Versuchst du dann wenigstens Ausschlussdiagnostik und symptomatische Therapie oder stempelst du die ME/CFS bzw. long Covid- Patienten gleich als psychosomatisch ab? Christoph K., bist dus?
Nö, der bin ich nicht. Zufällig hatte ich vor kurzem jemanden mit ME/CFS. Soll ich dir Patienten zur INUSpherese schicken?
Das wäre auch etwas für die beiden Ästhetik-Heißluftgebläse, aber die sind zu oberflächlich um zu erkennen, das wahre Schönheit von innen kommt. Die Behandlung ist wahrscheinlich etwas zu komplex, dass die beiden es in einem Verkaufsgespräch gut rüber bringen können.
Ich habe viele Patienten, die durch Eigenrecherche extrem verunsichert sind - teilweise sehr fordernd und auch aggressiv. Und Ausschlussdiagnostik mache ich immer, auch wenn ich mir nach Anamnese und Untersuchung relativ sicher bin.
Nö, der bin ich nicht. Zufällig hatte ich vor kurzem jemanden mit ME/CFS. Soll ich dir Patienten zur INUSpherese schicken?
Das wäre auch etwas für die beiden Ästhetik-Heißluftgebläse, aber die sind zu oberflächlich um zu erkennen, das wahre Schönheit von innen kommt. Die Behandlung ist wahrscheinlich etwas zu komplex, dass die beiden es in einem Verkaufsgespräch gut rüber bringen können.
Ich habe viele Patienten, die durch Eigenrecherche extrem verunsichert sind - teilweise sehr fordernd und auch aggressiv. Und Ausschlussdiagnostik mache ich immer, auch wenn ich mir nach Anamnese und Untersuchung relativ sicher bin.
Ich bin leider nur für jugendliche Patienten zuständig bzw. habe die hiesige Ambulanz mit aufgebaut. Ich weiß dass das alles schwierig ist und in der Päd sogar noch schwieriger, denn alles was bei den Erwachsenen nicht zugelassen und erprobt ist, ist es ja für U18 erst recht nicht, die Patienten leiden aber genauso und sind auch ähnlich schwer betroffen. Zum Glück scheint Omikron hier tatsächlich nicht mehr so gefährlich zu sein, ich hatte jetzt in der Praxis schon lange kein Kind mehr, bei dem ich in die Richtung denken musste.
Aber klar, um aufs Thema zurück zu kommen, sind Medfluencer bzw. in diesem Fall ja eher die Selbsthilfegruppen oft leider nicht hilfreich bzw. verunsichernd und schüren auch eine gewisse Ablehnungshaltung ggü Ärzten (wenn auch in manchen Fällen berechtigterweise?…). Als Patient wird man erschlagen von alternativen, in der Regel sehr teuren, Heilmethoden und als Arzt hat man hier gut zu tun bzw. eigentlich wenig Chancen diesbezüglich auf dem Laufenden zu bleiben v.a. was die tatsächliche Evidenz des Ganzen angeht. Eine Loose-loose-Situation, gewinnen tun hier eigentlich nur die skrupellosen Quacksalber.
Das ist ja eigentlich kein neues Thema.
Wenn man eine schwere chronische Erkrankung mit weitgehend unspezifischen Symptomen hat, die bis vor kurzem vom Großteil des medizinischen Versorgungssystems, vom Staat und von allen staatsnahen Stellen wenig ernstgenommen wurde, ist logisch, dass dies zu Irritationen aller Art führt. (Kann man z.B. mit dem Status der Fibromyalgie vor 30 Jahren vergleichen.) Aber mittlerweile gibts ja auch zu ME/CFS genug Evidenz, Diagnoseschemata, Empfehlungen, Leitlinien, usw., sodass eigentlich logisch sein sollte, was nach aktuellem Wissensstand sinnvoll ist und was nicht. Wenn man der Ansicht ist, dass etwas nicht indiziert und/oder nicht sinnvoll ist, muss man dies halt einfach dem Patienten sagen. Und zwar natürlich auf eine Art und Weise, die menschlich adäquat ist. Und wenn man sich mit der Thematik nicht auskennt, muss man dies offen mit dem Patienten besprechen - ist ja auch völlig in Ordnung.
Dass es Voodoo auch im Kontext von PBC gibt, war mir neu. Worum gehts da, kurzgefasst?
In meinem eigenen Fachbereich ist zu kritisieren, dass es viele gestandene Fachärzte gibt, die von Themen wie komplexer PTBS, Pharmakotherapie von NSSVV, Pharmakotherapie der PTBS, ADHS-Diagnostik und -Therapie, Autismus, Relevanz von Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln für psychische Erkrankungen, usw., absolut keine Ahnung haben, und weder bereit sind, dies offen zu kommunizieren, noch bereit sind, was dran zu ändern. Diese Ahnungslosigkeit macht es den vielen Scharlatanen, die diese Bereiche beackern, besonders leicht. Es gibt ja leider wirklich sehr viele Scharlatane, die zu diesen Themen, v.a. zu den Themen Trauma, ADHS, Nahrungsergänzungsmittel und Psychedelika, absoluten Unsinn verbreiten, der oft grob irreführend und manchmal sogar potenziell gefährlich ist. Da würde ich also durchaus auch die Fachärzte in die Pflicht nehmen. Natürlich kann und muss man nicht alles wissen (s.o.), aber dann muss man zumindest bereit sein, dies offen mit den eigenen Patienten zu besprechen, und sie ggfs. an seriöse Fachkollegen, die eine Ahnung vom entsprechenden Spezialthema haben, weiterverweisen. Aus Gründen der Zeitökonomie werden solche Themen, wenn man sie seriös angehen will, oft nur im privatärztlichen Bereich bearbeitbar sein - das ist dem GKV-System anzulasten. (Aber dem GKV-System ist vieles anzulasten - PDE5-Hemmer bei erektiler Dysfunktion sind wahrscheinlich noch immer keine Kassenleistung, oder?) Aber wenn man solche Themen einfach nur belächelt oder pauschal als Humbug abtut, erhöht man das Risiko, dass sich von solchen Patienten auch ein Teil jener, die tatsächlich eine behandelbare Erkrankung haben, und die man tatsächlich sinnvoll behandeln könnte, an Scharlatane wendet.
Oft kann es aber auch ausreichend sein, dass man solchen Patienten einfach nur vermittelt, dass häufiges häufig ist, und seltenes selten. Bevor man, in den vielen Fällen wo es keinerlei konkrete Hinweise für ausgefallene Ursachen gibt, sehr viel Zeit in die Abklärung ausgefallener exotischer potenzieller Ursachen investiert, ist es also oft sinnvoller, einfach mal die viel wahrscheinlicheren Ursachen abzuklopfen und zu therapieren. Viele Patienten können so eine Erklärung nehmen. Auch die Tatsache, dass eine obsessive Beschäftigung mit nicht schwerwiegenden Symptomen und Beschwerden nicht förderlich, sondern ganz im Gegenteil krank machend ist, muss man solchen Patienten unbedingt vermitteln.
Da muss man natürlich auch den Medien, ganz egal ob staatlich oder privat, große Vorwürfe machen, da diese exotischen Erkrankungen und "Modeerkrankungen" viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen als häufigen und "unpopulären" Erkrankungen. Das verzerrt natürlich die Laienätiologie der breiten Masse massiv, und führt somit zu Fehlerwartungen, Irritationen, enorm viel rausgeworfenem Steuergeld. Und in den sozialen Medien, die ich insgesamt betrachtet enorm hilfreich finde, findet man zu psychischen Erkrankungen ja fast nur Unsinn, oft von Leuten mit Minimalausbildungen, ohne ernstzunehmende klinische Erfahrung, oft mit großen kommerziellen Interessen.
Ganz essentiell wäre z.B., finde ich, eine massive Stärkung des Themas Impfungen und des Themas Vorsorgeuntersuchungen - nicht nur bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostata-Ca. Da haben Medien und Ärzte viel zu tun.
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