Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welches Fach passt am ehesten?
Intubiert
30.03.2025, 19:40
Kurze Geschichte zu mir: Ich habe angefangen, Medizin zu studieren, weil ich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht habe und es spannend fand, mit Blaulicht durch die Stadt zu fahren, und als Rettungssanitäter in vielen Fällen schnell und effektiv helfen konnte. Von da an wollte ich Notarzt werden mit der Fachrichtung Anästhesie.
Mit dem Fortschreiten des Studiums verblasste der Euphemismus und ich interessierte mich für keine Fachrichtung mehr. Ich sah nur noch die Schattenseiten eines jeden Fachgebiets.
Dann stellte mir ein guter Freund die plastische Chirurgie vor und sagte, dass man sich dort gut niederlassen und viel Geld verdienen könne, dass man selbständig sein und trotzdem einen handwerklichen Beruf ausüben könne und dass man einen guten sozialen Status habe. Also beschloss ich, während meines PJs plastische Chirurgie zu machen. Leider interessieren mich diese langen Lappenoperationen überhaupt nicht, obwohl sie aus mikrochirurgischer Sicht sehr anspruchsvoll sind. Das Endergebnis gefällt mir nicht, ganz egal, wie gut es gemacht ist. Dann wurde mir klar, dass ich mich nur für die Handchirurgie und die kosmetische Chirurgie interessiere. Mit den meisten Ärzten in diesem Bereich kann ich mich jedoch nicht identifizieren. Viele von ihnen sind eingebildet und unnahbar.
Jetzt überlege ich, in die Gefäßchirurgie zu gehen. Aufregende, manchmal lebensrettende Operationen. Der Nervenkitzel, den ich zu Beginn meines Studiums vermisst habe. Thromboendarteriektomien der Halsschlagader, Bauchaortenaneurysmen und vieles mehr. Leider ist es schwer, sich in diesem Bereich niederzulassen.
Beim Lesen dieses Forums ist mir aufgefallen, dass viele, wenn sie noch einmal die Wahl hätten, ein anderes Fachgebiet wählen würden. Die häufigste Wahl waren Anästhesie, Pathologie und Radiologie. Außerdem habe ich eine Umfrage gelesen, nach der plastische Chirurgen die glücklichsten Ärzte sind. Allerdings habe ich von einigen Anästhesisten gehört, dass sie weniger glücklich sind, nachdem sie Facharzt geworden sind und dass sie rückblickend ein anderes Fachgebiet bevorzugt hätten. Aber von einem plastischen Chirurgen habe ich das noch nie gehört. Ich weiß nicht, ich bin mir einfach nicht sicher, welches Fachgebiet für mich am besten geeignet ist. Pls help ;)
tragezwerg
30.03.2025, 19:53
Ganz ehrlich: du kannst jegliches Fach im Detail in pro und contra zerpflücken, es wird immer schlechte und gute Seiten geben. Für mich ist das relevanteste Kriterium zur Auswahl eines Fachs das Interesse daran. Medizin ist ein anstrengendes Metier, und wenn das Interesse am Fach an sich nicht da ist, hilft auch jeder bessere Verdienst etc. nicht weiter, wenn Nachtdienste und belastende Fälle einen beuteln.
Ich gehöre zu denen, die immer wieder ihr Fach wählen würden (Anästhesie). Ich liebe meinen Job, mir liegt die Arbeit in meinem Fach, und ich finde es super vielseitig usw..
Auch Argument wie "damit kann man sich nicht gut niederlassen" sind für den Anfang eher hinderlich. Weißt du denn überhaupt ob Arbeit in einer Praxis was für dich ist? Das kann man ja ohne jegliche Erfahrung gar nicht wirklich sagen.
Was ich sagen will: mach, was dich interessiert. Und wenn es nach einer Weile doch doof ist, dann mach was anderes. Als Mediziner kann man doch jederzeit umsatteln, und vieles sogar für einen anderen Facharzt anrechnen.
Hast du schonmal längere praktische Erfahrungen auf einer Gefäßchirurgie gemacht?
Ich war nach einer Woche Famulatur in einem kleinen Haus maximal gelangweilt- ach, noch ein Fempop Bypass bei einem Raucher? Wie toll...
Kackbratze
30.03.2025, 22:25
Aber die 50. Fettabsaugung bei einem Menschen der eher ein Problem zwischen den Ohren und ventral des Schädelknochens hat...soo satisfying.
Da Du ja aktuell nur Alles vom hörensagen her beschreibst wäre es vielleicht sinnvoll im Rahmen von Famulaturen oder freiwilligen Praktika sich die Fachbereiche anzuschauen.
Oder Du bleibst bei TikTok, Youtube und Co und suchst weiter nach dem Klischee, das zu Dir passt.
Jetzt überlege ich, in die Gefäßchirurgie zu gehen. Aufregende, manchmal lebensrettende Operationen. Der Nervenkitzel, den ich zu Beginn meines Studiums vermisst habe. Thromboendarteriektomien der Halsschlagader, Bauchaortenaneurysmen und vieles mehr. Leider ist es schwer, sich in diesem Bereich niederzulassen.
Ja, Aorten sind spannend. Ja, Carotis-TEAs sind wunderschöne, hochpräzise, hochstandardisierte Operationen bei unglaublich schöner Anatomie und Ästhetik...
ABER: schau dir die Zahlen an. bei ca. 500.000 Eingriffen an Gefäßen im Jahr sind ca. 15t Aorten, 30t Gefäßnotfälle, 32t Carotisstenosen aber auch 70-80t Amputationen, 100-200t vaskuläre Wunden und 300t Revaskularisationen der PAVK. So zumindest PD. Dr. Behrendt in einem seiner Vorträge.
Was heißt das? Du solltest auch die Patienten mögen und dich für Wunden interessieren. Viele Füße und PAVKler haben leider ein gewisses Pflegeproblem und die Füße kommen dann nicht nur mit Wunden sondern auch über längere Zeit völlig falsch behandelt. Da werden über die Wunden immer wieder Dinge drüber geklebt bis die Sache so stinkt, dass die Patienten ins Krankenhaus gebracht werden. Und dann macht man sie ein einziges Mal sauber (im OP) und ab dann sind es saubere Wunden aber halt noch chronisch schwierige Wunden. Und dann kümmert man sich um die Begleitprobleme im Sinne einer Revaskularisierung und plötzlich heilen Wunden wieder...
Will sagen: Aorten + Carotiden + wilde Sachen sind das Zuckerl, PAVK und Wunden sind das Brot- und Butter-Geschäft.
Niederlassung ist möglich, es gibt genug die sich zur Behandlung von Varizen niederlassen. Niedergelassene die noch Aorten und Carotiden operieren sind eher weniger, gibt es aber auch. Aber was stört dich an der Klinik? Unterschätze nicht die Vorteile...
Für mich ist die Gefäßchirurgie super. Man macht tatsächlich beeindruckende Sachen, kann kreativ endovaskuläre und offene Verfahren kombinieren, kann fast alle Diagnostik und Therapie selbst erledigen (Duplexsonographie, Angiographie etc.), man hat immer wieder spannende Komplikationen der Kollegen oder echt wilde Unfälle etc. Und bei uns ist es auch so dass ich Freiheiten hab. Es gibt Tage an denen ist viel los und andere an denen ist es entspannt. Und in Absprache mit den Kollegen können wir uns viel selbst einteilen. Ich hab meine Wahl nicht bereut, ich hab aber auch noch in keinster Weise verstanden was du eigentlich suchst. Die eierlegende Wollmilchsau? Hohes Prestige, hoher Verdienst, glücklich sein, Nervenkitzel, Niederlassung?
PC wenn man keine Lappen-OPs mag? Bitte nicht! GC hat eine seeeehr spezielle Klientel, die man wirklich mögen muss (so nach dem Motto: „Lieber Fuß ab als eine Zigarette weniger“).
Bender B. Rodriguez
31.03.2025, 07:31
Zum Thema Gefäßchirurgie solltest du wirklich mal Anignus Beiträge in diesem Forum durchforsten.
Der gibt hier seit Jahren detaillierte und m.E. auch ungeschönte Einblicke. Und kann seine Begeisterung für das Fach wunderbar beschreiben.
Jukka666
31.03.2025, 09:27
Kurze Geschichte zu mir: Ich habe angefangen, Medizin zu studieren, weil ich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht habe und es spannend fand, mit Blaulicht durch die Stadt zu fahren, und als Rettungssanitäter in vielen Fällen schnell und effektiv helfen konnte. Von da an wollte ich Notarzt werden mit der Fachrichtung Anästhesie.
(..)
Pls help ;)
Wichtiges wurde bereits gesagt, aber aus meiner persönlichen Sicht kann ich nur folgendes hinzufügen bzw. fragen:
- mir ist nicht klar, in welchem Semester du bist?
- davon abhängig ist mein Ratschlag auch: nicht mehr darüber nachdenken. Examen machen, das PJ allerhöchstens nach Interesse planen und auch das ist eine nicht unbedingt entscheidende Wahl, denn das Leben spielt oft anders.
- Ich persönlich habe zum Beispiel immer den Wunsch gehabt, Chirurg zu werden, habe sieben Famulaturen in der Chirurgie gemacht, nur die Pflichtfamu Innere und eine Wunsch-Famulatur Radiologie. im PJ hatte ich Pädiatrie und ich bin nach dem Studium auch in die Chirurgie gegangen, habe vor allem Gefäßchirurgie gemacht, weil mein PJ in der Gefäßchirurgie in Italien fantastisch war, und ich das Fach nach wie vor sehr liebe. Mit allen Einschränkungen, die hier schon genannt wurden.
Und was ist dann passiert? Ich habe ein Jahr lang als Chirurg gearbeitet, war auch sehr zufrieden, musste wegen der Weiterbildung wechseln, das war alles geplant. Und habe dann über mehrere Ecken Anästhesie ausprobiert: (Zitat): "Intubationen lernen kann nicht schaden"...(Was für eine naive Motivation eigentlich).
Und ZACK: seit 16 Jahren Anästhesie...und bereue nichts, wobei ich mehrfach Dinge ausprobiert habe.
Keine Anästhesie-Famulatur und kein Anästhesie-PJ...im Studium fand Ichs sterbenslangweilig...
Soll hier keine Werbung für Anästhesie werden, aber nur kurz: in unserem Fach gibt es grob drei Gruppen: die Intensiv-Leidenschaftler, die ihre Nische in der ICU finden und OP sterbenslangweilig finden (weil "Fließband") und die OPler/Notfallmediziner, die happy sind, den ganzen Tag neue Cases zu machen, inkl. wieder anderer Nischen (Regionalanästhesie zB. bei mir oder OP-Koordination oder Spezial-Anästhesien wie Trans/Kinder/Neuro/Herz etc.).
UND dann die, die beides langweilig finden, weil sie die Anerkennung nicht kriegen, sich nur als Dienstleister degradiert fühlen und es eintönig finden.
Das stellt sich aber erst im Verlauf raus, am Anfang überwiegt der Thrill wegen des doch Jahrelang tragenden Wissenszuwachs bei Skills, Anatomie, Pharmakologie und der ganzen bunten blinkenden und piepsenden Maschinen.. Das verblasst alles und dann bleibt das reine Skelett übrig, das man mögen muss.
Ich würde nicht sagen, dass wir per se bessere Notfallmediziner sind, aber es ist ein gutes Skelett hierfür.
Arbeitsalltag ist ebenfalls "Geschmack": gut reguliert und strukturiert, man kommt zum Essen und die Dienste sind je nach Haus wie überall anstrengend oder nicht.
- Will sagen: wähle dein Fach nicht aus Prestige, sondern probier das aus, was du dir am Anfang für mind. 1 Jahr für 8 h täglich vorstellen kannst.
- Wenn du Menschen nicht gern anfasst oder Füße hasst, macht man keine Gefäßchirurgie oder Innere oder Chirurgie etc. (oder Derma etc). Das wird qualvoll.
Aber ausprobieren kann man vieles. Wähle auch das PJ nicht unbedingt nach Vernunftgründen, sondern probier dich aus.
Im Laufe des Berufslebens merkt man Kollegen sehr wohl an, wenn sie ihr Fach nur aus Geldgründen machen: wir haben durchaus auch orthopädische Kollegen, denen sieht man das im Gesicht an...
Und dann gibts da Handchirurgen, die mögen schwierige Charaktere sein, aber die operieren leidenschaftlich und das finde ich persönlich schön anzuschauen.
Unterhalte dich so oft du kannst mit genau DIESEN Menschen (mit beiden!) und stelle vorsichtige Fragen, warum sie ihr Fach "gerne machen" .. :-)
Intubiert
31.03.2025, 15:49
Ja, Aorten sind spannend. Ja, Carotis-TEAs sind wunderschöne, hochpräzise, hochstandardisierte Operationen bei unglaublich schöner Anatomie und Ästhetik...
ABER: schau dir die Zahlen an. bei ca. 500.000 Eingriffen an Gefäßen im Jahr sind ca. 15t Aorten, 30t Gefäßnotfälle, 32t Carotisstenosen aber auch 70-80t Amputationen, 100-200t vaskuläre Wunden und 300t Revaskularisationen der PAVK. So zumindest PD. Dr. Behrendt in einem seiner Vorträge.
Was heißt das? Du solltest auch die Patienten mögen und dich für Wunden interessieren. Viele Füße und PAVKler haben leider ein gewisses Pflegeproblem und die Füße kommen dann nicht nur mit Wunden sondern auch über längere Zeit völlig falsch behandelt. Da werden über die Wunden immer wieder Dinge drüber geklebt bis die Sache so stinkt, dass die Patienten ins Krankenhaus gebracht werden. Und dann macht man sie ein einziges Mal sauber (im OP) und ab dann sind es saubere Wunden aber halt noch chronisch schwierige Wunden. Und dann kümmert man sich um die Begleitprobleme im Sinne einer Revaskularisierung und plötzlich heilen Wunden wieder...
Will sagen: Aorten + Carotiden + wilde Sachen sind das Zuckerl, PAVK und Wunden sind das Brot- und Butter-Geschäft.
Niederlassung ist möglich, es gibt genug die sich zur Behandlung von Varizen niederlassen. Niedergelassene die noch Aorten und Carotiden operieren sind eher weniger, gibt es aber auch. Aber was stört dich an der Klinik? Unterschätze nicht die Vorteile...
Für mich ist die Gefäßchirurgie super. Man macht tatsächlich beeindruckende Sachen, kann kreativ endovaskuläre und offene Verfahren kombinieren, kann fast alle Diagnostik und Therapie selbst erledigen (Duplexsonographie, Angiographie etc.), man hat immer wieder spannende Komplikationen der Kollegen oder echt wilde Unfälle etc. Und bei uns ist es auch so dass ich Freiheiten hab. Es gibt Tage an denen ist viel los und andere an denen ist es entspannt. Und in Absprache mit den Kollegen können wir uns viel selbst einteilen. Ich hab meine Wahl nicht bereut, ich hab aber auch noch in keinster Weise verstanden was du eigentlich suchst. Die eierlegende Wollmilchsau? Hohes Prestige, hoher Verdienst, glücklich sein, Nervenkitzel, Niederlassung?
Also noch zur Ergänzung: Ich bin gerade im 2. Tertial in meinem Wahlfach (Plastische) Ich habe bisher eine Famulatur in der Anästhesie gemacht und eine 6-wöchige Rotation in der Herz-/Gefäßchirurgie. Alles an einer großen Universität.
Mir ist aufgefallen, dass der Saal bei uns in der Gefäßchirurgie gefühlt zu 85% aus TEAs und BAAs besteht. Der Rest sind meistens Notfallanmeldungen (irgenwelche zerissenen Gefäße oder akute Ischämien). Die von dir angesprochenen Bread and Butter OPs der GCH habe ich in den 6 Wochen hier nicht gesehen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht warum. Vielleicht weil sich die Gefäßchirurgen an unserer Uni die Rosinen rauspicken können oder weil die septische UCH auch einen Teil der von dir angesprochenen OPs übernimmt.
Grüße Intubiert
Intubiert
31.03.2025, 16:00
Wichtiges wurde bereits gesagt, aber aus meiner persönlichen Sicht kann ich nur folgendes hinzufügen bzw. fragen:
- mir ist nicht klar, in welchem Semester du bist?
- davon abhängig ist mein Ratschlag auch: nicht mehr darüber nachdenken. Examen machen, das PJ allerhöchstens nach Interesse planen und auch das ist eine nicht unbedingt entscheidende Wahl, denn das Leben spielt oft anders.
- Ich persönlich habe zum Beispiel immer den Wunsch gehabt, Chirurg zu werden, habe sieben Famulaturen in der Chirurgie gemacht, nur die Pflichtfamu Innere und eine Wunsch-Famulatur Radiologie. im PJ hatte ich Pädiatrie und ich bin nach dem Studium auch in die Chirurgie gegangen, habe vor allem Gefäßchirurgie gemacht, weil mein PJ in der Gefäßchirurgie in Italien fantastisch war, und ich das Fach nach wie vor sehr liebe. Mit allen Einschränkungen, die hier schon genannt wurden.
Und was ist dann passiert? Ich habe ein Jahr lang als Chirurg gearbeitet, war auch sehr zufrieden, musste wegen der Weiterbildung wechseln, das war alles geplant. Und habe dann über mehrere Ecken Anästhesie ausprobiert: (Zitat): "Intubationen lernen kann nicht schaden"...(Was für eine naive Motivation eigentlich).
Und ZACK: seit 16 Jahren Anästhesie...und bereue nichts, wobei ich mehrfach Dinge ausprobiert habe.
Keine Anästhesie-Famulatur und kein Anästhesie-PJ...im Studium fand Ichs sterbenslangweilig...
Soll hier keine Werbung für Anästhesie werden, aber nur kurz: in unserem Fach gibt es grob drei Gruppen: die Intensiv-Leidenschaftler, die ihre Nische in der ICU finden und OP sterbenslangweilig finden (weil "Fließband") und die OPler/Notfallmediziner, die happy sind, den ganzen Tag neue Cases zu machen, inkl. wieder anderer Nischen (Regionalanästhesie zB. bei mir oder OP-Koordination oder Spezial-Anästhesien wie Trans/Kinder/Neuro/Herz etc.).
UND dann die, die beides langweilig finden, weil sie die Anerkennung nicht kriegen, sich nur als Dienstleister degradiert fühlen und es eintönig finden.
Das stellt sich aber erst im Verlauf raus, am Anfang überwiegt der Thrill wegen des doch Jahrelang tragenden Wissenszuwachs bei Skills, Anatomie, Pharmakologie und der ganzen bunten blinkenden und piepsenden Maschinen.. Das verblasst alles und dann bleibt das reine Skelett übrig, das man mögen muss.
Ich würde nicht sagen, dass wir per se bessere Notfallmediziner sind, aber es ist ein gutes Skelett hierfür.
Arbeitsalltag ist ebenfalls "Geschmack": gut reguliert und strukturiert, man kommt zum Essen und die Dienste sind je nach Haus wie überall anstrengend oder nicht.
- Will sagen: wähle dein Fach nicht aus Prestige, sondern probier das aus, was du dir am Anfang für mind. 1 Jahr für 8 h täglich vorstellen kannst.
- Wenn du Menschen nicht gern anfasst oder Füße hasst, macht man keine Gefäßchirurgie oder Innere oder Chirurgie etc. (oder Derma etc). Das wird qualvoll.
Aber ausprobieren kann man vieles. Wähle auch das PJ nicht unbedingt nach Vernunftgründen, sondern probier dich aus.
Im Laufe des Berufslebens merkt man Kollegen sehr wohl an, wenn sie ihr Fach nur aus Geldgründen machen: wir haben durchaus auch orthopädische Kollegen, denen sieht man das im Gesicht an...
Und dann gibts da Handchirurgen, die mögen schwierige Charaktere sein, aber die operieren leidenschaftlich und das finde ich persönlich schön anzuschauen.
Unterhalte dich so oft du kannst mit genau DIESEN Menschen (mit beiden!) und stelle vorsichtige Fragen, warum sie ihr Fach "gerne machen" .. :-)
Genau so ist es. Am Anfang ist die Anästhesie wahrscheinlich das Fach mit der steilsten Lernkurve, weil man auch sehr viel praktisch machen kann. Ich durfte in der Famu eine komplette Narkose leiten und hatte das Gefühl, dass ich das als Student im 7. Semester noch nicht können sollte. Natürlich war es ein ASA I Pat. und ich hatte reichlich Hilfe bei der Intubation ;) Bei einem kritisch kranken Pat. wäre das wahrscheinlich anders. Jedenfalls finde ich deine Überzeugung für das Fach nach all den Jahren sehr cool. Das ist nicht bei allen so, zumindest nicht bei denen, mit denen ich gesprochen habe. Ich werde mich wahrscheinlich in jedem der drei Fächer bewerben und mal schauen, welche Optionen ich habe. Zumindest waren die Teams in der Anästhesie und Gefäßchirurgie immer am coolsten ;)
Grüße Intubiert
Jedes Fachgebiet, auch jeder Beruf außerhalb der Medizin hat seine nervigen Seiten. Bleib doch im Rettungsdienst, wenn es da für dich hauptsächlich Positives gibt.
Im Leben gilt es immer abzuwägen. Es gibt nicht nur Positives; selbst bei den Kollegen die für ihr Fach total brennen.
1. Der Nervenkitzel scheint dir sehr wichtig zu sein. Gleichzeitig willst du dich niederlassen. Das wird nicht ganz einfach miteinander zu kombinieren sein.
2. Einen "guten sozialen Status" (in Wahrheit meinst du damit, glaube ich, ein gutes Einkommen - was ganz was anderes ist!) hat wohl jeder Arzt.
3. Viele hätten gerne gewechselt - aber noch mehr wohl nicht. Die Unzufriedenen werden im Durchschnitt natürlich deutlich häufiger ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen als die Zufriedenen ihrer Zufriedenheit.
4. Du willst IMHO was bodenständiges, brauchst Action, brauchst Anerkennung. Mach UCH. Da hast du Action und kannst dich aber über die orthopädische Schiene auch niederlassen. Gyn kommt mir auch in den Sinn - ein extrem vielfältiges Fach, und in der Geburtshilfe je nach Versorgungsstufe auch viel Action. Bei Anästhesiologie frage ich mich, ob du mit der Rolle des Dienstleisters zurechtkommen wirst - klingt so, als könnte dir das evtl. schwer fallen. Außerdem auch da das Problem der Niederlassung, denn die Action der Schmerztherapie ist wahrscheinlich nicht die, die du suchst (bzw. brauchst).
5. Man kann diese Fragestellung nicht rein logisch-theoretisch angehen, sondern muss einfach schauen, in welchem Fach man sich wohl fühlt, wo es einem Spaß macht. Deshalb mein üblicher Vorschlag: Je eine Woche Hospitation in diesen drei Fächern, dann wirst du spüren, was am ehesten zu dir passt.
Die Jahre der Action-Suche gehen vorüber, beim einen früher, beim anderen später, aber irgendwann in jedem Fall.
Jukka666
01.04.2025, 14:39
Die Jahre der Action-Suche gehen vorüber, beim einen früher, beim anderen später, aber irgendwann in jedem Fall.
Jein, würde ich sagen.
Die Jahre der Action-"SUCHE" werden sicherlich weniger, aber ich kann nur von mir selbst sprechen, dass Jobs und Tätigkeiten, in denen gar keine Action mehr stattfindet, einen immer noch frustrieren können und man seinen aktuellen Job vielleicht genau deshalb noch macht, WEIL es ein gewisses Maß an "Action" gibt.
Beispiele:
- Ich war kurze Zeit in der Industrie (Homeoffice, Reisen, Tätigkeiten im OP/Lab etc.), dabei aber selten was praktisches mit "Action". Und was habe ich vermisst?
- Ich bin als Notarzt tätig, da gefällt mir die Action hin und wieder. Öfters nervt sie mich auch, klar.
- Anästhesie im OP: teilweise den ganzen Tag ohne Pipipause rumrennen, koordinieren, Wechsel, Blöcke, Narkosen etc. Rea-Alarm, Schockraum. Das würde mir fehlen, das gefällt mir.
Ich würde mir zum jetzigen Zeitpunkt schon Jobs suchen, die so etwas bieten, aber sie stellen keine Absolute Grundvoraussetzung dar, dass ich mich aufgewertet fühle.
Meine Frau hats beim MD probiert, fand sie sterbenslangweilig.
Wenn die Suche nach Action aufhört, oder weniger wird, heisst es aber nicht, dass man dann mit keiner Action glücklicher wird.
Nur dieses getriebene nach vorne wird weniger, das stimmt.
Die Jahre der Action-Suche gehen vorüber, beim einen früher, beim anderen später, aber irgendwann in jedem Fall.
Das glaub ich nicht.
sensation seeking ist ja doch ein Persönlichkeitsmerkmal, das somit per definitionem (und auch empirisch) relativ zeitstabil ist, das eine starke genetische Komponente hat.
Ich würde eher sagen, dass das sensation seeking im Laufe des Lebens tendenziell abnimmt (wahrscheinlich auch einfach durch körperliche und durch familiäre Veränderungen, die das Älterwerden mit sich bringt, bedingt) - aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass diejenigen, die als junge Erwachsene sensation seekers waren, im späteren Leben in dieser Dimension hinter die zurückfallen, die es als junge Erwachsene nicht waren.
Jemand, der als junger Erwachsener rastlos war und ständig Action brauchte, wird wahrscheinlich auch mit 50, im Vergleich zur Altersgruppe insgesamt, eher zu jenen gehören, die rastlos sind und ständig Action brauchen - aber halt wahrscheinlich auf einem etwas niedrigeren, etwas entspannteren, etwas weniger stressigen und etwas weniger riskanten Niveau.
Sensation seekingable bin ich auch, aber ich brauche keine Nächte im Vordergrund an einem 400-Bettenhaus mit 5 geschlossenen Stationen mit Selbstverstümmlern, Suizidenten und Gewalttätigen mehr, was ich als Assi geliebt habe. Denn diese Persönlichkeitstendenz kann man auch sehr viel gediegener ausleben ;-)
kaffeesuchti
03.04.2025, 23:46
Fang die Fachrichtung an, die dich am meisten interessiert, bleib für alles offen und hab Mut zum Wechseln.
Dein Bild von der Medizin, von den Fachrichtungen, den Interessen und vom sensation seeking kann/wird sich nochmal stark verändern sobald du irgendwo wirklich als Arzt tätig bist und es auch ca. 1 Jahr lang gemacht hast. Auch PJ, Famulaturen und Hospitationen werden das echte Feeling nicht zu 100% wiederspiegeln. Auch was Stress und Verantwortung der jeweiligen Fachrichtungen angeht.
Hast du auch noch nachts um 3 Bock auf action, nachdem du schon seit 7 Uhr morgens die Station bügelst? Vielleicht schon, weil es dich dann mega erfüllt. Aber wirklich wissen wirst du es erst, wenn du es mal ausprobiert hast.
Bin selber kein Anästhesist, kenne aber viele im Bekanntenkreis und würde alles was Jukka666 dazu geschrieben hat zu 100% unterschreiben. Es ist ein wunderschönes und größtenteils angenehmes Fach mit sicherlich den zufriedensten Assistenzärzten. Die langfristige Zufriedenheit ist allerdings doch recht variabel. Keineswegs schlecht aber einfach nicht jedermanns Ding.
Wenn du Interesse an etwas chirurgischem hast, würde ich zuerst das ausprobieren. Du kannst dann später easy in die Anästhesie wechseln, wenns dir nicht gefällt. Wenn du aber andersrum erstmal einen Fuß in die Anästhesie gesetzt hast wirst du kaum auf die andere Seite des Tuches wechseln wollen und die Reue kommt evtl. erst viele Jahre später.
Ich sage immer gern: man sucht sich nicht die Fachrichtung aus, sondern die Fachrichtung sucht sich einen aus. Bis zum Innere-PJ-Tertial wollte ich immer Innere machen. Seit dem Tertial war Innere dann komplett raus :D Das Anästhesie-Tertial wollte ich nur des Intubierens wegen machen und bin jetzt seit sieben Jahren Anästhesist. Weil ich von Interessen, mindset und Fähigkeiten glaube ich der typische Anästhesist bin. "Anästhesie ist von allem so ein bisschen, aber von nichts so richtig Ahnung" sagte eine ehemalige Oberärztin mal zu mir und das passt irgendwie ganz gut. Es ist ein unheimlich breites Fach. Das merkt man aber erst, je länger man darin arbeitet. Dieses im PJ mal ne ASA I Narkose selbst machen und dann denken "okay, ich hab Anästhesie verstanden" spiegelt es halt überhaupt nicht wieder.
Ich wollte bis kurz vor dem M3 ganz definitiv Anästhesie und ganz sicher nichts anderes machen. Da konnte auch das Anästhesie-PJ nichts ändern. Und dann hab ich aus pragmatischen Gründen in der Inneren angefangen und wollte nach einem Jahr ganz sicher in die Anästhesie wechseln.
Jetzt bin ich Fachärztin für Innere Medizin :-nix
Überlege manchmal schon noch, ob ich nicht doch auch noch Anästhesie machen soll aber dann hab ich mich nach dem Facharzt doch wieder dagegen entschieden und stattdessen eine internistische Subspezialisierung begonnen. Aber vielleicht danach dann noch… wird werden sehen, was noch so kommt.
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