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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gibt es Stellen in MVZ/Praxis die als stationäre Akutinnere anerkannt werden



8eleni2
14.01.2026, 18:48
Hallo liebe Kollegen, als angehende Allgemeinärztin ,in Baden Württemberg suche ich nach einer Stelle für das notwendige AKutinnere Jahr nach der neuen WBO. Habt ihr vielleicht einen Tipp für mich, wo es sich gut arbeitet. Aktuell bin ich in einer Praxis.
Kennt ihr auch Praxen und MVZs die anerkannt sind, wo man das stationäre Jahr anerkannt bekommt?
Bei meinem Chef wird daher eine sehr attraktive STelle in seiner Hausarztpraxis frei (Wüstenrot). Ab 01.05. bzw.Mitte April.

Vielen Dank für EUre HIlfe.
Gottes Segen
Eure Elenam

Kaas
15.01.2026, 09:51
Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Darüber hinaus finde ich es ein bisschen gruselig, wenn Hausärzt/innen nie ein Krankenhaus oder eine Notaufnahme von innen gesehen haben. Zumindest hier in der Gegend gibt es auch kleinere Grundversorger, in denen man sein stationäres Jahr recht entspannt (und als Allgemeinmedizinerin i.A. auch ohne Nachtdienste) absolvieren kann. Wäre das vielleicht eine Option?

Bender B. Rodriguez
15.01.2026, 11:43
Oder in den sauren Apfel beißen und mal wirklich was lernen.

Dienste in der Inneren sind kein Spaß, aber die Lernkurve ist am Anfang steil und etwas vergleichbares bekommt man in der Praxis einfach nicht geboten.

Das hier klingt eher nach dem Versuch das absolute Minimum noch zu unterbieten.

Rudiologe
15.01.2026, 13:38
Ich möchte die Threaderstellerin auch motivieren, stationäre Erfahrung zu sammeln. Ich arbeite gerade in einem MVZ und in unserem allgemeinmedizinischen Bereich gibt es immer mal wieder wirkliche Notfälle, die man versorgen muss, bis der Notarzt da ist. Alleine in den letzten paar Monaten u.a. schon ein STEMI, zwei allergische Schocks und eine respiratorische Insuffizienz bei akut exazerbierter COPD. Das Notfallmanagement lernt man so richtig nur in der Klinik.

hebdo
17.01.2026, 23:45
Ja, es gibt MVZ, wo man sich stationäre Innere Medizin erschummeln kann. Halte davon aber nichts

Haffi
04.02.2026, 18:58
Oder in den sauren Apfel beißen und mal wirklich was lernen.

Dienste in der Inneren sind kein Spaß, aber die Lernkurve ist am Anfang steil und etwas vergleichbares bekommt man in der Praxis einfach nicht geboten.

Das hier klingt eher nach dem Versuch das absolute Minimum noch zu unterbieten.


Yes, die unglaubliche Lernkurve, wenn man wenige Tage nach Antritt völlig überfordert alleine die ZNA schmeißen darf und auf Station alle 4 Wochen mal einen Oberarzt zu Gesicht bekommt. Es scheint schon ein wenig her, dass du ein deutsches Krankenhaus als Assistent von innen gesehen hast.

Bender B. Rodriguez
04.02.2026, 20:56
Ja, das ist tatsächlich schon nen Moment her. Und? Meinst du früher war alles flauschig und nur heute wird richtig gearbeitet?

"Alle vier Wochen ein Oberarzt" und "nach wenigen Tagen allein ZNA" entspricht also heutzutage dem Istzustand? Oder übertreiben wir vielleicht ein wenig?

Letztlich ist der Punkt doch, dass man in der Klinik andere Dinge lernt als in der Praxis und es sinnvoll ist die Dinge zu behandeln, die man in der Klinik andauernd, in der Praxis aber nur in Ausnahmen zu sehen bekommt. Bist du anderer Meinung?

Haffi
07.02.2026, 08:26
Im letzten Punkt gebe ich dir recht. Aus diesem Grund verstehe ich bis heute nicht, warum Internisten und Allgemeinmediziner, die nie in der Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie, Neurologie, Urologie etc. - sei es nun in der Klinik oder Praxis - gearbeitet haben, in der hausärztlichen Versorgung zugelassen werden.

Bender B. Rodriguez
07.02.2026, 08:50
Kann vielleicht daran liegen, dass die lebens- (bzw. gliedmaßen-)bedrohlichen Erkrankungen aus den von dir genannten Fachrichtungen seltener auftreten, nicht primär in der Hausarztpraxis auflaufen oder so einfach zu diagnostizieren sind, dass eine adäquate Weiterleitung meistens gewährleistet sein sollte.

Internistische Erkrankungen sind nach meinem Gefühl oftmals anders verortet. Und gehören in der Hausarztpraxis sowohl was Diagnostik als auch was Therapie angeht zur täglichen Routine.

Außerdem sollte der Hausarzt von sich aus versuchen, eine genügende Expertise auf den wesentlichen Gebieten zu erlangen.

Siehst du eine andere Gewichtung als sinnvoller an? Welche Fachrichtung sollte deiner Meinung nach in der hausärztlichen Ausbildung dominieren und warum?

anignu
07.02.2026, 12:35
Thema Chirurgie: immer weniger Hausärzte machen inzwischen die "kleine Chirurgie" oder Wundversorgungen. Und das ist auch ok so. Die Anforderungen an Hygienepläne und Sterilität und vor allem auch deren Dokumentation ist einfach so gestiegen dass es immer weniger Sinn macht dies anzubieten. Wundversorgungen incl. der Möglichkeiten der modernen Wundversorgung wird auch immer komplexer. Manche Hausärzte bieten das noch an, andere nicht. Und z.B. Duplexsonographie. Ich bekomm als Gefäßchirurg immer wieder Überweisungen zum Ausschluss einer PAVK aus verschiedensten Gründen. Manchmal bei Schmerzen, manchmal bei Wunden. Und da ist es dann auch teils aus forensischen Gründen sinnvoll dass ein einziges Mal jemand drüber schaut der sich jahrzehntelang nur mit diesem Thema beschäftigt.
Für mich ist das ok dass Hausärzte kein Pflichtjahr Gefäßchirurgie haben.

Haffi
11.02.2026, 20:33
.
Siehst du eine andere Gewichtung als sinnvoller an? Welche Fachrichtung sollte deiner Meinung nach in der hausärztlichen Ausbildung dominieren und warum?

Meiner Ansicht nach sollte die Allgemeinmedizin in der hausärztlichen Praxis die Weiterbildung dominieren, da nur hier das notwendige Spektrum repräsentiert wird. Die von dir genannten Punkte, insbesondere jener, dass der Erwerb wichtiger Kompetenzen aus den nicht-internistischen Fächern in der eigenen Verantwortung liege, lässt sich ebenso auf die internistischen Inhalte übertragen.

Die mir bekannten vielen internistischen Kollegen in der hausärztlichen Versorgung hingegen können meiner Ansicht nach allesamt nicht ansatzweise das erforderliche Spektrum abbilden, da sie im Rahmen ihrer Ausbildung nicht einmal grundlegendste allgemeinmedizinische Prinzipen wie das beobachtende Zuwarten kennen gelernr haben. Wie auch wenn man in einer Welt voller Überdiagnostik ausgebildet wurde, in der jeder Harnwegsinfekt in der ZNA erstmal routinemäßig ein Röntgen Thorax und EKG verpasst bekommt.

Bender B. Rodriguez
12.02.2026, 05:57
Du hast meinen Punkt glaube ich nicht ganz verstanden. Es geht mir um Komplexität und Häufigkeit der Erkrankungen.

Außerdem spreche ich von Allgemeinmedizinern. Dass hausärztliche Internisten einen höheren Fokus auf die Dinge legen sollten, die sie in ihrer Ausbildung nicht gesehen haben ist eine Binse.

Auch dass die Allgemeinmedizin in der hausärztlichen Versorgung den Hauptanteil haben sollte, ist eine Binse. Da geht's dir anscheinend um die Herangehensweise.

Aber welche Erkrankungen dominieren denn da? Aus dem welchem Fachgebiet kommen die Erkrankungen bei denen beobachtendes Zuwarten falsch wäre und man schnell schalten muss?

hebdo
13.02.2026, 11:28
….Die mir bekannten vielen internistischen Kollegen in der hausärztlichen Versorgung hingegen können meiner Ansicht nach allesamt nicht ansatzweise das erforderliche Spektrum abbilden, da sie im Rahmen ihrer Ausbildung nicht einmal grundlegendste allgemeinmedizinische Prinzipen wie das beobachtende Zuwarten kennen gelernr haben. Wie auch wenn man in einer Welt voller Überdiagnostik ausgebildet wurde, in der jeder Harnwegsinfekt in der ZNA erstmal routinemäßig ein Röntgen Thorax und EKG verpasst bekommt.

Naja, um zu erkennen ob Zuwarten die richtige Strategie ist braucht man Erfahrung - sonst würde ich es Nichtstun und Hoffen nennen. Sehe ich täglich hier in der Klinik

Meiner Erfahrung nach, wird Übertherapie und Überdiagnostik eher durch Unsicherheit und Unerfahrung verursacht. Ich würde auch sagen, dass dadurch die meisten unnötigen Antibiosen verordnet werden.

Deine Aussage zu Harnwegsinfekte und Röntgen/EKG zeigt eigentlich, dass du von der Realität in einer ZNA eines Maximalversorgers wenig Ahnung hast. Wenn ich mir nach einer durchschnittlichen 12h Schicht das behandelte Patientenkollektiv anschaue, den Allgemeinzustand, die Morbidität, die Ergiebigkeit von Anamnese und Kooperation bei der Untersuchung berücksichtige, sehe ich nicht viel Überdiagnostik bzw. zum Nachteil der Patienten.

Ich stimme zu, dass das Spektrum der Allgemeinmedizin nicht alleine durch die Innere Medizin abgebildet wird. Andererseits würde ich niemanden als Hausarzt ohne eine solide internistische Basis einstellen.

hebdo
13.02.2026, 11:38
Im Endeffekt ist diese Diskussion wenig zielführend. Es gibt einfach zwei Lager mit unterschiedlichen Ansichten. Die Qualität der Weiterbildung nimmt ab; so auch die Qualität der Behandlung. Jeder kann ja machen was er für richtig hält. Alle sind zufrieden.

Ich bin auch zufrieden und werde mich täglich mit der mangelnden hausärztlichen Versorgung rumschlagen. Und die Hausärzte dürfen über mich schimpfen