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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sozialmedizin



Danteman123
22.01.2026, 12:39
llgemeine Frage/Diskussion
Moin,

sind hier Ärzt:innen unterwegs, die die Zusatzbezeichnung Sozialmedizin haben?

Überlege, ob sich das lohnt, wenn man nebenbei Gutachten schreiben möchte.

Wie sind eure Erfahrungen – Aufwand vs. Nutzen? Gibt es realistisch Aufträge oder bleibt das eher Theorie?

Danke euch!

Rudiologe
22.01.2026, 13:45
Würde mich auch interessieren! Ich dachte immer, man macht die Weiterbildung hauptsächlich, um seine Patienten sozialmedizinisch besser versorgen zu können.

rafiki
22.01.2026, 15:38
Vor vielen Jahren habe ich die Kurse gemacht, aus Interesse hauptsächlich, und es nutzt durchaus etwas, sozialrechtliche Dinge im Gesamtzusammenhang zu sehen und entsprechend zu beraten bzw. zu begutachten. Allerdings ist der Abschluss, also die Zusatzberzeichnung schwer zu bekommen, weil es kaum offizielle Weiterbildner gibt. Die, die die Zusatzbezeichnung haben, stammen aus einer Zeit, in der man sich quasi selbst bzw. gegenseitig damit beglückt hat.

Danteman123
22.01.2026, 16:41
Danke für die Info. Ich finde das Feld tatsächlich total spannend. Bin FA Allgemeinmedizin und bald Doppel FA Arbeitsmedizin. Der Abschluss der Zusatzbezeichnung wäre für die Beratung Goldwert später. Hab gesehen dass Weiterbilder häufig beim MdK oder im Versporgungsamt sitzen. Laut neuer WBO in Nordrhein ist keine feste WB Zeit mehr vorgeschrieben. Hat jemand Erfahrung diesbezüglich beim MDK oder Amt? Viele Grüße

Feuerblick
22.01.2026, 18:34
Es ist in der Tat schwierig mit den Weiterbildungsbefugten für die ZB. Die sitzen halt dort, wo es Sozialmedizin gibt. Insbesondere beim MD (ohne K bitte!), bei der DRV, in JVAen, Ämtern und teilweise auch in Reha-Kliniken. Hör dich am besten mal bei deiner Ärztekammer um. Ich habe gerade bei einer Umkreissuche 20 Menschen gefunden, die grundsätzlich die Befugnis hätten.
Mit der neuen WBO sind solche lustigen Sachen wie Weiterbildungs-Jahres-Gespräche und eine Mindestzahl an Gutachten mit körperlicher Untersuchung vorgeschrieben- wobei ich nicht sicher weiß, ob da alle Bundesländer mitgezogen sind (hab das Ganze zum Glück lange hinter mich gebracht). Das müsstest du auch klären, denn dann wird es schwierig. Das ist schon für diejenigen schwierig zu bekommen, die die ZB mehr oder weniger machen MÜSSEN, weil sie z.B. beim MD arbeiten. Das war bis vor ein paar Jahren deutlich entspannter. Da war man nach Praktika und den vier Kursen bereit für die ZB. :-)
Arbeitsmedizin nutzt leider wenig für die ZB - so zumindest meine Erfahrung mit Kollegen.

Bedenke auch, es sind mehrere Kurse, die nicht gerade billig sind. Und je nach Ärztekammer/Anbieter auch eher so semi-spannend. Dazu dann möglicherweise die verpflichtenden Gutachten und eine Prüfung. Wenn da der Arbeitgeber nichts zuschießt, ist das ein nicht ganz preisgünstiger Spaß. Und fürs reine Gutachtenschreiben nebenher brauchst du zwar Ahnung von der Sozialmedizin, aber nicht unbedingt die ZB.

Ich fand es in Teilen damals interessant, teilweise aber auch arg langatmig und redundant, weil ich natürlich aus dem Tagesgeschäft vieles wusste und schon verinnerlicht hatte.
Ich würde mich freuen, wenn mehr Niedergelassene und Klinikärzte Ahnung von Sozialmedizin hätten. Viele Diskussionen und viel Ablehnung z.B. des MD resultieren einfach auch aus fehlenden Kenntnissen über die Tücken der Sozialmedizin. Ob man dafür dann aber unbedingt die ZB machen muss… :-nix

abcd
22.01.2026, 19:30
Ich hatte Glück und einen OA mit WBB Sozialmedizin und konnte die ZB erwerben. Die Kurse sind tatsächlich sehr unterschiedlich und waren oft auch zäh und redundant.
In Düsseldorf bei der DRV wurde damals von der ÄK Nordrhein zusätzlich die "Ärztliche Begutachtung" bescheinigt. Super spannend fand ich zB den Besuch in einem Aluminiumwerk im Rahmen des Kurses. Die Arbeitsbedingungen dort zu erleben, hat mich schwer beeindruckt.
In meinem Job in der Reha hilft es schon, das Große Ganze zu überblicken und Zusammenhänge zu verstehen.

Feuerblick
22.01.2026, 20:02
In unseren Kursen waren extrem viele Reha-Ärzte. Leider war der Kurs dann auch entsprechend Reha-lastig, was uns anderen leicht genervt hat. Aber hey, kann man immer brauchen… :-)

Danteman123
22.01.2026, 20:58
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Habe gerade mal durch die WBO durchgeguckt: ist echt sehr aufwendig. Ich dachte immer, dass man für die Gutachten präferiert als Sozialmediziner herangezogen wird. Gut zu wissen, dass das auch anders geht. Vllt absolviere ich erstmal die Kurse. Kann mir zumindest aktuell nicht vorstellen mich längerfristig hierfür im Versorgungsamt oder beim MD anstellen zu lassen.

Feuerblick
22.01.2026, 21:14
Ja, das ist wirklich sehr aufwändig geworden. Früher war das einfacher.