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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Betriebsbedingte Kündigung MVZ



Sealwolf
18.09.2026, 11:29
Hallo liebe Foristen,

ich bin angestellter Arzt in einem MVZ, welches verschiedene Fachgebiete vereint. Letzte Woche wurde ich zum Gespräch gebeten: Das neue Gesetz schlägt im Wirtschaftsplan so negativ zu Buche, dass man sich gezwungen sieht, "mein" Fachgebiet zum Jahresende zu schließen. Man hat mir Bedenkzeit gegeben, wie ich mir das Vertragsende vorstelle; im Wesentlichen gäbe es den Aufhebungsvertrag oder eine betriebsbedingte Kündigung. Ich glaube mich in dem Gebiet (leider) relativ gut auszukennen, da ich sowas öfter bei meinen Patienten mitbegleitet habe; am ehesten tendiere ich zur betriebsbedingten Kündigung, darin kann eine Klauses aufgenommen werden, dass einem eine (gesetzlich normierte) Abfindung zusteht, wenn man nicht klagt. Das wäre ALG1-neutral und man spart sich halt den Anwalt (und das Risiko/Ärger etc. einer Schutzklage). Ich weiß bloss nicht, wie "fair" die Standard-Abfindung (halbes Monatsgehalt pro JAhr im Laden) ist und ob sich doch ein Anwalt lohnen könnte.

Ich steht seit letzter Woche etwas unter Schock (als die mir das gesagt haben, stand ich neben mir und hab mich gefühlt als hätte ich eine Krebsdiagnose bekommen...). Vielleicht gibt es zu dem Thema von Euch Tipps/Erfahrungen? Klar, keine Rechtsberatung, keine Kristallkugel, ich weiss.. einfach von Kollege zu Kollege.

Danke für Eure Hilfe und schönes Wochenende schonmal!
S.

rafiki
18.09.2026, 13:21
Hallo Sealwolf,
sachlich kann ich leider nichts beitragen. Aber es tut mir leid und ich kann den Schock nachvollziehen.

Jetzt geht es langsam los.......Darf ich fragen, welches Gebiet du vertrittst?

Gruß, rafiki

Feuerblick
18.09.2026, 13:41
Ich würde mir lieber einen Anwalt nehmen. Halbes Monatsgehalt pro Jahr der Zugehörigkeit erscheint mir schon etwas wenig.

Sealwolf
18.09.2026, 14:43
Hallo,
ich bin dort der Allgemeinmediziner.. leider habe ich halt keine großen Geräte oder Eingriffe, sondern im Wesentlichen Gespräche, und die bringen nicht genug ein.. Ja fühlt sich absurd an, denn die "Kunden" stehen ja Schlange.
Vll. mach ich mal eine Erstberatung. Mir fehlt halt die Info aus der "Praxis", wo man Abfindungsmäßig in ungefähr landen sollte; den Anwalt zahlt man vor dem Arbeitsgereicht leider selber, auch wenn man gewinnt. wären ca. 3.5k.
Ja, Ihr habt recht: Es geht los, die Geier kreisen schon ;-)

Frisko
21.09.2026, 08:16
Oh Mann...

Privat geführtes MVZ?

Ich hab auch echt Schiss vor diesen Schritten. Wenn man sich unseren Laden betriebswirtschaftlich anguckt, müssten wahrscheinlich auch mindestens zwei Leute gehen. "Zum Glück" sind wir kommunal, was bedeutet, wir würden dann durch die Stadt gefeuert und diese wäre direkt verantwortlich für den Weggang von zwei Leuten. Was politisch nicht so richtig leicht zu vermitteln wäre. Aber ich wüsste danach auch wirklich nicht, wo es für mich dann hingeht. Eine Niederlassung wird mit der aktuellen Politik ja immer unattraktiver.

Sealwolf
21.09.2026, 11:20
Oh Mann...

Privat geführtes MVZ?



Nein, Tochter-GmbH eines Klinikums. Das schlägt auch hier große Wellen, kann man sich ja vorstellen (650 Pat kommen auf einen sowieso angespannten Markt); war den Bossen aber dann egal. Ausbaden müssen es wohl vor Allem die armen MFAs...

Sealwolf
21.09.2026, 11:21
Ich hab grad auch Lust, einfach mal was anderes zu machen, bin ganz offen. Oder man macht eine kleine feine Privatpraxis auf.

Heerestorte
21.09.2026, 12:10
Ich hab grad auch Lust, einfach mal was anderes zu machen, bin ganz offen. Oder man macht eine kleine feine Privatpraxis auf.

Wo kommst du denn her? Für mal eine Zeit lang so richtig entspannen, könntest du als zivil angestellter Musterungsarzt für die Bundeswehr arbeiten eine Zeit lang. Leicht verdientes Geld äquivalent zu Besoldungsstufe A15. Oder für zwei Jahre mit Uniform Hausarzt in einer Kaserne oder Vertragsarzt, wobei das momentan eher schwierig ist bei der Haushaltssituation. Gerne mehr per PN.

Tweety8008
21.09.2026, 13:57
Ich arbeite im Pharmakonzern mit Betriebsrat. In der Regel haben wir bei Umstrukturierungen (und ich habe einige mitbekommen die letzten Jahre durch den ganzen Müll des Gesundheitssystems):

- unter 45: so 0,7-0,8 Monatsgehälter je Jahr Betriebszugehörigkeit
- ab 45: 1 Monatsgehalt je Jahr Betriebszugehörigkeit
+ natürlich Kündigungsfrist von 3 oder 6 Monaten respektieren
+ AG-Beiträge für KV/RV/AV für die Zeit
+ Handgeld, wenn man schnell unterschreibt
+ Handgeld bei Kindern
+ ggf. sonstige Klauseln bei Behinderung oder behinderten Kindern (wobei hier Kündigung quasi unmöglich wird)

Alles Verhandlungssache, bei größeren Beträgen unbedingt mit Anwalt für Arbeitsrecht.

Sealwolf
22.09.2026, 10:37
Danke für die Rückmeldungen bisher.. dann werde ich mich um eine Erstberatung bemühen. Dachte halt, ich halte den Ball möglichst flach, will das auch abhaken. Aber natürlich kann man dann wohl große Fehler machen (oder sich über den Tisch ziehen lassen...).