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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : experimentelle Dr Arbeit nach M3 beginnen - Meinungen?



mumpel89
18.12.2024, 18:37
Hi,
ich habe mich während des Studiums nicht um eine Dr Arbeit bemüht. Jetzt nach dem M3 würde ich gerne doch eine experimentelle Arbeit machen: v.a. um das wissenschaftliche Arbeiten/ Laborarbeit zu erlernen.
Außerdem sind die Fächer die mich v.a. für die WB interessieren, eher klinisch theoretisch (Patho, MiBi) und scheinen einen hohen Anteil an Dr. med's aufzuweisen.
Auf meine Anfragen ob es auch nach der Approbation möglich wäre eine experimentelle Arbeit zu beginnen hat eine Person positiv geantwortet (wenn man dafür 1 Jahr frei nehmen würde) - das Projekt erscheint solide (Zellkultur in einem Strahlenbiologischen Labor - laut Hören/Sagen auch gute Betreuung).
Darf ich euch ganz allgemein nach euren Anmerkungen/ Meinungen fragen - empfehlt ihr lieber direkt ins Berufsleben zu starten (ich meine in der Patho gibts im Moment schon Jobs auch ohne Dr Arbeit - aber viele haben eben den Dr.)? Zudem müsste ich mich über Nebenjobs an den WE's finanzieren - haltet ihr das für realistisch: Werkeln an der Dr. Arbeit unter der Woche und Lebensunterhalt an den Wochenenden verdienen und trotzdem innerhalb eines Jahres fertig werden?
LG

Kandra
18.12.2024, 21:38
Zellkultur bedeutet, dass du auch am Wochenende im Labor sein wirst, wenn die Experimente es erfordern. Mediumwechsel ist alle 2-3 Tage mindestens, das kann auch mal der Samstag oder Sonntag sein, wenns blöd läuft. Ich würde wahrscheinlich eher versuchen, über die Arbeit dann eine Doktorarbeit zu bekommen. Sollte ja gerade bei den "theoretischen" Fächern ganz gut gehen.
Ich habe meine experimentelle Doktorarbeit (auch Zellkultur) im 7. Semester begonnen und habe im 4. Weiterbildungsjahr verteidigt. Davon war ein Freisemester Vollzeit, der Rest alles neben dem Studium. Mit den Experimenten war ich bis zum PJ zum Glück durch, aber das Schreiben neben der Arbeit ging extrem langsam voran. Ich persönlich würde das nicht mehr machen, bin aber sehr froh, dass ich es durchgezogen habe und am Ende für den ganzen Stress belohnt wurde.

mumpel89
18.12.2024, 22:35
Danke! Das mit dem Mediumwechsel etc wusste ich gar nicht.... dann wäre das Vorhaben tatsächlich finanziell nicht möglich.

Dann sollte ich es vlt tatsächlich über die Arbeit versuchen - nur experimentell wirds dann wahrscheinlich nix...

Ist echt schade, dass die Laborarbeit im Studium bei uns nicht richtig thematisiert wurde...

Danke dir - echt cool wenn man das alles so durchzieht und sich am Ende über den Dr freuen kann :-)

ConstiS
20.12.2024, 21:33
Medium tauschen am Wochenende heißt aber natürlich nicht, dass Du dann 5 Stunden im Labor verbringst. Wenn ich mal am Wochenende ins Labor musste (und das wirklich nicht jedes WE), dann habe ich maximal 1-1,5 Stunden gebraucht, oft deutlich weniger. Deswegen wäre ich diesbezüglich nicht so besorgt. Insbesondere, wenn das Team gut ist, wirst Du im schlimmsten Fall auhc jemanden finden, der Dich dabei unterstützt.

Demegegenüber steht aber natürlich schon die Intensität: Wenn Du innerhalb von einem Jahr sicher fertig werden willst, kann das schon auch sehr anstrengend werden. Du musst damit rechnen, dass Du öfter mal mehr als 8 Stunden im Labor verbringen wirst (gerade während größerer Experimente). Ich glaube mein Rekord waren mal 16 Stunden an einem Tag...das ist natürlich nicht dauerhaft so. Aber eine Woche, in der die Laborarbeit richtig intensiv ist und Du aber am Wochende noch arbeiten musst ist glaube ich schon ein bisschen schwieriger wegzustecken

Und natürlich kann Dir passieren, dass die Exerimente nicht so laufen wie Du es Dir vorstellst. Dann wäre es wichtig, dass Du vor Beginn der Arbeit mit Deinem Chef absteckst was in so einem Fall passieren soll. Andernfalls kann das zu ziemlicher Enttäuschung führen (insbesondere da Du, wenn ich DIch richtig verstehe, danach mit Vollzeit arbeiten anfangen willst/musst).

mumpel89
21.12.2024, 21:53
Danke auch dir für deine Anmerkungen! Es scheint einfach wirklich super aufwändig zu sein.

Und mal so ganz allgemein: habt ihr während eurer Projekte dann viel gelernt? Geht das ganze dann irgendwann in die Routine? Also sozusagen steile Lernkurve am Anfang und dann gehts irgendwie nur noch darum die Arbeit irgendwie fertig zu bekommen auch wenns nicht mehr wirklich Spaß macht? Oder hattet ihr idR schon Freude an der Arbeit?

Wenn man sich für die (Wissenschaft interessiert: reicht es eurer Meinung aus Paper zu lesen und versuchen diese zu versehen ohne jemals richtig im Labor gewesen zu sein (abgesehen vom BC Praktikum vlt)? Bzw was sind so Sachen die man wirklich nur explizit im Lab erlernen kann?

Kandra
22.12.2024, 00:04
Ich arbeite jetzt in einer Praxis als Kinderärztin, ich brauch genau nix mehr von dem, das ich im Labor bei meinem unfallchirurgischen Thema gelernt habe. Irgendwann ist alles Routine und Spaß hat das ganze spätestens nach dem Freisemester nicht mehr gemacht, weil man sich zwischen Diss, Uni und Arbeit zerreissen musste. Aber irgendwann hat man zu viel Zeit investiert um hinzuschmeißen, außerdem hatte ich tatsächlich eine gute Betreuung.

Dooly
22.12.2024, 00:13
Hey Mumpel, erst einmal noch mal zu den Eingansfragen: Prinzipiell ist es möglich, das gröbste einer Doktorarbeit in einem Jahr fertig zu bekommen. Aber wirklich nur 1 Jahr, vom Datum der Betreuungsvereinbarung bis zum Datum der Prüfung, ist nicht realistisch. An manchen Unis muss z. B. zwischen der Betreuungsvereinbarung und der Eröffnung des Verfahrens mind. ein Jahr liegen. Für die Bürokratie vorher und nachher muss man noch 3-6 Monate Wartezeit drauf rechnen.

Und zum Thema Promovieren am Arbeitsplatz: Das ist nicht einfach, beides, eine gute Stelle und ein gutes Promotionsthema, unter einen Hut zu bekommen. Du weißt, wie viele unzufrieden mit der Arbeit sind und wie viele an ihrer Doktorarbeit scheitern. Wäre aber wahrscheinlich die bessere Lösung, abhängig davon, was die persönlichen Ziele sind, die Ansprüche, die Bereitschaft, die Belastbarkeit, Finanzen, die Bedingungen, die man nicht beeinflussen kann ...

Zu der neuen Frage: Ich hatte extrem viel Freude an der Arbeit im Labor, aber alles hat seine Zeit und heute, fast 3 Jahre nach Arbeitsbeginn, würde ich nicht mehr im Labor stehen wollen. Meine Laborerfahrung bzw. Forschungserfahrung aus der Unizeit steht auch gar nicht im Zusammenhang mit meiner Arbeit und meinem heutigen Forschungsinteresse. Für mich gab es zur Studienzeit in meinem Wunschbereich keine guten Angebote (persönliche Abwägungen eben). Jede selbst gemachte Erfahrung ist sicher wertvoll aber handwerklich im Labor zu stehen, ist nicht essenziell, um wissenschaftlich zu arbeiten. Papers zu lesen ist aber absolut essenziell. Woran machst du fest, dass du forschungsinteressiert bist, obwohl du noch nie geforscht hast? Das musst du hier nicht beantworten, aber das würde ich einmal mitdenken, wenn es um das Thema "Bereitschaft" geht.

mumpel89
23.12.2024, 23:26
Danke für eure Antworten!
@Kandra: ist doch trotzdem cool dieses Hintergrundwissen zu haben... (also wäre jetzt meine Einstellung)


Woran machst du fest, dass du forschungsinteressiert bist, obwohl du noch nie geforscht hast? Das musst du hier nicht beantworten, aber das würde ich einmal mitdenken, wenn es um das Thema "Bereitschaft" geht.

Kann ich gar nicht direkt sagen, vlt bin ich auch gar nicht wirklich forschungsinteressiert. Aber mich interessieren einfach die NaWis. Im Prinzip gehts persönlich auch nicht so sehr um den Dr Grad an sich (außer das der eben in den MiBi z.B. vorteilhaft wäre). Eher um die wissenschaftliche Arbeit an sich. Ich hab halt einfach das Gefühl das mir der Labhintergrund fehlt (Corona bedingt hatten wir nur das halbe BC Praktikum und MiBi/ KliChi war komplett online). Es geht mir halt oft in der Klinik so, dass ich gerne mal wissen würde wie jetzt die Labbefunde/ MiBibefunde wirklich im Lab zustande kommen. Z.b. auch mal selbst mikroskopieren :) Das hat jetzt nicht direkt mit Forschung zu tun aber naja...
Andererseits hatte ich mal ein kleines "Schnupperpraktikum" in einem Forschungslab - da hat dann ein Physik Postdoc z.B. in einem Nebensatz was davon erzählt, dass er seine Zellen mit Licht (Laser) "verschieben" kann - das war halt einfach cool - auch das interdisziplinäre. Andererseits gab es da dann auch einen Prof der sich sein ganzes Karriereleben nur mit TP53 beschäftigt - fand ich auch komisch. Letztlich werde ich wohl einfach die Literatur etwas verfolgen.

Ich bedanke mich für eure Kommentare!

Dooly
24.12.2024, 00:08
Man spezialisiert sich im Verlauf immer mehr, TP53 wundert mich daher gar nicht. :D In so einem hoch spezialisierten Stadium kannst du auch nicht alles.
Das tut mir leid, dass ihr durch die Scheiß Pandemie BC, Mibi, KliChi verpasst habt :troest: . Die Fächer haben mir Spaß gemacht. Aber eigentlich vermitteln die Kurse nicht Forschung, sondern Routinediagnostik. Ich denke auch, dass das, was dir aus diesen Fächern vorschwebt, Tätigkeiten von MTLs sind. Die Forschung fängt jenseits davon an. Zig Papers lesen, Forschungsvorhaben, zig Papers schreiben. Eher hat dein Schnupperpraktikum nen (fancy) Einblick gebracht.

Ich drück dir die Daumen, dass du noch etwas mehr Einblick in die Forschung bekommst, es ist schade, wenn man immer das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Vielleicht hast du dann doch keinen Bock auf Promotion oder vielleicht klappt es mit einer Promotion an deiner zukünftigen Stelle.