Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arzt mit ADHS (Methylphenidat/Lisdexamfetamin)
origamifalter
24.02.2025, 22:00
Sind Ärzte mit ADHS, welche oben genannte Medikamente einnehmen eigentlich in der Gefahr ihre Approbation/Stelle zu verlieren? Darf man eigentlich am Patienten unter Einnahme dieser BTM-pflichtigen Medikamenten arbeiten?
ADHS ist weit verbreitet. Es gibt also natürlich viele Ärzte mit ADHS, sowohl mit als auch ohne Behandlung. Und Therapie der ersten Wahl sind laut jeder ernstzunehmenden Studie und laut jeder ernstzunehmenden Leitlinie Stimulanzien. Eines ist klar: Das Risiko für den Patienten ist deutlich höher, wenn einen ein Arzt mit unbehandelter ADHS behandelt.
Das beantwortet zwar leider deine Frage nicht, aber ist mir trotzdem wichtig zu betonen, nachdem es in diesem Bereich ja sehr viel Unwissen und sehr viel Quacksalberei gibt.
Warum fragst du denn?
Rudiologe
25.02.2025, 06:34
Geht es dir um den juristischen Aspekt oder um die grundsätzliche Eignung, unter dem Einfluss der Medikamente ärztlich zu arbeiten? Beides ist jedenfalls kein Problem, so lange die Medis ordnungsgemäß verschrieben und verschreibungsgemäß eingenommen werden. Ich hab zwei Freunde mit ADHS, die beide ärztlich arbeiten und die sich gegen eine Behandlung mit Psychostimulanzien entschieden haben. Zumindest einer davon wäre mit Elvanse oder Medikinet im beruflichen Alltag mit Sicherheit besser leistungsfähig.
origamifalter
25.02.2025, 17:32
Ich frage insbesondere wegen des juristischen Aspektes.
Es kursieren immer wieder Geschichten von Ärzten/Ärztinnen (insbesondere operativ tätigen), welche aufgrund von eigenen Vorerkrankungen (z.B. früherer Schlaganfall oder Frakturen) oder eigener Vormedkation (z.B. Schmerzmittel: Opiate) im Nachhinein von Patienten oder der Klinik bei Komplikationen mit eben jenen Vorerkrankungen/Medikationen als Argument juristisch belangt werden.
Ist das so? Oder zählt in den Bereich urban legend?
origamifalter
25.02.2025, 18:07
Ist das so? Oder zählt in den Bereich urban legend?
Nein das sind definitv keine urban legends. Die Vorfälle haben auch eine entsprechende mediale Berichterstattung gehabt.
Das gibt dann Überschriften wie:
- Operationen trotz Einnahme von Betäubungsmittel: X Klinikum kündigte Chefarzt fristlos
- Gefährliche Körperverletzung: Augenarzt operierte nach Schlaganfall trotz Einschränkungen weiter
Ja, das sind ja auch Einschränkungen.
Ist eine behandelte ADHS eine Einschränkung? Nein, ganz im Gegenteil.
Duke Nukem
25.02.2025, 18:55
Ja, das sind ja auch Einschränkungen.
Ist eine behandelte ADHS eine Einschränkung? Nein, ganz im Gegenteil.
Das geht doch am Kernproblem vorbei. Die Frage ist schliesslich nicht, ob ein Patient mit Behandlung besser dran ist als ohne. Wie bei allen psychischen Störungen darf jeder Mensch so verrückt sein wie er will, solange da niemand eine Diagnose für gibt. Die entscheidende Frage ist also, ob ein Arzt mit offizieller Diagnose und Behandlung berufliche Nachteile hat gegenüber jemandem, die zumindest offiziell nicht krank ist.
Die entscheidende Frage ist also, ob ein Arzt mit offizieller Diagnose und Behandlung berufliche Nachteile hat gegenüber jemandem, die zumindest offiziell nicht krank ist.
Eine sehr gute Frage... Insbesondere wenn ich an manche Kollegen denk. Da kann ich mir eine gewisse Unterdiagnostik gut vorstellen.
Es gibt wenige Erkrankungen, die so einschränkend sind wie ADHS, und die sich medikamentös so gut behandeln lassen wie ADHS.
Wer eine behandlungswürdige, aber unbehandelte ADHS hat, wird überdurchschnittlich oft Fehler machen, wird überdurchschnittlich oft Sachen vergessen und/oder übersehen, wird überdurchschnittlich oft mit Kollegen aneinandergeraten. Man mag also offiziell nicht krank sein, aber man wird sicher nicht die Leistung erbringen, die man sonst erbringen könnte. Das kann einem also berufliche Nachteile verschaffen - logisch.
Und wenn man sich behandeln lässt - woher soll das denn überhaupt jemand wissen? Woher diese Angst, dass die Kollegen davon erfahren könnten?
Ganz davon abgesehen, dass es ja wirklich hochgradig widersinnig wäre, als Arzt eine Erkrankung, die man hat, nicht behandeln zu lassen. Man sollte als Arzt schon auch die Eier haben, selbst das zu tun, was man seinen Patienten empfehlen würde, und das Hirn, gesundheitsfördernd und medizinisch korrekt zu handeln, auch wenn es um einen selbst geht.
origamifalter
27.02.2025, 16:44
Ich verstehe eure Denkweise, aber weiß jemand von euch wieder die Rechtslage ist?
Die Fälle, von denen ich berichtet habe, sprechen ja dafür das rechtlich die Dinge dann doch manchmal zu Ungunsten des Arztes beurteilt werden.
xenopus laevis
27.02.2025, 20:32
In Deutschland gibt es keine spezifische gesetzliche Regelung, die die Einnahme von Methylphenidat durch Ärzte und ihre Fähigkeit, operative Eingriffe durchzuführen, explizit regelt. Wichtig ist jedoch, dass du sicherstellst, dass deine berufliche Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt wird. (Falls ich hier falsch liege, lasse ich mich gern korrigieren.)
Davo hat vollkommen recht: Deine Diagnosen bleiben privat, solange du sie nicht selbst offenlegst. Ein Patient hat keine Möglichkeit, das zu wissen. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht – und diese ist nahezu unantastbar.
Wenn es um eine rechtliche Einschätzung geht, ist es immer ratsam, sich an einen spezialisierten Anwalt zu wenden.
Espressa
06.03.2025, 19:44
Ich frag mich sowieso, was man eigentlich haben muss, um beim Gesundheitszeugnis als „für den Beruf ungeeignet“ attestiert zu werden. Bzw. wer das wie überhaupt diagnostiziert? Diese Untersuchung ist irgendwie sowieso eine Farce…
SineNomine
07.03.2025, 09:50
Ich frag mich sowieso, was man eigentlich haben muss, um beim Gesundheitszeugnis als „für den Beruf ungeeignet“ attestiert zu werden. Bzw. wer das wie überhaupt diagnostiziert? Diese Untersuchung ist irgendwie sowieso eine Farce…
Welche Untersuchung? Der Hausarzt sieht, dass Du geradeaus laufen kannst und sprechen kannst und stellt den Wisch aus.
Rudiologe
07.03.2025, 09:54
Welche Untersuchung? Der Hausarzt sieht, dass Du geradeaus laufen kannst und sprechen kannst und stellt den Wisch aus.
Haha, genauso läuft das ab. Ich habe einen frequenzabhängigen Linksschenkelblock und die Vertretung meiner Hausärztin wollte mir erst keine gesundheitliche Eignung für den Arztberuf attestieren ("vielleicht kippen Sie dann um im stressigen Nachtdienst"). Ich hab dann einfach "nee, das passt schon" gesagt und sie dann "ach, na gut".
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