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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beschwerde über Kollegen



Rudiologe
23.06.2025, 14:58
Hallo zusammen,
ich arbeite ambulant psychiatrisch in Berlin und habe mittlerweile schon 5 Patientin über die TSS-Vermittlung in Behandlung gehabt, die alle vorher bei demselben Kollegen einen Termin hatten und die alle das exakt gleiche erzählen. Termine seien dort über die 116/117 vermittelt worden, der Kollege hätte die Patienten ca. 30 Sekunden bis maximal eine Minute reden lassen und dann (unfreundlich) das Gespräch beendet mit dem Kommentar, dass er sie nicht behandeln könne und sie sich einen anderen Psychiater suchen sollen. Von den Patienten waren aus meiner Sicht vier in jedem Fall behandlungsbedürftig, der letzte sogar depressiv suizidal. Auf Google findet man inzwischen über 100 Rezensionen, die vom Wortlaut her quasi identisch sind. Es scheint, dass der Kollege hochfrequent TSS-Fälle anbietet, die ja extrabudgetär und mit Zuschuss vergütet werden, die Patienten beim Termin aber teils nach kürzester Zeit wieder der Praxis verweist, ohne Befunderhebung oder irgendeine Behandlung. Ich rate schon allen Patienten, dies bei der KV anzuzeigen, überlege aber jetzt nach dieser Häufung, auch selbst mit der KV Kontakt aufzunehmen. Was meint ihr dazu?

nystagmus
23.06.2025, 17:00
Hallo zusammen,
ich arbeite ambulant psychiatrisch in Berlin und habe mittlerweile schon 5 Patientin über die TSS-Vermittlung in Behandlung gehabt, die alle vorher bei demselben Kollegen einen Termin hatten und die alle das exakt gleiche erzählen. Termine seien dort über die 116/117 vermittelt worden, der Kollege hätte die Patienten ca. 30 Sekunden bis maximal eine Minute reden lassen und dann (unfreundlich) das Gespräch beendet mit dem Kommentar, dass er sie nicht behandeln könne und sie sich einen anderen Psychiater suchen sollen. Von den Patienten waren aus meiner Sicht vier in jedem Fall behandlungsbedürftig, der letzte sogar depressiv suizidal. Auf Google findet man inzwischen über 100 Rezensionen, die vom Wortlaut her quasi identisch sind. Es scheint, dass der Kollege hochfrequent TSS-Fälle anbietet, die ja extrabudgetär und mit Zuschuss vergütet werden, die Patienten beim Termin aber teils nach kürzester Zeit wieder der Praxis verweist, ohne Befunderhebung oder irgendeine Behandlung. Ich rate schon allen Patienten, dies bei der KV anzuzeigen, überlege aber jetzt nach dieser Häufung, auch selbst mit der KV Kontakt aufzunehmen. Was meint ihr dazu?

Vorweg: Das Fach ist anspruchsvoll, stark subjektiv und von schnellen Veränderungen des psychopathologischen Befunds geprägt. Des Weiteren ist womöglich ein Selektionsbias da; Patienten, die dort geblieben sind, kommen ja nicht zu dir. Zumal zufriedene Pat. deutlich seltener Bewertungen abgeben als unzurfiedene.

Deine Schilderung deutet ein wenig auf ein Missverständnis in den Patientenerwartungen bei TSS-Terminen hin.

Ich habe selbst testweise TSS-Termine angeboten. Die vermittelte Dringlichkeit (vom TSS/Pat.) entspricht oft nicht der tatsächlichen medizinischen Einschätzung (z. B. ADHS). Auch bei psychotherapeutischen Anliegen kommt es häufig zu Fehleinschätzungen.

Möglich, dass der Kollege die Auswahl sehr regelgebunden nach tatsächlicher Dringlichkeit trifft und dies auch offen kommuniziert, das missfielt vielen Menschen. Rückblickend hatte der Kollege wohl recht: Der Patient war nicht akut suizidal und setzte die Psychiatersuche fort. Es ist zu differenzieren, in welcher Suizidalitätsphase er sich befindet. Allein das Vorhandensein von Suizidgedanken ist, vor allem bei glaubwürdiger Distanzierung, kein Grund, panisch zu werden. Das gehört einfach zur Symptomatik.

Auch wenn das für die Arzt-Patient-Beziehung nicht ideal ist – mit etwas Erfahrung lässt sich in manchen Fällen schon nach wenigen Sätzen abschätzen, in welche Richtung es gehen wird.

Der Zuschuss beträgt übrigens im Durchschnitt gerade mal 20 Euro....

Rudiologe
23.06.2025, 18:17
Inhaltlich sind mir die wesentlichen Punkte deiner Rückmeldung schon klar, auch wenn ich ein paar Ansichten nicht teile. Ich sehe viele TSS-Patienten und biete vielen eine Behandlung an, auch wenn sie nicht die Kriterien für eine Akutbehandlung in engeren Sinne erfüllen. Den meisten dann eben auch nur für ein Quartal, so lange das ganze eben extrabudgetär vergütet wird. Ich kann aber auch verstehen, wenn anderen Kollegen die Kriterien enger sehen. Bei dem Kollegen geht das aber offenkundig über ein vertretbares Maß an Dringlichkeitseinschätzung hinaus.

nystagmus
23.06.2025, 20:01
Inhaltlich sind mir die wesentlichen Punkte deiner Rückmeldung schon klar, auch wenn ich ein paar Ansichten nicht teile. Ich sehe viele TSS-Patienten und biete vielen eine Behandlung an, auch wenn sie nicht die Kriterien für eine Akutbehandlung in engeren Sinne erfüllen. Den meisten dann eben auch nur für ein Quartal, so lange das ganze eben extrabudgetär vergütet wird. Ich kann aber auch verstehen, wenn anderen Kollegen die Kriterien enger sehen. Bei dem Kollegen geht das aber offenkundig über ein vertretbares Maß an Dringlichkeitseinschätzung hinaus.

Aus Neugier: Welche Ansichten teilst du nicht?

Es gibt Hausärzte, die bewusst keine HAFA-Überweisungen ausstellen, weil sie befürchten, dass dadurch der „Topf für alle“ geschmälert wird, was teilweise ja stimmt. Soll man gegen diese auch vorgehen?

Bislang reden wir über eine sehr kleine Stichprobe (5 Fälle), das ist nicht wirklich aussagekräftig. Solange der Kollege die Mindestanforderungen der Grundpauschale erfüllt, was hier der Fall scheint, ist sein Vorgehen formal nicht zu beanstanden. Über die fachlich-medizinische Herangehensweise kann man natürlich weiter diskutieren, was jedoch nicht Aufgabe der KV ist.

Rudiologe
24.06.2025, 08:04
Solange der Kollege die Mindestanforderungen der Grundpauschale erfüllt, was hier der Fall scheint, ist sein Vorgehen formal nicht zu beanstanden. Über die fachlich-medizinische Herangehensweise kann man natürlich weiter diskutieren, was jedoch nicht Aufgabe der KV ist.

Ja, ich denke, das ist tatsächlich der springende und relevante Punkt. Danke für die Rückmeldung. Hab mich auch dagegen entschieden, selbst die KV zu informieren.

DrSkywalker
25.06.2025, 07:45
Hier gibt es auch besonders zwei Praxen, die richtig mies abliefern:

Ein Internist, das ÖGD & Kolo Temrine nur noch mit einer Vorlaufzeit von 18 Monaten oder mehr vergibt. Jeder, der einen schnelleren Termin möchte, soll bitte als HAusarztvermittlungsfall laufen. Die Patienten kommen dann und sagen: "Wenn Sie anrufen, bekomme ich in 3 Wochen einen Termin". Das ist offensichtlicher Missbrauch des Systems, wir verweigern uns hier mittlerweile komplett.

Dann noch ein Kardiologe, der jeden, wirklich jeden der sich nicht wehr, kathetert, oft sogar zwei mal in 6 Monaten mit fadenscheinigen Begründungen.

Relaxometrie
25.06.2025, 23:39
Ein Internist, das ÖGD & Kolo Temrine nur noch mit einer Vorlaufzeit von 18 Monaten oder mehr vergibt. Jeder, der einen schnelleren Termin möchte, soll bitte als HAusarztvermittlungsfall laufen. Die Patienten kommen dann und sagen: "Wenn Sie anrufen, bekomme ich in 3 Wochen einen Termin".

Ich glaube, das gibt es in allen Regionen Deutschlands :-kotz:-kotz:-kotz
Zumindest habe ich ähnliches Verhalten von unterschiedlichen Fachrichtungen mitbekommen und ja, es ist total zum Kotzen, dass Kollegoiden das System der Hausarztvermittlungsfälle so ausschlachten.