Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chirurgie für Anästhesisten
Hallo,hat jemand von euch Erfahrungen mit dem Buch und würdet ihr es empfehlen?
Danke im Voraus!
Hab Anna dazu befragt, die hat es in ihrem Archiv... Falls du verstehst was ich meine.
Hab mir dann einen ersten Artikel durchgelesen: Carotis-TEA.
- Die Unterscheidung zwischen "absoluter" und "relativer" OP-Indikation finde ist sehr grenzwertig. Es werden keine Stenosegrade angegeben, die Leitlinie unterscheidet nur zwischen "soll" und "sollte" etc. Also da sollte sich der Schreiberling zurückhalten oder differenzierter sein. In dieser Form ist es tatsächlich einfach falsch!
- "eine Operationsindikation (möglichst innerhalb von 72 Std. nach Diagnosestellung)" -> entspricht nicht der Leitlinie!
- Aussagen wie " Das von uns präferierte Vorgehen ist die grundsätzliche Operation mit Shunteinlage." finde ich auch grenzwertig. Mich stört das "grundsätzlich" dabei. Es gibt Gründe bei denen man es eher macht, bei anderen eher nicht, usw. zu undifferenziert.
- Rein technisch machen wir die Freigabe anders, aus entsprechenden Gründen.
- "Eingriffe unter ASS plus Clopidogrel sollten vermieden werden." -> die Studienlage zeigt: DAPT erhöht die Blutungsneigung senkt aber das Schlaganfallrisiko perioperativ. Der Chirurg (!) entscheidet welches Risiko er bevorzugt.
- "In der Regel erhält der Patient vom Chirurgen einen Druckverband, um die Gefahr einer Nachblutung zu verringern." -> auf gar keinen Fall! Ein wirksamer Druckverband müsste zirkulär um den Hals ausgeführt werden um adäquaten Druck ausüben zu können. Bitte nicht!
- "Für eine ausreichende zerebrale Perfusion wird postoperativ eine moderate Hypertension angestrebt" -> auch falsch. Leitlinie sagt normaler Blutdruck.
- "Die Manipulation am Karotisbulbus kann zu Blutdruckdysregulation (Barorezeptoren) und reflektorischer Bradykardie führen. Mit einer Bradykardie ist auch bei Zug am N. vagus z. B. im Rahmen einer Neurolyse bei Reeingriff zu rechnen." -> hier würde ich mir wünschen dass dabei steht "Daher ist bei einer Carotis-TEA die Atropin-Ampulle immer griffbereit zu halten". Denn die Bradykardie kann bis zur Reanimation führen und auch mal auftreten wenn der N. vagus nicht ganz typisch liegt... Atropin-Gabe ist jetzt nicht super selten.
Ansonsten hat mir bei dem Kapitel der Bereich "Besonderheiten" ziemlich gut gefallen, weil er auf die tatsächlichen Besonderheiten relativ gut eingeht. Auch ist bei dem gesamten Artikel gut, dass die Themen der Komplikationen, Blutverlust/Blutprodukte, Dauer der einzelnen OP-Abschnitte, Schnittführung usw. sehr realitätsnah sind. Die Schreiberlinge sollten sich nur mit chirurgischen Themen wie Indikationsstellung und Durchführung bissl mehr zurückhalten oder korrekt schreiben! Aber so lange sich der Anästhesist zurückhält und nicht anfangen will den Chirurgen ihre Indikation oder Arbeit zu erklären passt das schon. Und wenn der Anästhesist nur fragt "ist es in Ordnung dass der Patient DAPT hat?" und ein "ja, wissen wir, ist Absicht" vom Chirurgen ohne große Diskussion akzeptiert ist das auch in Ordnung. Dann kann man den Artikel komplett nehmen wie er ist ;-)
origamifalter
15.03.2025, 21:59
Ich kenne keinen der unter ASS+Clopidogrel operiert, außer es ist ein absoluter Notfall.
Druckverband zirkulär um den Hals -> noch nie gesehen
Meinst du keinen Chirurgen oder keinen Gefäßchirurgen? Und wir reden hier ja ganz speziell von der Carotis-TEA. Ich persönlich operiere (symptomatische) Carotiden schon unter DAPT. Die Neurologen bei uns geben dies den Patienten sofort wenn sie sympathisch ins Haus kommen zur Prophylaxe eines erneuten Apoplex/TIA/Amaurosus fugax vor und um einer OP. Und wir operieren sie dann unter ASS+Clopidogrel in dem Zeitfenster 3-14 Tage, das empfohlen wird. Ich müsste sonst ja 7 Tage vorher Clopidogrel wieder pausieren und ein höheres Schlaganfall-Risiko in Kauf nehmen.
Nochmal: wir reden von Carotis-TEA und es ist bei entsprechender Studienlage mit uns abgesprochen. Ansonsten verzichte ich auch gern auf Clopidogrel wenn möglich.
origamifalter
16.03.2025, 20:55
Stimmt, Gefäßchirurgen machen sowas
Kackbratze
16.03.2025, 22:29
Im Bereich dringlich machen wir das auch, über Notfälle braucht man nicht zu reden. Da ist die Medikation eh irrelevant quoad vitam.
Hat noch jemand Eindrücke vom Buch?
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