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KlozapinToilette
10.11.2024, 16:58
Hallo liebes Forum,

ich habe eine Frage zu meinem zukünftigen Werdegang und hoffe, dass ich da ein paar Eindrücke sammeln kann. Ich habe gerade mein 2. Staatsexamen geschrieben und gehöre mit einem Ergebnis von 89% zu den 1% besten im Land :-stud (Ja, mit haben nur 2 Punkte für die 1 gefehlt). Ich bin von diesem Ergebnis extrem überwältigt und weiß gar nicht, wie ich das einordnen soll. Eventuell bringt mir das auch nicht so viel, wie ich gerade denke :-))

Kurz zu mir: Ich war schon immer sehr motiviert, habe ein top Abi und war auch im Studium immer fleißig. Experimentelle Doktorarbeit mit Stipendium, Auslandserfahrung (Freiwilligendienst + Famu) und Engagement sind mit dabei. Ich bekomme seit dem Beginn meines Studiums ein Begabtenförderungsstipendium und seit neuestem ein weiteres, durch das ich gut in vielen Bereichen networken kann. Ich habe (noch) keinen Mentor und komme aus einer Arbeiterfamilie, weshalb ich da keine Bezugspersonen habe und mich derzeit ein wenig orientierungslos fühle.

Ich interessiere mich sehr für die Medizin und hatte immer Spaß am Lernen. Das praktische Arbeiten am Patienten und im OP finde ich zwar super und ich freue mich schon auf mein PJ, ich empfand jedoch die Akkord- und Dokumentationsarbeit ohne Hinterfragen (Wer mag das schon?) und das stumpfe Herunterrattern von Leitlinien und Algorithmen im klinischen Alltag nicht so toll.

Die Laborarbeit während der Doktorarbeit hat mir auch nicht so gefallen, die theoretische Auseinandersetzung und das Schreiben der Diss hingegen schon.
Was den Fachbereich anbelangt: Da habe ich leider noch keine konkrete Vorstellung. AllMed, Psych, Neurologie und Neurochirurgie habe ich aber schon einmal ausgeschlossen. Von meinen Famus fand ich meine Derma-Famu am besten. Ansonsten interessiert mich die Innere (insbesondere Nephro, Rheuma, Endokrinologie) sehr.

Ich finde aber auch die Medizinökonomie sehr spannend und habe im Studium lange über eine Promotion in diesem Bereich nachgedacht. Ich finde die Auseinandersetzung mit strukturellen Rahmen und die Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen extrem spannend und kann mir vorstellen, den MBA zu machen. Ich würde eigentlich gerne ein Praktikum im Bereich Healthcare Consulting o.Ä. absolvieren, vielleicht gibt es ja jemanden, der Einblicke liefern kann.

Ich bin ein gerade ein wenig lost, please help :-angel

JAK1
10.11.2024, 17:38
Glückwunsch zu den guten Ergebnissen. Mal mit innerer Medizin anzufangen ist aus meiner Sicht nie verkehrt, denn die Erfahrungen kann man in nahezu allen anderen Fachrichtungen gut gebrauchen. Zum Consulting kann ich dir keine Erfahrungswerte nennen. Falls du dort eine Praktikumsstelle kommen solltest spricht bis auf finanzielle Nachteile, ja nichts dagegen, diese anzunehmen.

Kaas
10.11.2024, 17:49
Deinem Post nach zu urteilen könntest du auf jeden Fall das Zeug zum Chefarzt haben. Also sowohl von den Qualifikationen und der Einstellung her als auch der Persönlichkeitsstruktur.

Kackbratze
11.11.2024, 06:24
Schonmal an Politik gedacht?
Mit gezielter Karriereplanung kann man am Ende eine Uni leiten oder bei den Krankenkassen im Vorstand sitzen.

ehem-user-19-05-2025-1430
12.11.2024, 06:03
Ich habe ähnlichen Werdegang, Begabtenförderung, auch Arbeiterkind, Umfeld meinte jo der wird Chefarzt/uni-oa. Bin Allgemeinmediziner geworden! Warum? Finde den Kliniklifrstyle einfach schrecklich, hat mich unglücklich gemacht. Also freu dich über deine Noten aber geh unvoreingenommen an die Sache ran, teste es aus und schau was dir Bock macht. Hinterfrage deinen karrierismus, was macht dir wirklich Spaß/bringt dir Zufriedenheit? Falls die Antwort ist Chefarztkarriere dann Go for it, falls nicht mach was anderes...

PS: mit ner dicken gut laufenden Hausarztpraxis kannst finanziell mit vielen Chefärzten mithalten. Vielleicht nicht mit dem Radio Chefarzt Uniklinik...aber so kommunales Haus....Safe!

rafiki
12.11.2024, 06:54
Was genau befähigt einen Menschen mit lauter Einsen in Examina und mit Begabtenförderung zum Chefarzt?

Kackbratze
12.11.2024, 11:32
Die Tatsache, dass man es kund tun muss.

anignu
12.11.2024, 23:47
Oh ja, das dachte ich mir auch.
Chefärzte werden diejenigen die einfach der Welt mitteilen dass sie geil sind. Sowas von geil und sowas von die Besten, da kommt nix ran.

JAK1
13.11.2024, 05:42
Ich glaub eher, dass die Noten zeigen, dass man prinzipiell bereit ist mehr als den Standard zu leisten. Ich hatte nicht so gute Noten, freue mich aber für euch. Man muss da ja nicht neiden/haten.

Kackbratze
13.11.2024, 07:13
Oh, da ist kein Neid dabei. Es sind die Umstände der Kommunikation, die diesen Rückschluss zulassen.

Bussard
13.11.2024, 08:25
Hallo lieber Threadersteller,
das liest sich wirklich super. Du bringst alles mit, was einen hervorragenden Chefarzt auszeichnet: Fleiß, Interesse, fachliches Know-How (bestätigen ja deine Zensuren, beste 1 % Prozent! Wahnsinn!), Stipendien, Auslandsaufenthalte und Demut. In dieser Kombination und Ausprägung ist das wirklich eine absolute Ausnahme! Davon können andere nur träumen! Dein Weg zum Chefarzt, am Ende wahrscheinlich Ordinarius an einer Eliteuni, scheint vorgezeichnet. Jetzt gilt es, die nächsten Schritte zu gehen. Schreibe dich am besten gleich zu einem MBA-Studiengang ein, suche dir deine erste Assistenzarztstelle an einer Exzellenzuni, die auch ordentlich Forschungsgelder eintreibt, und umgib dich mit Mitmenschen, die dich auf deinem Karriereweg weiter pushen. Keep going!

Lava
13.11.2024, 09:16
Mein Chef hat mal gesagt, er wollte schon immer Chefarzt werden. Der war auch so ein Überflieger seit der Schule. Ich bin froh, dass es solche Menschen gibt, ich bin dafür viiieeel zu faul. Also wenn du das willst, bleib dran. Aber wenn der Ehrgeiz irgendwann nachlässt, muss man sich das auch eingestehen.

Trenn
13.11.2024, 15:12
Ich habe ähnlichen Werdegang, immer ne 1 in allen 3 SteX, Begabtenförderung, auch Arbeiterkind, Umfeld meinte jo der wird Chefarzt/uni-oa. Bin Allgemeinmediziner geworden! Warum? Finde den Kliniklifrstyle einfach schrecklich, hat mich unglücklich gemacht. Ich bin eher der altruist mit eidetischem Gedächtnis als der karrierist mit unendlichen Fleiß, war ein kurzes aber doch schmerzhaftes learning. Also freu dich über deine Noten aber geh unvoreingenommen an die Sache ran, teste es aus und schau was dir Bock macht. Hinterfrage deinen karrierismus, was macht dir wirklich Spaß/bringt dir Zufriedenheit? Falls die Antwort ist Chefarztkarriere dann Go for it, falls nicht mach was anderes...

PS: mit ner dicken gut laufenden Hausarztpraxis kannst finanziell mit vielen Chefärzten mithalten. Vielleicht nicht mit dem Radio Chefarzt Uniklinik...aber so kommunales Haus....Safe!

Da redest du dir was ein. Chefärzte verdienen definitiv weit mehr als Allgemeinmediziner. An die 400 sollte es definitiv sein, da kommt man mit einer Einzelpraxis nicht hin. Man kann viel ambulant mit mehreren Praxen verdienen, aber da sind eher soft skills und das Manipulationsgeschick gegenüber seine Mitarbeiter, der KV etc. gefragt. Ich bin mittlerweile auch in der Allgemeinmed trotzt 2*89% im Examen und zufrieden, weil mir das After Work networken nicht so liegt (wurde aber nicht in ne Begabtenförderung aufgenommen, also GANZ andere Situation als bei OP). Also OP soll an ne Uni anfangen und gucken, wie er durchkommt. Es ist halt schwieriger aus ne Arbeiterfamilie, weil man eben mit den Chefärzten nicht übers Golfen oder Segeln reden kann... Aber so richtig ohne Präferenz ist es auch schwierig, sich auf ein Fach zu versteifen (und das wird irgendwo notwendig sein, wenn man die große Karriere will). Consulting ohne große eigene Karriere empfinde ich so als Notlösung...

Kackbratze
13.11.2024, 17:59
Was haben immer die Leute mit den Berufen der Eltern? Als ob da irgendwas festgelegt wird.
Spätestens im Studium trennt sich die Spreu vom Weizen und mit meinen teuren Hobbies hab ich auch erst nach dem Studium angefangen. Da verpasst man nix, nur weil man im Studium beim Bierjungen an einen Späti mit Lieferdienst denkt.

davo
14.11.2024, 08:48
@OP: Ich glaube, dass du die Bedeutung deiner Noten und deiner Herkunft überbewertest. Natürlich ist es toll, dass du diese Leistungen vorweisen kannst, und natürlich stehen dir dadurch mehr Möglichkeiten offen als einem durchschnittlichen Absolventen - aber das Wichtigste ist ja noch immer, dass dir das, was du tust, auch tatsächlich gefällt. Und umgekehrt ist es auch so, dass sich wahrscheinlich die meisten Medizinstudenten "orientierungslos" fühlen, wie es nach dem Studium konkret weitergehen soll - das hat nichts mit deiner Arbeiterfamilie zu tun.

Eine wesentliche Frage, die ich mir stellen würde, ist, ob du dich langfristig in der Klinik oder im niedergelassenen Bereich siehst. Wenn dir externe Bestätigung und Anerkennung sehr wichtig sind, ist natürlich eine klassische Klinikkarriere mit Habil und Professur naheliegend.

Interessant finde ich, dass du Allgemeinmedizin, Psychiatrie, Neurologie und Neurochirurgie ausgeschlossen hast - vier doch sehr unterschiedliche Fächer. Warum gerade diese vier?

Und was genau fandest du an der Derma-Famulatur so gut? Was genau findest du an Nephrologie/Rheumatologie/Endokrinologie so gut?

Wenn du ein Interesse an Forschung hast, aber wenig Interesse an Labortätigkeit und an stumpfer klinischer Routine, würde ich z.B. an Humangenetik denken.

Und was genau verstehst du unter Medizinökonomie? Struktureller Rahmen ist eher VWL (also Gesundheitsökonomik), Consulting ist BWL (also z.B. ein MBA).

ehem-user-19-05-2025-1430
15.11.2024, 08:03
Da redest du dir was ein. Chefärzte verdienen definitiv weit mehr als Allgemeinmediziner. An die 400 sollte es definitiv sein, da kommt man mit einer Einzelpraxis nicht hin. ...

Die Aussage war nicht dass man als Allgemeinmediziner gleich vedient wie jeder Chefarzt. Ich meine dass man bei einer gut laufenden, dicken Allgemeinmedpraxis mit einem Teil der CÄ erstaunlich gut mithalten kann. Es gibt viele Chefs in kleinen Häusern die bekommen unter 300k für >60h Woche mit jeden 2. tag Rufdienst. Da gibt es den ein oder anderen HA der bei 40h 220k macht und das passt unter Betrachtung der Arbeitszeit meiner Meinung nach der Begriff "mithalten". Und die kleinen Chefs sind ja die Mehrheit unter den Chefs. Wenn man die Tante Trude Homöopathiepraxis mit dem kardiochefarzt am maximalversorger vergleicht gilt das natürlich nicht, aber da sind auch der arbeitsaufwand/Stress/Druck andere welten...
Das ganze gilt übrigens nicht spetziell für Hausarztpraxsen, ist bei den anderen kollegne ja sogar noch ausgeprägter.

KlozapinToilette
15.11.2024, 18:15
Vielen Dank für all die Antworten!

Tramaldol
20.11.2024, 21:08
Ich glaub eher, dass die Noten zeigen, dass man prinzipiell bereit ist mehr als den Standard zu leisten. Ich hatte nicht so gute Noten, freue mich aber für euch. Man muss da ja nicht neiden/haten.

Für mich hätten Top Noten, alles Eins sehr viel Zeitaufwand bedeutet. Ich habe mich dann gefragt. Lohnt es sich. Klare Antwort: NEIN. Man hinerblickt den Medizinalltag in Unis und Krankenhäusern sehr schnell. Was können ist wichtig, aber das wird nicht in der KLausur abgefragt. Ansonsten geht es über Connections (A und O), etwas Inhalt/Forschung (gefühlt immer weniger) , Ergebnisse klinischer Arbeit (also zufriedene Patienten+Zuweiser), viel Arbeiten für die richtigen Leute, die es (hoffentlich) dann mal danken und nur nicht Auffallen.

Noten spielen genau KEINE Rolle außer bei Chefs , die Newbies wollen und 100 Bewerber haben (momentan andere Situation auf dem Jobmarkt = man nimmt was kommt).

Medizinökonomie ist ein super interessantes Fach, auch wenn du dich damit sehr unbeliebt bei Ärzten, Patienten und Versicherungen, Beamte (wollen alle mehr Geld aus dem System...egal woher und welche Folgen) und Anklang findest bei Steuerzahlern/Kassenmitgliedern mit Höchstsätzen.

Jukka666
21.11.2024, 09:09
Für mich hätten Top Noten, alles Eins sehr viel Zeitaufwand bedeutet. Ich habe mich dann gefragt. Lohnt es sich. Klare Antwort: NEIN. Man hinerblickt den Medizinalltag in Unis und Krankenhäusern sehr schnell. Was können ist wichtig, aber das wird nicht in der KLausur abgefragt. Ansonsten geht es über Connections (A und O), etwas Inhalt/Forschung (gefühlt immer weniger) , Ergebnisse klinischer Arbeit (also zufriedene Patienten+Zuweiser), viel Arbeiten für die richtigen Leute, die es (hoffentlich) dann mal danken und nur nicht Auffallen.

Noten spielen genau KEINE Rolle außer bei Chefs , die Newbies wollen und 100 Bewerber haben (momentan andere Situation auf dem Jobmarkt = man nimmt was kommt).

Medizinökonomie ist ein super interessantes Fach, auch wenn du dich damit sehr unbeliebt bei Ärzten, Patienten und Versicherungen, Beamte (wollen alle mehr Geld aus dem System...egal woher und welche Folgen) und Anklang findest bei Steuerzahlern/Kassenmitgliedern mit Höchstsätzen.

Sorry, aber das ist irgendwie auch sehr typisch Deutsch...
natürlich spielen all die Dinge eine große Rolle im Leben, genauso wie Wohnort/Gesundheit/familiärer Background/Redegewandheit/Chuzpe/Mut etc...nicht alles ist beeinflussbar.

Aber sich für exzellente Noten, Fleiß und Prüfungsergebnisse regelrecht zu schämen, ist m.E. nicht der richtige Weg und wie gesagt gefühlt typisch deutsch...

Sehr gute Noten sind sehr wohl (oder sollten es zunächst) ein Bonus und hebt von anderen Bewerbern oder Kollegen ab. Wo sind "schlechte" Noten erstmal ein Qualitätsmerkmal?
Gute Noten zeigt, dass man in der Lage ist, sich auf seine vier Buchstaben zu setzen und Stoff korrekt wiederzugeben.
Niemand behauptet, dass daraus eine universelle Kompetenz erweckt. Aber der Umkehrschluss kann nicht richtig sein.
Zu einem sehr guten Mitarbeiter gehört das Gesamtpaket.

Ich finde es immer befremdlich, wenn Kollegen, die immer "nur" zielgerichtet mit Minimalaufwand durchs Berufsleben gehen, dem fleißigen Studenten oder Assistenten verklickern wollen, das sei alles nicht notwendig. Die haben dann nie in ein Buch geschaut und haben alles aus dem Studium wieder vergessen.

KlozapinToilette
24.12.2024, 23:41
Als kurzes Update: Ich habe vor den Festtagen den USMLE Step 1 geschrieben und hoffentlich bestanden. Plane also, eventuell in die USA zu gehen. Ich habe mich nun für den Weg von 3 Jahren Residency in der Inneren mit anschl. Clinical Scientist Fellowship in einem (für IMGs zugänglichen) Fach der Inneren entschieden. Ich fand meine Famulatur in den USA so schön, dass ich es nun dort versuchen möchte. Ich kann mir vorstellen, längerfristig - auch wegen möglicher Familienplanung - wieder nach DE zurückzukehren, sobald ich genug geforscht und klinisch gearbeitet sowie ein schönes finanzielles Polster aus US healthcare dollars aufgebaut habe. Mein PJ-Start hier war zwar super, aber auch etwas holprig (nicht zuletzt, weil ich die restlichen Uworld-Fragen nebenbei durchboxen musste). Da hab ich Glück, dass meine Station echt chillig ist. Habe immer so zwischen 13-14 Uhr Schluss. aber mir fehlt irgendwie neben der ganzen Bürokratie das inhaltliche Auseinandersetzen mit der Komplexität und Vielseitigkeit der Medizin. Ich finde es bemerkenswert, wie wenig Step Wissen (Antibiotika, Bakterien, Patho etc.) viele deutsche Assis selbst an Unikliniken haben. Es gibt bis zur FA-Prüfung halt keine wirkliche Qualitätskontrolle mehr. So, und jetzt sind erstmal wieder die Hobbies und Familie dran (zumindest über die Feiertage und bis zum Step 2) :-)) Frohe Weihnachten!