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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angestellt im MVZ, wirtschaftlicher Druck und Zukunft...



Sealwolf
30.04.2026, 10:20
Liebe Foristen,

ich bin derzeit angestellter FA im MVZ. Unterliege dem Tarifvertrag und arbeite 70%.

Nun bin ich mit dem Job grundsätzlich sehr zufrieden; Patienten loben mich auch, ich mag den Austausch.

Seit einiger Zeit wird allerdings der wirtschaftliche Druck von oben immer weiter erhöht. Kürzlich wurde dann eine Beratung an Bord geholt, die Powerpoint-Präsentationen mit Zahlen präsentiert, nach denen wir (angeblich) der "Benchmark" weit hinterherhinken. Der Takt ist allerdings jetzt schon hoch (Regel sind 10 Min Termine), ich weiß nicht, wo da noch Zeit eingespart bzw. mehr Patienten reinpassen sollen. Auch ist mir schleierhaft, wie man die gesetzten "Benchmarks" erreichen soll; ein Beispiel ist der berühmte Laborbonus. Bin mehrfach über den lächerlichen 83cent (oder so) pro Quartal; das Labor brauche ich aber, ich mach das wirklich nur dann, wenn es med. sinnvoll ist. Auch mache ich gerne niederschwellig Sonos, um Pat. nicht weiterschicken zu müssen; auch hier sagt man mir ich soll nur max halb so viel machen. Wer haftet denn, wenn ich fast kein Labor, keine Sonos und kaum Zeit am Pat. habe?

Kurzum: Bin ich zu lahm/mach strukturell was falsch? Wie kann ich zufrieden in dem System meinen Job noch 25 Jahre machen, ohne selber krank zu werden? Hab wirklich schon gegrübelt, was anderes oder wo anders zu machen; möchte aber meine 700 Patienten auch nicht im Stich lassen.
Mich würden Impulse/Erfahrungen interessieren, wie es Euch ergeht.

LG, schönes langes Wochenende!
S.

StuartProwerFaktor
30.04.2026, 11:52
Keine Ahnung ob das jetzt wirklich eine Hilfe ist:

Mach doch einfach weiter wie bisher. Was wollen die schon tun? Wenn du meinst es ist nötig so wie es ist, dann ist das de jure auch so. Ich würde mich, haften wirst ja letztlich du für etwaige Behandlungsfehler, nicht in eine Situation bringen lassen, die man nicht managen kann. Ist ja jetzt nicht so, dass gute Ärzte auf Bäumen wachsen und du einfach austauschbar bist. Und so wie du es beschreibst, habe ich jetzt nicht das Gefühl, dass deine Performance schlecht ist.

Davon ab kann man natürlich immer was anderes machen. Aber wenn du grundsätzlich zufrieden bist, würde ich unterm Strich einfach mal nichts ändern. Wirklich unkomplizierte Sachen könnte man vielleicht etwas beschleunigen, da braucht man nicht 10 Minuten für - aber k.A. wie dein Alltag da so aussieht.

anignu
01.05.2026, 11:58
Auch mache ich gerne niederschwellig Sonos, um Pat. nicht weiterschicken zu müssen
Da hast du doch schon ein Problem selbst erkannt. "Ich mache gerne..."

Kurzum: Bin ich zu lahm/mach strukturell was falsch?
Scheinbar machst du strukturell was falsch. Für die Struktur in deinem MVZ. Sonst würde die Beratungsfirma dir das ja nicht vorwerfen.

Wenn gewünscht wird dass du weniger Sonos und weniger Labore machst und du der Meinung bist dass das wichtig ist, dann kannst du es entweder den Kollegen im MVZ erklären, weiter machen und den Ärger ignorieren, es quasi drauf ankommen lassen, die Sachen nicht mehr machen, die Patienten wegschicken dass es von jemand anderes gemacht wird, das MVZ wechseln oder dich selbst niederlassen. Das sind jetzt so die ganzen Möglichkeiten die mir spontan einfallen würden. Die Sammlung darf gern ergänzt werden.

Inhaltlich wäre vielleicht noch zu sagen, dass man versuchen könnte aus den Sonos noch "Nutzen" im Sinne einer finanziellen Vergütung zu holen. Ich weiß ja jetzt nicht was du für Sonos machst, aber kann man die nicht auch abrechnen?

Rudiologe
04.05.2026, 07:51
Die Hausärzte in unserem MVZ machen gar keine Sonos mehr, weil man die in der Allgemeinmedizin nicht mehr abrechnen kann. Die würden gerne, aber es ist wirtschaftlich halt einfach Quatsch aktuell und daher wurde sich dagegen entschieden. Man kann in der ambulanten KV-Medizin leider nicht immer so arbeiten, wie man gerne würde (und wie es medizinisch sinnvoll wäre).

Frisko
04.05.2026, 08:39
Ach, ich fühle das alles sehr...

Du kannst die Sonos schon abrechnen, wenn du die entsprechende Zulassung von der KV hast, teilweise auch schon mit der Facharztprüfung dann gegeben. Das Problem ist: die bringen halt monetär nichts. Schilddüse 9,81 Euro; Abdomen 18,22. Da musst du dann schon Masse machen und die ist meist durch das Klientel nicht gegeben.
Bei mir gibt es immer zwei Überlegungen: was bringt in der Außenwirkung was ("Wow, die Doktorin schallt!") und was monetär (das kriegen die Patient*innen im besten Fall nicht mit, z.B. Geri-Assessment). Und daraus dann den Mix finden. Frage wäre ja auch: hast du einen adäquaten Nutzen aus deinen Sonos? Wenn ja, super. Wenn nein, ists nicht WANZ.

Wer steht denn bei euch im Hintergrund? Privater Investor oder anderer Träger?

Evil
05.05.2026, 13:56
Ach, ich fühle das alles sehr...

Du kannst die Sonos schon abrechnen, wenn du die entsprechende Zulassung von der KV hast, teilweise auch schon mit der Facharztprüfung dann gegeben. Das Problem ist: die bringen halt monetär nichts. Schilddüse 9,81 Euro; Abdomen 18,22. Da musst du dann schon Masse machen und die ist meist durch das Klientel nicht gegeben.
Bei mir gibt es immer zwei Überlegungen: was bringt in der Außenwirkung was ("Wow, die Doktorin schallt!") und was monetär (das kriegen die Patient*innen im besten Fall nicht mit, z.B. Geri-Assessment). Und daraus dann den Mix finden. Frage wäre ja auch: hast du einen adäquaten Nutzen aus deinen Sonos? Wenn ja, super. Wenn nein, ists nicht WANZ.

Wer steht denn bei euch im Hintergrund? Privater Investor oder anderer Träger?
Die Vergütung der sonographie erfolgt gedeckelt mit Bezug auf den Arztgruppendurchschnitt, d.h. wenn Du deutlich mehr schallst als die hausärztlichen Kollegen, werden die Überträge ganz einfach gestrichen.
Überdurchschnittliches Arbeiten ist für die KV ganz einfach nicht wirtschaftlich. Da spielen dann die Patientencharakteristika oder gar Indikationen im Einzelfall gar keine Rolle.

Man kann durch effizientes Abrechnen (selbstverständlich nur für erbrachte Leistungen, kein Abrechnungsbetrug!), zB über Geriatrie und Heimbetreuung, durchaus auch schlecht vergütete Dinge (Ultraschall, Zeit für Patientengespräche) querfinanzieren und dadurch mit einem gewissen Qualitätsstandard arbeiten.
Ob das in einem MVZ funktioniert, hängt vom Träger und dessen Intention ab. Nicht, wenn es denen um maximalen Ertrag geht...

Frisko
05.05.2026, 14:04
Naja, vor allem hast du im MVZ immer das Problem: es sind nur 40 Stunden in der Woche und bei 90 % eben Teilzeit.
Wir überlegen ja auch gerade hin und her, wie wir wirtschaftlicher werden können. Im Endeffekt schieben wir aber einfach Geld von A nach B. Sonografie wäre jetzt für die Vorhaltepauschale nice. Aber in der Zeit könnte man dann auch sechs Patienten akut behandeln. Und um 13:00 Uhr geht das Licht aus, weil die Kinder von der Kita/Schule/Großeltern geholt werden müssen.

Relaxometrie
05.05.2026, 23:46
Sonografie wäre jetzt für die Vorhaltepauschale nice. Aber in der Zeit könnte man dann auch sechs Patienten akut behandeln.
Wieviel Zeit habt Ihr denn für einen Akutpatienten eingeplant?
Wenn Ihr innerhalb der Zeit, die ein Ultraschall dauert (sagen wir 10-15 min für ein Sono Abdomen), sechs Akutpatienten behandelt, habt Ihr 2-3min/ Patient?

Frisko
07.05.2026, 14:01
In der Akutsprechstunde passt das. Je nach Kolleg*in. Geplant sind 5 Minuten, real sind es 2-3 Minuten. Vielleicht auch etwas übertrieben mit den 6. Es ist zumindest kein Plus-Geschäft, es sei denn, wir igeln die Hälfte der Untersuchungen.

Sh4dy21
07.05.2026, 18:58
In der Akutsprechstunde passt das. Je nach Kolleg*in. Geplant sind 5 Minuten, real sind es 2-3 Minuten. Vielleicht auch etwas übertrieben mit den 6. Es ist zumindest kein Plus-Geschäft, es sei denn, wir igeln die Hälfte der Untersuchungen.

Echt wild. Wie viele Scheine macht ihr denn im Quartal, bei welchem Scheinwert? hattest ja im anderen Theared berichtet wie schlecht es so läuft. Machen Sonos nach Gusto, Labor auch ohne Einschränkung und akut Termine auch locker 10 min. Sind zu zweit mit dem Chef, ich als wba. Klar ist es so nicht ganz vergleichbar, da in dem Sinne kein zusätzlicher wirtschaftlicher Druck entsteht, sondern ich eher als Entlastung für den Chef fungiere. Als ich die bwa gesehen, kommt da mehr als bei so manchem Chefarzt rum, obwohl die Praxis so gesehen nicht wirtschaftlich optimiert geführt wird.

Sealwolf
07.05.2026, 22:19
Echt wild. Wie viele Scheine macht ihr denn im Quartal, bei welchem Scheinwert? hattest ja im anderen Theared berichtet wie schlecht es so läuft. Machen Sonos nach Gusto, Labor auch ohne Einschränkung und akut Termine auch locker 10 min. Sind zu zweit mit dem Chef, ich als wba. Klar ist es so nicht ganz vergleichbar, da in dem Sinne kein zusätzlicher wirtschaftlicher Druck entsteht, sondern ich eher als Entlastung für den Chef fungiere. Als ich die bwa gesehen, kommt da mehr als bei so manchem Chefarzt rum, obwohl die Praxis so gesehen nicht wirtschaftlich optimiert geführt wird.

Allerdings wird Dein Chef ja die Förderung für Dich bekommen, damit entfallen (je nach Gehalt) Deine Lohnkosten. Das ist durchaus ein Geschäftsmodell; mit 2 WBAs (in gut nachgefragter Innenstadtlage einer Unistadt..) lässt sich so schon eine Praxis sehr effizient betreiben.

Sealwolf
07.05.2026, 22:21
Ein wesentlicher Punkt ist glaube ich wirklich die tatsächliche Arbeitszeit. Ich bin z.B. mit 30 Stunden in Teilzeit. Zwar ist bei mir Arbeitszeit=Sprechstunde, ich sehe aber auch nicht ein, wesentlich länger in der Praxis zu bleiben. Wenn man dann liest, dass statistisch viele Niedergelassene 40,50,60 Stunden und mehr arbeiten, wundern mich die höheren Umsätze nicht.

Sealwolf
07.05.2026, 22:25
In der Akutsprechstunde passt das. Je nach Kolleg*in. Geplant sind 5 Minuten, real sind es 2-3 Minuten. Vielleicht auch etwas übertrieben mit den 6. Es ist zumindest kein Plus-Geschäft, es sei denn, wir igeln die Hälfte der Untersuchungen.

Ich glaub ich hab erschwerend spezielles Patientengut.. in 3 Minuten hat mein Standard-Patient gerade mal den Rollator geparkt und Platz genommen. Um dann in den nächsten 3 Minuten seinen mitgebrachten Fragenkatalog herauszufummeln. Akutsprechstunde kann ja dann eigentlich nur heissen: AU, der nächste bitte..?

Frisko
08.05.2026, 07:43
Total abhängig vom Kolleg*in. Ich bin im Quartal zwischen 1000 und 1300 Scheinen unterwegs und der einzige in Vollzeit mit mittlerweile etwa 32 Stunden Sprechstunde. Die anderen eben entsprechend. Aber wir haben zu wenig Patienten.

Wir haben erst vor ca. einem Jahr eine Terminsprechstunde eingeführt und es ist echt wie auf einem Tanker. Den Steuerradanschlag spürst du erst 12 Monate später. Wir haben eine Stunde morgens akut, dann nur noch Termin, die sind jeweils mit 15 Minuten geblockt. Da gehen wir jetzt ran, weil die teilweise einfach zu lang sind. Heißt, ich fange ab Juni mal mit 10 Minuten Terminen an und schau mal, wie das läuft.

Der Scheinwert ist beschissen. Hab gerade mal meine Zahlen für das letzte Quartal bekommen, da lag ich bei 46,56 Euro. Aber bei mir ist halt auch am meisten Verdünnung, weil ich immer da bin und somit die meisten Akuten abfange. Und für die kriegst du dann ja nur die Ordi und mit viel Atmen die 03220.

Uns fehlt, wie gesagt, das erfahrene Alpha-Tier. Und was wir leider gar nicht kontrollieren können, weil Entscheidung von Gesellschaft und Geschäftsführung, sind die Ausgaben. Alleine unsere Geschäftsführung liegt bei ca. 150.000 im Jahr und macht letztlich Controlling.

Akutsprechstunde soll genauso sein, wie du beschreibst. Aber wird natürlich anlassbezogen dann auch ausgeweitet. Wer mehr braucht, kriegt mehr.

Sealwolf
08.05.2026, 13:50
Der Scheinwert ist beschissen. Hab gerade mal meine Zahlen für das letzte Quartal bekommen, da lag ich bei 46,56 Euro. Aber bei mir ist halt auch am meisten Verdünnung, weil ich immer da bin und somit die meisten Akuten abfange. Und für die kriegst du dann ja nur die Ordi und mit viel Atmen die 03220.



Das macht Ihr vll. schon, aber ich kann die Geri-Ziffern (minimum Barthel, timed-upn-go) und die psychosom. Grundversorgung empfehlen. Und nicht die 01648, 01740 und 01480 liegen lassen - Kleinvieh macht auch Mist.
Vorsicht mit der 03230: Wenn man das zu viel ziffert, kann es eine Prüfung geben; ich schreib immer zumindest die Gesprächsdauer in Minuten dazu. Long-Covid-Betreuung hat auch ne eigene Ziffer mittlerweile; das sind bei uns locker 10 Pat, alles Stammkunden.

Sealwolf
08.05.2026, 13:55
Wieviel Wochenstunden hast Du? Bei mir ist Sprechzeit = Arbeitszeit, Anträge und Doku zwischendurch.

Sh4dy21
08.05.2026, 15:04
Das macht Ihr vll. schon, aber ich kann die Geri-Ziffern (minimum Barthel, timed-upn-go) und die psychosom. Grundversorgung empfehlen. Und nicht die 01648, 01740 und 01480 liegen lassen - Kleinvieh macht auch Mist.
Vorsicht mit der 03230: Wenn man das zu viel ziffert, kann es eine Prüfung geben; ich schreib immer zumindest die Gesprächsdauer in Minuten dazu. Long-Covid-Betreuung hat auch ne eigene Ziffer mittlerweile; das sind bei uns locker 10 Pat, alles Stammkunden.

Proaktiv check ups auch machen, es müssen nicht alle Leistungen an einem Termin erbracht werden. Ggf hatte der pat schon entsprechendes labor, rest nacherheben. Wie der Kollege schon sagt, im Rahmen des Check-ups an Organspende und kolo denken

Sh4dy21
08.05.2026, 16:58
Total abhängig vom Kolleg*in. Ich bin im Quartal zwischen 1000 und 1300 Scheinen unterwegs und der einzige in Vollzeit mit mittlerweile etwa 32 Stunden Sprechstunde. Die anderen eben entsprechend. Aber wir haben zu wenig Patienten.

Wir haben erst vor ca. einem Jahr eine Terminsprechstunde eingeführt und es ist echt wie auf einem Tanker. Den Steuerradanschlag spürst du erst 12 Monate später. Wir haben eine Stunde morgens akut, dann nur noch Termin, die sind jeweils mit 15 Minuten geblockt. Da gehen wir jetzt ran, weil die teilweise einfach zu lang sind. Heißt, ich fange ab Juni mal mit 10 Minuten Terminen an und schau mal, wie das läuft.

Der Scheinwert ist beschissen. Hab gerade mal meine Zahlen für das letzte Quartal bekommen, da lag ich bei 46,56 Euro. Aber bei mir ist halt auch am meisten Verdünnung, weil ich immer da bin und somit die meisten Akuten abfange. Und für die kriegst du dann ja nur die Ordi und mit viel Atmen die 03220.

Uns fehlt, wie gesagt, das erfahrene Alpha-Tier. Und was wir leider gar nicht kontrollieren können, weil Entscheidung von Gesellschaft und Geschäftsführung, sind die Ausgaben. Alleine unsere Geschäftsführung liegt bei ca. 150.000 im Jahr und macht letztlich Controlling.

Akutsprechstunde soll genauso sein, wie du beschreibst. Aber wird natürlich anlassbezogen dann auch ausgeweitet. Wer mehr braucht, kriegt mehr.


Und ein Unding , dass irgendein Geschäftsführer wahrscheinlich ohne viel Ahnung und Verantwortung mehr verdient als der ärztliche Leiter.