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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Quereinstieg Allgemeinmedizin oder ambulante Anä



schmuggelmaeuschen
18.02.2026, 20:42
Hallihallo,

Ewig nicht mehr hier gewesen. Ich habe aktuell eine kleine Krise

Ich hab vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und ich paar Jahre gearbeitet. Dann erstmal in der UCH gestartet und dann in die Anä gewechselt. Zum FA fehlen mir noch 6 Monate und die Nadelöhrzahlen (Kinder, Thorakale). Ich werde 39 und bin letztes Jahr Mama geworden. Evtl kommt zeitnah ein 2. Hinterher.

Ich merke immer mehr das ich keine Lust mehr auf Klinik habe. Durch die Schwangerschaft und Elternzeit habe ich gemerkt wie arg mir die Stimmung und auch die Dienst Belastung zusetzt. Wir stehen eigentlich immer bis 3Uhr morgens im OP teilweise stehen wir durchgehend und haben 2x 30min Pause. Dazu immer mehr Kostendruck, alles noch komprimierter. Wir dürfen jetzt z.B. bei Ambulanten OPs keine Jono mehr anhängen etc🫣

Dazu kommt natürlich mein Kind. Halbe Tage gehen bei uns maximal 1 Tag pro Woche aber da gibt es grad keine Valenzen. Also muss ich ganze Tage arbeiten und pünktlich raus kommen wir eh fast nie. Ich starte mit 50% allerdings gehen wir eigentlich
Einmal im Monat für 1 Woche auf ICU mit 3 Schicht System, da müsste ich dann 1Woche 100% schaffen. Außerdem ist mein Mann als Soldat nur am Wochenende zuhause.

Mir macht Anä echt Spaß auch Notarzt fahren (hatte erst 13 Schichten auf dem NEF), Ich mag auch Intensiv (vom fachlichen) und auch Schockräume und alles wo der Puls hochgeht und man zeigen kann was wir so alles können.

Ich frage mich aber auch wie es weiter gehen soll. Oberärztin werde ich nicht werden, allein schon wegen meiner familiären Situation und ich glaube es passt auch nicht zu meinen Charakter. Auf den Heli komme ich als Frau mit Kindern auch eher nicht.

Und natürlich wäre ich gern mehr mit meinem Kind zusammen. Ich würde gern mehr als 50% arbeiten aber eben halbtags oder 3/4 Tags.

Daher die Überlegung in die ambulante Anästhesie zuwechseln und evtl später zurück in die Klinik (wenn man dann noch Bock drauf hat)

Oder
Quereinstieg allgemeinmedizin und dann evtl nach 3 Jahren versuchen zurück zugehen (wenn man noch Bock hat)

Hat jemand Erfahrung wie es so in der ambulanten Anä ist?
Oder hat jemand Quereinstieg allgemeinmedizin gemacht?
Was verdienst man als angestellter Allgemeinmediziner bzw in der ambulanten Anä?

Teevee
26.02.2026, 20:46
Ich hab den FA Anä an der Klinik gemacht, danach mit dem Wechsel in die ambulante Anä geliebäugelt, dann aber den Quereinstieg Allgemein gemacht. Nach einem knappen halben Jahr bin ich dort aber wieder weg, war definitiv nichts für mich. Mittlerweile bin ich beim MD und sehr zufrieden hier. Die ambulante Anä kenne ich nur von Hospitationen bzw. von Erzählungen von ehemaligen KollegInnen, die in dem Feld arbeiten.

Aber zu deinen Fragen:
Verdienst hängt stark von Lage bzw. Angebot/Nachfrage ab und ist Verhandlungssache. In der Allgemeinen kann von reiner Auszahlung der Förderung über Tariflohn Assi-Stufe bis hin zu OA Niveau alles drin sein (letzteres wohl eher nur nach dem FA). Geregelte Arbeitszeiten hast du da idR, oft allerdings auch Nachmittagssprechstunde, je nach Praxis. Gerade mit Kind muss man das im Vorgeld gut abklären. Ich war (damals noch ohne Kind) in Vollzeit an einer Praxis; mittwochs und freitags ging es bis halb 1, die anderen drei Tage bis 18 Uhr. Da waren die Tage eigentlich komplett weg. Heimkommen, Essen, noch etwas Haushalt und dann war’s irgendwie auch schon Abend und der Tag rum.. Jetzt mit Kind wäre das keine Option mehr für mich. Aber gibt da sicher auch alle möglichen Modelle. Von der Tätigkeit her muss man schauen, wie es einem tagt. Ich empfand die Sprechstunde wie Arbeit am Band. Und was den Pat Kontakt angeht, sagen wir, ich hatte einfach nicht die Geduld für die volle Bandbreite an individuellen menschlichen Eigenheiten.. Aber ich kenne auch Anästhesisten, die den Quereinstieg gemacht haben und super happy sind. Muss jeder für sich selber entscheiden bzw. herausfinden.

In der ambulanten Anä gibts auch alles von Festgehalt (Cave Inflation) über Tarif OA Gehalt oder noch mehr, je nach Verhandlungskraft und -position. Die Arbeit kann monoton oder aber durchaus anästhesiologisch abwechslungsreich sein, je nach Spektrum. Genau ansehen sollte man sich die Arbeitszeitengestaltung und die apparative + personelle Ausstattung. Kostendruck und Betriebsblindheit können dazu führen, dass nur das nötigste vorhanden ist oder man sogar ohne Pflege einleiten müsste, weil die Pflege parallel ausleitet.. Da solltet man sich Gedanken machen, wo die eigene rote Linie ist und wie viel Wert man auch solide Arbeit und qualitative Standards setzt. Solange nix ist, störts keinen, aber weh es passiert mal was. Das sollte man gerade in unserem Fach schon ernst nehmen. Auch sollte man gut abklären, ob die Arbeitszeiten den eigenen Vorstellungen entsprechen oder z. B. immer dienstags Prof. Dr. Superchirurg den Saal gebucht hat und dann Feierabend ist, wenn er fertig ist, egal was die Uhr sagt.

Sowohl Quereinstieg als auch amb Anä können tolle Optionen sein, man sollte sich nur vorher bei verschiedenen potentiellen Arbeitsplätzen umsehen und gut Gedanken machen, was einem wichtig ist und was man in Kauf nehmen würde (oder eben nicht).

Was deine Idee angeht, irgendwann wieder in die Klinik zurückzukehren: es gibt nichts, was es nicht gibt, aber ich kenne niemanden, die/der in die Klinik zurück ist, wenn sie/er erstmal außerhalb Fuß gefasst hat. Wenn man einmal aus der Mühle draußen ist, merkt man erst, was für ein teilweise unmöglicher Arbeitsplatz das eigentlich an der Klinik war. Und das sage ich als Anästhesist, der noch an verhältnismäßig guten (in Bezug auf die Arbeitsbdingungen) Kliniken war. Gibt da noch ganz andere. Und von anderen Fachrichtungen ganz zu schweigen, da müssen die Kliniker schon oft unter unmöglich Bedingungen malochen..

Ich weiß nicht, ob dir meine Antwort jetzt weitergeholfen hat. Im Grunde kann man nur raten: ausprobieren. Gerade mit Kind sollte man aber potentielle neue Arbeitgeber gut auschecken, sich vorher intensiv Gedanken machen und lieber mehr Gespräche führen bzw. öfter hospitieren. Klar kann man immer wechseln, das schadet weder den eigenen Erfahrungen noch dem Lebenslauf. Aber es dauert manchmal ein paar Monate, bis man wieder was geeignetes neues hat und da kann es schon unangenehm sein, wenn man wo festhängt, wo man eigentlich wieder weg will..

Und auch wenn das natürlich nicht jedermanns Sache ist: Tätigkeiten fernab der Patientenversorgung kann man durchaus in Erwägung ziehen. Ich jedenfalls hab’s keine Sekunde bereut ;)