Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 50%-Stelle in der Gyn/Geburtshilfe: halbe Tage an allen Wochentagen?
Peaudepeche
27.10.2025, 12:19
Hallo zusammen,
ich starte demnächst mit einer 50%-Stelle (Assistenzärztin) in der Gyn/Geburtshilfe.
Gibt es Kollegen, bei denen 50% als tägliche Halbtage (z. B. Mo–Fr nur bis Mittag) organisiert wurden?
Wie waren eure Erfahrungen bezüglich Überstunden/Zeiterfassung und Lernkurve?
Ich bin Ärztin aus dem Ausland und habe derzeit eine Berufserlaubnis, noch keine volle Approbation.
Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Sorge, solche Dinge offen anzusprechen oder zu verhandeln, weil ich noch am Anfang stehe und die Strukturen hier nicht so gut kenne.
Ich würde mich sehr über eure Tipps und Erfahrungen freuen , besonders, wie man als neue Kollegin (mit Berufserlaubnis) solche Fragen am besten ansprechen kann.
Vielen Dank im Voraus!
skalpellbitte
27.10.2025, 17:36
Würde sagen, das kommt auf deine Klinik an. Wurde das mit dir noch nicht besprochen, bevor gegenseitig die Zusage für die Stelle gegeben wurde?
Ich habe schon in zwei Frauenkliniken erlebt, dass eine Kollegin um 13 oder 14 Uhr Feierabend gemacht hat.
Die meisten Teilzeitkräfte hatten aber 2 Tage pro Woche frei.
Ist meiner Erfahrung nach aus Arbeitgeber- und KollegInnen-Sicht auch lieber gesehen, ganze Tage zu machen:
- Einige große Kreißsäle haben Schichtdienst und da funktioniert es eben nicht, oder ist zumindest den anderen gegenüber nicht fair, wenn eine Person nur (halbe) Tagdienste macht. Das müssen die anderen dann mit mehr Spät- und Nachtdiensten kompensieren.
- Auch am klassischen 8-bis-16-Uhr-Tag auf Station/im OP usw. ist es für die anderen hinderlich, wenn eine Person mittags das Handtuch fallen lässt. Weil alles Übriggebliebene (also auch das, was Überstunden macht), dann an den anderen hängenbleibt.
Kommt aber im Endeffekt auf deine Klinik an.
Zum Thema Berufserlaubnis: Ich denke, das hat damit wenig zu tun.
Problematischer war in meinem Haus nur, dass ein Arzt ohne deutsche Approbation genau deswegen noch keine Nachtdienste machen durfte. Argument war, dass er nicht alleine arbeiten darf, und nachts sind alle anderen halt zuhause.
nystagmus
27.10.2025, 22:06
Ist meiner Erfahrung nach aus Arbeitgeber- und KollegInnen-Sicht auch lieber gesehen, ganze Tage zu machen:
- Einige große Kreißsäle haben Schichtdienst und da funktioniert es eben nicht, oder ist zumindest den anderen gegenüber nicht fair, wenn eine Person nur (halbe) Tagdienste macht. Das müssen die anderen dann mit mehr Spät- und Nachtdiensten kompensieren.
- Auch am klassischen 8-bis-16-Uhr-Tag auf Station/im OP usw. ist es für die anderen hinderlich, wenn eine Person mittags das Handtuch fallen lässt. Weil alles Übriggebliebene (also auch das, was Überstunden macht), dann an den anderen hängenbleibt.
Diese Mentalität muss wirklich weg. Warum ist das unfair? Sie wird schließlich auch weniger dafür bezahlt. Außerdem ist es doch Aufgabe der Klinik, die „zweite” Tageshälfte mit Personal zu besetzen.
Das spricht sich einfach. Ein Beispiel aus der Praxis als Oberärztin: Wir haben eine Kollegin mit 25 Wochenstunden. Sie kommt täglich um 10 Uhr und geht um 15 Uhr (wegen Kinderbetreuung, andere Zeiten sind nicht möglich).
Zunächst war geplant und auch mit ihr vereinbart, dass sie On-Top-Arbeiten erledigt (Notaufnahme, Funktionsdiagnostik, Aufklärungen, Gespräche etc.), aber keine eigenen Patienten betreut. Aufgrund des Personalschlüssels ging das keine zwei Wochen, dann hatte sie doch eine Drittel Station.
Frühbesprechung ist um 7:30 Uhr - über Neuzugänge erfährt sie nichts.
Oberarztvisite ist um 8:30 Uhr - über Behandlungspläne von ihren Patienten weiß sie nichts.
Kurvenvisite ist um 15:00 Uhr - über ihre Patienten erfahre ich nichts.
Das ist einfach ein großes, schwarzes Loch mit viel Informationsverlust, dass von ihren Stationskollegen und den Oberärzten zusätzlich aufgefangen werden muss. Ist das jetzt "fair"?
Bender B. Rodriguez
28.10.2025, 12:36
Finde ich auch schwierig. Die Vollzeitkräfte sollten dann auch die Möglichkeit bekommen, pünktlich den Griffel fallenzulassen. Das ist bei patientennahen Fächern aber eben kaum möglich und so kommen zu den eigenen Überstunden dann noch die Sachen, die von der TZ-Kollegin liegengeblieben sind, sich aber nicht aufschieben lassen.
Letztlich ist es natürlich ein organisatorisches Problem der AG-Seite. Aber die Argumentation mit den geringeren Wochenstunden finde ich zu kurz gedacht.
nystagmus
28.10.2025, 17:05
Finde ich auch schwierig. Die Vollzeitkräfte sollten dann auch die Möglichkeit bekommen, pünktlich den Griffel fallenzulassen. Das ist bei patientennahen Fächern aber eben kaum möglich und so kommen zu den eigenen Überstunden dann noch die Sachen, die von der TZ-Kollegin liegengeblieben sind, sich aber nicht aufschieben lassen.
Letztlich ist es natürlich ein organisatorisches Problem der AG-Seite. Aber die Argumentation mit den geringeren Wochenstunden finde ich zu kurz gedacht.
Nah ist es nicht, das ist das Helfersyndrom bzw. Selbstgeißelung für die Schwächen des Systems (hier KH). Ja, genau, der Arbeitgeber soll sich darum kümmern.
Versucht mal, eine Wohnung zu renovieren. Dem Dachdecker ist es egal, ob der Maler auf ihn wartet, bis er fertig ist, oder auch nicht, dann bleibt die Arbeit liegen. Schließlich ist man selbst der Auftraggeber und muss das Ganze organisieren.
ChemieFreund
28.10.2025, 17:57
Ich hatte mal in meiner WB auch einen Moment, wo ich mal (ausgelaufene Drittmittel. blablub) ein paar Monate 50% arbeiten musste.
Dabei das Glück gehabt, dass ich so eher zwei Wochen Arbeit, zwei Wochen frei hatte, weil der OA für die Dienstplanung nur in ganzen Tagen denken wollte. War schon ganz geil, die fehlende Kohle hat nur genervt :D
Naja, ich würde eher auf weniger Tage gehen, da ansonsten Tür und Tor für irgendwelche Gefälligkeiten a la "oh, wir haben gerade Personalengpass, kannst du nicht noch etwas...?" geöffnet werden. Mit Glück wird das registriert und ausbezahlt, aber bei freien Tagen kann man immer sagen "ok, dann komm ich, aber wann anders nehm ich mir den Tag wieder". Finde ich irgendwie rechtssicherer bzw. praktikabler.
Wie genau stellt man sich denn die anderen 50% vor? Jemand kommt von 8-10 und von 14 bis 16:30?
Gewisse Vorstellungen vom eigenen Leben kollidieren einfach mit den Bedingungen, die dieser Job mit sich bringt.
Bender B. Rodriguez
28.10.2025, 20:35
Nah ist es nicht, das ist das Helfersyndrom bzw. Selbstgeißelung für die Schwächen des Systems (hier KH). Ja, genau, der Arbeitgeber soll sich darum kümmern.
Versucht mal, eine Wohnung zu renovieren. Dem Dachdecker ist es egal, ob der Maler auf ihn wartet, bis er fertig ist, oder auch nicht, dann bleibt die Arbeit liegen. Schließlich ist man selbst der Auftraggeber und muss das Ganze organisieren.
Ich verstehe nicht, was du mir sagen willst.
Hier gibt's ja viele Bayern, daher vermute ich, das "nah" soll "nein" heißen? Aber dann bestätigst du, dass es ein AG-Problem ist?
Und der Maler soll in deinem Beispiel der WB-Assistent sein? Ist der Maler denn von deinem Zeugnis abhängig? Kann er seinen Meister nicht machen, wenn du unzufrieden bist?
Der Maler ist doch nicht dein Angestellter? Und wenn er genügend Aufträge bekommt kannst du ihm doch eigentlich völlig egal sein?
Und das Gewerk heult auch nicht herum, weil es noch nen Tag länger Krankenhausessen ertragen muss?
Das spricht sich einfach. Ein Beispiel aus der Praxis als Oberärztin: Wir haben eine Kollegin mit 25 Wochenstunden. Sie kommt täglich um 10 Uhr und geht um 15 Uhr (wegen Kinderbetreuung, andere Zeiten sind nicht möglich).
Zunächst war geplant und auch mit ihr vereinbart, dass sie On-Top-Arbeiten erledigt (Notaufnahme, Funktionsdiagnostik, Aufklärungen, Gespräche etc.), aber keine eigenen Patienten betreut. Aufgrund des Personalschlüssels ging das keine zwei Wochen, dann hatte sie doch eine Drittel Station.
Frühbesprechung ist um 7:30 Uhr - über Neuzugänge erfährt sie nichts.
Oberarztvisite ist um 8:30 Uhr - über Behandlungspläne von ihren Patienten weiß sie nichts.
Kurvenvisite ist um 15:00 Uhr - über ihre Patienten erfahre ich nichts.
Das ist einfach ein großes, schwarzes Loch mit viel Informationsverlust, dass von ihren Stationskollegen und den Oberärzten zusätzlich aufgefangen werden muss. Ist das jetzt "fair"?
Fair gegenüber der Oberärztin dass sie andere Dinge machen muss als ursprünglich vereinbart oder fair gegenüber den Kollegen?
Und kommt es ja auch immer auf die Ausgestaltung an. Ich kann oberärztlich eine Station auch mit 1-2h am Tag betreuen... wenn ich einen entsprechenden Alt-Assistent oder Facharzt hab. Dann komm ich, besprech ne Viertelstunde die Patienten durch und Problempatienten schauen wir uns anschließend persönlich oder genauer am PC an. Das geht schon. Das ist nicht das Problem. Es kommt halt auf das Umfeld an. Und wenn jemand tatsächlich 5 Stunden am Tag arbeitet dann ist das mehr als manche Vollzeit-Kollegoiden machen, oder? ;-)
Ein immer größeres Thema sind halt auch Arbeitszeiten und deren Gestaltung. Und da bieten Kliniken, wenn man ehrlich ist, quasi nichts an. Das werden alle noch lernen müssen. Praxen sind da schon sehr sehr viel weiter.
TLDR: alle diese Dinge kommen auf die Organisationsstruktur an. Es kann passen, muss aber nicht.
nystagmus
29.10.2025, 17:55
Ich verstehe nicht, was du mir sagen willst.
Hier gibt's ja viele Bayern, daher vermute ich, das "nah" soll "nein" heißen? Aber dann bestätigst du, dass es ein AG-Problem ist?
Und der Maler soll in deinem Beispiel der WB-Assistent sein? Ist der Maler denn von deinem Zeugnis abhängig? Kann er seinen Meister nicht machen, wenn du unzufrieden bist?
Der Maler ist doch nicht dein Angestellter? Und wenn er genügend Aufträge bekommt kannst du ihm doch eigentlich völlig egal sein?
Und das Gewerk heult auch nicht herum, weil es noch nen Tag länger Krankenhausessen ertragen muss?
Es ist völlig egal, ob es sich um Weiterbildungsassistenten oder Oberärzte handelt – gemeint sind Fachkräfte bzw. Vollzeitäquivalente, also das Personal, das für eine bestimmte Aufgabe auf die Zeit bezogen notwendig ist. Verkalkuliert sich der Arbeitgeber oder trifft Einzelvereinbarungen, die nicht zueinander passen, liegt die Verantwortung beim Arbeitgeber.
In den genannten Beispielen sollten sich also die Oberärzte bzw. Assistenten an die Klinikleitung wenden – und das Problem nicht innerhalb der ohnehin hilflosen Ärzteschaft austragen, die diese Vereinbarungen bzw. Kalkulationen gar nicht zu verantworten hat. Viele erkennen das zwar, wollen es aber nicht wahrhaben und kompensieren mit einem ausgeprägten Helfersyndrom oder moralisieren die Situation als „heldenhaften Einsatz“. Später wundert man sich dann, dass dieser „heldenhafte Einsatz“ nicht belohnt wurde – es war von der Klinikleitung eigentlich nur manipulativ impliziert, aber nie explizit eingefordert wurde.
Zurück zum Beispiel:
Wenn du als Hausbauer dem Dachdecker nur einen Teil seiner Arbeit bezahlst und er sich daran hält (z. B. nur die Hälfte des Dachs deckt), kannst du nicht erwarten, dass der Maler mit dem Putzen ohne Dach beginnt/die restliche Dachdeckung übernimmt oder dass Dachdecker und Maler sich über das nicht erreichte Ziel – nämlich das fertige Dach – gegenseitig streiten.
Der Ursprung des Problems liegt hier eindeutig beim Hausbauer, der wenig Ressourcen investiert hat.
Weitere Faktoren – etwa, ob man auf das Arbeitszeugnis angewiesen ist oder einen Hauskredit abzuzahlen hat – sind zunächst nachrangig. Diese tragen nur für persönliche Reaktion, ob die Situation dulden will, löst das o.g. Problem aber nicht.
Bender B. Rodriguez
29.10.2025, 18:52
Verstehe...also war's ein bestätigendes "nah"...
Dass das ganze in der Verantwortung des AG liegt bezweifelt doch niemand. Ist hier ja auch schon wiederholt diskutiert worden.
Die Frage ist aber, ob dein Dachdeckerbeispiel die Realität in den Kliniken widerspiegelt oder eher eine Wunschvorstellung beschreibt.
Letztlich ist das ganze auch gar nicht Thema des Thread. Und da wir anscheinend ja zumindest ähnlicher Meinung sind erübrigt sich für mich auch eine weitere Diskussion.
matthew90
02.11.2025, 14:19
lieber 2,5 Tage oder alle 2. Woche frei. Halbtags und frühzeitig weg in der Klinik ist fast unmöglich.
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