Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weiterbildung planlos
Clever621
27.01.2026, 14:13
Hallo ihr Lieben,
ich habe vor Kurzem mein Studium abgeschlossen und bin jetzt total planlos. Ich bin schon 39 und habe ein dreijähriges Kind, daher scheidet Chirurgie für mich aus. Meine Idee war die Innere Medizin.
Könnt ihr Fachrichtungen nennen, die ich mir auf jeden Fall anschauen sollte?
Wenn man eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin anfängt und dann zur Inneren Medizin wechseln will, kann man sich da etwas anrechnen lassen? Weiß das jemand zufällig?
Kann man als Internist in einer allgemeinmedizinischen Praxis arbeiten?
Ich weiß, viele Fragen, aber ich weiß gerade wirklich überhaupt nicht, wohin mit mir.
Ich danke euch sehr!
Nefazodon
27.01.2026, 16:46
Hallo Clever621 und willkommen im Forum!
Um deine Fragen adäquat beantworten zu können und dir zu helfen wäre es gut, etwas mehr über dich und deine (fachlichen) Interessen zu wissen.
Bist Du wirklich total planlos? Was war denn dein Wahlfach im PJ und wie hat es dir da gefallen?
In welchen Fächern hast Du famuliert?
Bist Du eher Chirurg*in oder eher der Labortyp?
Hast Du Erfahrung mit den P-Fächern (Psychiatrie und Psychosomatik)? Könntest Du dir sowas vorstellen?
Medizin ist breit gefächert und bietet viele Möglichkeiten. Zumindest die Richtung in die Du tendierst solltest Du uns aber schon sagen können...
TaraTamm
27.01.2026, 20:26
Als du mir Anfang 30 noch ein so langes und anstrengendes Studium angefangen hast, da hattest du doch sicher irgendeinen Plan was du damit am Ende machen möchtest!?
Innere ist in jedem Fall ein sehr universelles Fach und lässt sich im Allgemeinen für sehr viel anrechnen oder ist teilweise Teil der Weiterbildung für andere Fächer. Anderseits ist das in vielen Fällen kein besonders familienfreundliches, planbares Fach. Wenn man Bock drauf hat, scheint es sinnvoll zu sein nach einer guten Stelle in Innere zu suchen und wenn es nur als "Durchhaltefach" dient und als Türöffner für andere Fächer.
Ob konkret ein Jahr Allgemeinmedizin für Innere angerechnet werden kann, musst du in deiner WBO nachlesen - in meiner LÄK ginge das. Ein Start in der Allgemeinmedizin ist allerdings oft nicht ganz einfach, weil man noch keine Kompetenzen hat. Deswegen, aber auch aus anderen Gründen, wird man wahrscheinlich nur schwer eine Stelle zum Berufseinstieg bekommen.
Mit Allgemeiner Innere kannst du prinzipiell auch auch hausärztlich arbeiten. Ich kenn auch Praxen, die hausärztliche Versorgung und Schwerpunkt-Innere Versorgung machen, z. B. Kardiologie. Wie das formal läuft, ob das beispielsweise eine Berufsausübungsgemeinschaft ist, weiß ich im Detail leider nicht. Jedenfalls ist es prinzipiell auch mit Schwerpunkt Innere möglich, in der Niederlassung zu arbeiten.
Hallo Clever621,
Innere Medizin ist, wie Dooly schon meinte, nicht immer besonders familienfreundlich. Aber auch da kommt es auf die Klinik bzw. Praxis an. Da ich (ebenfalls mit Kind) mich auch für Innere Medizin interessiere, habe ich zunächst auch erst einmal in einer internistischen Praxis angefangen. Dort sind die Arbeitszeiten natürlich deutlich angenehmer als in der Klinik.
Aber in welchem Bereich liegt denn dein Interesse? Oder geht es eher darum, familienfreundliche Bereiche zu finden? Wenn ja, gibt es im ambulanten Bereich der UPV sicherlich viele Optionen wie Pädiatrie, Radiologie, NUK, Arbeitsmedizin, Allgemeine, Innere, Gyn, teilweise sogar Chirurgie, Orthopädie usw. Vielleicht findest du dort erst einmal etwas für den Anfang und kannst dann schauen, ob das jeweilige Fach etwas für dich ist. Für Labor/MiBi usw. benötigt man häufig jedoch ein stationäres Fremdjahr, also je nach LÄK... aber auch das wäre ja eventuell eine Option für dich..
Kampf-Muffin
29.01.2026, 20:30
also ich bin mir nicht sicher, ob Innere prinzipiell familienfreundlicher ist...je nach Haus und Subspezialisierung werden da jedenfalls auch viele Überstunden gemacht...
Locutus001
30.01.2026, 09:59
Hallo ihr Lieben,
ich habe vor Kurzem mein Studium abgeschlossen und bin jetzt total planlos. Ich bin schon 39 und habe ein dreijähriges Kind, daher scheidet Chirurgie für mich aus. Meine Idee war die Innere Medizin.
Könnt ihr Fachrichtungen nennen, die ich mir auf jeden Fall anschauen sollte?
Wenn man eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin anfängt und dann zur Inneren Medizin wechseln will, kann man sich da etwas anrechnen lassen? Weiß das jemand zufällig?
Kann man als Internist in einer allgemeinmedizinischen Praxis arbeiten?
Ich weiß, viele Fragen, aber ich weiß gerade wirklich überhaupt nicht, wohin mit mir.
Ich danke euch sehr!
Egal wohin die Reise gehen soll. Erst einmal viel Erfolg!
Mit 39 Jahren hast Du die notwendige Lebenserfahrung auch mal nein zu sagen und selbst festzulegen, was für Dich richtig ist.
Mit Kind bleibt Dir fürchte ich nicht viel mehr übrig als "Augen zu und durch".
Relativ unabhängig welches Fach.
Die Frage ist ja auch immer wie man das im privaten Rahmen gestaltet. Kannst Du 100% überhaupt arbeiten z.B. für ein Jahr oder zwei Jahre?
Ansonsten streckt sich die Weiterbildungszeit halt.
Meine persönliche Erfahrung, die sich aus meinem Bekanntenkreis jedoch bestätigt, mit Kind möglichst früh raus aus der Klinik und im ambulanten Bereich arbeiten.
Es gibt viele spannende Fächer wie Nuklearmedizin, Pathologie, Mibi, Labormedizin, Hygiene, Humangenetik, Transfusionsmedizin, Arbeitsmedizin, etc. in denen Du häufig relativ gute Voraussetzungen für Vereinbarkeit mit Privatleben insbes. mit Kindern vorfindest.
Sicherlich auch Dermatologie oder Augenheilkunde und Co.
Ich finde da kann man gar nicht so richtig etwas empfehlen. Häufig ergibt es sich aus der Weiterbildungsordnung und den Stellenausschreibungen, die Du so vorfindest.
Eine Bekannte von mir die MiBi gemacht hat, hat das eine Jahr Innere Medizin dann relativ am Ende erst genommen (ist eigentlich immer nicht empfohlen) aber das wurde dann mit dem Arbeitgeber so besprochen, dass sie ohne Nachtdienste und Co. in einer der Kliniken untergebracht wurde, die ohnehin vom Labor betreut worden sind.
Ich glaube das hat sich etwas auf das Gehalt ausgewirkt, war aber in dem Moment für sie einfach die beste Entscheidung (zumal auch mit Kind).
Vieles ist möglich.
Ganz viel Erfolg!
Anne1970
31.01.2026, 02:30
Willkommen im Forum! Hab auch mit Ende Dreißig das Studium (Zweitstudium, verh., damals mit Schulkind, in Regelstudienzeit) beendet und die Weiterbildung begonnen. Hatte im Studium und im PJ den festen Plan, Anästhesie zu machen und hab mich dann während des PJ (Wahlfach NCH, hatte die Anästhesie-Stelle nach dem Wahlfach schon fest) für Neurologie entschieden. Bin damit glücklich geworden. Also selbst mit Plan :grins: hat sich alles geändert :-)). Neurologie ist häufig nicht so „verschleißend“ wie Innere ( je nach Klinik)- m. E. ist Transparenz von Beginn an nützlich: wir haben immer mal jemanden auf dem Weg zur Allgemeinmedizin für ein Jahr ( oder bei 50- 75% Teilzeit etwas länger) bei uns. Im ersten Jahr Neurologie sollten - bei guter Einarbeitung auf Station- noch nicht so schnell Dienste anfallen. Wenn Du nur ein Jahr bleiben möchtest, wird man dich vermutlich nicht in die Notaufnahme einarbeiten und daher kämst du nicht für Nachtdienste infrage. Nach einem Jahr stationärer Versorgung hast du in der Regel mehr Möglichkeiten… in welchem Bundesland möchtest du denn arbeiten?
P.S.: Glückwunsch zum erfolgreichen Studium in dieser herausfordernden Zeit (mit Schwangerschaft und kleinem Kind)! :-)
Aninanin
21.02.2026, 11:59
Insbesondere wenn man Teilzeit arbeiten möchte kann, bei entsprechendem Interesse, auch der Berufsstart in der Psychiatrie gut machbar sein. Ist natürlich stark klinikabhängig, aber grundsätzlich scheint Teilzeitarbeit dort bereits gut umgesetzt zu werden. Bis zu 6 Monate Psychiatrie kann man sich auch für Allgemeinmedizin anrechnen lassen oder 1 Jahr für Neuro. Wichtig finde ich eine vorherige Hospitation um sich bei den Assistenten mal umzuhören wie es in der Realität läuft. In der Inneren und Chirurgie scheint Teilzeit häufig an der Realität zu scheitern ( nur meine Erfahrung).
Clever621
21.03.2026, 06:26
Hallo Taratamm,
vielen Dank für deinen wertvollen Beitrag. Ich habe nicht mit Anfang 30 angefangen mit so einem langen anstrengendem Studium :-), sondern sehr viel früher. Lediglich kam das Leben dazwischen und ich konnte es nicht Musterhaft zu ende bringen und somit Ende 20 fertig sein. Glaub mit, dass hätte ich auch gerne gemacht.
Clever621
21.03.2026, 06:36
Hallo Ihr Lieben,
Erstmal ein Riesen Danke an alle die mir geantwortet haben und sich die Mühe gemacht haben. Auch danke an die Glückwünsche und die Mut machenden Post, mit Ideen zur Umsetzung.
Leider war ich jetzt länger krank und konnte nicht adäquat antworten.
Ich kann mich tatsächlich für vieles begeistern und mag auch die verschiedenen Fachrichtungen. Im PJ hab ich sogar die Chirurgie lieb gewonnen, so dass ich das in Erwägung gezogen hätte wenn ich nicht ende 30 wäre. Mir sind vor allem gute Arbeitszeiten (auch wenn es in der Medizin utopisch klingt), wenig Dienste etc wichtig. Daher hab ich jetzt den Weg über Allgemeinmedizin entschieden. Da man in der Weiterbildung sehr viel in der Praxis machen kann und es zumindest für den Anfang für mich machbarer erscheint.
Ich hab natürlich keine Ahnung ob es der richtige Weg ist und ich eine Praxis finde die einen Studienanfänger einstellen möchte, aber einen Versuch ist es sicherlich wert. Wenn ich damit vollkommen auf dem Holzweg bin meldet euch gerne. Das einzige wo ich mich so gar nicht sehe ist tatsächlich Neurologie, Psychiatrie , Orthopädie und Dermatologie.
Danke nochmals :-)
Bender B. Rodriguez
21.03.2026, 08:34
Es gibt hier einiges zum Thema Einstieg im ambulanten Bereich zu lesen. Auch noch Recht frisches.
Ich persönlich halte das für den falschen Weg, weil in der Klinik potenziell schwerere Fälle in einem geschützteren Rahmen auftreten und diese Erfahrung für die Praxis m.E. notwendig ist.
Ich habe nie ambulant gearbeitet, daher kann ich es nicht abschließend einschätzen, aber als Internist bin ich der Meinung, dass man mindestens (!) ein Jahr Innere gemacht haben sollte, bevor man in die hausärztliche Praxis geht. Auch andere Fachrichtungen lernt man stationär einfach besser kennen. Ein bisschen Neurologie und Unfallchirurgie schaden sicherlich auch nicht.
Ich würde versuchen, drei bis vier Jahre stationär zu machen bevor ich in die Praxis gehe. Aber wie gesagt, ich kenne nur eine Perspektive.
Es ist eine Krux mit den Fragen nach Klinik und Ambulanz.
Das Schöne ist: du kannst splitten. Dir viel angucken. Und das empfehle ich auch für die Allgemeinmedizin. Konnte ich leider kinderbedingt nicht, ich brauchte etwas wohnortnahes, da gab es nicht so viel Auswahl. Aber wenn du kannst: guck dir viel an. Wenn möglich sogar mehrere Hausarztpraxen.
Was du zuerst machen willst, steht dir ja offen. Würde auch immer empfehlen, den stressigen klinischen Teil zuerst zu machen. Dann isses weg.
Jukka666
24.03.2026, 09:15
Es ist eine Krux mit den Fragen nach Klinik und Ambulanz.
Das Schöne ist: du kannst splitten. Dir viel angucken. Und das empfehle ich auch für die Allgemeinmedizin. Konnte ich leider kinderbedingt nicht, ich brauchte etwas wohnortnahes, da gab es nicht so viel Auswahl. Aber wenn du kannst: guck dir viel an. Wenn möglich sogar mehrere Hausarztpraxen.
Was du zuerst machen willst, steht dir ja offen. Würde auch immer empfehlen, den stressigen klinischen Teil zuerst zu machen. Dann isses weg.
vielleicht irre ich mich: aber braucht man für die Weiterbildung allgemeinmedizin nicht sowieso einen längeren Zeitraum stationäre innere?
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