Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche sinnvollen Nischen gibt es für FÄ für Allgemeinmedizin?
midnightowl
27.11.2025, 21:58
Ich bin 30, FA für AM (seit 1 Jahr fertig), fühle ich mich leicht verloren.
Ich mag Allgemeinmedizin, aber ich habe das Gefühl, dass irgendwas fehlt. Im Alltag habe ich keine richtige „eigene“ Prozedur.
Wenn ich Kolleg:innen in der Ophthalm, Ortho, Uro usw. anschaue, ist das einfach eine komplett andere Welt. Die machen etwas Konkretes - Kat-OPs, HTEP, Prostata Eingriffe - und der Patient merkt sofort eine Veränderung. In der AM rede zwar viel, mache Prävention, chronische Krankheiten, aber muss die Patienten dann oft sowieso weiterschicken zu den FÄ. Viele Patienten interessieren sich für Prävention sowieso nicht, und wenn ich versuche evidenzbasiert zu bleiben und nicht alles zu überdiagnostizieren, gehen sie halt zum nächsten Hausarzt, der das macht wonach sie fragen. Da fühlt man sich nicht wirklich wie jemand mit einem „Handwerk“.
Ich glaube nicht, dass ich das falsche Fach gewählt habe, aber ich habe auch nicht das Gefühl, irgendwo ein richtiger Experte zu sein. Und ich möchte wirklich nicht in Homöopathie, Supplements oder zB „Longevity“-Trend abrutschen.
Deshalb meine Frage an erfahrenere Hausärzte:
Gibt es innerhalb der Allgemeinmedizin Nischen, in denen man sich als Allgemeinmed. zum Experten entwickeln kann? Sportmedizin? Arbeitsmedizin? Schlafmedizin? Irgendwas anderes?
Oder wäre es besser einfach einen zweiten Facharzt zu machen?
Würde mich über euere Erfahrungen freuen
LG
Constantin
Heerestorte
29.11.2025, 07:48
Wenn dir an der Notfallmedizin was liegt, könntest du noch die Zusatzbezeichnung Klinische Akut- und Notfallmedizin machen. In unserer ZINA gibt es mehrere angestellte AfA die das machen. Da hat man auch sehr schnell Erfolge.
Bender B. Rodriguez
29.11.2025, 08:03
Ich bin als FA für Innere und Notarzt nach enttäuschender OA-Erfahrung in die Arbeitsmedizin gewechselt und habe da richtig Freude dran gefunden.
Die Kombination mit Allgemeinmedizin würde ich fast als optimal bezeichnen. Gerade in der Niederlassung.
Allerdings ist AM natürlich deutlich anders als kurative Medizin. Es gibt aber Möglichkeiten der Kombination, z.B. als Werksarzt mit Ambulanz. Da ist dann auch noch Notfallmedizin sinnvoll.
Es gab hier vor ein paar Jahren mal einen Thread mit Berichten über die Tätigkeit. Müsstest du mal suchen.
Dass man nach der Facharztausbildung mal in einem zweifelnden Tal landet ist in jedem Fach so - davon gibt es hier im Forum genug Beispiele.
Die Besonderheit der Allgemeinmedizin lernt man auch erst über die Jahre kennen - das Wachsen in eine Community mit wiederholter Vorstellung der Patienten in ihrem Umfeld und unterschiedlichsten Beratungsproblemen über die Jahre. So dass man mit den Patienten eine besondere Vertrauensbasis aufbaut. Da kommen die Menschen mal wegen Erkältung oder Rückenschmerzen, dann wegen Problemen mit den Kindern oder Eltern, Tumore oder Psychischen Problemen. Akuter Herzinfarkt oder Begleitung am Ende des Lebens.
Natürlich ist es auch nochmal eine besondere Situation, ob man Angestellter Facharzt ist oder in eigener Niederlassung, was nochmal einen besonderen Schwung gibt abseits der Medizin.
Nach dem Facharzt hatte ich auf all das auch erstmal keine Lust und haben einfach Vollzeit in einem SAPV Team gearbeitet, weil mich Palliativmedizin interessierte.
Im Verlauf merkte ich dann umso mehr die Freude auf hausärztliche Versorgung wieder (weg von nur einem speziellen Thema)
Daher bitte gern doch mal was anderes machen - entweder findet man da sein Glück oder kann es später für die Allgemeinmedizinische Versorgung gebrauchen - das ist ja das tolle an dem Fach.
Einfach eine tolle Zusatzbezeichnung nun machen, die einen interessiert und Weiterbildungszeit erforderlich machen wäre eine Idee wie Betriebsmedizin oder FA Arbeitsmedizin - das ist tatsächlich enorm praktisch generell besonders aber wenn man später in die Hausärztliche Versorgung zurückgeht.
Die von dir erwähnten Sportmedizin (Weiterbildung auch abseits des Berufs möglich) oder Schlafmedizin (ambulante Polygraphien machen) ebenfalls hilfreich.
OldBones
03.12.2025, 05:36
Ich bin 30, FA für AM (seit 1 Jahr fertig), fühle ich mich leicht verloren.
Ich mag Allgemeinmedizin, aber ich habe das Gefühl, dass irgendwas fehlt. Im Alltag habe ich keine richtige „eigene“ Prozedur.
Wenn ich Kolleg:innen in der Ophthalm, Ortho, Uro usw. anschaue, ist das einfach eine komplett andere Welt. Die machen etwas Konkretes - Kat-OPs, HTEP, Prostata Eingriffe - und der Patient merkt sofort eine Veränderung. In der AM rede zwar viel, mache Prävention, chronische Krankheiten, aber muss die Patienten dann oft sowieso weiterschicken zu den FÄ. Viele Patienten interessieren sich für Prävention sowieso nicht, und wenn ich versuche evidenzbasiert zu bleiben und nicht alles zu überdiagnostizieren, gehen sie halt zum nächsten Hausarzt, der das macht wonach sie fragen. Da fühlt man sich nicht wirklich wie jemand mit einem „Handwerk“.
Ich glaube nicht, dass ich das falsche Fach gewählt habe, aber ich habe auch nicht das Gefühl, irgendwo ein richtiger Experte zu sein. Und ich möchte wirklich nicht in Homöopathie, Supplements oder zB „Longevity“-Trend abrutschen.
Deshalb meine Frage an erfahrenere Hausärzte:
Gibt es innerhalb der Allgemeinmedizin Nischen, in denen man sich als Allgemeinmed. zum Experten entwickeln kann? Sportmedizin? Arbeitsmedizin? Schlafmedizin? Irgendwas anderes?
Oder wäre es besser einfach einen zweiten Facharzt zu machen?
Würde mich über euere Erfahrungen freuen
LG
Constantin
Das klingt, als wärst du in einer Region mit Überversorgung.
In unterversorgten Regionen haben die Patienten schlicht niemanden, wo sie ersatzweise hingegen können.
Ärztehopping ist da nicht möglich.
In den unterversorgten Regionen haben die Patienten auch eine ganz andere Wertschätzung dafür, dass sie überhaupt einen Hausarzt haben.
Vielleicht wäre das eine Option, in eigener Niederlassung. Da bestimmst du selbst deine Abläufe und was du anbietest.
Viele KVen bieten mittlerweile auch Förderungen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, für die Niederlassung in einer unterversorgten Gegend.
Kackbratze
03.12.2025, 13:33
Die Bundeswehr sucht gerade Musterungsärzte. Das ist auch eine Nische. Junge, meist gesunde Patienten.
Und du kannst viel "EKG" machen. Jeder der gemustert wurde weiß was damit gemeint ist ;-)
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