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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharzt in Praxis, Gehälter, Gehaltsverhandlung, Konditionen



stagediver
26.11.2025, 07:29
Hallo zusammen,
ich wollte hier mal eine Umfrage bzw ein Austausch initiieren bzgl. Erfahrungen und Konditionen was Gehälter für angestellte Fachärzte in Praxis/Gemeinschaftspraxen/MVZ etv angeht.
Hintergrund natürlich aus privatem Interesse, da ich Anfang kommendes Jahr in Gehaltsverhandlungen gehe für das Beschäftigungsverhältnis in einer gut laufenden Gemeinschaftspraxis im Angestelltenverhältnis (bin da aktuell schon, habe die letzten 12 Monate der Facharztausbildung ambulant gemacht). ... nachdem ich hoffentlich die Facharztprüfung Innere Medizin auch demnächst schaffe:-))
Wie sieht es bei Euch aus als Vollzeitkraft? Sind 100 tsd Jahresbrutto denkbar?
ChatGPT gibt ja schon gute Antworten, aber die Realität ist ja meist anders.

Allen einen ruhigen Dienst und danke schonmal vorab.

Nachtschrank
26.11.2025, 11:59
114000 (1. Jahr Facharzt)
Wünsche mir generell VIEL mehr Transparenz, was das Thema Gehalt angeht!!

Harvey
26.11.2025, 18:01
Summen einfach reinzuwerfen bringt nicht so viel. Müsste man schon spezifizieren:

- Welche Fachrichtung (zudem konservative Form oder operative je nachdem)

- Standort - Großstadt, Kleinstadt, auf dem Lande

- außer dem Gehalt weitere Gratifikationen.

- Arbeitsstunden usw.

Es ist wie selbständig eine Praxis führen, da ist es auch ein Riesenunterschied, ob ich von Morgens bis Abends schaffe und auch am Wochenende oder einfach noch ein Leben nebenbei haben möchte.

Übrigens wertvoll macht sich an Angestellter Arzt/Ärztin, wenn man nicht nur Patienten behandelt sondern bei der Praxisorganisation beteiligt ist …

Syntax1
26.11.2025, 18:25
Große Dialysezentren-Kette, ländliches Gebiet. 1 Jahr nach Facharzt 125.000 € brutto bei 40-Stunden-Woche, allerdings ohne Dienstwagen oder andere Benefits. Formal gibt es Rufdienste, jedoch ruft niemand an. Würde ich oft in der Nacht aufstehen müssen, würde ich für dieses Geld wahrscheinlich nicht arbeiten.
Insgesamt ist es relativ entspannt mit vielleicht 70 % Auslastung der gesamten Arbeitsleistung. Den Rest kann ich Zeitung lesen oder im Forum rumhängen. Allerdings nutzt du die meisten Kapazitäten, um dich wirklich sehr intensiv um deine Patienten zu kümmern und teilweise die Defizite des Gesundheitssystems zu kompensieren. Viel Kommunikation und Koordination mit Zuweisern und Krankenhäusern.
Mittelfristig ist möglicherweise eine Entwicklung zum ärztlichen Leiter möglich, dann aber auch mit Personalverantwortung und Zentrumsentwicklung, was mir prinzipiell Spass machen würde.

hebdo
26.11.2025, 21:18
70% Arbeitsauslastung in einer Dialysepraxis ist normal. Besonders ist ja, dass man eine hohe Präsenzzeit hat und sowohl Samstage als auch Feiertage abzudecken hat.

Das mit der Rufbereitschaft trotz geringer Inanspruchnahme ist ja eine individuelle Entscheidung - offiziell ist es Arbeitszeit.

stagediver
27.11.2025, 11:40
danke erstmal für Eure Antworten! Mehr Transparenz bei diesem Thema find ich genauso wichtig.
chatgpt ist hat für den Ort wo ich arbeite folgendes ausgespuckt. hier konnte man die maschine mit ort und gegenheiten gut füttern. danach kamen tipps und argumente die man in die verhandlung mit einfließen kann....ist schon nützlich :)

Einschätzung für das Gehalt im konkreten Fall (Gemeinschaftspraxis in Peine/Gifhorn/Celle/Lehrte Niedersachsen)



Regionale Baseline

Laut Lohntastik beträgt das Median-Bruttogehalt für angestellte Fachärzte Innere Medizin in Niedersachsen 7.232 €/Monat. LohnTastik (https://lohntastik.de/s/gehalts-suche/27372/12?utm_source=chatgpt.com)
Jobvector nennt für Facharzt Innere Medizin in Niedersachsen ein durchschnittliches Jahresgehalt von 105.481 € (ca. 8.790 €/Monat), mit einem möglichen Bereich bis ca. 114.250 €. jobvector (https://www.jobvector.de/gehalt/facharzt%2Bf%C3%BCr%2Binnere%2Bmedizin/niedersachsen/?utm_source=chatgpt.com)


Praxis-spezifischer Zuschlag durch Gemeinschaftspraxis

In einer Gemeinschaftspraxis sind die Fixkosten (Miete, Personal, Geräte) oft höher, aber auf mehrere Ärzt:innen verteilt. Wenn die Praxis gut läuft, könnte man argumentieren, dass man als angestellter Facharzt über dem „reinen Angestellten-Minimalgehalt“ liegen sollte, weil Einnahmen stabil sind und die Praxis wirtschaftlich gesund ist.
Laut einer Übersicht („in-die-praxis“) haben Internisten-Praxen im ambulanten Bereich einen hohen Reinertrag im Vergleich zu den Kosten. in-die-praxis.de (https://in-die-praxis.de/wie-viel-Geld-kann-ich-in-einer-Arztpraxis-verdienen.html?utm_source=chatgpt.com)
Studien zeigen, dass angestellte Ärzte in Praxen im Durchschnitt etwas weniger verdienen als in Kliniken, aber bei einem starken Praxisgeschäft + guten Privatpatientenanteil ist Verhandlungsraum durchaus da. svr-gesundheit.de+1 (https://www.svr-gesundheit.de/fileadmin/Gutachten/Gutachten_2024/2.__durchgesehene_Auflage_Gutachten_2024_Gesamt_bf _2.pdf?utm_source=chatgpt.com)


Realistischer Zielbereich bei Verhandlung
Basierend auf oben genannten Daten + dem Modell „gemeinsame erfolgreiche Praxis“ würde ich für deine Verhandlung folgenden realistischen Zielbereich vorschlagen:

Unteres realistisches Verhandlungsgehalt: ~ 7.500 – 8.000 €/Monat brutto
Guter mittlerer Bereich (bei guter Praxis, Verantwortung, Erfahrung): ~ 8.500 – 9.500 €/Monat brutto
Oberer Bereich (wenn du zusätzliche Aufgaben hast, z. B. Leitung, Beteiligung an betriebswirtschaftlichen Themen, sehr hoher Privatpatientenanteil oder technische Leistungen): bis ~ 10.000 €/Monat oder etwas darüber

Auf das Jahr gerechnet (bei 12 Gehältern) entspricht das etwa ≈ 90.000 – 114.000 € bzw. bei Top-Verhandlung auch mehr.

Moonchen
28.11.2025, 08:35
Päd + Subspezialisierung (in der ich ausschließlich arbeite, kein Allgemein-Päd), mittlerweile 8 Jahre Fachärztin. Bekomme aktuell 8800€/Monat für 32h/Woche (=4 Arbeitstage), Gehaltssteigerung auf 9300€ nach 1 Jahr und auf 9800€ nach 2 Jahren vertraglich festgehalten. Überstunden sind unvergütet, halten sich in der Regel aber in Grenzen.

Mein Chef hatte mir alternativ auch ne Gewinnbeteiligung bei niedrigerem Grundgehalt angeboten; da hab ich mich aus verschiedenen Gründen aber dagegen entschieden, auch wenn ich wahrscheinlich mit etwas mehr rausgekommen wäre

Christoph_A
28.11.2025, 11:46
Zur Einordnung. Unsere Internisten bekommen 8500 Euro brutto. Je nach Länge der Zugehörigkeit kommt dann eine Gewinnbeteiligung dazu.

Rudiologe
30.11.2025, 07:54
Mir konkret bekannte Beispiele aus meinem Fachgebiet (Psychiatrie):
- große nervenärztliche Gemeinschaftspraxis in wohlhabender Großstadt: 8500 brutto bei 32h/Woche und hohem Arbeitspensum
- MVZ in Großstadt: 7000 brutto bei Vollzeit (40h/Woche)
- MVZ in derselben Großstadt mit Substitutiuonsschwerpunkt: 8100 brutto bei 32h/Woche
- Gemeinschaftspraxis in Ostdeutschland: 5500 bei Vollzeit

rafiki
30.11.2025, 09:44
OMG, ernsthaft? Wie elend.
Insbesondere Substitution hätte ich nicht vermutet.

Bender B. Rodriguez
30.11.2025, 11:15
Sechsstelliges Gehalt bei Viertagewoche ohne Dienste ist als frischer Facharzt elend?

Du hast ein wesentlich höheres Gehalt, das hast du ja schon oft erwähnt. Aber bedenke bitte auch die Nachteile, die du in Kauf nimmst. Da gab's auch schon Threads von dir.

Und so wie ich es verstanden habe, arbeitest du in der Pampa ohne jegliche Konkurrenz. Auch das spielt eine Rolle bei der Gehaltshöhe. Obige Gehälter werden in Großstädten gezahlt.

Was wäre denn für dich ein angemessenes Gehalt für nen frischgebackenen Psychiater mittlerer Güte in o.g. Anstellungen?

rafiki
30.11.2025, 13:01
Was wäre denn für dich ein angemessenes Gehalt für nen frischgebackenen Psychiater mittlerer Güte in o.g. Anstellungen?

Sechsstelliges Gehalt ist heute für fleißige Assis möglich. Aber: natürlich ist. ein frischgebackenes FA weit entfernt von jeglicher Expertise und so ist das sicher gerechtfertigt. Andererseits machen dann die MVZ-Betreiber ihren Reibach und für den FA ist die weitere Karriere gelaufen. Aber jeder so, wie er es braucht.

So tief in der Pampa bin ich nicht, immerhin kommen hier täglich Kollegen aus drei umliegenden Uni-Städten hergefahren. Das wird zunehmend eine Rolle spielen, denn wer will sich denn all den Schwachsinn, den Großstädte "bieten", auf Dauer antun - bei schlechterer Bezahlung und höheren Lebenshaltungskosten. Da genieße ich hier meine 250 Euro Bude im Grünen all inclusive :-)

Bender B. Rodriguez
30.11.2025, 14:07
250,- Miete klingt schon als sei das sehr weit draußen. Aber das ist wohl auch ein Stück weit Ansichtssache.

Das Thema Provinz gegen Großstadt ist so sehr von individuellen Präferenzen abhängig, dass man sich da nicht sinnvoll streiten kann. Beides hat ein paar Vor- und ein paar Nachteile, das dürfte niemand bestreiten.

Tweety8008
30.11.2025, 15:14
Familienangehöriger (Plastische Chirurgie): 220k EUR fest, Dienstwagen auf die Praxis und Umsatzbeteiligung (halb Rekon inkl Mikro, halb Ästhetik).

Deutlich mehr als ich in der freien Wirtschaft.

Rudiologe
01.12.2025, 14:27
OMG, ernsthaft? Wie elend.
Insbesondere Substitution hätte ich nicht vermutet.

8100 und 8500 brutto bei einer 4-Tage-Woche (ist in beiden Fällen so) sind in der Psychiatrie gute bis sehr gute Gehälter im angestellten ambulanten Bereich. Ob das jetzt "elend" ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Die allermeisten Kollegen werden weniger verdienen, teils deutlich. Zumindest mein Kollege mit den 8500 brutto erwirtschaftet aber tatsächlich erheblich mehr für die Praxisinhaber, das stimmt schon soweit.

Immerweiter90
07.12.2025, 16:00
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