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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unklar bei der FA-Wahl



Curtis
17.01.2026, 08:28
Hallo ihr Lieben. ich stecke in einer Art Dilemma und weiss nicht, was das Beste für mich ist. Ich bin nun nicht mehr der jüngste mit 36 Jahren und habe vor zwei Monaten das Studium beendet. Eigentlich habe ich von Anfang an gedacht, die Klinik wäre das beste für mich, aber jetzt wo es zur FA-Wahl geht, bin ich unschlüssig, denn ich habe auch weniger Lust auf Schicht- und Wochenenddienste, zumal ich auch mal eine Familie gründen möchte. Die Frage die ich mir nun stelle, wäre der Hausarzt nun die bessere Wahl? Was würdet ihr empfehlen? Innere und auch Anästhesie würden mich interessieren.
danke euch :-)

Nilani
17.01.2026, 08:59
Zum Thema Hausarzt können die anderen sicher was sagen. Um die Schichten und Dienste wirst du kaum herumkommen, zumindest nicht im klinischen Teil.
Ich werfe aber mal zusätzlich die Rehakliniken mit in den Ring, entweder als Internist oder als FA für Rehamedizin (dafür müsstest du allerdings auch 1 Jahr in die Chirurgie, wobei ich einige Zeit in der Allgemeinchirurgie gar nicht so schlecht finde, auch falls es später Hausarzt werden sollte). Dort gibt es zwar auch Dienste, aber die sind meist ruhiger, teilweise werden sie aber auch extern vergeben. In meiner aktuellen Klinik arbeiten viele in Teilzeit und mit flexiblen Arbeitszeiten. In den kardiologischen Rehakliniken kann man zudem auch Funktionsdiagnostik wie Echo und Ergo machen. Falls du da noch Fragen hast, kannst du dich gern melden

Aninanin
17.01.2026, 14:49
Hallo,
Wenn du zwischen Innerer Medizin und Allgemeinmedizin schwankst wäre es doch eine gute Möglichkeit erstmal das Jahr innere akut Medizin zu machen und dann je nach konkreten Lebensumständen und Interesse zu überlegen wie es weiter geht.
Du kannst ja bis zu 2,5 Jahre Innere machen ohne Zeit zu verschenken, egal wofür du dich letztlich entscheidest.

Wenn aktuell Klinik möglich ist würde ich selbst mit dem konkreten Ziel Allgemeinmedizin erstmal den Klinikteil machen, dann bist du danach gerade im Hinblick auf die Vereinvarkeit mit Damilue viel freier

nie
17.01.2026, 16:05
Lust auf Schicht- und Wochenenddienst hat wohl niemand :-nix Aber selbst als Allgemeinmediziner wirst du da nicht ganz dran vorbei kommen. Und Aninanin hats ja schon gesagt, noch scheint ja keine Familie da zu sein. Also was spricht dagegen, erstmal in die Klinik zu gehen und dann zu schauen, wie es läuft? In die Allgemeinmedizin wechseln kann man immer noch.

Ich bin auch 36 Jahren alt und arbeite in der Inneren Medizin. Kann man schon machen. Mir hängt das auch alles mehr in den Knochen als noch vor ein paar Jahren aber es bringt einen jetzt auch nicht um. Man sollte sich halt die Kliniken genau anschauen, nicht überall ist die Dienstbelastung hoch. Sowohl im Bezug auf Häufigkeit als auch Intensität. Es wird ja oft zu kleinen Kliniken geraten aber manchmal ist es gar nicht so schlecht nach den großen Kliniken zu schauen. Die haben oft einen großen Pool an dienstfähigen Ärzten und dementsprechend weniger Dienste im Monat. Dazu haben die großen Klinik oft eine eigenen Besetzung für Notaufnahme und Intensiv, man hat also nur die Stationen im Dienst. Die nerven im Dienst zwar auch manchmal aber man hat eine deutliche höhere Chance auf ruhige Dienste.

Aninanin
17.01.2026, 17:02
In die Allgemeinmedizin wechseln kann man immer noch.

Zumal man es ja nicht mal als Wechsel beteachten muss, da Innere Medizin ja nunmal Teil der FA Weiterbildung Allgemeinmedizin ist. Wenn man den FA Allgemeinmedizin machen möchte kommt das irgendwann auf einen zu und wenn es gerade passt dann würde ich da nicht lange überlegen sondern das machen bevor evt Kinder da sind.

Anders wäre es wenn die jetzigen Lebensumstände Dienste nicht zulassen würden, weil z.b schon kleine kinder da sind. Da müsste man dann anders überlegen

Pollito
17.01.2026, 17:54
Hallo Curtis,

ich stand vor ein paar Monaten vor einem ähnlichen Dilemma. Ich bin auch Ende 30 und habe mir bereits während des Studiums den Kopf zerbrochen, welcher FA wohl für mich der richtige wäre. Bei mir sind aber auch andere Kriterien mit eingeflossen, da ich bereits Kinder habe und noch dazu nicht unbedingt mit einer guten Gesundheit gesegnet bin. Insofern sind für mich Nachtdienste fast unmöglich. Ich arbeite aber aktuell in einer internistischen Praxis und bisher klappt es ganz gut. Leider gibt es sehr wenig FA-Ausbildungen, die gänzlich ohne Nachtdienste auskommen. Vielleicht ist ja da etwas für dich dabei?! Wenn du aber wirklich Hausarzt werden möchtest, würde ich dir auch empfehlen, das Klinikjahr gleich am Anfang durchzuziehen (Reha-Kliniken eignen sich da ja auch), bevor es Richtung Kinderwunsch geht. Viel Erfolg bei der Suche!

DA1994
17.01.2026, 22:03
An vielen großen Kliniken muss man im ersten Jahr in der Inneren überhaupt keine Dienste machen. Bei uns (Uniklinik) maximal am Wochenende vormittags nach einigen Monaten. Man lernt schon viel in den Diensten wenn man alleine ist und "abliefern" muss, aber wenn es überhaupt nicht geht lässt sich das sicherlich umgehen. Ohne jegliche Akutmedizin Hausarzt zu werden halte ich für ein schwieriges Konstrukt, auch wenn die Klinikzeit sicherlich nicht spaßig ist sollte man sie schon aus Anspruch an die eigene Arbeit ernstnehmen.

Curtis
18.01.2026, 08:19
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten :-)

Locutus001
19.01.2026, 12:43
Hallo Curtis,

mach doch 2 Jahre +/- Innere (ob in Reha oder sonst wo...) für die Zeit die Du unbedingt für den Facharzt Deiner Wahl benötigst.

Und dann so schnell wie möglich weg von den Kliniken...

(Für Labormed./MiBi, etc. brauchst Du nur ein Jahr Innere bzw. "direkte Pat.-Versorgung" an einer Klinik... nur mal so ^.^).

Ein Freund von mir, mittlerweile 3 Kinder, hat als Facharzt für Allgemeinmedizin einen ca. 30h pro Woche Vertrag als 100% ausgehandelt. Ohne Nacht- und WE-Dienste. Das ist natürlich der Traum.
Als angestellter Arzt, ggf. ja auch in Teilzeit, hast Du da Möglichkeiten. Erfahrungsgemäß im ambulanten Bereich einfacher, als in der Klinik.

Also wie schon andere geschrieben haben: Starte mit der Klinik (die Jahre in der Inneren Medizin lassen sich ja bei vielen Facharztrichtungen anrechnen) und dann nix wie weg.

Reha-Kliniken bieten natürlich eine interessante Alternative. Ich möchte aber aus Erfahrung auch folgendes dazu schreiben:
1. Du hast ein breites Bild an internistischen Krankheitsbildern in der Reha und in der Frühphase (B) gibt es auch Reha-Kliniken mit Intensivstationen. Notfälle können vorkommen. In der Spätphase... na ja... häufig weniger spannend und im besten Fall etwas spezifischer bzgl. Fachausrichtung. Vermutlich ist es gut, wenn Du nicht nur in einer Reha in der Spätphase (C/D) arbeitest.

2. Dir fehlt aber mit "nur Reha" im Vergleich zu anderen Kliniken m.M.n. ein Stück weit spezifische Expertise und die Rettungsstelle kann sicherlich eine sehr hilfreiche Erfahrung sein für mögliche spätere Dienste oder auch Akutsituationen in der Praxis.
Insbesondere, wenn Du spezifische Erfahrung sammelst, sprich Kardiologie, Endokrinologie, etc. kann das später sehr hilfreich sein für Dich als Allg.-Med.

3. Ein guter Allg.-Med. kannst Du natürlich unabhängig von dem jeweiligen Werdegang werden.
Und: 36 Jahre ist doch top. Muss ja nicht jeder in der Spätpubertät fertiger Facharzt sein ;-)

Relaxometrie
19.01.2026, 12:48
36 Jahre ist doch top. Muss ja nicht jeder in der Spätpubertät fertiger Facharzt sein ;-)
Made my day :-)):-D:-top

Curtis
19.01.2026, 17:37
@Locutus001: Danke für die Nachricht :-) ja ich denke, man macht nichts falsch, wenn man in der Inneren anfängt, man kann es ja wie Du schon sagst auch anrechnen lassen :)
Kurze Frage: angenommen ich würde an eine Uniklinik in der Inneren anfangen zum Beispiel Gastro.
Beworben als jemand, der den FA für Gastro machen will … nach etwa 1-2 Jahren merke ich, dass es nichts für mich ist und dass ich doch in die Allgemeinmedizin möchte, dann einfach kündigen, und die 1-2 Jahre anrechnen lassen und mit Allgemeinmedizin weiter machen? Ist es so „einfach“?
Danke euch, curtis

DA1994
19.01.2026, 18:05
Ja ist es, kommt regelmäßig vor dass Leute merken dass die stationäre Versorgung oder universitäre Medizin nichts für Sie ist. Manchmal nach einem Jahr, manchmal als fertiger Doppelfacharzt. Im Bewerbungsgespräch muss man natürlich jeden Zweifel verschweigen ;)

Locutus001
27.01.2026, 11:18
@Locutus001: Danke für die Nachricht :-) ja ich denke, man macht nichts falsch, wenn man in der Inneren anfängt, man kann es ja wie Du schon sagst auch anrechnen lassen :)
Kurze Frage: angenommen ich würde an eine Uniklinik in der Inneren anfangen zum Beispiel Gastro.
Beworben als jemand, der den FA für Gastro machen will … nach etwa 1-2 Jahren merke ich, dass es nichts für mich ist und dass ich doch in die Allgemeinmedizin möchte, dann einfach kündigen, und die 1-2 Jahre anrechnen lassen und mit Allgemeinmedizin weiter machen? Ist es so „einfach“?
Danke euch, curtis

Ich bin immer ein Freund von Ehrlichkeit und Transparenz.

In diesem Zusammenhang sei vielleicht folgende Faustformel genannt:
Sei zu Deinem (möglichen) Arbeitgeber (insbesondere wenn es um Kliniken geht!) so ehrlich, transparent und wertschätzend, wie die Klinikträger und Geschäftsführungen es zu/mit Dir sind.

Falls Dir die Interpretation Schwierigkeiten bereiten sollte:
Wenn sie könnten, würden sie jeden Arzt sofort entlassen um Geld zu sparen. Keiner interessiert sich für Dich als Mensch und Deine Sorgen und Nöte. Du wirst bezahlt und erledigst die Arbeit die anfällt. Im besten Fall machst Du das sogar sehr gut. Weitere Verbindlichkeiten auf "moralischer Basis" zu Deinem Klinik-Arbeitgeber sollten nicht bestehen. Für Dein Team in dem Du arbeitest, kannst Du natürlich überlegen, ob Du wegen eines Engpasses ggf. etwas länger bleibst. In der Regel sollten die Versäumnisse der Kliniken in der Personalplanung jedoch nicht dazu führen, dass Du Deine Lebensentwürfe darauf anpasst, diese Lücke zu füllen.

Geht es später in den ambulanten Bereich, würde ich persönlich da so vorgehen, wie ich es mir als Praxisbesitzer auch wünschen würde.
Außer es handelt sich um ein MVZ von irgendeinem Träger... dann siehe Faustformel für Kliniken.

Beste Grüße und viel Erfolg!