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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : KVdR / Versorgungswerk



Sealwolf
18.03.2026, 10:42
Hallo liebe Foristen!

Das Thema wurde (auch kürzlich, wie ich sehe) schon angeschnitten, ich frage trotzdem, der Übersicht halber, in einem eigenen Thread.

Bin freiwillig gesetzlich versichert, 44 Jahre, angstellt im MVZ. Mit dem Thema KVdR etc. habe ich mich nie beschäftigt, nun aber in 2 Fortbildungen jeweils mit Kollegen gesprochen, die eben freiwillig diese 5 Jahre einzahlen, um dann in die KVdR zu kommen (wissend, dass das noch viele Jahre hin sind und sich einiges ändern kann).

Nun überlege ich natürlich, ob ich da irgendwie aktiv werde oder das Thema einfach abhake. Für mein Verständnis: Was genau bringt mir denn die KVdR? Dass dann keine Zusatzeinnahmen (also Mieteinnahmen etc.) berücksichtigt werden hab ich verstanden. Aber wie wird denn die Rente aus dem Versorgungswerk dann berücksichtigt? Meldet man den Status (also "bin in der KVdR") ans Versorgunsgwerk, und die ziehen dann so ab bzw. gewähren Zuschüsse, wie bei der DRV? Welcher Vorteil ergibt sich konkret, wenn ich, sagen wir 3000 Euro brutto an Rente bekommen?

Und: wäre es im "notfall" eine Strategie, vor Renteneintritt in nicht-ausschüttende Assets zu schichten? Wenn ich meinen tesaurierenden ETF abverkaufe, interessiert dass doch sicherlich die Krankenversicherung nicht?

Bin etwas verwirrt und danke Euch!
Schöne sonnige Restwoche!
S.

Sealwolf
18.03.2026, 11:12
Ich habe die oben gennante Frage mal der KI gestellt; wenn ich es richtig verstehe, sind die direkten Abzüge von der Rente in beiden Szenarien genau gleich (voller Beitragssatz bis zur Bemessungsgrenze, keine Zuschläge). Stimmt das so? Dann wären die einzig erkennbaren Vorzüge der KVdR, soweit ich das verstehe, ja nur noch, dass weitere Einnahmen unberücksichtigt bleiben.

anignu
18.03.2026, 12:28
Es geht natürlich einerseits um die Beiträge aus Vermietungen, aber auch aus Betriebsrenten, aus Kapitalerträgen etc.

Wenn ich meinen tesaurierenden ETF abverkaufe, interessiert dass doch sicherlich die Krankenversicherung nicht?
Natürlich interessiert das die Krankenversicherung. Das Finanzamt interessiert es ja auch. Das sind Kapitalerträge.

Genauso ist es ja auch mit den Versorgungswerken. Die interessieren sich auch für alles. Ich zahle als Angestellter bereits den Höchstbetrag und aber zusätzlich nochmal verpflichtend mehr aufgrund selbständiger Nebentätigkeit (Notarzt). Das wird abgefragt einmal jährlich und dann zahlst du.

Tweety8008
18.03.2026, 13:16
Genauso ist es ja auch mit den Versorgungswerken. Die interessieren sich auch für alles. Ich zahle als Angestellter bereits den Höchstbetrag und aber zusätzlich nochmal verpflichtend mehr aufgrund selbständiger Nebentätigkeit (Notarzt). Das wird abgefragt einmal jährlich und dann zahlst du.

Dumme Frage. Wie soll es das Versorgungswerk mitbekommen?

Ich zahle im Hauptjob schon den Höchstsatz der 18.6% an mein Versorgungswerk. Ich hatte vor einigen Jahren mal ein Zusatzprojekt (Medical Consulting) mit einem 5-stelligen Betrag. Wurde versteuert mit Umsatzsteuer und dann Einkommensteuer. Aber was betrifft sowas das Versorgungswerk, wenn man primär Angestellt ist und den maximalen Beitrag schon zahlt?

Relaxometrie
18.03.2026, 13:18
Beim Verkauf eines ETFs oder einer sonstigen Kapitalanlage kommt es doch wahrscheinlich darauf an, ob die Anlage mit Verlust oder mit Gewinn (gegenüber dem Kaufwert) verkauft wird, um zu bestimmen, ob es jetzt ein Kapitalertrag (auf den Steuern/ Krankenkassenbeiträge u.s.w. bezahlt werden müssen), oder ein Verlust ist. Oder verstehe ich das falsch?

Sealwolf
18.03.2026, 14:16
gute Frage.. auch, wie das überhaupt erfasst wird, wenn die Bank einfach nur die Abgeltungssteuer abführt. Das wird ja noch nicht mal dem Finanzamt gemeldet. und wenn da wirklich jeder Trade im Gewinn als Kapitalertrag gilt, wird es endgültig absurd; vll fallen dann auch auf Verkäufe bei ebay KV Beiträge an..? 🫣

Tweety8008
18.03.2026, 18:07
Sozialbeiträge (KV oder RV) auf Kapitalerträge oder Mieteinnahmen sind doch nur eine wirre Idee von Robert Habeck?

Das wichtigste ist nur das Finanzamt. Und wenn ein Normalo keine KV/RV darauf zahlt, dann gilt das für Ärzte ja auch nicht. Meine Bay. Ärzteversorgung interessiert sich auch nur für rein ärztliche/klinische Einnahmen.

piandorable
18.03.2026, 22:57
Meines Wissens ist man als Arzt in Rente freiwillig bei der GKV versichert, weil man keine Rente aus der DRV bezieht, sondern bei einem Versorgungwerk Mitglied ist. Bei freiwilliger Versicherung werden alle Einkunftsarten herangezogen, also auch die aus Kapitalerträgen. Der Sinn dahinter ist also, durch den Bezug von Rente aus der DRV nicht freiwillig sondern pflichtversichert in der GKV zu sein, wodurch eben das Anrechnen von Kapitalerträgen wegfällt.

LostSoul
21.03.2026, 10:16
Es geht natürlich einerseits um die Beiträge aus Vermietungen, aber auch aus Betriebsrenten, aus Kapitalerträgen etc.


Muss man bei der KVdR keine KV-Beiträge auf Betriebsrenten zahlen?

Die Frage ist, ab welchem Zusatzeinnahmenbetrag (Kapitalerträge, Mieteinnahmen etc.) es sich lohnt, 5 Jahre lang freiwillig den Mindestbeitrag in die DRV einzuzahlen, um dann später (unter Berücksichtigung der Inflation bis dahin) den KV-Betrag auf den Anteil der Zusatzeinnahmen durch die KVdR im Vergleich zur freiwilligen GKV zu sparen. :-nix

JJ*
21.03.2026, 11:22
Sozialbeiträge (KV oder RV) auf Kapitalerträge oder Mieteinnahmen sind doch nur eine wirre Idee von Robert Habeck?.
Nein, auf Kapitalerträge (und alle anderen Einnahmen, die grundsätzlich zur Finanzierung des täglichen Lebens genutzt werden könnten) zahlst du als freiwillig (!) gesetzlich Versicherter Krankenkassenbeiträge. Jedenfalls sofern du diese gegenüber der Kasse angibst. Das ist schon seit über 40 Jahren so. Siehe bspw. diesen Artikel der Stiftung Warentest aus 2002 (https://www.test.de/Krankenversicherung-Beitrag-auf-Aktiengewinne-1036310-0/), das dort angesprochene Urteil verweist auf Rechtsprechung aus den 80ern.

Sealwolf
21.03.2026, 19:03
„Die Frage ist, ab welchem Zusatzeinnahmenbetrag (Kapitalerträge, Mieteinnahmen etc.) es sich lohnt, 5 Jahre lang freiwillig den Mindestbeitrag in die DRV einzuzahlen„

vergiss dabei nicht, dass Dir dann ja auch eine Rente der DRV zusteht. Laut ChatGPT muss man ca 1100 Euro/Jahr einzahlen, gesamt also 5500. und bekommt daraus eine Rente von ca. 25 Euro; also müsste man nach Rentenbeginn ca 22 Jahre weiterleben, um seinen Einsatz (vor Inflation und Steuer) wiederzusehen.

Der Vorteil mit den nicht herangezogenen Kapitalerträgen kann nach meinem Überschlag schnell über 60k weniger Krankenkassenbeiträge über den gleichen Zeitraum ausmachen.. lohnt sich also wohl. Falls die Spielregeln natürlich in 20 Jahren die gleichen sind wie heute..

LostSoul
21.03.2026, 19:36
DRV-Mindestbeitrag 2026 ist 112,16 €, also 1345,92 pro Jahr, und steigt jedes Jahr. Wenn man die geschätzte Summe von 7.000 € (auf 5 Jahre gerechnet) in ETF anlegt, kann man laut KI nach 25 Jahren prognostisch mit einem Ertrag von 38.000 € rechnen. Die Frage ist, ob man so viele Mieteinnahmen und Kapitalerträge während der Rente erwartet, dass man dadurch mehr KV-Beiträge spart als diese Summe.

Oder jetzt in ETF anlegen und zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr kurz vor der Rente freiwillig in die DRV einzahlen, bis dahin ist der Mindestbeitrag aber gestiegen (plus Inflation...) und die zu erwartete DRV-Rente geringer. Alles komplex :-???:-peng

anignu
22.03.2026, 22:56
Ich weiß ja nicht wie es euch geht, bei mir war es so dass ich mit studentischen Jobs und anderen Dingen bereits 2-3 Jahre DRV-Zeiten gesammelt hatte. Und der Betrag damals war geringer. Ich hab also um die 2000€ gezahlt um mir die KVdR zu sichern und gleichzeitig ja auch DRV-Rente. Gut, das ist jetzt nicht viel, aber sind immerhin Rentenansprüche die aktuell ca. 70€ im Monat entsprechen würden laut aktuellem Bescheid.

An diesem Punkt würde ich einfach gern nochmal formulieren was ich ansonsten schon immer zu dem Thema gesagt hab: es ist vor allem auch eine Wette. Eine Wette darauf wie das System in 20-40 Jahren sein wird. Wie das tatsächlich ist weiß keiner, ich bin mit gut 2000€ in diese Wette eingestiegen und das ist jetzt wenn man ehrlich ist nicht viel. Das kann man mit ein paar Diensten oder so schon wieder reinholen wenn man will, oder man verzichtet dafür auf was anderes oder spart anders oder wie auch immer. Wie gesagt: es ist eine Wette auf die Zukunft.

Sealwolf
24.03.2026, 09:52
nun ja, die 70 Euro Rente sind ja eine Anwartschaft und quasi Dein Eigentum. Von daher würde ich nicht von Wette sprechen, denn Du verlierst ja erstmal kein Geld (außer den Opportunitätskosten).
Ich bin leider reingefallen: Als ich den ersten Job im KKH angetreten habe, hat mir die Personalabteilung geraten, mir die Anwartschaft bei der DRV doch auszahlen zu lassen (da ich ja eh ins Versorgungswerk muss). Von KVdR hat da keiner gesprochen. Das war ein Antrag, und es gab ein paar tausend Euro von der DRV zurück; dafür bin ich halt jetzt aus Sicht der DRV "bei null".
Da es ja aber eh um die Zeit der Rente geht (und nicht etwa, wie ich in einem Sabbatjahr versichert wäre; da greift nämlich leider auch die freiwillige Krankenversicherung dann voll in den Geldbeutel), kann man ja 5 Jahre vor Rentenbeginn (ich muss schmunzeln wenn ich mir vorstell wann das wohl sein wird) nochmal nachdenken.
Oder man macht es wie zwei Kollegen hier in der Stadt: einfach weiterarbeiten bis 73 und dann in der Praxis hinterm Schreibtisch versterben. Spart auch Zeit und Nerven für alle. :-)

Bender B. Rodriguez
24.03.2026, 11:57
[...]Oder man macht es wie zwei Kollegen hier in der Stadt: einfach weiterarbeiten bis 73 und dann in der Praxis hinterm Schreibtisch versterben.[...]

Grundsätzlich lobenswerte Einstellung. Allerdings bitte noch Lebensstil modulieren. 73 ist etwas früh.

davo
24.03.2026, 17:47
DRV-Mindestbeitrag 2026 ist 112,16 €, also 1345,92 pro Jahr, und steigt jedes Jahr. Wenn man die geschätzte Summe von 7.000 € (auf 5 Jahre gerechnet) in ETF anlegt, kann man laut KI nach 25 Jahren prognostisch mit einem Ertrag von 38.000 € rechnen.

Zeigt, wie doof "die KI" ist. Da muss man schon echt unendlich schlecht anlegen, um so wenig rauszubekommen :-))

Nefazodon
24.03.2026, 18:14
An diesem Punkt würde ich einfach gern nochmal formulieren was ich ansonsten schon immer zu dem Thema gesagt hab: es ist vor allem auch eine Wette. Eine Wette darauf wie das System in 20-40 Jahren sein wird.

Eine Wette, allerdings. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um das Rentensystem finde ich das sehr spannend.
Im Moment meinen ja verschiedene Politiker von CDU und SPD, dass Akademiker zu kurz arbeiten und dann auch noch zu lange leben, ergo zuviel aus der Rente bekommen.
Und es wird diskutiert, das Rentensystem so anzupassen, dass Akademiker später in Rente gehen....

Ich frage mich schon, wie das funktionieren soll. Im Moment ist das System ja relativ klar geregelt mit Rentenpunkten, die in Abhängigkeit von Beitragshöhe und Einzahlungsdauer akkumuliert werden.

Aber wie sieht es in Zukunft aus? Wenn das System reformiert wird und Akademiker tatsächlich länger einzahlen müssen, was wird dann aus denen, die nur kurz in die DRV eingezahlt haben?
Ab wann darf man dann mit einer (kleinen) Rente rechnen?

Es bleibt spannend.

Und so, wie sich das Gesundheitssystem im Moment entwickelt, bin ich mir nicht mal sicher, dass wir in 30 Jahren noch eine Krankenversicherung haben...geschweige denn eine KVdR;-)