Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : WBA Allgemeinmedizin. Worauf achten bei Praxiswahl.
Liebe Community,
die Frage steht eigentlich oben. Hab mir bis jetzt zwei Praxen angeschaut:
Praxis 1 ist eigentlich gut aufgestellt, viel Diagnostik, mehrere FachärztInnen, eigenes Zimmer, nettes Team, aber Öffnungszeiten von 7-18 Uhr durchgehend und in dieser Zeit macht man wohl auch dann durchgehend Sprechstunde im 10min Takt. Das finde ich hart, oder ist das normal? Es gibt zwar theoretisch eine Stunde Mittagspause, aber ich vermute, dass dieses oft nicht stattfinden wird, weil sich die Vormittagstermine in die Länge ziehen.
Praxis 2: MVZ, ebenfalls viel Diagnostik möglich und mehrere FachärztInnen, normale Öffnungszeiten, also mit Schließzeiten mittags an den langen Tagen, aber kein eigenes Zimmer. Da gab es wohl vorher schon WBAs und es hat auch geklappt, aber ich fürchte, dass man dann ständig irgendwo wartet, weil man keinen Arbeitsplatz hat.
Ich tendiere gerade zum Weitersuchen, oder will ich zu viel? Worauf sollte man bei der Wahl der Praxis noch achten, bzw welche Dinge klären? Wie sind eure Erfahrungen mit kleinen Praxen z.B. nur 1 oder 2 ÄrzrInnen? Ich fokussieren gerade auf Diagnostik, Anzahl FachärztInnen, eigenes Zimmer, Öffnungszeiten, Arbeitsklima in der Praxis (soweit man das beurteilen kann).
Und Gehalt? Bei einer Praxis wurde nichts dazu gesagt. Eine sagte, sie würden die Förderung aufstocken. Im ersten Jahr um ca 200€ und im zweiten etwas mehr. (Werde bis dahin nur ca 6 Monate Erfahrung Innere haben. Muss aber aus familienorganisatorischen Gründen dann erst mal ambulant arbeiten, weil Mann öfter auf längere Dienstreisen muss).
Danke schonmal für eure Erfahrungen:)
Ich bin keine Allgemeinmedizinerin und kann daher nicht mit eigenen Erfahrungen helfen, aber die Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) hat eine Checkliste veröffentlicht mit wichtigen Punkten für die Praxiswahl: https://www.jungeallgemeinmedizin.de/news/nur-wer-sein-ziel-kennt-findet-den-weg-laotse-6-jhd-v-chr.html?file=files/inhalte/Dateien/Sonstiges/JADE-Checkliste.pdf&cid=7088
Vielleicht hilft dir das ein bisschen!
Zu der ersten Praxis: Arbeitest du dann nur vier Tage die Woche? Selbst mit einer Stunde Mittagspause sind das bei 7-18 Uhr ja deutlich mehr als acht Stunden am Tag. Wann soll Papierkram erledigt werden?!
Ich würde nach Möglichkeit auch fragen, ob ich Kontaktdaten von ehemaligen WBA bekommen kann, da kriegt man dann ja doch oft ein realistischeres Bild.
Alles Gute für die Stellensuche!
Danke für den Tip! Die Checkliste ist super.
Die langen Öffnungszeiten gibt es an drei Tagen und an zwei Tagen kurze Öffnungszeiten. Aber wenn man an den langen Tagen 10 Stunden arbeitet (ich glaube, man muss nicht 7-18h arbeiten, sondern 8-18 oder 7-17h) und an den kurzen je 5 und diese Zeiten komplett mit Sprechstunden voll sind, hat man ja keine Zeit für den Papierkram...Eine Ehemalige/n ausfindig machen, ist eine gute Idee. Das würde bestimmt helfen.
pashtunwali
26.06.2026, 18:51
Kein eigenes Arbeitszimmer klingt schrecklich?! das ist ja wohl das a und o für Befundbesprechung etc ...
Ich bin auch kein Allgemeinmediziner. Mich würde das erste mehr Ansprechen nach Deiner Beschreibung. Zu klären wäre, wieviele Stunden Du pro Woche leisten musst und wie sich diese verteilen. Bei den geschilderten Praxiszeiten gehe ich davon aus, dass die Kollegen sich aufteilen, um alles abzudecken.
denkstdu
29.06.2026, 19:28
Also ich persönlich finde es nicht schlimm, wenn man kein festes eigenenes Zimmer hat. Das hatte ich in meiner Weiterbildungspraxis auch nicht immer. Ich war immer in dem Raum, in dem der eigentliche Hauptarzt an dem Tag nicht tätig war. Man kann sich zwar so nicht heimelich einrichten aber das ist ja auch nicht der Sinn der Weiterbildung.
Wir haben einen Tag auch durchgehend auf und machen dann gestaffelt Mittagspause und die wird auch fest genommen, da schauen bei uns schon die MFAs drauf. Mittlerweile bin ich für kürzere Mittagsschließzeiten und dafür dann Nachmittags nicht so lange und den Schriftkram dann danach machen. Aber das jedem das Seine. Ich habe beide durchgemacht, es hat Vor und Nachteile.
Jetzt bin ich angestellt als FÄ in Teilzeit und habe auch jetzt kein eigenes Zimmer, in meinen Zimmer werden EKGs auch gemacht oder ein komplitzierter Verbandswechsel vom Kollegen, da muss man halt mal warten, und schaltet kurz bei einem Kaffee ab.
Hallo! Danke für die Antworten. Also, kein festes Zimmer finde ich auch nicht schlimm, aber wenn es mehr Ärzte als Zimmer gibt und auch alle gleichzeitig da sind, habe ich die Befürchtung, dass man vielleicht manchmal sehr lange warten muss bis man irgendwo arbeiten kann. Aber das ist sicher auch eine Frage der Praxisorganisation.
Die durchgehenden Öffnungszeiten finde ich auch nicht grundsätzlich schlimm, aber wenn ich es nicht falsch verstanden habe, ist es so gedacht, dass man auch durchgeben Sprechstunden anbietet. Aber vielleicht muss ich nochmal nachfragen. Irgendwann muss man ja dokumentieren und Briefe lesen....
Immerweiter90
04.07.2026, 05:50
Mit dem Zimmer ist nicht schlimm. Dann machst du irgendwo Papierkram, oder gehst du entspannt auf einen Hausbesuch oder bleibst du bei einem Facharzt im Zimmer und schaust wie er arbeitet. Nicht vergessen, Urlaub, krank, die Zimmer werden immer wieder frei sein
HeleneeneleH
05.07.2026, 07:56
Also ich war schon WBA in einer Praxis, in der ich auch teilweise keinen Zugang zu einem Sprechstundenzimmer hatte und das hat echt genervt.
Es muss ja kein eigenes Zimmer sein, aber es sollte schon immer ein geeignetes Zimmer für einen frei sein.
Ich stand dann teilweise einfach rum, meine Liste wurde immer länger und ich konnte nix abarbeiten. Zu den anderen Ärzten ins Zimmer und zuhören? Wäre komisch gewesen .. find ich.
Dokumentation ? Dafür braucht man ein PC in einem Zimmer ..
Ich habe mir dann tatsächlich manchmal das Laborzimmer oder EKG Zimmet genommen, für Infekte ok, aber ein Krebs-Erstdiagnose Gespräch in so einem Setting ? Find ich uncool.
Sonstige Tipps:
Arbeitszeiten genau erfragen. Hausbesuch-Pensum erfragen.(!!!!)
Supervisionsplan erfragen.
Moin!
Geht eventuell beides? Ich hab sehr lange in EINER Praxis meiner Weiterbildung gemacht. War schon sehr gut aber eben irgendwann auch einseitig. Hätte mir im Nachgang gewünscht, trotz tollem Team auch noch eine andere Praxis kennenzulernen. Und gerade MVZ und Praxis kennenzulernen wäre ja super für den weiteren Weg.
Menge an Diagnostik finde ich gar nicht so wichtig. Ist nice to have aber in den ersten Jahren so medium wichtig und danach sucht sich eh jede*r sein Steckenpferdchen.
Kein eigenes Zimmer kann Fluch und Segen sein. Fluch insofern als das du als WBA freie Slots haben wirst. Und dann ist immer doof, irgendwo dazu zu gehen. Andererseits will man nun auch nicht immer bei jemandem auf dem Schoß sitzen
Danke für eure Antworten. Also mit "eigenem Zimmer" meinte ich nicht ein festes Zimmer, das immer mein Arbeitszimmer ist, sondern einfach, dass es mindestens so viele Behandlungsräume wie Ärzte gibt. Das ist in einer Praxis nicht der Fall. Manchmal sind nicht alle ÄrztInnen da, dann ist es kein Problem, aber wenn alle gleichzeitig arbeiten, ist es schon schwierig. Da war der Vorschlag, dass ich Hausbesuche mache, aber ich kann ja auch nicht an 3 Tagen die Woche nur Hausbesuche machen...
Aber die Idee, einfach verschiedene Praxen auszuprobieren, ist vielleicht gar nicht schlecht :) Ich versuche nur diesmal besser auszuwählen als bei meiner aktuellen Stelle in der Klink. Man hat mir so viel erzählt und nichts davon ist wahr. Das nächste mal will ich besser aussuchen.
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