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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Problem mit fachlich schlechtem Kollegen



Ratsuchende
21.03.2025, 09:41
Hallo Miteinander,

ich habe ein unangenehmes Problem, für das ich gerade eine Lösung suche.

Vorneweg der Rahmen: Innere Kardio, kleine Klinik, kleines Team, grundsätzlich gute Stimmung und Arbeitsbedingungen. Bin wirklich zufrieden und möchte nicht weg.
Wie aber fast alle Häuser haben wir einen Ärztemangel, laut Stellenplan sind wir mit momentan zwei Stellen unterbesetzt. Der zusätzliche Workload ist aber erträglich, da er zum einen durch Bettensperren aufgrund Pflegemangels kompensiert wird und die Dienste vergleichsweise ruhig sind (keine ITS zum Betreuen, Notaufnahme wird dank Maximalversorger in der Nachbarschaft nachts kaum angefahren).

Vor vier Monaten haben wir einen neuen Kollegen bekommen, laut unserem Chef ein "Top-Mann" mit Berufserfahrung in seinem Heimatland, allerdings in der Chirurgie.
Er ist die ersten zwei Wochen mit einem Facharzt mitgelaufen, wobei das Fazit schnell war, dass es wohl schwierig wird, da seine Deutschkenntnisse schlecht sind und er fachlich auch nicht wirklich fit ist.
Momentan betreut er sechs Patienten selbst (normal wären nach vier Monaten eher zwölf bis vierzehn...), es fallen aber immer wieder richtig grobe Schnitzer auf.
Ein paar Beispiele:
1. Bluttransfusion bei einem 21jährigen mit Erstdiagnose Colitis ulcerosa, weil der Hb von 14,4 auf 12,8 abfiel. Plus dreimal täglich Hb-Kontrolle...
2. Vorhofflimmern im EKG als Sinusrhythmus befundet. Dabei festgestellt: Er hat von EKG keine Ahnung.
3. Ansetzen eines "Blutverdünners" begründet durch einen Hämatokrit von 40%. Dabei festgestellt: Er hat auch von Antikoagulation keine Ahnung.
4. 1:1 Copy-und-Paste eines Arztbriefes von einem anderen Patienten mit vergleichbarem Krankheitsbild
Dazu kommen noch viele weitere größere und kleinere Schnitzer, die von der Pflege ausgebügelt werden (völlig wirre Blutentnahmen, unbegründete Antibiotikagaben, Clexane nicht angeordnet, Patientenverwechslungen etc.) oder von Kollegen rechtzeitig bemerkt und korrigiert werden.

Jetzt ist klar: Verantwortlich sind in erster Linie Chefarzt und Oberärzte. Diese treten das Problem aber z.T. nach unten weiter oder ignorieren es. An den Chef kommen weder wir noch die Oberärzte ran, er hält größte Stücke auf den neuen Kollegen (ohne ihn wirklich zu kennen). Bei den Oberärzten gibt es zwei Typen: Die eine Hälfte, denen der Stationsalltag am Arsch vorbeigeht, die den ganzen Tag in der Funktion verschwinden und kurz vor Feierabend in fünf Minuten die Kurvenvisite durchknallen.
Und die Interessierten, bei denen aber dann auch ständig das Telefon klingelt und die kaum Zeit für strukturierte Ausbildung haben.
Dazu kommen momentan noch Honorarkräfte, denen schlichtweg alles egal ist und die Supervision nicht als ihre Aufgabe sehen.
Letztendlich lautet der Tenor, dass wir ihn an die Hand nehmen sollen und alles mit ihm besprechen sollen.

Selbst wenn wir dafür die Zeit haben, klappt das jedoch nicht. Wir können nicht grundlegende Defizite in unserer Arbeitszeit nachschulen (ganz ehrlich: Wer sich durchs Studium gemogelt hat, ohne wenigstens EKG- und Medikamenten-Basics zu beherrschen, muss das in seiner Freizeit nachholen) und er trifft seine Entscheidungen alle ohne Rücksprache. Meistens ist, siehe Bluttransfusion, das Kind dann schon in den Brunnen gefallen.

Letztendlich sind wir uns im Assistentenkreis alle einig: Es klappt nicht. Patientenschäden sind schon passiert und es muss reagiert werden, bevor es zu einem wirklich kritischen Zwischenfall kommt. Leider haben wir Zweifel, dass der Chef reagieren wird.

Zwei Fragen an die Kollegen da draußen:
1. Sind solche Defizite nach vier Monaten plus vorhergehender Berufserfahrung entschuldbar?
2. Wie geht man in solch einer Situation am klügsten vor, wenn man weiß, dass der Chef eher nicht auf der eigenen Seite steht und die Hälfte der Oberärzte sich auch zumindest neutral verhält? Eine Kollegin wollte eine Unterschriftenliste starten, aber das sieht mir zu sehr nach Mobbing aus.

rafiki
21.03.2025, 10:00
Aha, jetzt gibt es das auch in der Somatik. In der Psycho-Medizin ist das nichts Neues und richtet täglich gravierende Schäden an, wobei von entsprechenden Leuten horrende Summen an Gehalt kassiert werden, ob in ANÜ oder Festanstellung - und leider findet man solche Typen bei uns auch auf (L)OA und CA-Ebene.

zu 1.: Natürlich nicht. So etwas dürfte nicht mal einem Famulanten passieren. Daher ist zu vermuten, dass er keinen medizinischen Abschluss hat.
zu 2.: Umgehend Ärztekammer informieren. Auf keinen Fall so etwas wie Unterschriftenliste, das wäre kindisch.

random-squirrel-199
21.03.2025, 10:04
Krasse Beispiele. Wahnsinn.
CIRS-Meldung, offizielle schriftliche Meldung an CA und Personal-OA (ggf. via Assistentensprecher:in), Ärztekammer.

mbs
21.03.2025, 10:48
Genau so was habe ich auch erlebt, als ich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Akutbereich rausgegangen bin.
In der Reha ist da normale Tagesordnung. Aber da sind wenigstens die Patienten nicht so krank.
Man braucht mittlerweile ja nichtmal ne Approbation um in Deutschland selbstständig zu arbeiten, und Dienste zu machen wo man der einzige Arzt weit und breit ist.
Einfach sagen "Isch Arzt in [Heimatland einfügen" und los gehts".

Wir können die Welt nicht mehr retten. Was solls.

Lakemond
21.03.2025, 16:51
Gute Stimmung und Arbeitsbedingungen? Der Chef und die Oberärzte sind aber schonmal ziemlich Scheiße...

origamifalter
21.03.2025, 18:00
Wenn der Verdacht nicht auf dich fällt, würde ich das anonym melden (CIRS), idealerweise läuft das Ganze über eine übergeordnete Instanz. Das Problem wird wahrscheinlich auch nicht Abteilung intern gelöst werden über deinen Chef. Er muss von oben beziehungsweise außerhalb Druck kriegen, sowas geht gar nicht. Ich hasse Denunziantentum, aber an dieser Stelle musst du das machen, weil du die Verantwortung für Patienten trägst.

hebdo
21.03.2025, 21:26
Objektiv betrachtet gibt es zwei Problembereiche - sprachlich und fachlich. Beide wirken auf die Behandlungsqualität, beide Bereiche müssen bearbeitet werden. Wichtiger sind Motivation und Umgang mit Fehlern/ Kritik. Und da fehlen mir die Informationen. Aus den Schilderungen sehe ich eher die Probleme auf der Ebene der Ausbilder. Auch erfahrene WBAssistenten sind meiner Meinung nach für die Ausildung jüngerer Kollegen mitverantortlich. Die alleinige Schuld auf den Kollegen zu wälzen, ist meiner Meinung nach falsch. Auch muss man die Ausbildungsunterschiede in verschiedenen Ländern berücksichtigen. EKG, BE, PVK, Sono etc. sind nicht überall ärztliche Aufgaben.

Aus eigener Erfahrung kann es bis zu einem Jahr dauern, gerade wenn sprachliche Defizite größer sind. Ich kenne viele positive aber auch negative Beispiele. Hauptprobleme waren eigentlich immer Motivation und Fehlerkultur.

origamifalter
21.03.2025, 22:16
Sprachliche Probleme sind etwas wo ich persönlich sehr tolerant und geduldig bin. Zumal unser System auch auf solche ausländischen Kollegen angewiesen ist. Wir brauchen Verstärkung und Manpower.

Hier sind allerdings fachliche Probleme geschildert, die so nicht toleriert werden können. Oder möchtest du bei einem HB von über 12 Blutkonserven bekommen, wenn du mal Patient irgendwo bist? Es gibt Leute mit sprachlichen Problemen, die fachlich top sind, das sieht allerdings nicht nach so einem Fall aus.

hebdo
22.03.2025, 06:34
Du hast recht und ich sehe im Anfangsbeitrag schwere fachliche Fehler. Keine Zweifel.

Aber ich sehe die Verantwortung auch bei den Vorgesetzten. Kollegen, die ihr Studium und ihre Ausbildung in anderen Gesundheitssystemen absolviert haben, brauchen am Anfang eine 1:1 Betreuung - 2 Wochen Einarbeitung sind bei einem muttersprachlichen Absolventen nicht ausreichend (wird trotzdem gemacht, ging mir auch so).

Ich bin mehr als 2 Jahre lang als „Honorararzt“ durch Deutschland getingelt und nach meiner Erfahrung ist das Hauptproblem fehlende Motivation,Kritikfähigkeit und Fehlerkultur. Manchmal reicht es wirklich nicht und dann liegt die die Versntwortung auch bei der Leitung, dass Arbeitsverhältnis zu beenden.

CIRS ist ein gutes Werkzeug, weil die Verantwortung direkt auf die GF und Klinikleitung geht. Da kann sich keiner mehr rausreden. Hatte einen Fall, wo der GF CIRS Meldungen missachtet hat und gerade so mit einer Bewährungsstrafe davongekommen ist.

Hat der Kollege eine Berufserlaubnis oder Vollapprobation?

Zilia
22.03.2025, 07:20
Ich verstehe nicht, warum solche Leute so oft vom Chef protegiert werden, obwohl sie so viel Schaden anrichten. Am schlimmsten ist das, wenn der Chef auch noch ein „Landsmann“ ist.
Bei meiner einen Stelle waren 2 Kollegen aus dem afrikanischen und arabischen Kulturkreis und beide waren entsetzlich herablassend zu uns Kolleginnen (KEINE sexuelle Belästigung, aber teilweise widerliche Misogynie). Fachlich und sprachlich waren sie gut. Außer ein 1-2 Krisengesprächen mit dem Chef bei dem einen hatte das keine Konsequenzen. Sie durften natürlich bleiben. Notfalls hat der eine halt die „Rassismus-Keule” ausgepackt (ich leugne damit keineswegs, das sie dem teilweise - allerdings nicht durch unser Team, eher durch Patienten /deren Angehörige- ausgesetzt waren, wenn man allerdings eigenes Fehlverhalten damit rechtfertigen will, ist das sehr fragwürdig).

origamifalter
23.03.2025, 12:08
Ich verstehe nicht, warum solche Leute so oft vom Chef protegiert werden, obwohl sie so viel Schaden anrichten. Am schlimmsten ist das, wenn der Chef auch noch ein „Landsmann“ ist.
Bei meiner einen Stelle waren 2 Kollegen aus dem afrikanischen und arabischen Kulturkreis und beide waren entsetzlich herablassend zu uns Kolleginnen (KEINE sexuelle Belästigung, aber teilweise widerliche Misogynie). Fachlich und sprachlich waren sie gut. Außer ein 1-2 Krisengesprächen mit dem Chef bei dem einen hatte das keine Konsequenzen. Sie durften natürlich bleiben. Notfalls hat der eine halt die „Rassismus-Keule” ausgepackt (ich leugne damit keineswegs, das sie dem teilweise - allerdings nicht durch unser Team, eher durch Patienten /deren Angehörige- ausgesetzt waren, wenn man allerdings eigenes Fehlverhalten damit rechtfertigen will, ist das sehr fragwürdig).

Leider ist das in der Medizin so üblich, dass Menschen gerne Leute protegieren, die Ihnen ähnlich sind. Also ich hab das in alle Richtungen erlebt. Der andere Aspekt mit der Mysogynie ist meiner Meinung nach besser behebbar. Wenn konkrete Aussagen gefallen sind in Anwesenheit von Zeugen, würde ich diese mit Gedächtnisprotokoll bei einer höheren Instanz einreichen. Auch Chefärzte geraten bei sowas schnell unter Druck. Alle Vorwürfe/Beschwerden an die Klinikleitung, welche in Richtung Rassismus, Sexismus etc. gehen kann sich kein Chefarzt leisten. Da wird er seine Günstlinge disziplinieren müssen.

hebdo
23.03.2025, 15:34
In der Medizin üblich?!?! In welcher Welt lebt ihr? Scheint als wäre alles außerhalb der Medizin ein Ponyhof.

Bonnerin
23.03.2025, 17:33
In der Medizin üblich?!?! In welcher Welt lebt ihr? Scheint als wäre alles außerhalb der Medizin ein Ponyhof.

Protegieren ist natürlich überall verbereitet.

Aber mal abgesehen von irgendwelchen Verwandschaftsbeziehungen ist es außerhalb der Medizin eher unüblich, dass irgendwelche Personen aus dem Ausland mit 0 Sprachkenntnissen eingestellt werden, deren Qualifizierung auch mehr als nur ein wenig fragwürdig ist.

hebdo
23.03.2025, 19:08
Stimmt so auch nicht - es gibt einige Bereiche, in denen Sprachkenntnisse weniger relevant sind. Und je höher der Personalmangel, desto toleranter gegenüber fachliche Defizite.

mbs
23.03.2025, 20:34
CIRS funktioniert nicht, sei aber schon seit Monaten in Arbeit. Anonym melden geht nicht. Wenn auch nur ein Verdacht aufkommt, dass irgendjemand irgendwas melden könnte wird er gemobbt, ist dann auch erstmal mit was anderem beschäftigt. Eine Kündigungswelle nach der anderen, jeden Monat ein neuer Honorararzt ohne Einarbeitung, "isch Arzt in Afghanistan" ohne Approbation, kommen und gehen auch ständig, kaum mehr jemand da vom Team, das ich vorfand als ich gekomme bin - Ende 2023.

Lachend und singend geht die Welt zugrunde - beziehungsweise das ist sie schon längst, es hat nur noch keiner bemerkt. Herzlichen Glückwusch.

Das Gute ist, dass es mir mittlerweile nichts mehr ausmacht. Gegen Narzissmus, Raffgier und Dummheit versucht man schon seit Jahrtausenden eine Lösung zu finden, macht dann doch immer nur Ablenkung durch Brot und Spiele bis alles voll an die Wand fährt und dann geht das Spiel wieder von vorne los.

Was soll man dazu sagen? Nichts. Irgendwie ist es auch wieder amüsant das mit anzusehen.

Ratsuchende
24.03.2025, 10:19
Danke für das Feedback.
Auf ein paar Sachen möchte ich noch eingehen:
1. Ich will nicht weg, da die Bedingungen wirklich gut sind. Es wird darauf geachtet, dass man an den allermeisten Tagen pünktlich heimkommt, Überstunden werden automatisch aufgeschrieben und zeitnah ausgeglichen. Die Dienstbelastung ist moderat. Dienstpläne werden ca. zwei Monate im Voraus erstellt und eingehalten. Es gibt ein Schreibbüro mit MFA, dass Briefe zu 3/4 vorschreibt. Wir dürfen 10 Tage im Jahr auf Fortbildungen, wenn sie halbwegs zur Tätigkeit passen setzt sich der Chef dafür sein, dass die Kosten übernommen werden. Wir haben zwei super Fachärzte, die mit uns Assistenten viel Teaching machen. Auch die meisten Oberärzte versuchen es, haben aber realistisch viel zu wenig Zeit. Ich kenne einige Studienfreunde in der Inneren und jeder ist auf mich neidisch... Nachteil ist, dass das Krankenhaus mitten im Niemandsland liegt, der Freizeitwert der Umgebung eher bescheiden ist und wir wirklich medizinisch nur die Basis abdecken und "fancy" Fälle die absolute Ausnahme sind. Ich halte die Bedingung für gut.
2. Bezüglich CIRS habe ich nachgefragt, haben wir nicht. Erfahrener Kollege sagte, dass sich CIRS-Fälle in einem kleinen Haus wie unserem sowieso schnell herumsprechen und damit Anonymität nicht gewährleistet wäre. Wir sollen die öffentlich verfügbaren Systeme nutzen (KH-CIRS usw.)
3. Das Hauptproblem ist der Kollege. Ich weiß nicht, ob er eine Approbation oder Berufserlaubnis hat, ich vermute aber letzteres. Es funktioniert momentan auf drei Ebenen nicht. Sprachlich, handwerklich und fachlich. Die Sprache kann man lernen, das braucht Zeit, ist klar. Das Handwerkliche wird in jedem Land anders ausgebildet, auch das ist klar. Aber die Medizin ist doch in jedem Land halbwegs gleich, oder? Ich glaube persönlich nicht, dass es Aufgabe des Arbeitgebers, der Oberärzte oder Kollegen ist, einem Menschen mit akademischem Studienabschluss die absoluten Basics beizubringen, angefangen von der Anatomie. Eine Kollegin hat mir erzählt, dass sie mit ihm Sono üben wollte und er nicht mal die Leber gefunden hat und die Niere fürs Herz hielt. Und er frägt auch nie um Hilfe, sondern werkelt einfach vor sich hin. Ich befürchte einfach, dass wir als Kollegen und v.a. die Fachärzte auf Station immer noch zu viele Fehler von ihm hintenherum korrigieren, so dass nach oben vielleicht gar nicht durchdringt, wie katastrophal es wirklich ist. Wobei eine Oberärztin schon gesagt hat, dass sie es für unverantwortlich hält, ihn alleine arbeiten zu lassen. Aber damit drang sie nach oben nicht durch, wir haben eigentlich die Auflage, ihm 12 Patienten alleine zuzuteilen. Wir geben ihm jetzt schon deutlich weniger und machen damit seine Arbeit mit.

Lakemond
24.03.2025, 10:28
Melden, melden, melden! Und zwar schriftlich an den CA.

Zilia
24.03.2025, 14:18
Ratsuchende: Keiner würde DIR raten, die Klinik zu verlassen! Warum auch.
Der Typ war mit seinem Nichtwissen doch wahrscheinlich nirgendwo Arzt. Selbst ein Fleischer würde im Sono die Leber finden und das Herz von der Niere unterscheiden können. Meldung an Ärztekammer, ggf. vorher Rechtsberatung via MB oder HB falls Du da Mitglied bist. Dieser Mensch bringt Leben in Gefahr!

SineNomine
27.03.2025, 06:46
Er ist die ersten zwei Wochen mit einem Facharzt mitgelaufen, wobei das Fazit schnell war, dass es wohl schwierig wird, da seine Deutschkenntnisse schlecht sind und er fachlich auch nicht wirklich fit ist.

wenn er als Assistent im ersten Jahr behandelt wird, sehe ich bis dahin kein Problem. Wir alle haben mal klein angefangen :-)


Ein paar Beispiele:
1. Bluttransfusion bei einem 21jährigen mit Erstdiagnose Colitis ulcerosa, weil der Hb von 14,4 auf 12,8 abfiel. Plus dreimal täglich Hb-Kontrolle...
2. Vorhofflimmern im EKG als Sinusrhythmus befundet. Dabei festgestellt: Er hat von EKG keine Ahnung.
3. Ansetzen eines "Blutverdünners" begründet durch einen Hämatokrit von 40%. Dabei festgestellt: Er hat auch von Antikoagulation keine Ahnung.
4. 1:1 Copy-und-Paste eines Arztbriefes von einem anderen Patienten mit vergleichbarem Krankheitsbild
Dazu kommen noch viele weitere größere und kleinere Schnitzer, die von der Pflege ausgebügelt werden (völlig wirre Blutentnahmen, unbegründete Antibiotikagaben, Clexane nicht angeordnet, Patientenverwechslungen etc.) oder von Kollegen rechtzeitig bemerkt und korrigiert werden.

wobei sich hier der Gedanke aufdrängt, was das für ein Medizinstudium war. Ich habe auch in meiner Assistenzzeit zwei vergleichbare Kollegen erlebt, einer aus einem Ostafrikanischen Land, einer aus einem asiatischen Land. Beide hatten erkennbar eigentlich keine grundlegende Ahnung von dem, was sie da eigentlich tun, haben aber von der Ärztekammer anscheinend die Berufserlaubnis bekommen.


Zwei Fragen an die Kollegen da draußen:
1. Sind solche Defizite nach vier Monaten plus vorhergehender Berufserfahrung entschuldbar?
2. Wie geht man in solch einer Situation am klügsten vor, wenn man weiß, dass der Chef eher nicht auf der eigenen Seite steht und die Hälfte der Oberärzte sich auch zumindest neutral verhält? Eine Kollegin wollte eine Unterschriftenliste starten, aber das sieht mir zu sehr nach Mobbing aus.

Das viel größere Defizit als Unwissen ist es, einfach irgendwas zu tun ohne zu wissen, was man eigentlich tut. Man kann und sollte nachfragen. Man muss zumindest lernwillig sein. Aber dann hilft es halt, Muttersprachler zu sein. Grundlegende Dinge der Medizin sind ja oft kein Hexenwerk und ein HWI oder ne dekompensierte Herzinsuffizienz oder ne Pneumonie sind ja Routinefälle, die jeder mit Sprachkenntnis schnell lernen kann.

Bei einer Kombination aus wenig Ahnung, Sprachbarriere und dann noch fehlender Einsicht sehe ich allerdings schwarz. Im Zweifel Überlastungsanzeige stellen, weil das ja an euch hängen bleibt. Ärztekammer kann man einschalten, aber da die den wie auch andere zugelassen haben - da sticht einer dem anderen wahrscheinlich kein Auge aus.


Sprachliche Probleme sind etwas wo ich persönlich sehr tolerant und geduldig bin. Zumal unser System auch auf solche ausländischen Kollegen angewiesen ist. Wir brauchen Verstärkung und Manpower.

Das Statement war vor 5-10 Jahren richtig, ist es jetzt eigentlich nicht mehr. Geht jetzt mehr um Verteilung, wie man auch in vielen Posts hier sieht - à la wer will in die brandenburgische Provinz