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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MRSA im ambulanten Bereich



kartoffelbrei
10.07.2025, 10:31
Liebe Niedergelassenen, wie ist bei euch in der Praxis der Umgang mit MRSA-Patienten?

Ein multimorbides Familienmitglied hat jetzt drei Krankenhausaufenthalte hinter sich, bei denen zusätzlich jeweils erfolglos versucht wurde, eine nasale MRSA-Besiedelung zu behandeln. Nach der letzten erfolglosen Sanierung wurde entschieden, von weiteren Versuchen abzusehen, weil er chronisch besiedelt sei.

Auf Grund diverser internistischer Baustellen ist seit dem letzten stationären Aufenthalt eigentlich eine enge nephrologische und hämatologische Anbindung erforderlich, die das Krankenhaus netterweise schon organisiert hatte. Als das Familienmitglied dann zu den vereinbarten Terminen kommen wollte, wurde die Behandlung dann aber in beiden Praxen unter Verweis auf den MRSA abgelehnt.
Auch der prophylaktisch angefragte Pflegedienst hat angekündigt, auf Grund des erhöhten Aufwands durch die Besiedlung maximal 1x/Woche kommen zu können.
Nur der Hausarzt scheint kein Problem mit der Besiedlung zu haben.

Ich habe bis jetzt nur im stationären Bereich gearbeitet und war ehrlich gesagt schockiert, was für Schwierigkeiten "nur" ein MRSA im ambulanten Bereich macht. Das betrifft doch so viele Patienten, die können doch nicht alle ambulant unversorgt bleiben? Verschweigen betroffene Patienten normalerweise die Diagnose, um keine Probleme zu bekommen? Oder hatten wir einfach mit den beiden Praxen und dem Pflegedienst Pech?

Ich würde mich über eure Erfahrungen und Meinungen freuen!

JAK1
10.07.2025, 10:47
Es ist eigentlich klar vorgegeben, dass den Patienten z.B. auch in Pflegeheimen eine Teilhabe am Leben trotz MRSA ermöglicht werden muss. D.h. bei Fehlschlagen der Sanierung müsste auch weiterhin keine Isolation stattfinden, jedoch intensivierte Hygienemaßnahmen. Kann man beim RKI nachlesen. Bei uns dürfen MRSA-Patienten selbstverständlich kommen. Ich versuche häufig trotzdem intensiv den MRSA bei unseren Patienten zu sanieren, weil es so viel Ärgermacht. In der Uniklinik durften die Patienten bei uns nur in Vollmontur (Kittel, Maske, Haube, Handschuhe) etc. als allerletzte in die Ambulanz.

anignu
11.07.2025, 14:49
Ich war mal in einer Klinik mit Dienstanweisung dass die Physiotherapie Patienten mit MRSA nicht besuchen durfte. Das war wild!
Und im stationären Setting ist MRSA auch problematisch. Patienten kommen als letztes in den OP und fallen als erstes runter wenn es einen Notfall gibt etc.
Ich hab auch die Erfahrung gemacht dass Pflegeheime oder Pflegedienste Patienten ablehnen mit MRSA oder massiver Adipositas. VRE ist meist kein Problem. Insofern kenn ich es dass die Suche nach einem Pflegedienst mit MRSA sehr schwierig ist.

Verschweigen ist grenzwertig. Irgendwann kommt es raus und es grenzt ja an Körperverletzung wenn man mit Keimen rumläuft die andere anstecken und gefährden können, sich über die Luft verbreiten und man bewusst die Kontamination/Ansteckung anderer in Kauf nimmt.