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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : WB Nuklearmedizin



Moosachat
14.06.2025, 11:54
Hallo,

ich würde gern wissen, ob jemand hier Erfahrungen in der Nuklearmedizin gemacht hat, insbesondere was die Weiterbildung angeht.
Worauf kommt es bei einer guten Assistenzarzt-Stelle in diesem Nischenfach an?
Wahrscheinlich sollte es ein möglichst großes Haus sein, in dem ein breites Spektrum an Untersuchungen/ Therapien mit verschiedenen Tracern angeboten wird? Wie sind die Dienste normalerweise organisiert (Visitendienste für Station am Wochenende sind klar; aber gibt es weitere Dienste wie Bereitschafts- oder Rufdienste und wenn ja, wie viele sind normal?)? Die Strahlenschutz-Kurse werden hoffentlich vom Haus bezahlt, oder? Sind ja schon 4-stellige Summen....

Könnt ihr mir Empfehlungen geben, gern auch per PN, welche Häuser für Nuk eine gute bzw. ausführliche und strukturierte WB haben?

Vielen Dank
Moosachat

Mistermeo
14.06.2025, 14:01
Hey!

Die Weiterbildung im wundervollen Fach Nuklearmedizin kann ich uneingeschränkt empfehlen. In meinem Falle habe ich in den bisherigen Jahren kaum Überstunden gesammelt, aber das ist auch stark abhängig von einem selbst. Am Anfang wars etwas schwierig für mich rein zu finden, weil ich das Fach so gar nicht auf dem Schirm hatte. Dienste sind idR Rufdienste, in denen man nicht angerufen wird (ich wurde genau 2x bisher angerufen für unkomplizierte Dinge). Aber auch das ist sicherlich abhängig vom Haus.
Wichtig finde ich, dass man möglichst viel konventionelle Nuk sieht. PET/CT oder PET/MRT macht man an einer UK ohnehin genug, die konventionelle Nuk geht da gerne schnell etwas unter. Es bringt dir halt nicht viel, wenn du 3000 PET/CT befundet hast, aber keine Nierenszintigraphie befunden kannst.

Für Nuk sind Unikliniken selbstverständlich die beste Anlaufstelle, da diese Abteilung häufig (nicht immer!) über einen Zyklotron verfügen und gewisse PET-Tracer, die man nicht so einfach erwerben kann oder aufgrund der HWZ nicht beschaffen extern beschaffen kann, selbst herstellen und nutzen. Schau dir einfach die UK in deiner Nähe an.

In meinem Fall sind alle Kurse ohne gemecker bezahlt worden, auch der Ausflug zur DGN Tagung ohne Probleme.

Chazo
14.06.2025, 18:42
Hey,

kann Mistermeo zum großen Teil zustimmen, als kleiner anderer Einblick aus unseren Hause:
Wir haben 4 verschiedene Arbeitsplätze (SD-Ambulanz, Station, Konventionelle Nuk, PET), i.d.R. von jeweils einem AiW besetzt, beim PET sind immer 2 eingeteilt.
Was Facharztkatalog angeht, bekommt man seine Untersuchungszahlen in der Ambulanz, auf Station und im PET in der Uniklinik eigentlich ziemlich schnell (ggf. Engpässe bei SD-Punktionen und je nach Schwerpunkt der Station auch bei benignen SD-Therapien bzw. Radiojodtests). Wenn deine anvisierte Klinik keine Lutetium177-Therapien macht, sondern nur Radiojodtherapien, sind diese Zahlen etwas schneller zu erreichen.
Das Nadelöhr bei uns (Uniklinik) ist wie schon angedeutet die konventionelle Bildgebung, d.h. insbesondere Knochen-/Nieren-/Myokardszintigraphien, ggf. Lungenszintigraphien, da man lt. Katalog davon viele Untersuchungen braucht, aber da die Station und das PET deutlich lukrativer sind, da natürlich an MTR-Kapazität gespart wird (und die Anwesenheit von MTR ist zumindest bei uns der limitierende Faktor an Untersuchungszahlen).

Grundsätzlich sollte das Haus natürlich überhaupt über eine Therapiestation verfügen (sonst muss man dafür noch an ein anderes Haus rotieren), auch im PET sollte man genauer hingucken wie die Organisation ist.
Bei uns werden die PET/CTs komplett eigenständig von der Nuk befundet, die Radiologen geben die Befunde nur noch frei (dafür wird jeder Befund kurz demonstriert, ein Rad-OA gibt dann im Laufe des Tages den CT-Teil frei).

Empfehlenswert ist somit m.M.n. nach einer langen Rotation im PET und auf Station (1 Jahr PET und 6 Monate Station wäre wohl so das Mindestmaß) auch ein Wechsel in ein kleineres Haus oder sogar eine Praxis in Betracht zu ziehen, die deutlich höhere Untersuchungszahlen der Szintigraphien haben (und natürlich mehr Schilddrüse). Die genaue Verteilung sollte man dann davon abhängig machen, wo man später landen möchte. Mehr als 1 Jahr Station bringt einem vermutlich wenig, wenn man später in eine Praxis möchte, insbesondere mit den Lutetium177-Therapien hat man dann sowieso nichts mehr zu tun. Wer sich als OA in der Uniklinik sieht muss natürlich forschen, sonst hat man zumindest bei uns keine Chance. Für periphere Häuser ist eine breitere Ausbildung (insb. viel PET und Station (Pluvicto/Lutathera-Erfahrung), damit hebt man sich einfach am ehesten ab) sicherlich sinnvoll.

Die Arbeitsbedingungen sind vermutlich sehr ähnlich, bei uns hat man am Wochenende nur einen kurzen Dienst wo man die Pat. messen und einmal "visitieren" muss. Du musst bedenken, dass zumindest bei uns keine Pat. aufgenommen werden, die sich nicht eigenständig versorgen können. Somit sind Begleitprobleme der Pat. nur selten vorhanden, die Therapien selbst sind ja gut verträglich. Probleme machen da öfter eigentlich nur RR-Entgleisungen von M. Basedow Pat., weiteres tritt eher sporadisch auf.
Rufdienst bedeutet bei uns das Telefon mitzuführen, meist wird man tagsüber von Klinikern angerufen, die Befundauskünfte haben möchten, die leitet man i.d.R. an die KollegInnen der Arbeitsplätze weiter. Abends gibt es kaum Anrufe, auf der Station ist das meiste was man so benötigt bereits im Bedarf angesetzt. Wir haben das Telefon aktuell ca. eine Woche pro Monat dabei, weil wir aktuell schlecht besetzt sind.

Worauf solltest du m.M.n. mehr achten: Wie läuft die Aufklärung der Pat., wer legt die Zugänge, wer appliziert das Radiopharmakon. Bei uns alles Aufgabe der AiW, was dazu führt, dass man sehr lange mit dem Vordergrund beschäftigt ist. Wenn man mit anderen Abteilungen spricht, wird da z.B. der Ablauf der Untersuchung schon von den MTR vorerzählt, somit kann man die Aufklärung deutlich verkürzen. Auch die Zugänge und das Applizieren wird dort von den MTR übernommen, wodurch man selbst wirklich nur noch Befunden braucht (deutlich angenehmer!).
Dann gerne fragen, wer für die Kurse aufkommt, bei uns darf man alles selbst bezahlen (ohne Grundkurs wird man nicht eingestellt, der Spezialkurs ist eigenes Vergnügen vor dem Facharzt).
Weiterhin sollte man in Erfahrung bringen, wie die Befundung der Hybridbildgebung abläuft, bei uns hat man den Vorteil, dass man auch den CT-Teil erlernt, dadurch, dass man alles Befunden muss. Dazu muss man aber sagen, dass wir i.d.R. nur low-dose CTs fahren, mit der Qualität dieser Bilder muss man auch erst einmal klar kommen. Gibt Kliniken, die deutlich mehr diagnostische CTs fahren, die dann aber auch von den Radiologen übernommen werden.
Hier wäre dann eine Rotation in die Radiologie zu empfehlen (1 Jahr wird angerechnet).

Als sehr wichtig ist auch die Organisation um die Station und den Untersuchungen zu erfragen. Ich habe hier z.B. schon von Abteilungen gehört, wo ein AiW die Stationsbelegung planen musste (und somit auch alle Vorbefunde anfordern, mit Pat. kommunizieren, Laboranforderungen erstellen, ASV-Geschichten organisieren etc.).

Die Tracervielfalt ist auch ein Kriterium, hierbei muss man aber sagen, dass die wichtigsten Untersuchungen eigentlich von allen angeboten werden, bei uns werden viele spezielle Tracer eingesetzt, die dann aber als Forschungsprojekte laufen und für die weitere Realität als Nuklearmediziner erst einmal keine Rolle spielen. Schadet aber sicherlich nicht, in einer solchen Abteilung gelernt zu haben.

Ich gebe nur zu bedenken, dass das Fach insbesondere in der Niederlassung viel Schilddrüse beinhaltet, wenn man sich nicht in bestimmte Sonderstellungen begibt (d.h. wir haben z.B. einen niedergelassenen Nuklearmediziner, der direkt an einer Kardiologie angebunden ist und somit viel Herzbildgebung macht, auch gibt es einige Praxen mit PET/CT, was natürlich eine gewissene Investition voraussetzt). Das (mitunter anstrengende) Patientengut muss man mögen, bei uns gibt es erste Praxen, die Nuks anstellen, damit den Inhabern die SD-Untersuchungen abgenommen werden. Auch in der neuen Leitlinie ist ja von lebenslanger Nachsorge die Rede (ja, auch beim PTC pT1a N0 M0...), die Pat. strömen also nur so in die Praxen (und bekommen bei uns schon nur noch illegalerweise mit Hausarztvermittlungsfall einen Termin).

Soweit zumindest wie ich es aus unserer Abteilung berichten kann. Die Nuklearmedizin ist allerdings ein Fach, was sich grundsätzlich anders organisieren lässt, daher unbedingt nachfragen, wie die Bedingungen sind.

Moosachat
15.06.2025, 11:15
Wow, danke euch beiden für eure ausführlichen Antworten!
Die Uniklinik ist auf jeden Fall auch mein Wunsch für die erste Nuk-Stelle, dann wird dort die Station laut euren Berichten wohl eher kein Problem/ Nadelöhr darstellen sondern eher die konventionelle Diagnostik. Manche Unikliniken haben ja noch ein angegliedertes MVZ, vielleicht wäre das für mich dann eine Option, um auf die Zahlen für die Szintigraphien zu kommen. Naja, erstmal muss ich eine Stelle finden.
Das hilft mir schonmal sehr weiter, und es freut mich, dass ihr beide so zufrieden in dem Fach seid!

FirebirdUSA
16.06.2025, 13:47
Es gibt jetzt eine kombinierte Nuk+Rad Weiterbildung an manchen Standorten wo man in 8 Jahren beide FA bekommt.