Angeblich kamen vor 10-15 Jahren an geschäftigen Tagen 8-10 Leute in die ZNA, normal eher so 5-6. (Ist halt ne eher ländliche Gegend). Aber nun hat man an den 24h Diensten am Wochenende bis 23:00 eigentlich fast durchgehend Patienten in der ZNA + 1-5 Leute in der Nacht sowie Stationen und Intensiv für die man komplett alleine zuständig ist. Da werden dann halt auch regelhaft 18-20 Stunden gearbeitet im Dienst. Dazu noch Oberärzte und die auch mal gerne cholerisch sind und ein Chef der sich nur für Kostenoptimierung und juristische Absicherung interessiert runden das ganze passend ab.

Die Kliniken bekommen ja auch gut Geld dafür, dass sie Assistenten für die Facharztausbildung Allgemeinmedizin einstellen. Meine mal gelesen zu haben die Hälfte des Grundgehalts pro Assistent. Das gesparte Geld könnte man ja dafür investieren genug Stellen zu schaffen das die Arbeitsbelastung eben nicht für alle absolut grenzwertig ist. Aber auch immer einfacher gesagt als getan. Würde man den angehenden Allgemeinmedizinern bessere Arbeitsbedingungen/Bezahlung zugestehen als den angehenden Internisten würde das garantiert zu großen Spannungen im Team führen, dann würde sich jeder auf dem Papier als Allgemeinmediziner anstellen lassen wollen.

Irgendeinen Weg werde ich für mich jetzt schon finden, denke Reha sowie Psychatrie wären durchaus zwei Stationen von denen ich auch profitieren kann. Muss ja nicht direkt Praxis sein und vielleicht findet sich da auch eine in der Region mit Chefs die auch Wert darauf legen das man was lernt.

ppmi
12.11.2024, 20:21
Ich möchte hier nochmal einwerfen, dass man keineswegs ein schlechter Allgemeinmediziner wird, wenn man "nur" 12 Monate in der Inneren verbracht hat. Eher im Gegenteil, ich würde eher dazu raten sich in verschiedenen Fachgebieten einen bestmöglichen Überblick zu verschaffen. Wir sind keine "Internisten light" und sollen das auch gar nicht sein! Darauf kommt es letztendlich in der Praxis an! Ja, es stimmt, die meisten der Patienten haben auch ambulant was internistisches zu bieten und sei es auch nur im Gefolge anderer Gebrechen. Aber da liegt halt die Crux. Die meisten haben halt auch noch was urologisches, was dermatologisches und was psychiatrisches. In der Klinik würde man dann mit den Schultern zucken und nen Konsilschein schreiben. "Draußen" ist es an uns den korrekten Behandlungsweg für den Patienten zu wählen und zu bahnen. Da hilft meist wesentlich besser ein strukturiertes Problemlösungsvermögen und logisches Denken. Anders ausgedrückt: Für die Behandlung der ambulanter Patienten ist die tiefgründige Kenntnis der Prinzipien der stationären Versorgung in der Inneren wenig hilfreich. Weil man eben nicht in dem Setting ist. Dazu reichen 12 Monate in der Inneren völlig, wahrscheinlich würden es auch 6.
Dazu kommt noch, dass man in der IM als Allgemeiner häufig ein bisschen wie ein Aussätziger dasteht. Zumindest in meiner WBZ war man in den anderen Fächern, in denen man eben keine Zeit verbringen muss, sehr darum bemüht, einem soviel beizubringen, wie denn eben zeitlich möglich war. (Zumindest wenn man nicht wie der allwissende Depp daherkommt.) In dem Falle bin ich gerne auch deutlich länger als 48h in der Klinik gewesen. Bei den Internisten war es dann doch eher so, dass schon das Ansinnen mal Praxis in der FuDi sammeln zu dürfen mit der stupiden Begründung abgeschmettert wurde, dass das nicht ginge, weil man dan den "richtigen Internisten" die Weiterbildungszeit quasi stehlen würde. Eine merkwürdige Ansicht. Da habe ich dann natürlich auch die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit peinlich genau eingefordert. Das kann ich dann auch nur jedem raten. (Zumindest dann, wenn man intelligent genug war, sich nicht selbst per Opt-out-Vereinbarung zum Vogelfreien zu erklären.)
Abschließend kann ich nur sagen: Absolute Priorität hat die eigene Familie. Wenn deren Interessen und die Belange der Klinik ständig kollidieren ohne das Hoffnung auf Besserung besteht hilft nur die Flucht nach vorn.

JAK1
13.11.2024, 05:56
Ich glaube auch, dass man ohne Innere ein guter Allgemeinmediziner werden kann, ich denke nur, dass es das einem schwerer macht.