Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Kleine" Uniklinika?
BuonTabib
28.03.2025, 22:59
Hallo zusammen,
ich habe mal eine Frage bezüglich Uniklinika in Deutschland und der diesbezüglichen "Hierarchie".
Ich studiere im Ruhrgebiet und habe mich immer gefragt, inwiefern eigentlich die Häuser, die als Teil des "Bochumer Modells" jeweils als Universitätsklinika der RUB gelten, von anderen "richtigen" Uniklinika gesehen werden. Oder wie es sonst mit kleinerern Uniklinika ist, bzw. anderen Unis mit dezentralem System (wobei ich meine das Bochum da ein Unikum darstellt).
Natürlich, auch dort wird wie überall sonst Forschung betrieben, aber trotzdem hat man ja schlichtweg deutlich kleinere Häuser, die jeweils oft nicht eine große Bandbreite an Abteilungen haben. So hat von den drei großen Kliniken in Bochum nur eins eine Thoraxchirurgie, und kleinere Fächer wie Nephrologie sind gar nicht vertreten, das wäre dann z.B. konkret erst im benachbarten Herne. Haben solche Kliniken trotzdem das gleiche "Prestige" (ich hasse diesen Begriff, aber naja) wie andere Uniklinika, und ist es normal dass man dann auch von oft solchen Häusern zu "normalen" Uniklinika als OA wechselt oder wird das schwer? Wie sieht das in der Praxis aus?
RussianAngel
29.03.2025, 04:20
Wichtiger als irgendwelche Rankings ist, ob und wie Dich Dein Chef fördert…Gerade an den riesigen Uniklinika habe ich persönlich erlebt, dass es Chefs gibt, die einem bewusst die Karriere vernichten wollen…Keine Ahnung warum…Falls Du Dich gut dort betreut gefühlt fühlst, go for it! Andererseits ist es immer gut, gut lokal vernetzt zu sein, da dadurch die besten Stellenmöglichkeiten entstehen…Und klar, irgendjemand wird Dir immer sagen, dass die und die Klinik besser ist und nur da kann man dies und das machen…Du musst aber deinen Ort finden ( klingt banal, ist aber echt so)
Bochum ist sicher ein Sonderfall. Dazu kann ich nichts sagen.
Aber ganz allgemein:
1. Prestige muss nicht unbedingt etwas mit wissenschaftlichem Output zu tun haben.
2. Prestige muss nicht unbedingt etwas mit klinischer Qualität zu tun haben.
3. Prestige muss nicht unbedingt etwas mit guter Lehre im studentischen Bereich zu tun haben.
4. Prestige muss nicht unbedingt etwas mit guter Lehre im Bereich der Facharztweiterbildung zu tun haben.
5. Praktisch jedes Uniklinikum hat einzelne Kliniken mit hohem wissenschaftlichen Output, hat einzelne Kliniken mit hoher klinischer Qualität, hat aber auch einzelne Kliniken mit niedrigem wissenschaftlichen Output, hat einzelne Kliniken mit niedriger klinischer Qualität.
Warum fragst du denn? Was sind die Hintergründe deiner Frage?
Ich hab die Woche auch zufällig kurz darüber nachgedacht. Ich war auf ein kirchliches Haus gestoßen, das „Universitätsklinikum der RUB“ ist, glaube war sogar o. g. Herne. Klingt funny und widersprüchlich für mich. Ich stell mir vor, dass man dort schon Nachteile gegenüber anderen Unis hat, was die Infrastruktur für Forschung und Lehre betrifft und damit für eine Uni-Karriere mehr Hürden bestehen. Zuletzt frag ich mich auch, wie christliche Werte zur Wissenschaft stehen und die Kirche als Arbeitgeberin mit Wissenschaft zu vereinbaren ist.
Kackbratze
30.03.2025, 08:25
Den Konflikt zwischen "Kirche und Wissenschaft" sehe ich in unseren aufgeklärten Zeiten nicht wirklich. Wieder zuviel Dan Brown gelesen? ;-)
Ansonsten ist vorher ja schon geschrieben worden, wie die Lage ist. Das ist genauso in den angeschlossenen Häusern, d.h. Abteilung A fördert wissenschaftlichen Output, wobei der sich meist im klinischen Bereich abspielen wird, weil ein Haus wie Herne kein Experimentallabor bieten wird, andere Kliniken in dem Haus nutzen den akademischen Titel des Hauses für qualitativ hohe Ausbildung und Behandlung und dann gibt es Abteilungen, die einfach nur da sind.
BuonTabib
30.03.2025, 14:13
Ich danke euch für eure Antworten!
Also ist es zentral, was die konkrete Abteilung macht, und nicht das Haus als Ganzes.
StuartProwerFaktor
07.04.2025, 12:51
Ich bin seit Berufsbeginn in Bochum und bis dato an 2 Standorten, die zur RUB aber einem unterschiedlichen Träger gehören. Ich glaube es ist eher ein Vorteil, statt ein Nachteil. Das Einzige was fehlt ist vielleicht, dass man alles (bzw. nahezu alles) unter einem Dach hat, aber das scheint mir doch eher für klinische Aspekte relevant. Vorteilhaft zu einem Haus wie z.B. Heidelberg oder der Charite ist sicherlich, dass z.B. nicht erwartet wird das du forscht und das Druckpotential seitens der Chefs deutlich kleiner ist - genug gute Bewerber bekommt halt nicht mehr jede Abteilung. Je nach dem was einen interessiert, gibt es schon Abteilungen, die sehr weit vorne mitspielen (z.B. Derma oder Rheuma sind sehr groß und auch wissenschaftlich fleißig).
Kurzum: Wie schon eingangs beschrieben: Letztlich ist das Miteinander mit deinem Chef am wichtigsten, alles andere spielt unterm Strich eine eher kleinere Rolle und ist in Bochum vermutlich auch nicht wesentlich anders.
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