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Elaphia
19.03.2025, 16:50
Hey Leute,

Vielleicht erinnert sich noch jemand an mich und mein damaliges Problem, dass ich mit Physio hatte: hatte Schwierigkeiten damit die Praktika und die Versuche zu verstehen und bin auch prompt durchgefallen beim ersten Testat.

Das habe ich mittlerweile in den Griff gekriegt bzw. eine Methode gefunden, die ganz gut ist und hab das auch ausgleichen können.

In 5 Monaten bin ich dran mit Physikum
(So hoffe ich, bisher hab ich die Teilklausuren zumindest so bestanden, dass ich auf jeden Fall Grund habe, optimistisch zu sein; wenn ich jetzt nicht komplett verkacken sollte [was ich mir aber trotzdem zutraue, da ich manchmal irgendwie Aussetzer habe und meine guten Vorsprünge zu Nichte mache, Aber naja])

Es ist auf jeden Fall so, dass ich nicht mehr kann. Ich weiß, das sagen vermutlich viele zu diesem Zeitpunkt, aber ich kann wirklich einfach nicht mehr.

Ich weiß nicht, was das ist, denn in der Form habe ich das Studium bisher noch nicht empfunden,.
Ich gehe seit über einem Jahr nicht mehr zum
Sport, bzw. Nicht so, wie ich gerne würde, habe mich selbst vernachlässigt, zugenommen und ernähre mich schlecht. Die Mensa macht mich wirklich krank gefühlt, aber ich habe keine Zeit zu kochen. Ich lebe gefühlt nur noch für die Uni und wenn ich etwas anderes mache, kann ich es nur reduziert machen und mit Abstrichen, damit ich nebenbei noch Sachen für die Uni erledigen kann. Ich habe keine richtigen Freunde, nur die Leute aus der Uni, mit denen ich über nichts anderes als über die Uni spreche und dann auch die ganze Zeit über.


Ich weine nachts, wenn ich daran denke, dass ich in 3 Wochen wieder hin muss und wieder jede Woche 3 Testate anstehen (BC, Physio, Topo Ana).

Alles, was mich durchhalten lässt, ist der Gedanke, dass es in 6 Monaten vorbei ist.

Es ist doch dann vorbei, oder ?

Manche aus dem höheren Semester sagen, dass es besser wird. Viele andere sagen,
Dass es schlimm bleibt, aber anders.

5 Jahre packe ich dieses Tempo einfach nicht. Wirklich.

Bitte erzählt mir einfach, dass es besser wird und wie ihr persönlich die Zeit nach dem Physikum erlebt habt.
Hattet ihr den Eindruck, dass es gleich „schlimm“ geblieben ist ?

Heerestorte
20.03.2025, 07:45
Ich kann nur für meine Uni sprechen, aber wie dir schon viele berichtet hatten, danach ist es schon einfach "vorbei" mit dem schwierigen Teil und man hat es eigentlich geschafft. Bei uns in der Klinik waren eine Klausur und eine mündliche Prüfung noch schwer, alles andere waren Altfragenklausuren und man konnte es wirklich genießen, weil das Studium auch praktischer wurde mit Blocksemester, Famulaturen etc und man dann auch wirklich mal das gesehen hat, wofür man sich das alles antut. Und das ist dann schon ein tolles Gefühl

Der 100 Tage Lernplan für das M2 ist nochmal zäh, aber da bekommt man ja strukturiert gesagt, was zu lernen ist und auch da sind die Durchfallquoten sehr niedrig.

Nichtsdestotrotz, ohne Psychiater zu sein, klingt es so, als ob du davon profitieren könntest, dich mal bei der psychologischen Beratung deiner Uni vorzustellen. Die meisten Unis haben so eine Anlaufstelle.

LLinusLLove
20.03.2025, 10:16
Es wird definitiv besser, komme jetzt ins 9. Semester und habe seit dem 5. Semester wesentlich mehr Freizeit.

Hätte bestimmt abgebrochen wenn das Pensum so wie in den ersten 4 Semestern geblieben wäre. Also durchhalten ;)

Leni2111
21.03.2025, 08:12
Hey du,
Ich habe keine richtige Antwort darauf, ob es besser wird - weil ich gerade selbst mitten im Physikum stecke. Aber ich wollte dir sagen, dass es okay ist wenn du Pausen machst. Ich selbst habe das Studium mal genauso durchlebt wie du, ich habe nur noch Angst und krankhafte Panik gehabt und musste schlussendlich in Therapie. Ich kann dir nur ans Herz legen, auch mal etwas für dich zu tun. Koch dir etwas leckeres oder geh zum Sport. Ich glaube dir, wenn du sagst die Chance besteht, dass du durchfällst - ich bin selbst einige Male durchgefallen, aber kochen und Sport sind GRUNDBEDÜRFNISSE. Und auch wenn es einem Angst macht, sich darauf einzulassen wird man später merken, dass es den Kopf befreit.
Du musst da gar kein schlechtes Gewissen haben, aber du wirst es erst merken, wenn du es versuchst und wieder langsam regelmäßig in deinen Alltag integrierst. Du hast das verdient!! Ich habe selbst so lange gebraucht um zu merken, dass ich das DARF, deshalb lass mich dir sagen du darfst es auch. Und wenn dann mal was schiefgeht, ist es trotzdem nicht deine Schuld! Du gibst dir sicherlich ganz viel Mühe und genau das ist, was zählt. Klar ich weiß, da zählen manchmal auch finanzielle Dinge mit rein, irgendjemand muss das ganze ja bezahlen wenn man länger braucht, aber wenn du dich jetzt kaputt machst, dann hast du am Ende auch nichts mehr davon. Also nimm dir ein paar Pausen und wenn es nur 30 min sind und mach etwas für dich. Das befreit den Kopf, auch wenn man sich erst wieder dran gewöhnen muss. Du schaffst das!!

Medchirurgie
06.04.2025, 08:03
für mich wurde es nicht besser. das Studium ist sehr anstrengend und ach in der Klinik wird es nicht leichter. M2 fand ich auch schwieriger als M1 und der Beruf ist hart. von daher muss man sich dem bewusst sein, welchen beruf man eingeht. wenn es dir spass macht, hält man dies aus. sonst ist man für immer unzufrieden

rafiki
06.04.2025, 08:57
....muss man sich dem bewusst sein, welchen beruf man eingeht. wenn es dir spass macht, hält man dies aus. sonst ist man für immer unzufrieden

Das möchte ich unterstreichen. Zumindest die Assistenzarztjahre werden ungleich härter und wer schon vor dem Physikum nachts heulend im Bett liegt, nun ja......

davo
06.04.2025, 19:10
Ich gehe seit über einem Jahr nicht mehr zum Sport, bzw. Nicht so, wie ich gerne würde, habe mich selbst vernachlässigt, zugenommen und ernähre mich schlecht. Die Mensa macht mich wirklich krank gefühlt, aber ich habe keine Zeit zu kochen. Ich lebe gefühlt nur noch für die Uni und wenn ich etwas anderes mache, kann ich es nur reduziert machen und mit Abstrichen, damit ich nebenbei noch Sachen für die Uni erledigen kann. Ich habe keine richtigen Freunde, nur die Leute aus der Uni, mit denen ich über nichts anderes als über die Uni spreche und dann auch die ganze Zeit über.

Ich weine nachts, wenn ich daran denke, dass ich in 3 Wochen wieder hin muss und wieder jede Woche 3 Testate anstehen (BC, Physio, Topo Ana).

(...)

Es ist auf jeden Fall so, dass ich nicht mehr kann. Ich weiß, das sagen vermutlich viele zu diesem Zeitpunkt, aber ich kann wirklich einfach nicht mehr.

Ich sehe zwischen dem ersten Absatz und den letzten zwei Absätzen einen eindeutigen kausalen Zusammenhang.

Du studierst auf eine Art und Weise, die dir die Freude am Studium und auch die Lebensfreude nimmt. Logisch, dass du das nicht sechs Jahre lang durchhalten kannst. Musst du aber auch gar nicht. Sollst du auch gar nicht!

Auch wenn es für dich vielleicht enttäuschend ist, das Mensaessen essen zu müssen, und zugenommen zu haben, wird einen die Mensa aber bestimmt nicht krank machen - zumindest keine jener Mensen, die ich je kennengelernt habe. Ich fände es deshalb ratsam, mal mit Hilfe des BMI zu prüfen, ob es beim Gewicht tatsächlich ein objektivierbares Problem gibt, oder ob das eher ein Problem (zu) strenger eigener Überzeugungen ist.

Die Gleichsetzung von nicht mehr zum Sport zu gehen, und nicht so, wie du gerne würdest, zum Sport zu gehen, finde ich in dieser Hinsicht auch recht interessant. Könnte also durchaus sein, dass du nicht nur beim Lernen einen äußerst perfektionistischen Ansatz hast, sondern auch beim Thema Sport - was einem sehr viel Zeit, Energie und Freude rauben kann.

Außerdem kann man durchaus auch mit Kommilitonen über andere Dinge als über das Studium reden. Ich finde es echt ungewöhnlich, dass du dir da offenbar eine Gruppe von Leuten ausgesucht hast, die sonst keine Interessen haben. Das muss eine sehr spezielle Teilmenge aller Medizinstudenten sein.

Konkrete Handlungsempfehlungen:

- Schränke die Lernzeit ein. An keinem einzigen Tag darfst du mehr als 10 Stunden in das Studium investieren - und in keiner Woche mehr als 50 Stunden. Im Wochendurchschnitt dürfen es nicht mehr als 45 Stunden sein.
- Stelle sicher, dass du dir jeden Tag mindestens (!) eine Stunde bewusste Freizeit nimmst. Sport, Musik, ein Film, eine Verabredung, ein Buch, Musik... ohne dass du währenddessen irgendwas Uni-bezogenes machst.
- Stelle sicher, dass du jede Woche mindestens (!) einen Tag (dürfen ruhig auch zwei sein!) absolut gar nichts für die Uni machst.
- Stelle sicher, dass du jede Woche mindestens (!) einmal selbst etwas kochst. Damit hast du dann schon mal für mindestens zwei Tage etwas, was deinen Ernährungsvorstellungen entspricht.
- Stelle sicher, dass du jede Woche mindestens (!) einmal eine Stunde bewusste Bewegung oder Sport machst.
- Stelle sicher, dass du mit deinen Kommilitonen auch über andere Sachen redest. Das wird dir einfacher fallen, sobald du auch selbst andere Sachen machst.

Du sagst, dass das nicht geht? Doch, das geht. Der Großteil der Medizinstudenten lebt und lernt so, und besteht trotzdem alles. So zu leben und zu lernen wird dich dazu zwingen, dich auch mit 80% zufriedenzugeben, dich von übertriebenem Perfektionismus zu verabschieden, auf Effizienz beim Lernen zu achten. Und das ist gut so - das ist sogar essentiell! Das wird dir auch im Arztberuf extrem helfen.

Und ja, es wird im klinischen Studienabschnitt deutlich entspannter. Das sah bis auf einzelne Ausnahmen wirklich fast jeder so.

Und lass dich nicht von jenen Beiträgen verunsichern, die behaupten, dass der Arztberuf noch viel härter wäre - Unsinn. Es gab in der Vorklinik genug Perfektionistinnen, die vor dem Physikum ständig am Heulen waren, weil sie nie gelernt haben, effizient zu lernen, und es erst mal lernen mussten, dass man auch dann gut leben kann, wenn man nicht ständig zu den besten und tollsten gehört. Bis zum M3 haben von denen fast alle gelernt, effizienter zu sein, sich auch mit 80% zufriedenzugeben, viel stressresistenter zu sein, dass es auch ein Leben jenseits der Medizin gibt. Das wirst auch du lernen - da bin ich mir sicher.

Hokuspokus1234
06.04.2025, 22:39
Leute wie dich habe ich bisher nicht ohne Grund gemieden. Wenn du genauso ein Arzt bist, wie deine Nachricht vermuten lässt, kann man nur hoffen, dass du wenig Patkontakt hast….
Deine Situation passt 1:1 zu meiner Gefühlswelt der letzten Monate. Ich bin im August durchs M1 gefallen und war wirklich am Ende. Ich habe mich täglich gefragt, ob das wirklich der richtige Weg ist und, ob ich dem Druck weiterhin standhalte. Freitag habe ich erfahren, dass ich das Physikum bestanden habe und seitdem habe ich das Gefühl, als sei ich wie ausgewechselt. Meine Erschöpfung des letzten Jahres ist teils wie weggeblasen und ich freue mich einfach auf die Zeit, die jetzt kommt. Ich bin in psychiatrischer Behandlung und kann dir den Schritt dir therapeutische Hilfe zu suchen wirklich ans Herz legen. Das macht einen nicht zu einem schlechteren Mediziner:-)
Ich wünsche dir alles Gute.

Elaphia
18.04.2025, 21:26
Du bist so ein netter Zusprecher, den jeder wohl in seinem Leben verdient, aber nicht bekommt.

So oder so, ich kann mir vorstellen, was für ein Bild du von mir hast bzw. An Hand von meinem Beitrag ableitest.

Die Realität ist aber leider noch viel bitterer / trostloser als du hier ausmalst. Ich lerne so viel, wie du annimmst, mache Abstriche im restlichen Leben, suche mir Leute als Freunde, von denen ich denke, dass sie mich weiter bringen/sehr gut in der Uni sind - und ich versage trotzdem in manchen Prüfungen. vielleicht kannst du dir vorstellen, wie sich das anfühlt. Als wäre man ein Joke.

Ich will auch nicht so viel rumjammern, versuche das abzustellen. Ich will einfach, dass die nächsten 10 Wochen vorbei gehen und diese verrückten Dozenten der Vorklinik nie wieder sehen, die gefühlt alle einen Hauch von Größenwahn in sich tragen.
Ja; ich zeige wieder auf andere, es sollte mir egal sein.
Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass es mir egal ist, wie es nach dem Physikum wird.
Wenn es schlimm bleibt, mache ich halt ein halbes Jahr Pause, oder belege manche Kurse eben später.