Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doktorarbeit nach M3 und vor Weiterbildung
Raheem-Sterling
17.01.2025, 16:56
Hi,
ich habe Ende letzten Jahres mein M3 gehabt und inzwischen auch meine Approbation. Eigentlich war es mein Plan eine externe Doktorarbeit, die ich während des Studiums begonnen habe vor dem Beginn als Assistenzarzt fertigzustellen, weil ich während des Studiums kein Freisemester genommen habe. Leider hat sich die letzten Wochen herausgestellt, dass aus dieser Doktorarbeit nun wahrscheinlich nichts wird, obwohl ich dafür schon die Daten erhoben hatte.
Jetzt stehe ich vor der Entscheidung, entweder auf den Doktortitel zu verzichten, berufsbegleitend zu promovieren oder mich nach einer neuen Promotion umzuschauen und diese dann Vollzeit vor dem Berufsanstieg anzugehen.
Berufsbegleitend sehe ich kritisch, weil in den Kliniken, in denen ich gerne als Assistenzarzt anfangen würde 60-70h Wochen keine Seltenheit sind und ich mir nicht vorstellen kann wie ich als Berufseinsteiger nebenher noch Zeit für eine Promotion finden soll und ich aus Gesprächen im PJ und in Famus den Eindruck gewonnen habe, dass solche Promotionen dann letztendlich doch versanden.
Deshalb finde ich die Idee reizvoll, mich "Vollzeit" um eine neue Promotion zu kümmern, bevor ich mit der Arbeit ganz andere Prioritäten haben. Ich bin erst 25 und habe auch keine finanziellen Verpflichtungen und denke, dass ich mit einem Nebenjob-Gehalt auskommen würde. Gleichzeitig ist dieses Vorgehen ja durchaus unüblich und auch hier im Forum wird davon eher abgeraten. Deshalb meine Frage: Habt ihr Erfahrungen damit? Meint ihr, es ist überhaupt realistisch in meiner Situation eine Fragestellung zu finden, die sich in einem Jahr soweit behandeln lässt, dass ich den Rest dann berufsbegleitend machen kann? Man hört ja immer wieder von Leuten, die eine retrospektive Arbeit von Anfang bis Ende in einem Jahr durchziehen. Nur habe ich solche Arbeiten selbst bisher nie angeboten bekommen.
Man muss dazu sagen, dass ich durch meine angefangene Doktorarbeit schon Erfahrung bezüglich Ethik, Datenerhebung, Recherche und Statistik gesammelt habe. Im Labor habe ich nicht gearbeitet und ich denke, dass würde auch für eine neue Arbeit meinen zeitlichen Rahmen sprengen.
Vielen Dank schon mal im Voraus!
LG
CaputMortuum
17.01.2025, 19:28
In welcher Fachrichtung willst du denn später anfangen? In eher theoretischen Fächern (offensichtlichstes Beispiel Anatomie) ist es z.T. gar kein Problem, so etwas zu finden, auch bei der Pathologie soll das relativ unproblematisch sein. Man kann andererseits aber gerade in diesen Fächern auch gut begleitend zur WB promovieren.
Meint ihr, es ist überhaupt realistisch in meiner Situation eine Fragestellung zu finden, die sich in einem Jahr soweit behandeln lässt, dass ich den Rest dann berufsbegleitend machen kann? Man hört ja immer wieder von Leuten, die eine retrospektive Arbeit von Anfang bis Ende in einem Jahr durchziehen. Nur habe ich solche Arbeiten selbst bisher nie angeboten bekommen.Hast sich irgendwas bei dir geändert, dass du solche Projekte jetzt eher angeboten bekommst? Sonst ist es jetzt genauso wahrscheinlich, wie während deines Studiums, eine solche Doktorarbeit zu finden. Hast du beispielsweise irgendwelche nachweisbaren Leistungen erbracht mit Datenerhebung, Recherche, Statistik? Muss meiner Meinung für diesen Zweck nichts großes sein, Poster vielleicht, ist auch schon mal was.
Noch zur Ergänzung: Ich glaube Skill spielt weniger eine Rolle. Das oben ist eher zu berücksichtigen, wenn man sich verkauft. Du musst schauen, was die Leute, die du oben erwähnst, gemacht haben. In den wenigsten Fällen ist es zu dem Zeitpunkt Skill, aber z. B. Kontakte, die du in der Zwischenzeit hast oder 10 Mal so viele Gruppen anschreiben usw. Frage ist: Warum hast du früher so was nicht bekommen und was machst du jetzt anders. Abhängig davon kannst du überlegen, wie wahrscheinlich es ist ein entsprechende Projekt zu bekommen. Glück spielt auch eine große Rolle, leider kannst du nicht alles beeinflussen.
Raheem-Sterling
18.01.2025, 15:26
Ich würde gerne in der Augenheilkunde anfangen. Da kommen an Kliniken ja vor allem Universitätskliniken in Frage, also gäbe es dahingehend bestimmt die Möglichkeit berufsbegleitend zu promovieren. Allerdings halte ich es bei dem genannten Arbeitspensum eben für sehr optimistisch, dass einem das gut gelingt.
Ich hab damals einfach sehr viele Arbeitsgruppen angeschrieben und mir wurde immer gesagt, dass nur Laborarbeiten angeboten werden, bis ich dann letztendlich bei der externen Arbeit gelandet bin, aus der jetzt leider nichts wird.
Danke auf jeden Fall für die Einschätzung!
Ich würde gerne in der Augenheilkunde anfangen. Da kommen an Kliniken ja vor allem Universitätskliniken in Frage, also gäbe es dahingehend bestimmt die Möglichkeit berufsbegleitend zu promovieren. Allerdings halte ich es bei dem genannten Arbeitspensum eben für sehr optimistisch, dass einem das gut gelingt.
Ich hab damals einfach sehr viele Arbeitsgruppen angeschrieben und mir wurde immer gesagt, dass nur Laborarbeiten angeboten werden, bis ich dann letztendlich bei der externen Arbeit gelandet bin, aus der jetzt leider nichts wird.
Danke auf jeden Fall für die Einschätzung!
Andere habilitieren neben der FA-Ausbildung und das ist von der Menge deutlich mehr. Man kann auch Forschungsfrei nach ein paar Jahren (wenn man Dienste etc abdecken kann) beantragen. Mit ne Uni als Arbeitgeber würde ich nicht irgendwo extern promovieren wollen, alleine wegen der Logistik. Bei meiner Doktorarbeit hat das Warten auf Rückantworten am längsten gedauert, von daher sehe ich als vergeudete Lebenszeit, nicht parallel zu arbeiten. Arbeite doch in der Arbeitsgruppe von deinem zukünftigen Chef oder OA mit.
ich spiele auch immer noch mit dem gedanken nebenberuflich, daher ergänzende frage: ist es erfahrungsgemäß möglich zu promovieren, wenn man nur email-kontakt oder telefonate mit dem betreuer führt, weil die distanz zu groß ist? kenne bisher nur solche, die "vor ort" promovieren und beim betreuer im büro sitzen
Raheem-Sterling
19.01.2025, 13:56
Dass es möglich ist berufsbegleitend zu promovieren ist keine Frage und das machen ja auch einige. Die Frage, die ich mir stelle ist, um welchen Preis bezüglich der Work-Life-Balance und das wiederum hängt wahrscheinlich sehr viel vom Arbeitspensum in der Klinik ab und wie aufwendig das Promotions-Projekt ist. Deshalb habe ich ja nach Erfahrungen gefragt.
Die Logistik ist aber ein sehr guter Punkt, den ich bisher nicht berücksichtig habe. Von "forschungsfrei" habe ich bisher nichts gehört. Ist das üblich und vor allem bekommt man das auch genehmigt, wenn beispielsweise das Personal ohnehin knapp ist?
Es besteht die Möglichkeit, kumulativ zu promovieren, indem du beispielsweise als Erstautor einer Publikation eine Dissertation schreibst (schau dir hierzu die jeweilige Promotionsordnung der Uniklinik in der du anfangen möchtest an). Dabei müsstest du lediglich die Einleitung und Diskussion zur Dissertation hinzufügen, während du für den Abschnitt „Material und Methoden“ die entsprechende Publikation als PDF anhängen kannst (so war es an meiner Uni, kann natürlich woanders unterschiedlich sein).
"Forschungsfrei" bedeutet, dass viele Unikliniken spezielle Förderprogramme anbieten, die häufig als "Clinician Scientist"-Programme bezeichnet werden. In der Uniklinik, in welcher ich arbeite, ermöglicht ein solches Programm eine 50%ige Freistellung von der klinischen Tätigkeit für z.B. zwei Jahre, wobei diese Zeit dennoch für die Weiterbildung angerechnet wird. Alternativ können Oberärzte dich bei entsprechender eingeworbener Finanzierung ebenfalls freistellen, wenn du dich engagierst und in ihren Augen gute Arbeit leistest.
Wenn ich du wäre, würde in dem Fach promovieren, in dem du tätig bist. So hast du direkte Ansprechpartner, die dich unterstützen können. Ich konnte beispielsweise regelmäßig meinem Oberarzt Entwürfe meiner Dissertation oder Publikationen zeigen und hatte jederzeit einen Ansprechpartner für Fragen oder Feedback. Letztlich liegt es aber natürlich an dir, womit du dich am wohlsten fühlst. Viel Erfolg :-party
Raheem-Sterling
19.01.2025, 18:49
Vielen Dank für die Erklärung!
Ich würde mir noch eine Anschlussfrage erlauben: Arbeitet hier jemand an einer Uniklinik oder einem Maximalversorger im süddeutschen Raum in der Augenheilkunde und könnte mir sagen wie das Arbeitspensum aussieht. Also um wie viel Uhr fängt man an, um wie viel schafft man es raus. Das wäre für mich auch hilfreich, um abzuschätzen wie viel Zeit ich realistisch für wissenschaftliches Arbeit hätte.
Clinician Scientist ist für Promovierte. Keine Ahnung, ob es irgendwo eine CS Förderlinie gibt, die auch ohne Promotion vergeben wird, bei uns ist es nicht so. Forschende Ärzt*innen, die ich kenne, sind i. d. R. Fortgeschrittene und haben sich ihre Forschungszeit selbst eingeworben, sind also Postdocs. Es wäre interessant und sinnvoll zu sammeln, welche Förderung es gibt, für eine Promotion berufsbegleitend.
Vielen Dank für die Erklärung!
Ich würde mir noch eine Anschlussfrage erlauben: Arbeitet hier jemand an einer Uniklinik oder einem Maximalversorger im süddeutschen Raum in der Augenheilkunde und könnte mir sagen wie das Arbeitspensum aussieht. Also um wie viel Uhr fängt man an, um wie viel schafft man es raus. Das wäre für mich auch hilfreich, um abzuschätzen wie viel Zeit ich realistisch für wissenschaftliches Arbeit hätte.
Da kann ich Dir Mannheim empfehlen! Forschung wird sehr gefördert. Arbeitspensum, zumindest damals gab es einen 3-Schicht Dienst und ich kam immer pünktlich raus. Denke für dein Vorhaben passt es gut :)
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