Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gehalt als angestellte Kinderärztin
Hallo in die Runde,
ich hatte vor etwa 3 Jahren schon mal einen ähnlichen Beitrag gepostet, aber jetzt hat sich doch noch bisschen was verändert, so dass ich gern nochmal nachfragen möchte.
Ich bin Kinderärztin und werde im Mai noch die Zusatzbezeichnung Pneumologie ablegen. Ich bin schon bisschen länger auf der Suche nach einer Möglichkeit der Arbeit im ambulanten Bereich und habe nun ein unverbindliches Angebot bekommen. Das wäre erstmal in Anstellung.
Mein letzter Stand war, dass man als Angestellte Fachärztin in einer Praxis deutlich schlechter bezahlt wird, als in der Klinik. Hat da jemand Erfahrung und kann mir Tipps geben, wie ich da am besten an die Verhandlung rangehe oder was ich erwarten kann? Zumindest hab ich jetzt ja noch die Pneumologie, die ja durchaus auch relevant für die Abrechnung ist. Ist es realistisch, zumindest auf so viel Gehalt rauszukommen, wie in der Klinik?
Lieben Dank!
aschenputtel1977
19.03.2025, 10:17
Also das Facharztgehalt aus der Klinik sollte sich schon darstellen. Was fehlt sind natürlich die vielen Dienststunden. Inwieweit sich die Pulmologie abbildet, ist davon abhängig was der Kollege abrechnen kann der dich anstellt. Das wäre dann natürlich ein Plus. Dienste sollten extra vergolten werden, das ist klar. Insgesamt habe ich sicherlich in der Klinik mehr verdient, aber die vielzitierte "Work-Life-Balance" ist doch unendlich viel besser als die im Klinikbetrieb.
Vielen Dank für die Antwort @aschenputtel1977.
Ich hab halt leider bisher von bekannten Kinderärzten in Anstellung nur von deutlich schlechterer Bezahlung gehört, also schon allein was das Grundgehalt angeht (z.B. für gleiche Arbeitszeit in der Praxis 6300€ brutto vs 8300€ brutto in der Klinik). Und das ohne Dienste. Ist das denn wirklich gerechtfertigt, so viel weniger zu verdienen? Ich würde schon gerne zumindest das Grundgehalt aus der Klinik fordern, habe aber nun ein bisschen Sorge, dass ich dann vllt völlig realitätsfern wirke 🙈
Ich bekomme das, was im Tarifvertrag steht. Plus freie Tage für die KV-Dienste. Klar ist es weniger wie in der Klinik, dafür habe ich keine Fahrtkosten mehr, ausser dem Strom, den es kostet um meinen Fahrrad-Akku aufzuladen. Plus ich brauche 10 Minuten zur Arbeit statt 40 Minuten vorher.
Danke für deine Antwort, Kandra. Na klar, dass die Zuschläge für Dienste wegfallen leuchtet ja ein. Aber das gleiche Grundgehalt kann man ja schon erwarten. Nach welchem Tarifvertrag wirst du da bezahlt? Und hast du trotzdem eine regelmäßige Gehaltssteigerung im Vertrag festgelegt?
Kann bezüglich Primärversorgung nur für die Allgemeinmedizin Praxis sprechen, aber denke die Kinderärzt:innen stehen da finanziell nicht besser da: Praxen der Primärversorgung müssen erstmal das Geld reinholen, um Personal bezahlen zu können. MFAs gibt es leider auch kaum noch, daher auch deutlich überschnittliche Bezahlung nötig. Kosten für Miete, Strom und besonders Praxis-EDV muss reingeholt werden.
Anstellung einer Fachärzt:in bedeutet zudem noch die Lohnnebenkosten.
Und als Inhaber einer Praxis möchte man auch noch selbst in den Spiegel schauen können und Moral behalten - weiß nicht wie die Klinikbetreiber so etwas aushalten…
Daher bitte immer berücksichtigen Praxen der Primärversorgung sind nicht grundsätzlich Cashcows. Bieten dafür ein schönes Arbeitsumfeld, flache Hierarchien, ggf relevante Mitsprache. Das kann alles sein Wert haben.
Mein Tipp ggf auch erstmal vertraglich verhandeln nach 6-12 Monaten erneut über das Gehalt zu sprechen.
Wenn ich jemanden neue einstelle, weiß ich ja selbst erstmal nicht wie derjenige tickt und arbeitet - ruhige Kugel schieben und Handvoll Patienten behandeln oder eben bringt wirklich etwas mit in die Praxis…
Rudiologe
21.03.2025, 08:27
Klar ist es weniger wie in der Klinik, dafür habe ich keine Fahrtkosten mehr, ausser dem Strom, den es kostet um meinen Fahrrad-Akku aufzuladen. Plus ich brauche 10 Minuten zur Arbeit statt 40 Minuten vorher.
Das sollte aber wirklich kein Grund sein, sich mit einem geringeren Gehalt zufriedenzugeben.
Lakemond
21.03.2025, 16:53
Was bringt der Praxis deine Arbeitsstunde?
Das sollte aber wirklich kein Grund sein, sich mit einem geringeren Gehalt zufriedenzugeben.
Ich hatte vorher im Monat 250€ Spritkosten und war selten vor 19 Uhr zu Hause. Jetzt sitze ich Donnerstags idR pünktlich um 13:15 auf der Couch und kuschel mit meinem Baby. Das ist mit Geld schwer aufzuwiegen.
@ggy15: der TV Ärzte
DrSkywalker
22.03.2025, 06:12
Das sollte aber wirklich kein Grund sein, sich mit einem geringeren Gehalt zufriedenzugeben.
Warum nicht? Das ist doch pure Lebensqualität
Rudiologe
22.03.2025, 07:58
Ja klar, das verstehe ich natürlich. Aber gerade der persönliche Anfahrtsweg zur Arbeitsstelle sollte bei den Gehaltsverhandlungen keine Rolle spielen. Das hat ja keine Bedeutung für die konkrete Tätigkeit oder für den Arbeitgeber. Mir hat ein Praxisinhaber mal ein niedriges Gehalt geboten und im Gespräch erwähnt, dass ich bei ihm ja aber auch keine Dienste mehr machen müsste. Das fand ich richtig unverschämt. Fehlende Dienste sind ja völlig normal in der Praxis und haben überhaupt nichts mit der Bezahlung zu tun.
Wenn ich Tarifgehalt bekomme, bekomme ich ja nicht weniger Geld, sondern nur nicht das Geld zusätzlich was ich sonst mit Schicht- und Dienstzulage bekommen würde. Und das ist mir der enorme Zuwachs an Lebensqualität definitiv wert.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.