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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berufseinstieg – aktuelle Erfahrungen



Glio
20.08.2025, 13:54
Hi,

ich bin aktuell in der Bewerbungs- bzw. Hospitationsphase an verschiedenen Kliniken (Dermatologie, Plastische Chirurgie, Gynäkologie und Innere Medizin), da ich im Januar 2026 gerne als Assistenzärztin (Vollzeit) einsteigen möchte.

Dabei habe ich den Eindruck, dass die Stellensituation momentan deutlich angespannter ist. Viele Abteilungen scheinen selbst nicht genau zu wissen, ob sie überhaupt freie Stellen oder ausreichende finanzielle Mittel haben – das macht die Planung ehrlich gesagt ziemlich frustrierend.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

CaputMortuum
20.08.2025, 14:32
Ja, es herrscht mancherorts sogar kompletter Einstellstopp. Insgesamt schwierig. Ich habe zum Beispiel von meiner PJ-Klinik (eigtl. eher unbeliebtes Wahlfach) jetzt seit fast 2 Monaten keinerlei Rückmeldung zur Bewerbung, obwohl die Abteilung nicht gut besetzt ist und das PJ dort noch vor einem Jahr so gut wie Garant für eine Stelle war (damals hat man auch Leute ohne Vorerfahrung zügig eingestellt, um überhaupt jemanden zu bekommen).
Bei 3 Bewerbungen hab ich Stand jetzt 1 Absage (da keine Stellen frei), 1 Hospitationstermin nach gutem Vorstellungsgespräch (Klinik sucht relativ dringend) und eben diese Situation mit meiner PJ-Klinik.

Glio
20.08.2025, 14:58
Danke für deine Antwort!!

Das beruhigt mich, dass ich anscheinend nicht nur das Problem habe. Ich bin überall in Vorleistung gegangen ( Tage eingearbeitet im PJ), um Hospitationen/Vorstellungsgespäche machen/führen zu können. Derma war ja schon immer schwer reinzukommen, in meinen 2 Gesprächen hieß es, man wisse noch nicht, wie die Stellensituation nächstes Jahr aussehe.


Ich habe mich in einer ländlichen eher vom Standort unbeliebte Klinik für Derma beworben, die wäre 1 h von meinem Wohnort entfernt (ist eigentlich auch ein Wahnsinn 2 h täglich zu pendeln….). Die Plastiker wollen einen Common Trunk, da besteht halt die Gefahr, dass man in einem chirurgischen Fach hängen bleibt was, man nicht machen möchte. Und in der Inneren/Gyn antworten die Kliniken oft gar nicht.

Ich habe überlegt, dass ich mir jetzt erstmal eine beliebige wohnhortnahe Stellen suchen, damit man zumindest Geld verdient wird.

Danke Krankenhausreform…..

CaputMortuum
21.08.2025, 08:00
Ich hatte auch überlegt, auf Chirurgie oder Anästhesie auszuweichen. (Wobei ich es auch in Ordnung fände, länger in der Viszeralchirurgie hängen zu bleiben, falls es mit dem Wahlfach oder der Plastischen nichts wird.) Anästhesie will ich langfristig nicht wirklich machen, aber immerhin kann man sich dann relativ bald zur Notärztin ausbilden lassen und so seinen Unterhalt verdienen, während man auf die Traumstelle lauert. Ganz zu schweigen davon, dass Anästhesie fachlich immer nützlich ist.
Andere Option wäre für ein Jährchen Allgemeinmedizin in einer der umliegenden Klein- oder Kleinststädte zu machen, pendelt sich nicht so lange und ist auch mal eine gute Erfahrung.

_calendula_
21.08.2025, 08:27
Allgemeinmedizin wäre eher erst mit etwas Berufserfahrung sinnvoll.

Glio
21.08.2025, 08:44
Aktuell bekomme ich mit, dass auch Kommiliton:innen in anderen Fächern, wie beispielsweise in der Anästhesie, Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden. Bei Fächern wie Plastische Chirurgie oder Dermatologie war mir von Anfang an bewusst, dass sie sehr kompetitiv sind und es schwer wird, dort eine Stelle zu bekommen.

Im Moment habe ich den Eindruck, dass sich viele Krankenhäuser mit Neueinstellungen zurückhalten bzw. einen Einstellungsstopp haben – einerseits wegen der angespannten finanziellen Lage, andererseits, weil unklar ist, ob Kliniken geschlossen oder Abteilungen zusammengelegt werden. Einerseits ist es natürlich wichtig, die personelle Situation langfristig zu verbessern, andererseits wäre es für uns problematisch, wenn dadurch ein starker Wettbewerb um Weiterbildungsstellen entsteht.Insgesamt habe ich gerade das Gefühl, dass es nicht die beste Zeit ist, um als Assistenz:ärztin zu starten.

Bei einem möglichen Quereinstieg in ein anderes Fach sollte man meiner Meinung nach immer im Hinterkopf behalten, dass dieser scheitern könnte oder sich im Nachhinein nicht als sinnvoll erweist. Deshalb ist es wichtig, ein Fach zu wählen, mit dem man langfristig zufrieden sein kann. Trotzdem hätte ich gedacht, dass die Stellensuche einfacher wäre.

CaputMortuum
21.08.2025, 10:18
Allgemeinmedizin wäre eher erst mit etwas Berufserfahrung sinnvoll.



Fachlich gesehen absolut, vor allem, wenn man sich tatsächlich langfristig als HA sieht. Aber wenn man einfach nichts in seinen Wunschfächern findet, ist es mMn besser, als sich in der Inneren kaputtzumachen.

Mometasonfuroat
21.08.2025, 18:41
Wir haben derzeit in der Region soweit mir bekannt auch einen kompletten Einstellungsstopp. Eine Klinik hat Insolvenz angemeldet. Gleichzeitig müssen wir derzeit täglich eine Masse an Patienten ablehnen, da es sonst nicht zu schaffen wäre. Ist schon eine paradoxe Situation.

Dooly
21.08.2025, 19:12
Total paradox. Was kann man den Studierenden raten? Mehr netzwerken? Mehr in Famu und PJ nach Joboptionen orientieren? Sich über Massenfächern in Mangelgebieten nach dem kleinsten Übel informieren? Meinem Jahrgang wurde, rückblickend sehr treffend, gesagt, dass sich die Jobsituation gerade ändert. Und wir noch zu einer guten Zeit kommen. Es tut mir richtig leid für die aktuelle Generation.


Fachlich gesehen absolut, vor allem, wenn man sich tatsächlich langfristig als HA sieht. Aber wenn man einfach nichts in seinen Wunschfächern findet, ist es mMn besser, als sich in der Inneren kaputtzumachen.Wer‘s schwer hat in ner Klinik ne Stelle zu bekommen, bekommt ja nicht leichter in ner Praxis was. Der Anspruch in ner Praxis ist in vielerlei Hinsicht höher, als in ner Klinik. Schlagzahl, Selbstständigkeit, Wirtschaftlichkeit, Repräsentation …

Coginder
21.08.2025, 19:52
Hi,

ich bin aktuell in der Bewerbungs- bzw. Hospitationsphase an verschiedenen Kliniken (Dermatologie, Plastische Chirurgie, Gynäkologie und Innere Medizin), da ich im Januar 2026 gerne als Assistenzärztin (Vollzeit) einsteigen möchte.

Dabei habe ich den Eindruck, dass die Stellensituation momentan deutlich angespannter ist. Viele Abteilungen scheinen selbst nicht genau zu wissen, ob sie überhaupt freie Stellen oder ausreichende finanzielle Mittel haben – das macht die Planung ehrlich gesagt ziemlich frustrierend.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?


Dass Unternehmen vor abgeschlossener Stellenplanung keine Stellenzusagen (die ja in Schriftform durchaus auch arbeitsrechtlich relevant sind) tätigen, finde ich zumindest nachvollziehbar. Aus dieser Überlegung heraus, ist vielleicht auch einfach der Jahreswechsel ein strategisch ungünstiger Moment für ein Bewerbungsdatum. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus (Innere Medizin, Großstadt) kann ich eine "angespannte" Stellensituation nicht wirklich bestätigen. Beliebte Fächer in beliebten Städten (Derma, PCH in Hamburg oder Berlin) sin nun mal rar wie eh und je.
Statistisch gesehen herrscht nach wie vor Vollbeschäftigung und der prozentuale Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Medizinern in Deutschland scheint nicht unerheblich auf lange Wartezeiten in den Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse zurückzuführen zu sein.

CaputMortuum
21.08.2025, 19:57
Ich hab in meiner Region, ca. 20 min mit dem Fahrrad von der Kernstadt, tatsächlich auch Gesuche von HA-Praxen gesehen, die Berufseinsteiger als WBAs nehmen würden. Aber beworben habe ich mich bisher nicht (weil ich ja aufs Wunschfach hoffe), deshalb kann ich nichts zu den tatsächlichen Chancen sagen.
Vielleicht sind die Praxen mancherorts so überfordert, dass sie keine große Wahl haben? Andererseits werden natürlich mehr Bewerber auf diese Stellen kommen, wenn die Krankenhäuser Einstellstopp verhängen.
Habe bei uns übrigens auch von großen Fächern wie Chirurgie und Innere gehört, dass durch die Geschäftsführung keine Stellen freigegeben werden (allenfalls noch für ein Anerkennungsjahr, da man diese Menschen ja für ein Viertel des WBA-Gehalts ausbeuten kann)... Ist also auch kein sicherer Hafen mehr.

Duke Nukem
21.08.2025, 20:10
Statistisch gesehen herrscht nach wie vor Vollbeschäftigung und der prozentuale Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Medizinern in Deutschland scheint nicht unerheblich auf lange Wartezeiten in den Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse zurückzuführen zu sein.
Menschen zählen doch nur in die Statistik, wenn sie 1. aktiv Stellen suchen und 2. dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ohne entsprechende Anerkennung zählen diese Menschen doch gar nicht als arbeitslose Ärzte.

Dooly
21.08.2025, 21:10
Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus (Innere Medizin, Großstadt) kann ich eine "angespannte" Stellensituation nicht wirklich bestätigen.Gleichen Eindruck könnte ich haben. Außerhalb der Bubble scheint sich der Arbeitsmarkt nicht nur in der Medizin zu ändern.


Ich hab in meiner Region, ca. 20 min mit dem Fahrrad von der Kernstadt, tatsächlich auch Gesuche von HA-Praxen gesehen, die Berufseinsteiger als WBAs nehmen würden. Aber beworben habe ich mich bisher nicht (weil ich ja aufs Wunschfach hoffe), deshalb kann ich nichts zu den tatsächlichen Chancen sagen.Ich hab meinen Eindruck auch nur von Freund*innen, durchschnittliche Performance, keine red flags, aber z. T. gebärfähigen Personen, da wurde es frühestens im 3. WBJ besser mit Bewerbungen in der Niederlassung.

CaputMortuum
22.08.2025, 09:58
Ihr würdet also sagen, in Großstädten bekommt man weiterhin noch gut eine Stelle in größeren Fächern? Mit kleineren Fächern (die man fast nur an Unikliniken sinnvoll machen kann) oder auch Pädiatrie (sowieso immer schwierig) sieht es da nämlich eher schlecht aus, nach dem, was ich aus dem Bekanntenkreis mitbekomme. Aber wenn man in erster Linie den Sprung in die Großstadt schaffen will, kann es dann ja ganz sinnvoll sein, z.B. mit Chirurgie an einem kleineren Haus zu überbrücken, bis was im Wunschfach frei wird.

Glio
22.08.2025, 10:28
Im Zuge der KH Reform sollen zudem viele Kliniken geschlossen werden (ich meine etwas vom 30-40% gelesen zu haben bis 2030). Angenommen man hat das Glück und findet eine Stelle in der Derma an einem kleineren ländlichen Krankenhaus, dann besteht halt immer die Gefahr, dass genau dieses kommunal geführte Krankenhaus Insolvenz anmeldet oder Abteilungen geschlossen werden und die schon ohnehin begrenzten Weiterbildungsstellen noch weiter reduziert werden. Folglich muss man noch mehr kämpfen, um eine Stelle zu erhalten.

An Unikliniken erhält man ohnehin nur befristete Verträge und sofern man Ausfallzeiten hat wie Elternzeit/Krankheit, kann man ohnehin schnell ausgewechselt werden. Ich verstehe warum es makroökonomisch sinnvoll ist das Gesundheitswesen umzugestalten. Aber irgendwie passt das alles nicht zusammen. Wir haben den demographischen Wandel und den “Fachkräftemangel” auf der einen Seite, wiederum wird ein System eingeführt, in welchen langfristig eine künstliche Verknappung der Weiterbildungsstellen erfolgt (wir hatten in den 90er Jahren eine Ärzteschwemme… ). Daher halten die Kliniken sich mit Neueinstellungen zurück, da z.B. bei Fusionen nicht alle Ärzt:innen behalten werden können.

Ich glaube, dass wenn man in der Klinik Bubble aktuell arbeitet, das man hiervon nicht so viel mitbekommt. Aber als Bewerber ist es aktuell zu spüren. Es werden ja jährlich die Stellenplanungen geführt und in den Vorstellungsgesprächen wurde kommuniziert, dass man sich nicht sicher ist, ob man die Stellen überhaupt nachbesetzt.

Relaxometrie
22.08.2025, 10:28
Ich hab in meiner Region, ca. 20 min mit dem Fahrrad von der Kernstadt, tatsächlich auch Gesuche von HA-Praxen gesehen, die Berufseinsteiger als WBAs nehmen würden.
Die allermeisten, wenn nicht sogar alle Praxen, stellen WBAs nur ein, wenn sie die "Förderung Allgemeinmedizin" bekommen (wofür es kaum Hürden gibt; die bekommt man also leicht) und somit für die Praxis äußerst günstig sind. Wenn die Praxis die Fördersumme nicht aufstockt, was viele schlicht und ergreifend nicht leisten können, zahlt die Praxis also nur die halben Sozialbeiträge für den WBA.

Die Praxen stehen finanziell auch unter Druck, da sie die Ausgabenseite diktiert bekommen (gestiegene Tariflöhne für die MFAs; wenn die Praxisinhaber nicht mindestens den Tariflohn zahlen, bekommen sie eigentlich kein Personal mehr/ gestiegene Preise für Verbrauchsmaterialien und Energie) und können an der Einnahmeseite auch nur begrenzt Verbesserungen erzielen, z.B. indem sie wirklich hochaktiv Patienten in die hausarztzentrierte Versorgung einschreiben.

Es werden WEITAUS mehr Stellen für WBAs in Praxen, als für angestelle Fachärzte angeboten. Man fragt sich also, wo all diejenigen, die die Weiterbildung Allgemeinmedizin abgeschlossen haben, dann als Facharzt bleiben sollen. Ok....man ist dann zwar halbwegs gut universell einsetzbar; aber ein Selbstläufer dafür, eine gute Stelle als angestellter Facharzt in einer Praxis zu bekommen, ist es nicht.

Und wer will sich unter diesen Bedingungen ernsthaft eine eigene Praxis ans Bein binden.
Obwohl man natürlich je nach Region einen extremen Run auf die Praxis haben wird. Ein ehemaliger Kollege aus der Inneren hat vor 2 Jahren den FA Allgemeinmedizin gemacht, hat seit ca. 04/ 2025 eine eigene Praxis neu gegründet (noch als Einzelpraxis, möchte bald einen Freund einstellen, der dann mit der FA-Prüfung durch ist) und hat bereits seit mehreren Wochen Aufnahmestopp.
Also, wer es sich antun möchte, kann viel arbeiten. Die Chance, sich krank zu arbeiten, steht aber sehr hoch!