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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abschiedsgeschenk für Arbeitgeber



yannik_ains
11.07.2025, 09:00
Nach einem Jahr voll Tränen, Frust, Enttäuschung, Lügen und Demütigungen werde ich bald meinen letzten Arbeitstag haben.
Ich würde meinem Arbeitgeber gerne ein Abschiedsgeschenk machen. Ich habe drei Alternativen zur Auswahl, kann mich aber nicht so richtig entscheiden.

Alternative 1: Die Arbeitszeitverstöße
Betrifft nicht direkt mich, sondern eine andere Abteilung. Der "Hakenhalterdienst" ist in unserem Haus als Rufdienst organisiert. Rufdienste dürfen bekanntlich nur eingerichtet werden, wenn eine tatsächliche Inanspruchnahme nur im Ausnahmefall erfolgt (ich hab irgendwas von 1x pro 10 Rufdienste im Kopf).
Bei uns wird der Rufdienst, der sich hauptsächlich aus jungen ausländischen Assistenten zusammensetzt täglich pünktlich zum Ende der Regelarbeitszeit gerufen, zunächst um das elektive Programm noch abzuarbeiten und dann für die ganzen Nachmeldungen. Der Rufdienst geht an den meisten Tagen zwischen 22 und 3 Uhr nach Hause. Selbstverständlich wird es vom Chefarzt erwartet, dass er am nächsten Tag um 6:30 Uhr wieder im Haus ist.

Alternative 2: Die Geheimakte
Durch Zufall bin ich an ein sehr langes Word-Dokument geraten, in dem der chirurgische Chefarzt (vor dem das ganze Haus kuscht) akribisch Tagebuch über alle Fehler (aus seiner Sicht) und Insubordinationen seiner Kollegen und Untergebenen führt. Plus persönliche Meinungen ("X muss Y ficken, anders ist das nicht erklärbar", "Z wieder deutlich untervögelt" etc.) Da stehen einige sehr unappetitliche Sachen drin, die bei Bekanntwerden dazu führen könnten, dass er sich bei Dunkelheit lieber nicht mehr alleine auf den Parkplatz traut.

Alternative 3: Die Körperverletzung
Ich wurde gezwungen, im Dienst eine Narkose für einen als Notfall deklarierten Eingriff durchzuführen, der sowohl vom Patienten als auch von den Vorsorgebevollmächtigten definitiv nicht mehr gewünscht war. Der Patient verstarb im Verlauf und erhielt auch noch intensivmedizinische Therapie, die ebenfalls dokumentiert nicht mehr gewünscht war. Nachträglich wurde die Dokumentation manipuliert. Dummerweise lässt sich das über die Bearbeitungshistorie des KIS sehr gut nachvollziehen.

Welche Methode fügt dem Arbeitgeber maximalen Schaden zu?

Akademgorodok
11.07.2025, 09:35
Ohne groß Ahnung zu haben davon: Variante 2. Interessiert sicherlich den Landesdatenschutzbeauftragten auch :)
Variante 3 würde ich dem Gefühl nach Verwerfen, du hängst da ja mit drinnen irgendwie
Variante 1 wird mutmaßlich keine Konsequenzen haben denke ich

Rudiologe
11.07.2025, 10:26
Wenn das anonym bleiben kann und du da nicht reingezogen wirst, würde ich Alternative 2 mal der (Lokal-)Presse anbieten. Die sollen dann mal eine offizielle Presseanfrage an die Klinik stellen mit der Bitte um Stellungnahme (kannst du auch einfach anonym an ein paar Zeitungen schicken). Wie bist du denn an die Liste gekommen? Bei Variante 3 wärst du in jedem Fall selbst mit dran. Oder wie hat man dich "gezwungen"? Mit vorgehaltenem Skalpell? Bei allen Varianten würde ich mindestens noch ein paar Nächte drüber schlafen.

Tramaldol
11.07.2025, 11:22
Was genau macht nochmal die Ärztekammer, insbesondere Abteilung Weiterbildung, den ganzen Tag? (Keine Antwort wird hier erwartet)

Variante 2, wenn denn was dran ist und das geht, wenn man sich z.B. den Fall des Chefarzt der NC an der Uniklinik Hamburg ansieht, der dann durch die Medien monatelang geistert. Das ist doch richtig so. Nur weil man eine hohe Position hat, darf man sich alles erlauben.

Wichtig ist auch immer: Die Bewertung bei Kununu. Ich mache keine Werbung für dieses Unternehmen, aber wenn ein potentieller, etwas erfahrener Arbeitnehmer sich um eine neue Stelle bemüht, schaut er dann doch mal ins Internet und auch so im Bekanntenkreis, was man denn so über den potentiellen neuen Arbeitgeber sagt.
Schade ist es für die ganz jungen Kollegen, die dann eine schlechte Erfahrung machen und daraus immerhin etwas lernen und immerhin noch pünktlich Gehalt bekommen.

Rudiologe
11.07.2025, 11:30
Ich wollte noch hinzufügen, dass schweres menschliches Fehlverhaltens seitens der medizinischen Leitungsebene in Deutschland ja fast Tradition hat und seit Ewigkeiten toleriert wird. Was ich im Rahmen meines Studium zB in der Chirurgie erleben durfte, wäre eigentlich auch pressewürdig gewesen. Beleidigungen, Mobbing und sexuelle Anzüglichkeiten waren in meinem PJ-Tertial jedenfalls an der Tagesordnung, teils auch körperliche Übergriffe (Oberarzt hat PJ-lern z.B. mit Instrumenten auf die Hand geschlagen, wenn er mit dem Hakenhalten unzufrieden war). Ohne vermehrte mediale Aufmerksamkeit wird sich daran auch nichts ändern, deshalb war mein Kommentar mit der Presse auch durchaus ernst gemeint. Eigentlich müsse es mal von Spiegel oder Zeit oder so eine umfangreiche Berichterstattung geben über Mobbing in der Medizin.

anignu
11.07.2025, 14:42
Welche Methode fügt dem Arbeitgeber maximalen Schaden zu?
Schon wieder so viel Hass... ich würde es lassen. Zieh für dich die Lehren daraus und schau nach vorn. Du wirst dich sonst nur ärgern dass es nicht zu so viel Erfolg geführt hat wie du dir gewünscht hättest...

Alternative 1: nur weil "erwartet" wird dass die Leute wieder kommen müssen sie das noch lange nicht tun. Als Akademiker sind wir in der Lage selbständig darauf zu achten dass das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird. Insofern hängt jeder der sich nicht daran hält auch mit drin. Und wird tatsächlich was passieren? Meist nicht. Ganz selten werden Strafen ausgesprochen und wenn ich dir mal Beispielvorschläge unserer Personalreferentin zeigen würde wie man arbeitszeitgesetzkonform das arbeitgeberseitige Direktionsrecht ausüben kann... so will auch keiner arbeiten!

Alternative 2: je nachdem wie es ans Licht kommt kann man es ggf. auf dich zurück verfolgen oder der Chefarzt redet sich irgendwie raus nach dem Motto "das hat jemand erfunden mit dem Ziel eine Schmutzkampagne zu fahren". Wer kann denn tatsächlich nachweisen dass es vom Chefarzt kommt? Schwierig. Und wie? Auch schwierig. Du glaubst nicht aus was sich Leute herauswinden können.

Alternative 3: auch schwierig. Medizinische Entscheidungen von Kollegen sind sicherlich manchmal falsch oder grenzwertig, ein einzelner Fall, und sei er noch so genau dokumentiert, reicht niemals aus auch nur einen Windhauch zu machen.

Ganz ehrlich: mach was du willst, aber versprich dir nicht zu viel von deinen Hasskampagnen. Meist kommt so viel weniger raus als man sich erhofft hatte. Und meist ändert sich nichts.
Wenn du was ändern hättest wollen dann im laufenden Arbeitsverhältnis. Alles andere ist Nachtreten.
Schau lieber dass deine Zukunft besser wird!

OhDaeSu
11.07.2025, 19:45
Ein Stockholm-Syndrom gefangen im Körper eines Gefäßchirurgen 😂


Wer kann denn tatsächlich nachweisen dass es vom Chefarzt kommt? Schwierig. Und wie?

Ich glaube, wenn man eine Sekunde darüber nachdenkt, liegt das auf der Hand. (Bspw. Screenshot vom "zuletzt bearbeitet von...")


Wenn du was ändern hättest wollen dann im laufenden Arbeitsverhältnis. Alles andere ist Nachtreten.

Abwegig, genau da bestehen ja diverse Abhängigkeiten. Nachtreten ist viel besser, da der Preis für einen selbst kleiner ist. Und wenn das öfter passieren würde, würden sich die Leute auch mehr zusammenreißen.


Schau lieber dass deine Zukunft besser wird!

Schließt sich ja nicht aus.

anignu
11.07.2025, 21:44
Ein Stockholm-Syndrom gefangen im Körper eines Gefäßchirurgen 😂
Einfach schon bissl was erlebt... und lies nochmal die Definition von Stockholm-Syndrom nach.

Ich glaube, wenn man eine Sekunde darüber nachdenkt, liegt das auf der Hand. (Bspw. Screenshot vom "zuletzt bearbeitet von...")
Ach komm, du weißt wie viele Ausreden es trotzdem gibt.
Denn die Aktion wäre auch medial genau das was es ist: ein vollkommen frustrierter Assistenzarzt, der man keine Ahnung von irgendwas unterstellen würde, startet eine Schmutzkampagne um einem renomierten Chefarzt ans Bein zu pinkeln. Hat schon immer gut funktioniert. Und wenn sich der TE nicht aus der Deckung wagt wirds auch nicht besser: dann isses eine anonyme Schmutzkampagne. Noch leichter abzuwehren.

Schließt sich ja nicht aus.
Stimmt. Man hängt nur der Vergangenheit sooo gern nach während man seine Energie eigentlich für die Zukunft braucht.

nystagmus
12.07.2025, 00:20
Normalerweise bin ich jemand, der sein Recht einfordert. Dieses Mal werde ich es wegen „nur 1 Jahr” lieber als Lehre verbuchen.

Auch wenn ich es persönlich abscheulich finde, als Denunziant tätig zu sein, habt ihr sicher eine Meldestelle gemäß Hinweisgeberschutzgesetz im Unternehmen, oder? Der Gesetzgeber ist vor allem bei finanziellen Angelegenheiten sehr interessiert, beispielsweise wenn Gelder dorthin geflossen sind, wo sie nicht hingehören.

Die sogenannte Geschäftsführung mögen die (Chef)ärzte häufig nicht unbedingt (besucht mal eine Fortbildung zur Geschäftsführung im Gesundheitswesen, das wird euch die Augen öffnen). Manchmal reicht es, wenn etwas wenig Nettes über den Chefarzt aufgedeckt wird, um ihm die Laune zu verderben.

rafiki
12.07.2025, 06:24
Genau! Bei mir haben GF und Mitarbeiter (auch ehemalige) zusammengefunden, um einen Psychopathen-CA rauszuschmeißen. Mal etwas wirklich Erfreuliches - letztlich natürlich weniger, weil man so besorgt war um MA, sondern sich vor Rufschädigung fürchtete.

StuartProwerFaktor
12.07.2025, 18:59
Nach einem Jahr voll Tränen, Frust, Enttäuschung, Lügen und Demütigungen werde ich bald meinen letzten Arbeitstag haben.
Ich würde meinem Arbeitgeber gerne ein Abschiedsgeschenk machen. Ich habe drei Alternativen zur Auswahl, kann mich aber nicht so richtig entscheiden.

Alternative 1: Die Arbeitszeitverstöße
Betrifft nicht direkt mich, sondern eine andere Abteilung. Der "Hakenhalterdienst" ist in unserem Haus als Rufdienst organisiert. Rufdienste dürfen bekanntlich nur eingerichtet werden, wenn eine tatsächliche Inanspruchnahme nur im Ausnahmefall erfolgt (ich hab irgendwas von 1x pro 10 Rufdienste im Kopf).
Bei uns wird der Rufdienst, der sich hauptsächlich aus jungen ausländischen Assistenten zusammensetzt täglich pünktlich zum Ende der Regelarbeitszeit gerufen, zunächst um das elektive Programm noch abzuarbeiten und dann für die ganzen Nachmeldungen. Der Rufdienst geht an den meisten Tagen zwischen 22 und 3 Uhr nach Hause. Selbstverständlich wird es vom Chefarzt erwartet, dass er am nächsten Tag um 6:30 Uhr wieder im Haus ist.

Alternative 2: Die Geheimakte
Durch Zufall bin ich an ein sehr langes Word-Dokument geraten, in dem der chirurgische Chefarzt (vor dem das ganze Haus kuscht) akribisch Tagebuch über alle Fehler (aus seiner Sicht) und Insubordinationen seiner Kollegen und Untergebenen führt. Plus persönliche Meinungen ("X muss Y ficken, anders ist das nicht erklärbar", "Z wieder deutlich untervögelt" etc.) Da stehen einige sehr unappetitliche Sachen drin, die bei Bekanntwerden dazu führen könnten, dass er sich bei Dunkelheit lieber nicht mehr alleine auf den Parkplatz traut.

Alternative 3: Die Körperverletzung
Ich wurde gezwungen, im Dienst eine Narkose für einen als Notfall deklarierten Eingriff durchzuführen, der sowohl vom Patienten als auch von den Vorsorgebevollmächtigten definitiv nicht mehr gewünscht war. Der Patient verstarb im Verlauf und erhielt auch noch intensivmedizinische Therapie, die ebenfalls dokumentiert nicht mehr gewünscht war. Nachträglich wurde die Dokumentation manipuliert. Dummerweise lässt sich das über die Bearbeitungshistorie des KIS sehr gut nachvollziehen.

Welche Methode fügt dem Arbeitgeber maximalen Schaden zu?

1 Würde ich lassen, fällt auf dich zurück, bei anderen Arbeitgebern sicher sehr ungern gesehen.
2 Würde ich definitiv machen, druck ein paar Exemplare aus und leg sie wo hin oder schicke sie von einer fake e-mail-adresse (hier unbedingt schlau machen, wie man sowas macht, damit es wirklich nicht auf einen selbst zurückverfolgt werden kann).
3 bekommst du logischerweise auch Ärger (Befehl ist Befehl gilt hier nur eingeschränkt).