Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eure besten Life Hacks im Stationsalltag
Caramel3009
13.02.2026, 14:44
Hallo alle zusammen,
ich hab mich schon durch die alten Beiträge geklickt und nach den besten Tipps gesucht - die meisten Threads sind aber doch schon um die 5 bis 10 Jahre alt und ich kann mir vorstellen, dass sich mit der digitalen Entwicklung auch viel im Stationsalltag verändert hat.
Was sind eure besten Life Hacks, Tipps und Tricks im Stationsalltag um gut, strukturiert, effektiv zu arbeiten? Wie sollte man sich organisieren?
Was sind Routinen, die sich bewährt haben? Vielleicht auch Tipps/Tricks zu Visiten, Angehörigengespräche usw?
Ich starte demnächst meine erste Stelle in der Inneren und denke Zeitmanagement wird schon ein großes Thema werden. Die Klassiker wie Textbausteine, Anmeldungen für Untersuchungen früh abhaken, nur 1 Kommunikationsperson unter den Angehörigen pro Pat usw. sind natürlich bekannt.
Pünktlich zum Feierabend umziehen, selbst wenn man noch Arztbriefe oder ähnliches macht, damit man nicht mehr angesprochen wird oder so tun kann als würde man gerade gehen wollen
Bender B. Rodriguez
13.02.2026, 16:09
Wenn in Dienstkleidung immer schnell fortbewegen und gehetzt wirken. Vielleicht auch noch telefonieren.
Nicht zu enttäuscht sein, wenn "nur 1 Kommunikationsperson unter den Angehörigen pro Pat" von der Pflege ignoriert wird oder aus sonstigen organisatorischen Gründen nicht klappt.
Heute gibt's häufig ein Tablet für die Visite. Falls nicht, mehrfarbigen Kugelschreiber besorgen und sich nen Code überlegen, um die Übersicht über die eigenen Notizen zu behalten.
Wirklich nur einmal während der Visite mit dem Patienten sprechen. Falls ihm später noch Fragen einfallen immer auf die nächste Visite verweisen.
Heerestorte
13.02.2026, 17:18
Lernen, wie man der Pflege geschickt Kuchen entwendet :-))
Klinische Notfälle griffbereit haben, sehr gutes Buch.
Wichtige Telefonnummern aufschreiben oder merken, v. a. Notfallnummer und Konsilärzte.
Struktur an den Tag legen. Ich mache z. B. Nach Visite zu jedem Patienten einen Eintrag im System wie es ihm/ihr geht, dann werden die wichtigsten Punkte/Konsile/Untersuchungen des Tages angemeldet. Dann Labore prüfen, Briefe schreiben etc. Und ich habe mir angewöhnt, immer zwei Mal am Tag alle Labore durchzuschauen, da ich schon so oft doch nochmal was übersehen hatte.
Immer eine List mitführen und Notizen machen, aber wenns geht auch ohne Liste arbeiten, aber das ist wohl Geschmackssache.
Standards der Station und Oberärzte herausfinden, denn oft ist leider Eminenz wichtiger als Evidenz.
Bender B. Rodriguez
13.02.2026, 18:07
Stimmt, Kuchen.
Gerne auch lernen, wie man selber leckeren Kuchen backt. Zumindest mal Süßigkeiten mitbringen oder ne Runde Eis ausgeben. Pflege kann extrem hilfreich sein, wenn sie einen wohlgesonnen ist.
Im Dienst bevor man sich zurückzieht nochmal jede Station besuchen oder anrufen und fragen, ob's noch was gibt. Ist einfach ärgerlich wenn man sich gerade hingelegt hat und nochmal aufstehen muss, um ne VVK zu legen.
Heerestorte
13.02.2026, 20:02
Stimmt, Kuchen.
Gerne auch lernen, wie man selber leckeren Kuchen backt. Zumindest mal Süßigkeiten mitbringen oder ne Runde Eis ausgeben. Pflege kann extrem hilfreich sein, wenn sie einen wohlgesonnen ist.
Im Dienst bevor man sich zurückzieht nochmal jede Station besuchen oder anrufen und fragen, ob's noch was gibt. Ist einfach ärgerlich wenn man sich gerade hingelegt hat und nochmal aufstehen muss, um ne VVK zu legen.
Stimmt, auch sehr wichtig, sich mit der Pflege gutzustellen!
Ansonsten wird man nachts um 3 geweckt, damit nochmal gefragt wird, ob die Bedarfs Paracetamol auch wirklich gegeben werden darf :-))
Und dann kommt 30min später nochmal der Anruf, dass die Schmerzen jetzt besser seien :D
Relaxometrie
13.02.2026, 22:54
Schon an Tag 1, an dem der Patient auf Station ist, an die Entlassung denken und klären, wohin die Entlassung geht. Wenn es nach "zurück nach Hause" aussieht, ist es erstmal ok. Aber wenn Kurzzeitpflege, Pflegegrad, Dauerpflege, ambulanter Pflegedienst, Hilfsmittel oä organisiert werden müssen, brauchen Sozialdienst/ Entlassungsmanagement etwas Vorlauf. Wenn es also nach einer Situation aussieht, in der oben Aufgezähltes nötig werden könnte: direkt Sozialdienst/ Entlassungsmanagement mit einbeziehen.
Man sollte sich eine Sache bewusst machen: Die Arbeit in der (Inneren) Medizin hört nie auf, es gibt immer etwas zutun. Die Menschen sind rund um die Uhr, 7 Tage die Woche krank. Egal wie schnell, effizient, strukturiert man arbeitet. Man kann nur vermeiden, dass man in der Arbeit untergeht.
Was ich meinen jüngeren Kollegen immer versuche mitzugeben:
- Struktur über Geschwindigkeit. Die Arbeit erschlägt einen und man hat das Bedürfnis alles möglichst schnell abarbeiten zu wollen. Aber dann passieren Fehler und man verliert den Überblick, was einen letzten Endes mehr Zeit kostet als wenn man langsam und strukturiert arbeitet. Nicht 4 Dinge gleichzeitig machen. Während man einen Brief für Patient X schreibt, noch schnell das Röntgen von Patient Y anmelden und das Paracetamol für Patient Z anordnen während man sich durch die Labore klickt. Man übersieht Dinge, ist gedanklich noch bei Patient X und hat zum Schluss das Paracetamol bei Patient Y und das Röntgen bei Patient Z angemeldet/-ordnet. Listen machen, priorisieren, abarbeiten. Einen Gedanken zu Ende denken, dann die nächste Sachen angehen. Alles zu einem Patienten erledigen, dann zum nächsten Patienten gehen.
- Visite ist mehr als in jedes Zimmer rennen und kurz "Hallo, wie gehts?" sagen. Zum einen ist das der Zeitpunkt am Tag, an dem ich über den Patienten nachdenke und seine Befunde sichte, zum anderen ist das der Zeitpunkt am Tag an dem der Patient seine Anliegen an mich richten kann. Ich habe für jeden Patienten einen strukturierte Dokumentation und anhand der Dokumentation arbeite ich mich jeden Tag einmal systematisch durch. Ich bereite mich auf jeden Patienten vor, sichte vor der Visite Vitalparameter, Labor (inkl. Mibi, Viro, Patho etc.), Bildgebung und überlege wo wir mit diesem Patienten stehen und was ich mit ihm noch vorhabe. Dann kann ich dem Patienten in der Visite direkt strukturiert Auskunft auf seinen Fragen geben und seine subjektiven Beschwerden direkt ins Gesamtbild einordnen. Sachen, die man innerhalb von wenigen Minuten erledigen kann (Bedarfsmedis anordnen, Antibiose ansetzen, Untersuchunge/Konsile/Bildgebung anmelden etc.) wird direkt erledigt und nicht auf irgendeine Liste geschrieben um es dann irgendwann anders zu machen. Umgekehrt höre ich in der Visite meinen Patienten zu, da können sie alle ihre Anliegen und Fragen loswerden. Und zwar nur da. Ich sage alle meinen Patienten, dass sie sich Fragen etc. aufschreiben sollen und das die Visite der Zeitpunkt ist um alle Anliegen loszuwerden. Da nehme ich mir auch die Zeit und höre mir alles an bzw. gehen drauf ein, bespreche das Procedere etc. Aber dafür erwarte ich, dass danach nicht noch dreimal ans Arztzimmer geklopft wird oder ich noch 2 mal mit "Frau Doktor, was ich in der Visite vergessen habe..." auf dem Flur angequatscht werde und kommuniziere das auch so an meine Patienten. Das mag die Visite an sich vielleicht bisschen in den Länge ziehen aber dafür bin ich dann auch für den Tag durch mit den Patienten.
- Patienten ernst nehmen. Ja, manchmal nerven die Leute und manchmal sitzt das Problem auch zwischen den Augen. Aber der Patient steckt in seinem Körper, der Patient merkt wie es ihm geht und wenn der Patient sagt, da stimmt was nicht, dann nehme ich das ernst. Auch wenn die messbaren Parameter vielleicht etwas anderes sagen. Irgendwann kann man dann auch einschätzen ob der Patient eine weinerliche Nervensäge mit geringer Schmerztoleranz ist oder wirklich ein Problem hat aber grundsätzlich sollte man Beschwerden und Symptome eines Patienten nie einfach so vom Tisch wischen nur weil man auf den ersten Blick nichts Problematisches findet. Und man behandelt keinen Symptome sondern die Ursachen der Symptome. Wenn der Patient Schmerzen hat, lösen Schmerzmittel das Problem nicht wenn ich mich nicht frage warum der Patient eigentlich Schmerzen hat.
- Grenzen setzen. Ich bin weder die Telefonauskunft noch der Rundum-Sorglos-Service für Patienten und Angehörige und auch nicht dafür da, jedes Anliegen der Pflege unmittelbar und sofort zu bearbeiten. In mein Arztzimmer setzt kein Patient und kein Angehöriger einen Fuß, meinen Telefonnummer verlässt das Klinikum nicht. Ich entscheide ob und wann ich mit Angehörigen kommuniziere. Die Tochter eines mündigen, orientierten und fitte Patienten braucht nicht jeden Tag ein telefonisches Update. Ich mache keinen Überstunden nur weil es der Familie nur um 18 Uhr passt mit dem Gespräche zum weiteren Leben und Sterben von Opa Herbert. Am Wochenende oder im Dienst werde nur akute Dinge besprochen, die nicht bis zum nächsten Arbeitstag warten können. Cousine Gisela ist am Sonntag extra von der Nordsee angereist und will jetzt wissen, wie es weitergeht? Nicht mein Problem. Der Patient ist seit X Jahren bei Facharzt Y in Behandlung, dann kann er da selbst anrufen und sich einen Anschlusstermin für die Entlassung machen.
- Man ist nur ein Rad in einem großen System. Ich kann alles gut und richtig machen aber das hilft alles nicht wenn zwei Stunden vor Feierabend noch zwei Patienten notfallmäßig aus der Ambulanz aufgenommen werden müssen, einer meiner Patienten akut schlecht wird und auf die Intensiv muss, andere Fachabteilungen mit den Konsilen/Untersuchungen nicht voran kommen oder der Patient einfach nicht mitmachen will.
StuartProwerFaktor
14.02.2026, 14:11
Ich glaube viele Dinge wurden schon angesprochen, was mir so geholfen hat:
1) Telefonate (mit Angehörigen möglichst bündeln - z.B. am Nachmittag wo man Briefe schreibt: Anspruchslose Gespräche kann man während dem Tippen führen.
2) Hier und da Dinge hinterfragen: Muss es wirklich 0,5L Iono i.v. sein??? --> Wenn man dafür eine Viggo legen muss, würde ich sagen: Nein! Oder auch Antibiosen oralisieren (spart auch ne Menge Geld), sofern möglich.
3) Gute Organisation ist das A und O: ToDo-Listen, Briefe schnellstmöglich anlegen, Telefonnummern alle abspeichern
4) Technik das "Leise-Tretens", sprich sich wenig blicken lassen außerhalb der Visite: Dann will auch keiner was oder spricht einen an.
5) Fachlich musst du natürlich zumindest das Tagesgeschäft abdecken können ohne ständig alles nachschauen zu müssen (KI ist hier mittlerweile aber ein game changer)
6) KI nutzen / google lens nutzen: Medikamentenlisten oder Diagnosenlisten lassen sich erheblich schneller in den PC bringen, wenn man diese Tools nutzt. Auch Arztbriefe lassen sich damit schreiben, wenn man der KI ein Grundmuster vorgibt (so massiv unterscheiden sich exazerbierte COPDen ja nun nicht, nur als Beispiel).
7) Ich würde tatsächlich immer etwas vor Dienstantritt kommen um den Tag zu ordnen, aber ich bin auch eher ein Frühaufsteher (effektiv macht man ja morgens sonst eh nichts). Ist aber Geschmackssache. Freilich sollte man sich in der Zeit aber auch nicht ansprechen lassen / Telefon aus.
8) Je nach dem, was du sonst noch so machst, (z.B. Funktion wie Sono oder was auch immer) sollte man Vorlagen / KI für Befunde nutzen.
9) Wege effektiv gestalten (sofern relevant): Es gibt nichts, was ich mehr hasse, als wenn ich auf Ebene 2 bin und dann Patienten auf Ebene 8 habe: Du gehst hoch weil irgendwas ist, gehst runter, 15 Minuten ist wieder was: Da sollte man z.B. "takten" und nur jede Stunde mal hoch gehen (sofern möglich) und Dinge halt sammeln.
10) Ganz wichtig !!! in der Inneren: Patienten ab einem gewissen Alter (würde sagen ca. > 70-75 Jahren und je nach Kontext) auf Reanimation und Intensiv ansprechen, die meisten sind da eigentlich ganz offen / dankbar: Spart im Fall der Fälle sehr viel Arbeit und Stress und es passiert vor allem nichts, was der Patient vielleicht nie wollte - aus Erfahrung: > 70% der Älteren wollen keine Maximaltherapie.
Ich stehe dafür umgekehrt gar nicht gerne früh auf und komme meistens so 10-15 Minuten nach Dienstbeginn in die Klinik spaziert. Und wenn ich dann da bin, trinke ich erstmal Kaffee und gucke so, was der Tag so bringt. Hab mit den Jahren festgestellt, dass die paar Minuten morgens auch nicht kriegsentscheidend sind. Würde jetzt natürlich keinen Berufsanfänger raten, jeden Tag zu spät zur Arbeit zu kommen (und hab das als junge Assistenzärztin auch nicht gemacht) aber für mich machen 10-20 Minuten morgens in der Regel keinen Unterschied weil der ganze Scheiß, der mir den Feierabend crasht eh erst Mittags/Nachmittags passiert. Wir haben aber auch keine Frühbesprechung und die Visiten mit den Oberen fange nie vor 9 Uhr an.
Ich mache mir am Vortag vor Feierabend immer noch eine Liste, was am nächsten Tag so fällig ist und was für die anstehenden Enassungen noch erledigt werden muss. Da hab ich schon eine groben Plan für den nächsten Tag. Und was in der Nacht so war, finde ich dann raus während ich Kaffee trinke.
Ich stehe dafür umgekehrt gar nicht gerne früh auf und komme meistens so 10-15 Minuten nach Dienstbeginn in die Klinik spaziert. Und wenn ich dann da bin, trinke ich erstmal Kaffee und gucke so, was der Tag so bringt. Hab mit den Jahren festgestellt, dass die paar Minuten morgens auch nicht kriegsentscheidend sind. Würde jetzt natürlich keinen Berufsanfänger raten, jeden Tag zu spät zur Arbeit zu kommen (und hab das als junge Assistenzärztin auch nicht gemacht) aber für mich machen 10-20 Minuten morgens in der Regel keinen Unterschied weil der ganze Scheiß, der mir den Feierabend crasht eh erst Mittags/Nachmittags passiert. Wir haben aber auch keine Frühbesprechung und die Visiten mit den Oberen fange nie vor 9 Uhr an.
Ich mache mir am Vortag vor Feierabend immer noch eine Liste, was am nächsten Tag so fällig ist und was für die anstehenden Enassungen noch erledigt werden muss. Da hab ich schon eine groben Plan für den nächsten Tag. Und was in der Nacht so war, finde ich dann raus während ich Kaffee trinke.
Bonybitch
16.02.2026, 18:04
Schon an Tag 1, an dem der Patient auf Station ist, an die Entlassung denken und klären, wohin die Entlassung geht. Wenn es nach "zurück nach Hause" aussieht, ist es erstmal ok. Aber wenn Kurzzeitpflege, Pflegegrad, Dauerpflege, ambulanter Pflegedienst, Hilfsmittel oä organisiert werden müssen, brauchen Sozialdienst/ Entlassungsmanagement etwas Vorlauf. Wenn es also nach einer Situation aussieht, in der oben Aufgezähltes nötig werden könnte: direkt Sozialdienst/ Entlassungsmanagement mit einbeziehen.
Absolut richtig! Mache ich genauso, direkt in der ersten Visite schon klären ob noch irgendwas gebraucht wird. Sonst geht es am Ende drunter und drüber wie ich leider manchmal auf die harte Tour lernen musste
Das hab ich mal im PJ gelernt von einem Internisten. Grundsätzlich bei jedem Patienten sich fragen: wieso kann ich den Patienten nicht ganz genau JETZT entlassen. Und dann auf Basis dieses Ergebnisses die weitere Schritte planen.
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