Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rückzahlung Förderung Übergang Facharztgespräch Allgemeinmedizin, Perspektivlosigkeit



workhard
02.02.2026, 02:54
Hallo,

ich stehe kurz vor der Facharztprüfung Allgemeinmedizin. Meine Weiterbildung ist abgeschlossen, ich bin zur Facharztprüfung zugelassen. Der endgültige Termin steht aktuell noch aus.
Meine ersten 3,5 Jahre meiner Weiterbildung habe ich an einem großen kommunalen Haus (davon viel Notaufnahme) sowie an einer Uniklinik verbracht. Am kommunalen Haus war es zum Teil aufgrund von Personalmangels sehr chaotisch und mit hohen Arbeitszeiten verbunden, jedoch war eine große Wertschätzung seitens der OAs/CAs da und ich habe viel gelernt. Die Stelle an der Uniklinik war nahezu perfekt. An beiden Stellen wurde meine Arbeit sehr geschätzt, ich bekam gutes Feedback und es war immer ein Miteinander. Ich habe auch 2 super Arbeitszeugnisse bekommen. Anschließend bin ich in eine Hausarztpraxis gegangen um die 24monatige ambulante Weiterbildungszeit abzuleisten, da ich ja den Facharzt für Allgemeinmedizin machen wollte, was im Nachhinein sicherlich ein Fehler war.

Ich bin in eine Gemeinschaftspraxis auf dem Land in Baden-Württemberg gegangen mit 3 Inhabern, wovon 2 eine Weiterbildungsberechtigung hatten. Schon von Anfang lief es nicht richtig rund. Ich wurde von meinem Vorgänger eingearbeitet, welcher aber nicht in der Praxis bleiben wollte, sodass dessen Motivation jetzt auch nicht mehr die Größte war. Schon in der 3. Woche bekam ich von der einen Praxisinhaberin den ersten Anschiss, weil ich angeblich vor dem Wochenende vergessen hatte, eine Patientin zurückzurufen, um den völlig unauffälligen Schilddrüsenwert mitzuteilen. Bis dahin war mir weder das System mit den bis zu 10 Rückrufen täglich, noch wo diese aufgeführt wurden, klar. Mir wurde es schlichtweg nicht gesagt. Ich musste zigmal anfragen, dass ich einen Praxisschlüssel bekomme. Weiterhin hat man mir die Betreuung der "IT" aufgedrückt, weil mein Vorgänger dies auch gemacht habe. Dass dies überhaupt nicht die Aufgabe eines Weiterbildungsassistenten ist und ich davon anfangs überhaupt keinen blassen Schimmer hatte, sei dahingestellt. Nachdem man gemerkt hat, dass diese Aufgabe vielleicht nicht ganz passend ist für einen Weiterbildungsassistenten, das Computersystem sowieso ständig Störungen anzeigt, wurde nach ca. einem Jahr ein Minijobber für diese Aufgabe eingestellt und ich hatte diese Aufgabe los. Insgesamt gab es immer wieder Konflikte, vor allem seitens der einen Praxisinhaberin.

Einmal kam eine Patientin mit einer anaphylaktischen Reaktion mit Zungenschwellung, Bronchospamus etc. Die Patientin hatte sich bereits so angemeldet, sodass ich die Prednisolon i.v. Gabe und Histakut-Gabe bereits vorbereitet hatte. Als die Patientin kam, habe ich ihr sofort einen Zugang gelegt und die ganzen Maßnahmen bei einer anaphylaktischen Reaktion (Prednisolon i.v., Fenistiil i.v. usw) verabreicht. Gleichzeitig einen RTW bestellt und die Patientin mit Notarztüberwachung in die Uniklinik verlegt, bei welcher sie dann auch 72h auf der IMC überwacht wurde. Dieses Vorgehen wurde zunächst heftigst kritisiert. Mir wurde vorgeworfen, man hätte den Notarzt gerufen bevor man die Patientin gesehen habe und schließlich sei man ja selbst Notarzt, da bräuchte es das nicht. Erst als sie meine Dokumentation im System, die Abläufe und schließlich den Entlassbrief gesehen haben, gab es eine Entschuldigung. Schon damals wollte ich mir eine neue Stelle suchen, jedoch mit zeitgleich fertig werdender Promotion und der anstehenden Verteidigung, hatte ich keine Kapazitäten mich gezielt umzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt waren knapp 11 Monate der Weiterbildung vergangen. Natürlich wurde man auch immer sofort "gemaßregelt", wenn man ein Laborwerte zuviel bestimmt hat (es muss alles absolut wirtschaftlich sein). Ich rede nicht von exotischen Laborwerten wie ANA/ANCA sondern eher TSH oder periphere Hormone bei V.a. Hyperthyreose.

Natürlich wurde man auch vollgepumpt mit Hausbesuchen. Eine richtige Weiterbildung gab es nicht (nach der Sprechstunde kam immer die Frage "Gab es etwas bei dir?"), aber so richtig etwas gezeigt oder beigebracht wurden einem nichts. Fallbesprechungen Fehlanzeige. Es gab Tage, an denen der Weiterbildungsassistent die Labore für 3 Kassensitze komplett alleine angeschaut hat, da die beiden älteren Praxisinhaber entweder den PC nicht bedienen konnten oder beim Mittagessen waren. Natürlich wurde nur die Förderung von 5800€ (die Erhöhung um 400€ musste man ja weitergeben), bezahlt. Begründet wurde dies mit den entspannten Arbeitszeiten und 2 freien Nachmittagen. Dies war anfangs so. Als man jedoch mit Hausbesuchen zugestopft wurde, war dies eben nicht mehr so. Zumal man jetzt auch an dem einen freien Nachmittag die Praxis geöffnet hat. Einzig Urlaube und freie Tage haben immer grundsätzlich geklappt. Da es schwierig ist, die Weiterbildung mittendrin zu unterbrechen oder zu wechseln, habe ich mich dann bis zum Ende durchgequält, dies war im November. Natürlich kam dann das aus den Inhabern ihrer Sicht großzügige Angebot Teilhaber zu werden mit der Aussage "Wir schätzen dich sehr und hoffen alle, dass du bleibst", die Einstiegssumme war natürlich viel zu hoch, weshalb ich dies direkt ausgeschlagen habe. Inzwischen hat sich dann das Verhältnis etwas gebessert, man hat sich dann geeinigt, dass ich nach der Facharztprüfung zunächst noch etwas bleibe, bis ich von meiner Seite etwas Neues gefunden habe.

Meine Weiterbildungszeit war im November beendet. Es wurde dann der Antrag auf "Beschäftigung eines Arztes in Weiterbildung bis zum Facharztgespräch" bei der KV gestellt, welcher bewilligt wurde. Einen Folgevertrag bekam nicht. Es gab nur eine mündliche Vereinbarung. Der halbseitige DIN A4-Vertrag mit einer Kündigungsfrist von "14 Tagen bis zum Monatsende" ist im November ausgelaufen. Eine Verlängerung gab es nicht. Finanziell bin ich auf den Lohn angewiesen, deshalb auch zunächst geblieben. Inzwischen wurden 2 weitere Weiterbildungsassistenten, welche mit Bekannten der Praxisinhaber verwandt sind, eingestellt. Diese mussten bis jetzt keinen einzigen Hausbesuch machen. Bekommen auch die Förderung, also das gleiche Gehalt. Labore schauen die jetzt auch nicht so an.

Nun ist es endgültig eskaliert. Der ursprünglich geplante Prüfungstermin, welcher im März hätte stattfinden sollen, hat sich verschoben. Mir wurde dann vorgeworfen, dass ich zu spät eingereicht hätte, was aber nicht der Fall ist. Ich habe 4,5 Wochen vor Ablauf der Weiterbildungszeit eingereicht. Man kann frühestens 6 Wochen vor Ablauf der Mindestweiterbildungszeit den Antrag einreichen. Jedoch muss das letzte Weiterbildungszeugnis aus dem letzten Monat (Datum) des letzten Weiterbildungsabschnitts sein. Dies habe ich Anfang November erhalten (nachdem ich es bereits im Oktober angesprochen hatte) und dann direkt eingereicht. Knapp 4 Wochen später kam auch die Nachricht, dass alles durch den Zulassungsausschuss gegangen ist und ich Anfang Februar mit einem Termin rechnen könne. Dies hatte sich dann jetzt leider nochmals 2x verschoben, wofür ich aber nichts kann.
Ich habe damit entschlossen, dass ich dort nicht mehr arbeiten und bleiben möchte. Daher 2 Fragen.

1) Der Antrag auf Anstellung eines Arztes im Übergang bis zum Facharztgespräch wurde ja im Hinblick auf eine zunächst geplante Anstellung gestellt. Die Förderung läuft ja meines Wissens weiter. Zu dieser Anstellung kommt es ja nun nicht, da ich fristgerecht kündigen werden. Muss ich da mit Forderungen rechnen, etwas zurückzuzahlen, da die geplante Anstellung explizit auf dem Antrag angekreuzt wurde. Der Antrag findet sich hier: https://www.kvbawue.de/praxis/niederlassung/assistenten/weiterbildung

2) Nach den Erfahrungen ist es erstmal so, dass ich in der nächsten Zeit weder Teilhabe, noch eine eigene Praxis etc. haben möchte. Ich möchte der Allgemeinmedizin aber nochmals eine Chance geben in einem besseren Umfeld. Wie ist die Stellensituation aktuell für angestellte Hausärzte? Man hört ja unterschiedliches.... . Das Gehalt ist wirklich nicht an oberster Stelle bei mir, mir genügt eine Bezahlung für Fachärzte gemäß Tarifvertrag für die Krankenhäuser ohne Dienste völlig. Ich möchte einfach wieder die Wertschätzung erfahren, was ich in 3,5 Jahren Klinik auch hatte. Zur Not gehe ich zurück in die Klinik.

Harvey
04.02.2026, 14:13
Oje - leider kein guter Ort für die Weiterbildung Allgemeinmedizin / es geht auch anders. Bitte davon sich nicht das eigene Fachgebiet kaputt machen lassen.

Als Praxisinhaber muss man leider viel wirtschaftlich denken - aber hier fehlte es leider an Respekt und Wertschätzung dir gegenüber.

Besser woanders hingehen.

workhard
05.02.2026, 10:31
Oje - leider kein guter Ort für die Weiterbildung Allgemeinmedizin / es geht auch anders. Bitte davon sich nicht das eigene Fachgebiet kaputt machen lassen.

Als Praxisinhaber muss man leider viel wirtschaftlich denken - aber hier fehlte es leider an Respekt und Wertschätzung dir gegenüber.

Besser woanders hingehen.

Nein, es war keine gute Zeit. Der Abschied ist auf Ende März besiegelt. Jetzt habe ich halt nur Angst, dass ich keine Stelle mehr finde.